SCHRIFTSTUDIEN
BAND
2 - DIE
ZEIT IST HERBEIGEKOMMEN
Studie 9
Der
Mensch der Sünde - der Antichrist.
Der
Antichrist muss vor dem Tag des Herrn entstehen, offenbart und gestürzt
werden. — Eine
gegenteilige Ansicht über diesen Gegenstand betrachtet. —
Prophetische
Schilderung desselben. — Die
Geburt des Antichristen. — Seine
rasche Entwicklung. — Übereinstimmung
des geschichtlichen Bildes und der biblischen Beschreibung desselben. —
Sein
Reich eine fälschende Nachahmung. —
Sein
auffälliges Haupt und merkwürdiger Mund. —
Seine
hochklingenden und schwülstigen Worte der Gotteslästerung. —
Seine
gotteslästerliche Lehre. —
Das
Aufreiben der Heiligen des Allerhöchsten durch ihn. —
Seine
tausendjährige Herrschaft. —
Der
Antichrist durch das Schwert des Geistes geschlagen. —
Sein
letzter Kampf und Untergang.
„Lasst
euch von niemandem auf irgendeine Weise verführen, denn dieser Tag kommt
nicht, es sei denn, dass zuerst der Abfall komme und geoffenbart worden
sei der Mensch der Sünde, der Sohn des Verderbens.“ - 2. Thess. 2:3
Im
Hinblick auf die angeführten Worte des Apostels Paulus, dass ein
Charakter, den er als „Mensch der Sünde“ bezeichnet, dem zukünftigen
Tag des Herrn (welcher, wie wir bewiesen haben, bereits anzubrechen
begonnen hat) vorhergehen muss, ist es von Wichtigkeit, dass wir uns
umsehen, ob ein solcher je erschienen ist. Denn ist ein derartiger
Charakter (eine Persönlichkeit), wie Paulus und die anderen Apostel ihn
so sorgfältig beschreiben, noch nicht gekommen, so müssen diese Worte
des Apostel Paulus als bestimmtes Nein auf die Frage betrachtet werden, ob
der Herr jetzt gegenwärtig sei und sein Reich aufrichte; und bis der „Mensch
der Sünde“ in jedem Punkt mit der Vorhersagung desselben übereinstimmend
erschienen ist, müsste dieses Nein als unwiderlegbares Argument bestehen
bleiben.
Deutlich
wird uns berichtet, dass dieser Mensch der Sünde nicht nur zuerst
entstehen muss, sondern auch, dass er sich entwickeln und gedeihen muss,
bevor der Tag des Herrn kommt. Noch vor dem Tag des Herrn würde sein
Gedeihen und sein Einfluss den Höhepunkt erreicht haben und beides wieder
im Abnehmen begriffen sein; und durch den hellen Schein der Gegenwart des
Herrn bei seiner Wiederkunft soll es geschehen, dass dieser Mensch der Sünde
gänzlich vernichtet wird. Diese vorherverkündeten Umstände müssen wir
beachten, um erkennen zu können, ob die Ermahnung des Apostel Paulus an
die damalige Kirche auch noch in unserer Zeit anwendbar ist. Jetzt nach
achtzehn Jahrhunderten wird abermals der Anspruch erhoben, dass der Tag
Christi gekommen sei, und es entsteht die wichtige Frage: Besteht
irgendetwas, das Paulus damals sagte, um den Irrtum der Thessalonicher zu
berichtigen, auch jetzt noch als Einwand gegen diese Behauptung zurecht?
Der
Apostel ermahnte die Kirche, die Wiederkunft des Herrn sehnsüchtig zu
erwarten und auf das „feste prophetische Wort“ zu merken. Aus dieser
Ermahnung und aus seiner Sorgfalt, die Zeichen der Gegenwart Christi und
die Eigenart seines Werkes zu jener Zeit hervorzuheben usw., geht
augenscheinlich hervor, dass er ebenso besorgt war, die Kirche möchte die
Gegenwart des Herrn, wenn er gekommen sei, nicht erkennen als auch, dass
sie vor der Zeit seiner Gegenwart in den Irrtum verführt werden möchte,
er wäre schon gekommen. Wer am Anfang dieses Zeitalters dem letzteren
Irrtum anheimfiel, wurde damit dem Betrug des schon damals in Wirksamkeit
begriffenen antichristlichen Grundsatzes (die Kirche sei die sichtbare
Einrichtung des Heils für die Welt in diesem Zeitalter und habe darum ein
Anrecht auf die Herrschaft der Welt) ausgesetzt. Wer dagegen jetzt den Tag
des Herrn und seine Gegenwart zur rechten Zeit zu erkennen verfehlt, ist
damit der sich fortsetzenden Täuschung und falschen Lehre des
Antichristen preisgegeben (dass das Reich Gottes in der irdischen
Organisation der Sekten schon vorhanden sei) und wird hierdurch gegen die
großen Wahrheiten und besonderen Vorrechte dieses Tages verblendet. Daher
des Apostels Besorgnis um die Kirche an beiden Enden des Zeitalters und
seine Warnung: „Lasst euch von niemandem auf irgendeine Weise verführen!“
Daher auch die genaue Beschreibung des Menschen der Sünde, damit er zu
seiner Zeit erkannt werden könne.
Während
die Kirche an diesem Ende des Zeitalters geneigt ist, selbst die Verheißungen
des Herrn von des Herrn Wiederkunft zu vergessen, und, wenn sie sich daran
erinnert, derselben mit Schrecken zu gedenken, hat die frühere Kirche
begierig und mit freudiger Erwartung danach ausgeschaut. Sie sah in ihr
die Frucht all ihrer Hoffnungen, den Lohn all ihrer Treue und das Ende all
ihres Kummers. Mithin war die frühere Kirche bereit, willig auf
irgendwelche Lehre zu hören, die den Tag des Herrn entweder sehr nahe
oder als schon gegenwärtig darstellte, und demgemäss war sie in diesem
Punkt in Gefahr, verführt zu werden, es sei denn, dass sie die
apostolische Lehre über diesen Gegenstand sorgfältig beherzigte.
Die
Kirche zu Thessalonich, beeinflusst durch die irrtümliche Lehre etlicher,
der Herr sei wiedergekommen, und sie hätten seinen Tag erlebt, glaubte
offenbar, diese Idee harmoniere mit der Lehre des Apostel Paulus in seinem
ersten Briefe an sie (1. Thess. 5:1-5), dass des Herrn Tag still und
unbemerkt heranschleichen würde, wie ein Dieb in der Nacht, dass aber in
betreff desselben die Heiligen nicht im Finstern sein würden, obwohl
andere sich unversehens darin befänden. Von diesem schädlichen Irrtum hörend,
schrieb Paulus seinen zweiten Brief, dessen Hauptgedanke der war, den
Irrtum, in den sie gefallen waren, zu berichtigen. Er sagt: „Wir bitten
euch, Brüder, um der Ankunft unseres Herrn Jesu willen (in betreff
derselben) und unseres Versammeltwerdens zu ihm, dass ihr nicht schnell
erschüttert werdet in der Gesinnung, noch erschreckt, weder durch Geist,
noch durch Wort, noch durch Brief als durch uns, als ob der Tag des Herrn
(enestemi) da wäre. Lasst euch von niemand auf irgendeine Weise verführen,
denn dieser Tag kommt nicht, es sei denn, dass zuerst der Abfall komme und
geoffenbart worden sei der Mensch der Sünde, der Sohn des Verderbens,
welcher widersteht und sich selbst erhöht über alles, was Gott (mächtiger
Herrscher) heißt, oder ein Gegenstand der Verehrung ist, so dass er sich
in den Tempel Gottes setzt und sich selbst darstellt, dass er Gott sei.
Erinnert ihr euch nicht, dass ich dieses zu euch sagte, als ich noch bei
euch war? Und jetzt wisst ihr, was zurückhält, (auf) dass er (Christus)
zu seiner (bestimmten) Zeit geoffenbart werde. Denn schon ist das
Geheimnis der Gesetzlosigkeit (gegen Christus) wirksam; nur ist jetzt der,
welcher zurückhält, bis er aus dem Wege ist, und dann wird der
Gesetzlose geoffenbart werden, den der Herr Jesus verzehren wird durch den
Hauch seines Mundes und vernichten durch die Erscheinung seiner Ankunft (parusia
- Gegenwart).“ Paulus konnte mit solcher Gewissheit von dem
Offenbarwerden des Menschen der Sünde vor dem Tag des Herrn schreiben,
weil er Daniels Weissagung studiert hatte, auf die auch unser Herr Bezug
nimmt (Matth. 24:15), und wahrscheinlich auch, weil ihm selber in seinen
Gesichten und Offenbarungen der große Schaden gezeigt wurde, den dieser
Mensch der Sünde in der Kirche anrichten würde.
Man
beachte: Paulus gebraucht keine Argumente, wie man heute anzuwenden
geneigt sein würde, gegen die Behauptung, dass der Tag des Herrn begonnen
habe. Er sagt nicht: O, ihr törichten Thessalonicher, wisset ihr nicht,
dass, wenn Christus kommt, eure Augen ihn sehen und eure Ohren den
erschreckenden Schall der Posaune Gottes hören werden, und dass sie
ferner an den sich wankenden Grabsteinen und an den hervorgehenden
Heiligen handgreiflichen Beweis haben würden. Ist es nicht
augenscheinlich, dass, wenn das ein richtiger Schluss gewesen wäre,
Paulus ein so einfaches und leicht fassliches Argument gar schnell benutzt
haben würde? Noch mehr, ist nicht die Tatsache, dass er dieses Argument
nicht gebrauchte, ein Beweis, dass es nicht auf Wahrheit beruht, noch
beruhen kann?
Aus
der Tatsache, dass Paulus in seiner energischen Weise, den Irrtum zu
berichtigen, nur den einen Einwand gegen ihre Behauptung erhob, geht
offenbar hervor, dass er ihre Gedanken über den Tag des Herrn im
allgemeinen guthieß - dass derselbe nämlich angefangen haben könne, während
viele nicht darum wussten; dass er kommen könne, ohne dass man es an äußerlichen
Zeichen merke. Der alleinige Grund seines Einwandes war der, dass zuerst
der Abfall kommen müsse, und infolge des Abfalls die Entstehung des
Menschen der Sünde, welcher, was derselbe auch sein möge (ob eine
einzelne Person oder ein großes antichristliches System, das er so
personifizierte), vor dem Tag des Herrn erst aufkommen, gedeihen und zu
verfallen anfangen müsse. Wenn also dieser einzige Einwand, den Paulus
erhob, nicht mehr im Wege steht; wenn wir einen Charakter finden, der in
allen Stücken der prophetischen Beschreibung vom Menschen der Sünde
entspricht und vom Anfang seines Daseins an bis auf unsere Zeit wirklich
bestanden hat, dann des Paulus einziger Einwand - obwohl in seinen Tagen
am Platz - nicht länger ein triftiger Grund gegen die jetzt aufgestellte
Behauptung, dass wir am Tag des Herrn leben, im Tag seiner Gegenwart.
Weiter, wenn der Mensch der Sünde leicht erkannt werden kann; wenn seine
Entstehung, Entwicklung und Verfall deutlich zu sehen ist, dann wird diese
Tatsache ein neuer bestätigender Beweis für die Lehre des vorstehenden
Kapitels, welches zeigt, dass wir jetzt im Tage des Herrn sind.
Prophetische
Schilderung desselben
Wer
die Prophetie studiert, wird finden, dass der Mensch der Sünde die ganze
Heilige Schrift hindurch deutlich bemerkbar gemacht wird, nicht nur durch
eine klare Beschreibung seines Wesens, sondern auch dadurch, dass Zeit und
Ort seines Entstehens, Gedeihens und Verfalls gezeigt werden.
Dieser
Charakter wird in eben den Namen, die ihm von den inspirierten Schreibern
beigelegt werden, sehr nachdrücklich geschildert. Paulus nennt ihn den
Ruchlosen, den Menschen der Gesetzlosigkeit, das Geheimnis der Bosheit,
Antichrist, Sohn des Verderbens. Daniel heißt ihn - verwüstenden Greuel
(Dan. 11:31; 12:11), und unser Heiland bezieht sich auf denselben
Charakter als - Greuel der Verwüstung, von dem durch den Propheten Daniel
gesprochen ist (Matth. 24:15), und abermals als ein Tier. (Offb. 13:1-8)
Derselbe Charakter ist durch ein kleines Horn, das bedeutet Macht,
versinnbildlicht, aus einem greulichen Tier hervorkommend, welches Daniel
in einer prophetischen Vision sah, das Augen hatte und ein Maul, das große
Dinge redete, und welches zunahm und mit den Heiligen Krieg führte und
sie überwältigte. (Dan. 7:8, 21) Auch Johannes sah diesen Charakter und
warnte die Kirche davor, indem er sagte: „Ihr habt gehört, dass der
Antichrist kommt.“ (1. Joh. 2:18-27) Auch das Buch der Offenbarung ist
zum größeren Teil eine eingehende diesen Antichristen betreffende
symbolische Prophezeiung, auf die wir hier nur einen Blick werfen, da wir
die ausführliche Untersuchung derselben für einen späteren Band
aufheben. Alle diese verschiedenen Bemerkungen und kurzen Beschreibungen
zeigen einen niederen, listigen, heuchlerischen, trügerischen,
tyrannischen Charakter an, der sich inmitten der christlichen Kirche
entwickelte; ganz allmählich sich einschleichend, dann aber rasch zu
Macht und Einfluss sich emporschwingend, bis er den Gipfel irdischer Macht,
Reichtums und Ehre erreicht hat - mittlerweile seinen Einfluss gegen die
Heiligen und für seine eigene Vergrößerung geltend machend, und bis
zuletzt besondere von Gott verliehene Heiligkeit, Autorität und Macht
beanspruchend.
In
diesem Kapitel beabsichtigen wir zu zeigen, dass dieser Mensch der Sünde
ein System und nicht eine Einzelperson ist, wie viele zu folgern scheinen;
dass, wie der Christus aus dem wahren Herrn und der wahren Kirche besteht,
so der Antichrist als Trugsystem aus dem falschen Herrn und der abtrünnigen
Kirche besteht, welchem System eine Zeitlang zugelassen wird, die Wahrheit
zu verdrehen und Betrug zu üben, die Autorität und Herrschaft des wahren
Herrn und seiner Kirche nachzuäffen und die Nationen mit seinen falschen
Ansprüchen und Anmaßungen trunken zu machen.
Wir
hoffen zur Zufriedenheit jedes gewissenhaften Lesers beweisen zu können,
dass dieser große Abfall, den Paulus erwähnt, gekommen ist, und dass
dieser Mensch der Sünde enthüllt worden ist, dass er im Tempel Gottes (dem
wirklichen, nicht vorbildlichen) gesessen hat, dass die sein Wesen und
Wirken betreffenden Weissagungen der Apostel und Propheten erfüllt worden
sind, dass er geoffenbart worden ist und nun seit dem Jahr 1799 durch den
Geist des Mundes des Herrn (durch die Wahrheit) verzehrt wird und während
des Tages des Zornes und der Offenbarung des Herrn mit Feuerflammen der
Vergeltung, die bereits im Anfang begriffen sind, gänzlich vernichtet
werden wird.
Ohne
den Wunsch zu hegen, die Meinung anderer leichthin zu behandeln, halten
wir es dessen ungeachtet für nötig, dem Leser einige Ungereimtheiten
aufzuzeigen, die gewöhnlich mit der Ansicht vom Tag des Herrn verbunden
sind, damit dadurch die Würde und das Vernunftvolle der Wahrheit über
diesen Gegenstand recht hervortrete, im Gegensatz zu der beschränkten
Ansicht, dass alles, was die Schrift über diesen Antichristen
vorhergesagt habe, durch einen buchstäblichen Menschen vollbracht würde.
Dieser Mensch - so wird behauptet - werde die Welt so bezaubern, dass er
sich in wenigen kurzen Jahren die Ehrfurcht und die Anbetung aller
Menschen sichern werde. So leicht würden dann alle zu täuschen sein,
dass sie diesen Menschen für Gott halten und ihn in einem neu erbauten jüdischen
Tempel als den allmächtigen Jehova anbeten würden. Und dies alles soll
mit Blitzeseile geschehen - in drei und ein halb Jahren, so sagen sie -
indem sie symbolische Zeit, wie auch den symbolischen Menschen missdeuten.
Sagenhafte
Dichtungen und weitgehendste Einbildung können keine Parallelen liefern
zu diesen übertriebenen Ansichten einiger lieber Gotteskinder, die da über
eine buchstäbliche Auslegung der Sprache des Paulus straucheln und damit
sich selbst und andere gegen viele kostbare Wahrheiten verblenden, welche
sie, um des über diesen Gegenstand verbreiteten Irrtums willen, unfähig
sind, in vorurteilsfreiem Licht zu betrachten. Wie groß auch unser Mitgefühl
für sie ist, ihr „blinder“ Glaube nötigt uns ein Lächeln auf, wenn
sie uns die verschiedenen, von ihnen unverstandenen Symbole der
Offenbarung ganz ernsthaft erzählen und so verkehrt auf ihren wunderbaren
Menschen anwenden. In dem ungläubigsten aller Zeitalter, das die Welt je
gekannt, behaupten sie, werde dieser Mensch in dem kurzen Zeitraum von
drei und ein halb Jahren die ganze Welt zu seinen Füßen sehen, ihn
anzubeten als einen Gott; während Cäsar, Alexander, Napoleon, Mohammed
und andere durch Meere von Blut segelten und vielemale drei und ein halb
Jahre brauchten, ohne den tausendsten Teil davon auszurichten, was sie für
ihren „Menschen“ beanspruchen.
Und
doch hatten jene Welteroberer alle Vorteile einer dichten Unwissenheit und
Aberglaubens auf ihrer Seite, während wir heute zur Entwicklung solcher Täuschung
und Betrügerei unter höchst ungünstigen Bedingungen leben. In einer
Zeit soll alles dies geschehen, da das Verborgene offenbar wird, wie nie
zuvor, in einer Zeit, da Betrug, wie der aufgetischte, für irgendwelche
Beachtung zu abgeschmackt und lächerlich gehalten wird. Wahrlich, die
Neigung unseres Tages geht viel zu sehr auf Mangel an gebührender Achtung
vor Menschen, einerlei wie gut, begabt und fähig sie seien, oder welches
Vertrauensamt oder welche Vollmacht sie inne haben. In solchem Grade, und
wie nie zuvor, ist dies wahr, dass die Welt tausendmal eher leugnen wird,
dass es überhaupt einen Gott gibt, als einen Mitmenschen als den allmächtigen
Gott anzubeten.
Ein
großes Hindernis für viele in dieser Sache ist die beschränkte Idee,
die man gewöhnlich von dem Wort „Gott“ hegt. Viele beachten nicht,
dass das Wort Theos (Gott) sich nicht immer auf Jehova bezieht. Es
bezeichnet einen Mächtigen, einen Herrscher, und besonders einen religiösen
oder priesterlichen Herrscher. Im Neuen Testament wird Theos selten
gebraucht, außer wenn es auf Jehova angewandt wird, weil die Reden der
Apostel sich wenig oder selten auf falsche Religionssysteme und daher auch
selten auf ihre priesterlichen Herrscher und Götter bezogen. Doch in den
folgenden Texten wird das Wort „Theos“ (Gott) auch auf andere als das
eine höchste Wesen bezogen, nämlich: Joh. 10:34, 35; Apg. 7:40, 43;
17:23; 1. Kor. 8:5
Die
Mannigfaltigkeit des griechischen Wortes Theos erkennend, wird man sofort
sehen, dass die Aussage des Apostels den Antichristen betreffend - dass er
sich in den Tempel Gottes setzen und vorgeben werde, er sei ein Gott -
nicht notwendigerweise bedeutet, dass der Antichrist versuchen werde, sich
über Jehova zu erheben, noch auch, sich an Jehovas Stelle zu setzen. Es
bedeutet einfach, dass dieser eine sich als einen religiösen Herrscher
darstellen wird, der Autorität beansprucht und in dem Maße über alle
anderen religiösen Herrscher ausübt, dass er sich in der Kirche, welche
der wahre Tempel Gottes ist, hoch erhebt und daselbst, als ihr Haupt und
berechtigter Herrscher, göttliche Autorität beansprucht und ausübt. Wo
immer im Griechischen das Wort Theos in einem Satz so gebraucht wird, dass
seine Bedeutung zweifelhaft sein würde, dann steht der griechische
Artikel davor, wenn es sich auf Jehova bezieht, wie wenn man im Deutschen
der Gott sagen würde. Dagegen, in den eben angeführten Stellen, welche
sich auf andere Götter beziehen, und hier in dieser Stelle (2. Thess.
2:4), die sich auf den Antichristen bezieht, liegt kein solcher Nachdruck
darauf.
Wird
dies klar gesehen, so wird ein großer Stein des Anstoßes aus dem Wege
geräumt, und unser Verstand ist in der Lage, nach den rechten Dingen als
Erfüllung dieser Weissagung zu suchen. Nicht nach einem Antichristen, der
da Jehova zu sein beansprucht, und der als solcher Anbetung verlangt,
sondern nach einem solchen, der da der oberste, der höchste Lehrer der
Kirche zu sein behauptet und so das Ansehen Christi, des göttlich
ernannten Hauptes, Herrn und Lehrers sich anzumaßen versucht.
Und
sonderbar genug, dass diejenigen, welche diese buchstäbliche Ansicht vom
Menschen der Sünde haben, gewöhnlich an ein Kommen des Herrn vor dem
Millennium glauben und erwarten, dass der Herr jetzt jeden Augenblick
kommen könne. Warum können nicht alle des Apostels Meinung erkennen,
wenn er so bestimmt erklärt, dass der Tag des Herrn (der Tag seiner
Gegenwart) nicht kommen könne und nicht erwartet werden sollte, bis der
Mensch der Sünde offenbar geworden sei. Es waren über vierzig Jahre nötig,
um den früheren jüdischen Tempel zu erbauen, und es würde gewiss
wenigstens zehn bis zwanzig Jahre erfordern, den neuen Tempel, in dem sie
den buchstäblichen Menschen der Sünde eingesetzt und als Gott verehrt zu
sehen erwarten, mit größerer als vormaliger Pracht in Jerusalem zu bauen.
Wie können denn diejenigen, die dies glauben, erwarten, dass der Herr
jetzt jeden Augenblick kommen könne? Solche Ansicht ist außer Harmonie
mit der Vernunft wie mit der Prophezeiung des Apostels. Konsequenz
erfordert, dass sie entweder aufhören, den Herrn jeden Augenblick zu
erwarten, oder aber einen noch zukünftigen Menschen der Sünde zu
erwarten; denn der Tag der Gegenwart des Herrn kann nicht kommen, bis der
Abfall stattgefunden und der Mensch der Sünde sich in jenem Abfall
entwickelt hat und geoffenbart worden ist.
Wenn
wir aber eine richtige Ansicht über die Worte des Apostels erlangen und
zugleich richtige Gedanken über die Art des Kommens des Herrn hegen,
begegnen wir keinen solchen Ungereimtheiten und Widersprüchen, sondern
finden überzeugende Harmonie und Einklang. Und solch eine Ansicht wollen
wir nun vorlegen. Die Schriftgemäßheit derselben soll der Leser prüfen.
Die
verschiedenen Bezeichnungen, die diesem System beigelegt worden sind, sind
offenbar symbolisch, bildlich; sie sind nicht Namen, die sich auf einzelne
Personen beziehen, sondern Charakterbezeichnungen einer verderbten, religiös-bürgerlichen
Verschmelzung, die sich in der nominell-christlichen Kirche entwickelte
und durch ihren listigen Widerstand gegen Christum und seine wahre Kirche
(seinen Leib) mit Recht den Namen Antichrist verdient hat. Solch ein
System konnte alle den Antichristen oder Menschen der Sünde betreffenden
Weissagungen erfüllen, was ein einzelner Mensch nicht konnte. Es ist
ferner auch augenscheinlich, dass dieses antichristliche System keines der
heidnischen Lehrgebäude ist, wie der Mohammedanismus oder Brahmanismus;
denn die christliche Kirche ist nie unter der Gewalt irgendeines solchen
Systemes gewesen, noch ist auch irgendeines der sogenannten Systeme in der
christlichen Kirche entstanden. Sie sind jetzt unabhängig von der
christlichen Kirche, und sind es immer gewesen.
Das
System, auf welches die durch Inspiration gegebene Beschreibung völlig
passt, muss ein anerkannt christliches sein und muss eine große Mehrzahl
solcher enthalten, die behaupten, Christen zu sein. Und es muss ein System
sein, das seine Entstehung einer Apostasie oder einem Abfall vom wahren
christlichen Glauben verdankt - und dazu einem Abfall, der heimlich und
verstohlen war, bis Umstände das Ergreifen der Macht begünstigten. Und
dieser verstohlene Anfang trat schon in den Tagen der Apostel ein - in dem
Streben einiger, der Größte zu sein.
Wir
brauchen nicht lange zu suchen, um einen solchen Charakter zu finden, auf
den alle Anforderungen vollkommen passen, einen Charakter, dessen
Geschichte, von weltlichen Geschichtsschreibern, wie von seinen eigenen
betrogenen Dienern verzeichnet, wie wir sehen werden, ganz genau mit den
prophetischen Schilderungen stimmt. Aber wenn wir nun aussprechen, dass
dieses eine und einzige System, dessen Geschichte auf die Prophezeiungen
passt, das Papsttum ist, so verstehe uns niemand so, als meinten wir,
jeder römische Katholik sei ein Mensch der Sünde, oder dass die Priester
oder gar die Päpste der römischen Kirche der Antichrist seien oder
gewesen sind. Nein, kein Mensch ist „der Antichrist“, wie ihn die
Prophetie beschreibt. Päpste, Bischöfe und andere sind höchstens nur
Glieder des antichristlichen Systems, ebenso wie die einzelnen des königlichen
Priestertums nur Glieder des wahren Christus, unter Jesus, ihrem Haupt,
sind und auf dieselbe Weise, wie diese in ihrem jetzigen Zustand der
gegenbildliche Elias sind, aber keiner derselben einzeln angenommen der
verheißene Elias oder der Christus ist. Beachte ferner, dass die römische
Kirche nur als kirchliches System nicht der „Mensch der Sünde“ ist
und niemals unter dem Bild eines Mannes dargestellt wird. Im Gegenteil, für
eine von ihrem Herrn und Haupt getrennte Kirche wird stets nur ein Weib
als Symbol gebraucht. Die wahre Kirche wird immer durch eine „keusche
Jungfrau“ symbolisiert, während eine abtrünnige Kirche, die von ihrer
ursprünglichen Reinheit und Treue gegen ihren Herrn gefallen ist,
sinnbildlich „eine Hure“ genannt wird. Wie die wahre Kirche bis ans
Ende der Zeitalter „jungfräulich“ bleibt, wann sie mit ihrem Herrn
vereinigt werden und seinen Namen - Christus - tragen soll; so war auch
die abtrünnige Kirche nicht der Antichrist oder der Mensch der Sünde,
bis sie sich mit ihrem Haupt und Herrn, dem Papst, vereinigte und ein
religiöses Reich wurde - fälschlich das Christentum (Reich) genannt, was
Reich Christi bedeutet.
Papsttum
ist der Name dieses falschen Reiches und ist auf eine fälschlich
angewandte Wahrheit aufgebaut - auf die Wahrheit nämlich, dass die Kirche
Gottes berufen ist, Könige und Priester Gottes zu sein, und auf der Erde
zu herrschen. Aber die Zeit zum Herrschen war noch nicht gekommen. Das
christliche Zeitalter war nicht für diesen Zweck, sondern für die
Auswahl, Erziehung, Demütigung und Aufopferung der Kirche bestimmt. In
den Fußstapfen ihres Herrn nachfolgend, sollte sie bis zur fest
bestimmten Zeit auf die verheißene Erhöhung und herrliche Herrschaft -
auf das Zeitalter des tausendjährigen Reiches - geduldig warten und
ausharren.
Der
Herr sah voraus, dass die nominelle Christenheit sich weit über die Erde
ausbreiten, und, nachdem sie volkstümlich geworden, von vielen der Form
nach angenommen werden würde, ohne in den Geist derselben einzudringen.
Er sah voraus, dass, sobald sich die Massen dieser Art zur Kirche gehörig
erachten würden, ein weltlicher Geist - das Gegenteil von dem Geist der
Selbstverleugnung und Selbstaufopferung - mit Eingang finden würde. Der
Herr sah, dass einreißende Selbstsucht und das Trachten nach Größe und
Herrschaft nicht lange auf Gelegenheit zu ihrer Entfaltung zu warten
braucht, und dass somit die Kirche vor der Zeit die Welt zu beherrschen
suchen würde; oder besser gesagt: Das weltliche in die Kirche einziehende
Element werde seinen Einfluss fühlbar machen und im Namen der wahren
Kirche die obrigkeitliche Gewalt der Erde an sich reißen, die doch den
Nationen übergeben war, und die nicht vor dem Ende der Heidenzeiten, 1914
n.Chr., völlig in die Hände der wahren Kirche übergehen kann.
Und
so ist es tatsächlich geschehen: Als die Namenkirche an Zahl zunahm, fing
sie an, unter den Lehren und dem Beispiele ehrgeiziger Männer abzufallen.
Ihre Ideen begünstigten mehr und mehr die Macht und den weltlichen
Einfluss, den Zahl und Reichtum mit sich brachten. Nach und nach wurde der
Geist der Kirche ein weltlicher, und man trachtete nach den Dingen dieser
Welt. Die Einflüsterung des Ehrgeizes war: Wenn nun die Kirche das große
römische Kaisertum mit seiner Macht und seinem Einfluss hinter sich hätte,
wie ehrenhaft, wie erhaben wäre es dann, ein Christ zu sein! Wie
geschwind würden die heidnischen Verfolgungen aufhören. Dann würde es
in unserer Macht stehen, sie nicht nur in Furcht zu jagen, sondern sie
sogar zu zwingen, sich zur Kirche, zum Kreuz und zum Namen Christi zu
bekennen. Sie dachte wahrscheinlich weiter: Es ist offenbar nicht Gottes
Wille, dass die Kirche der Welt immer untertan sein und von ihr verfolgt
werden soll. Die Worte des Apostels: „Wisset ihr nicht, dass die
Heiligen die Welt richten werden?“, wie auch die Verheißung des Herrn,
dass wir mit ihm regieren werden, und die vielen Prophezeiungen, die sich
auf das Herrschen beziehen, zeigen deutlich, dass das wirklich der Plan
Gottes ist. Wohl war, der Apostel schrieb, der Herr werde erst zurückkehren
und dann seine Kirche (seine verachtete, verfolgte Herauswahl) erhöhen,
und ermahnte uns, auf den Herrn zu „warten“; aber (so urteilten sie)
etliche Jahrhunderte sind bereits vergangen und noch sehen wir kein
Anzeichen von dem Kommen des Herrn! Die Apostel werden sich wohl ein wenig
geirrt haben. Uns scheint es klar, dass wir jedes Mittel ergreifen können
und sollen, um das weltliche Regiment in die Hand zu bekommen und die Welt
für den Herrn zu erobern. Die Kirche (urteilten sie dann weiter) muss
auch ein Haupt haben, das den abwesenden Herrn und die Kirche der Welt
gegenüber vertritt. Dieses Haupt sollte die Huldigungen der Welt
empfangen und Christi Autorität ausüben und die Welt mit eiserner Rute
weiden, wie der Prophet David zuvor gesagt hat. So ist nach und nach,
durch einen langsamen, über Jahrhunderte sich erstreckenden Denkprozess
die Hoffnung der Kirche, erhöht zu werden, um zu regieren - und zwar bei
der Wiederkunft des Herrn - verloren gegangen. Eine neue Hoffnung trat an
ihre Stelle - die Hoffnung, auch ohne den Herrn unter dem Vortritt und der
Leitung einer Reihe von Päpsten Erfolg zu haben. Durch allerlei List, Ränke
und Schmeicheleien der Welt wurde die Hoffnung der Kirche verfälscht, und
so zu einem trügerischen Fallstrick, an welchem sie der Satan in Lehre
wie Praxis von einem Übel und Irrtum zum anderen führte.
Der
Punkt, bei welchem der „Abfall“ sich als „Mensch der Sünde“
offenbarte, war da, als die päpstliche Hierarchie unter dem Vortritt
einer verordneten Reihe von Päpsten sich selbst erhöhte und unter dem
Namen und Vorgeben, das tausendjährige Königreich Christi zu sein, die
Herrschaft über die Erde beanspruchte und an sich riss. Es war dies eine
falsche, betrügerische Behauptung, gleichviel, wie ernst ihre Unterstützer
es glaubten. Es war dies ein täuschendes, nachgefälschtes Reich,
einerlei, wie aufrichtig etliche seiner Gründer und Vertreter gewesen
sein mögen. Ob einer auch davon behauptete, es sei „das Reich und die
Kraft und die Herrlichkeit“ Christi auf Erden, so war es tatsächlich
das Reich Satans und des Antichristen. Es ist ein Irrtum zu meinen,
gewissenhaft zu sein heiße stets im Rechten zu sein. Jedes auf Irrtum
aufgebaute System hat zweifellos ebenso viele gewissenhafte, wenn auch
betrogene Befürworter, als es Verächter hat oder gar mehr.
Gewissenhaftigkeit ist sittliche Rechtschaffenheit und hängt nicht vom
Wissen ab. Die falsch belehrten Heiden verehrten gewissenhaft ihre Götzen
und opferten ihnen; Saulus, falsch belehrt, verfolgte gewissenhaft die
Heiligen, und so taten auch viele falsch unterrichtete Papisten den
Prophezeiungen Gewalt an, verfolgten die Heiligen und errichteten das große
System des Antichristen, welches Jahrhunderte lang die Könige der Erde
hinsichtlich seiner Macht und angeblich göttlichen Autorität betrog und
über sie herrschte. Aber nicht nur dies. In die Kirche, den Tempel Gottes,
wo Christus allein als Haupt und Lehrer anerkannt werden sollte, hat sich
das Papsttum gesetzt, mit dem Vorgeben, der alleinige Lehrer und
Gesetzgeber zu sein, und hat hierdurch, mit Ausnahme der wenigen, alle
durch seinen großartigen Erfolg und seine prahlerischen Behauptungen verführt.
„Die ganze Welt verwunderte sich“; alle, deren Namen nicht in dem
Lebensbuch des Lammes geschrieben standen, waren erstaunt, betrogen und
irregeleitet, und auch viele als Heilige Gottes Eingeschriebenen waren
bedauerlich im Unklaren. Und dieser Betrug war um so kräftiger, weil
diese ehrgeizigen Ziele sich nur allmählich bildeten und noch allmählicher
verwirklichten. Er erstreckte sich über Jahrhunderte und war in Form von
Ehrgeiz schon heimlich in Paulus Tagen wirksam. Er war ein Vorgang, in dem
nach und nach ein Irrtum zum anderen gefügt wurde - des einen Mannes ehrsüchtige
Aussagen wurden durch die eines anderen ergänzt, und so ging es weiter
dem Strome der Zeit entlang. So pflanzte und begoss Satan heimtückisch
den Samen des Irrtums und brachte hierdurch das größte und
einflussreichste System, das die Welt je gesehen - den Antichrist -
zustande.
Der
Name Antichrist hat eine zweifache Bedeutung. Die erste ist: gegen (das
bedeutet im Widerspruch mit) Christus; die zweite: anstatt (das heißt ein
Scheinbild) Christi. Im ersten Gebrauch ist der Ausdruck allgemein und
passt auf jeden Feind und Gegner Christi. In diesem Sinne war Saulus (später
Paulus genannt), jeder Jude, jeder Mohammedaner, alle heidnischen Kaiser
und Völker Roms Antichristen - Gegner Christi. (Apg. 9:4) Aber nicht in
diesem Sinne gebraucht die Heilige Schrift den Namen Antichrist. Sie übergeht
alle solche Feinde Christi und wendet das Wort Antichrist in der oben
angeführten zweiten Bedeutung an, nämlich: als gegen - im Sinne von
missrepräsentierend, falsch darstellen, nachfälschen, des wahren
Christus Stelle nehmen. So bemerkt Johannes: „Ihr habt gehört, dass der
Antichrist kommt, so sind auch jetzt viele Antichristen geworden.“ (1.
Joh. 2:18, 19) (Das Griechische unterscheidet zwischen dem Antichristen,
das bedeutet dem besonderen und den vielen kleineren Antichristen.) Die
nachfolgenden Bemerkungen des Johannes zeigen, dass er sich nicht auf alle
Gegner Christi und der Kirche bezieht, sondern auf eine besondere Klasse,
welche, während sie bekennt, Christi Leib - die Kirche - zu sein, die
Grundsätze der Wahrheit verlässt und demgemäss die Wahrheit nicht nur
falsch darstellt, sondern auch in den Augen der Welt den Platz und den
Namen der wahren Kirche annimmt und somit in der Tat als die wahre Kirche
der Heiligen zu erscheinen strebt. Johannes sagt von ihnen: „Sie sind
von uns ausgegangen, denn sie waren nicht von uns“; sie sind unsere
Vertreter nicht, wenn sie auch sich selbst und die Welt darüber täuschen
mögen. In demselben Brief erklärt Johannes, dass diejenigen, die er als
die vielen Antichristen erwähnt, den Geist des Antichristen hätten.
Das
also ist es, was man erwarten sollte, und was wir im Papsttum wirklich
finden: Kein Sichauflehnen gegen den Namen Christi, sondern einen Feind
und Gegner Christi, insofern, als er fälschlich seinen Namen trägt, sein
Reich und seine Autorität nachmacht und der Welt das Wesen, den Plan und
die Lehre Christi falsch darstellt - ein äußerst gefährlicher Feind und
Gegner in der Tat, schlimmer als ein offener Widersacher. Und es sei hier
erwähnt, dass dies wahr ist, wenn auch die, welche zu diesem System gehören,
in guter Meinung irren: sie „verführen und werden verführt“, wie die
Schrift sagt.
Nach
diesen Andeutungen über das Was und Wie des Menschen der Sünde, und wann
und wo und unter welchen Umständen wir nach ihm auszuschauen haben,
werden wir nun zur Untersuchung einiger Zeugnisse der Schrift schreiten,
die, wie wir glauben, über jede Frage hinaus beweisen, dass jede den
Antichrist betreffende Prophezeiung in dem päpstlichen System erfüllt
wurde, und zwar in solcher Weise und Ausdehnung, dass es sich angesichts
der Aufklärung unserer Zeit unmöglich wiederholen könnte. Der Raum nötigt
uns, nur kurze Andeutungen aus der großen Masse Welt - und
kirchengeschichtlicher Zeugnisse zu geben. Wir haben uns auch nur auf
Geschichtsschreiber von anerkannter Genauigkeit beschränkt, und sind in
vielen Fällen zu römisch-katholischen Historikern gegangen, um ihr
Zeugnis oder ihre bestätigenden Äußerungen zu haben.
Die
Umstände, die den Menschen der Sünde hervorriefen
Der große Abfall. - Wir fragen zuerst, berichtet die Geschichte eine Erfüllung
der Weissagungen des Apostel Paulus über einen großen Abfall von der
ursprünglichen Einfachheit und Reinheit der christlichen Kirche und über
das geheimnisvolle Wirken eines frevelhaften, ehrgeizigen Strebens in der
Kirche vor der Entstehung des Papsttums, des Menschen der Sünde, das
bedeutet bevor man den Papst als Oberhaupt der Kirche anerkannte?
Jawohl,
sehr deutlich. Die päpstliche Hierarchie trat erst einige Jahrhunderte,
nachdem der Herr und seine Apostel die Kirche gegründet hatten, ins Leben.
Und von der Zwischenzeit lesen wir in Fischers Universalgeschichte,
Seite193:
„Als
die Kirche an Zahl und Wohlstand wuchs, wurden kostbare Gebäude zur
Gottesverehrung errichtet; die Gottesdienste wurden großartiger:
Bildschnitzerei und Malerei wurden zur Förderung der Andacht in den
Dienst gezogen, Reliquien (Überbleibsel) der Heiligen und Märtyrer
wurden als heiligstes Besitztum gehegt und gepflegt; religiöse
Vorschriften wurden vervielfältigt, und unter den christlichen Kaisern (im
vierten Jahrhundert) eignete sich die Kirche mit ihrer Entfaltung der
Geistlichkeit und ihren imposanten Zeremonien viel von dem Prunk und äußeren
Glanze der heidnischen Systeme an, die sie verdrängt hatte.“
Ein
anderer sagt: (Whites Universalgeschichte, Seite 156) „Gleichzeitig mit
der festeren Einrichtung (des Christentums als Staatsreligion im vierten
Jahrhundert) riss eine schon zwei Jahrhunderte zuvor entstandene, große
und allgemeine Verderbnis ein. Aberglaube und Unwissenheit schrieb den
Geistlichen eine Macht zu, die sie zur eigenen Erhöhung verwendeten.“
Rapin
bemerkt, dass „die christliche Religion im fünften Jahrhundert durch
eine Unmasse menschlicher Einfälle herabgewürdigt worden war. Die
Einfachheit der Leitung und der Zucht der Kirche wurde zu einem System
geistlicher Gewalt erniedrigt; und ihr Gottesdienst durch von den Heiden
entlehnte Zeremonien verunstaltet.“
Mosheim,
in seiner „Geschichte des Christentums“, verfolgt den Abfall der
Kirche von ihrer ursprünglichen Einfachheit und Reinheit Schritt für
Schritt, bis zu ihrer tiefen Erniedrigung, welche in der Ausgeburt des „Menschen
der Sünde“ gipfelte. Ob er darin den Antichrist erkannte oder nicht,
ist nicht ersichtlich, aber meisterhaft hat er das Wirken des „Geheimnisses
der Bosheit“ in der Kirche bis zum Beginn des vierten Jahrhunderts
verfolgt, wo seine Arbeit plötzlich durch den Tod unterbrochen wurde. Der
Raum gestattet uns nicht, aus seinem ausgezeichneten und umfangreichen
Werke Anführungen zu machen, aber wir empfehlen das ganze Werk als über
diesen Gegenstand höchst belehrend.
Aus
Lords „Die alte römische Welt“ führen wir hier eine kurze und
treffende Skizze der Kirchengeschichte während der ersten vier
Jahrhunderte an, welche klar und bündig ihren Stufenweisen Niedergang,
sowie ihren raschen Verfall, zeigt, nachdem das vom Apostel erwähnte
Hindernis beseitigt war. Er sagt:
„Im
ersten Jahrhundert waren nicht viele Weise und Edle berufen. Keine Namen
von Philosophen, Staatsmännern, Edelleuten, Generälen, Herrschern,
Richtern oder Magistratspersonen werden uns überliefert. Im ersten
Jahrhundert waren die Christen nicht wichtig genug, um allgemeiner durch
die Obrigkeit verfolgt zu werden. Sie hatten noch nicht einmal die öffentliche
Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Niemand, selbst die griechischen
Philosophen nicht, schrieb gegen sie. Wir lesen auch nichts davon, dass
Christen protestiert oder sich verteidigt hätten. Sie hatten in ihren
Reihen keine großen Gelehrten, keine Männer von Talent, Reichtum oder
gesellschaftlicher Stellung. Kein Zeitabschnitt in der Geschichte ist so dürftig,
als die Jahrbücher der Kirche im ersten Jahrhundert, was hohe Namen
anbetrifft. Dennoch vermehrten sich in diesem Jahrhundert die Bekehrten in
jeder Stadt sehr, und die Überlieferung zeugt von dem Märtyrertum der
Hervorragenderen unter ihnen, mit Einschluss fast aller Apostel.“
„Im
zweiten Jahrhundert gibt es keine größeren Namen als Polykarp, Ignatius,
Justin der Märtyrer, Klemens, Melito und Apollonius, stille, bescheidene
Bischöfe (Älteste), oder unerschrockene Märtyrer, die zu ihren Herden
in oberen Gemächern redeten, keinen weltlichen Rang hatten, und die nur
der Heiligkeit und der Einfachheit ihres Charakters wegen gerühmt und um
ihrer Leiden und ihrer Treue willen genannt wurden. Wir hören von Märtyrern,
welche wertvolle Abhandlungen und Verteidigungsschriften geschrieben haben,
aber Leute von Rang finden wir keine unter ihnen. Ein Christ sein, war in
den Augen der Vornehmen und Mächtigen eine Unehre. Die Literatur der
ersten Kirche ist vornehmlich verteidigender Art, und der belehrende
Charakter derselben ist einfach und praktisch. Innerhalb der Kirche gab es
eifrige Verhandlungen, ein reges, religiöses Leben, Entfaltung großer Tätigkeit,
große Tugenden, aber keine äußeren Kämpfe, keine Weltgeschichte. Bis
dahin hatten sie noch nicht die Obrigkeit oder die großen sozialen Körperschaften
des Reiches angegriffen. Es war eine kleine Schar reiner, tadelloser Leute,
welche nicht beanspruchten, die menschliche Gesellschaft zu beherrschen.
Aber sie hatten die Aufmerksamkeit der Obrigkeit auf sich gelenkt und
waren von hinlänglicher Bedeutung, um verfolgt zu werden. Man sah sie als
Fanatiker an, welche die Ehrfurcht vor den bestehenden Einrichtungen zu
zerstören suchten.“
Organisation,
um mächtig zu werden
„In
diesem Jahrhundert wurde die Verfassung der Kirche in aller Stille
organisiert. Eine organische Verbindung kam unter den Gliedern zustande;
die Bischöfe wurden (nicht in der Gesellschaft, sondern unter den
Christen) einflussreich; Kirchsprengel und Gemeinden wurden eingerichtet;
Unterschiede zwischen Stadt und Landbischöfen gemacht;
Gemeinde-Abgeordnete versammelten sich, um Glaubenspunkte zu erörtern
oder aufkeimende Irrlehren zu unterdrücken; das Diözesen-System wurde
entwickelt und kirchliche Zentralisation (Vereinigung der kirchlichen
Gewalt) begonnen; man fing an, die Diakonen unter die höhere
Geistlichkeit zu rechnen; die Waffen der Exkommunikation (des Kirchbannes)
wurden geschmiedet; Missionsbestrebungen unternommen; die Festzeiten der
Kirche ins Leben gerufen; leitende Geister fielen dem Gnostizismus zu (einer
übertriebenen Weise, bildliche Sprache der Schrift auszulegen und
besondere Offenbarungen beanspruchend); in katechetischen Schulen lehrte
man den Glauben systematisch; die Formeln von der Taufe und den
Sakramenten wurden von großer Wichtigkeit, und das Mönchstum wurde populär.
So legte die Kirche den Grund zu ihrer späteren Verfassung und Macht.“
„Das
dritte Jahrhundert sah die Kirche als Institution schon mächtiger. Regelmäßige
Synoden hatten sich in den großen Städten des Reiches versammelt; das
Metropolitansystem reifte aus; die Kirchengesetze wurden genau aufgezählt;
große theologische Schulen zogen forschende Geister an; die Lehren wurden
in ein System gebracht (das bedeutet in Glaubensbekenntnissen erklärt,
abgegrenzt und zusammengestellt). Das Christentum hatte sich so sehr
ausgebreitet, dass es notwendigerweise entweder verfolgt oder anerkannt
werden musste; berühmte Bischöfe herrschten in der wachsenden Kirche;
große Doktoren (der Gottgelehrtheit) erörterten Fragen über fälschlich
sogenannte Philosophie und Wissenschaft, welche die griechischen Schulen
beschäftigten; Kirchengebäude wurden vergrößert und Gastmähler zu
Ehren der Märtyrer angeordnet. Die Kirche näherte sich rasch einer
Stellung, in der sie Beachtung von Seiten der Menschen erzwang.“
„Nicht
vor dem vierten Jahrhundert - erst als die Verfolgungen von Seiten der
Kaiser aufhörten, (der römische Kaiser) Konstantin bekehrt wurde, die
Kirche sich mit dem Staat verband, der ursprüngliche Glaube selbst
verderbt wurde, Aberglaube und eitle Philosophie in die Reihen der Gläubigen
Eingang fanden, die Bischöfe Höflinge wurden, Mönche ein falsches
Prinzip der Tugend aufstellten, Politik und Dogmatik Hand in Hand gingen
und die Kaiser den Dekreten der Kirchen-Konzilien Kraft verliehen -
geschah es, dass Leute vom Stand der Kirche beitraten. Als das Christentum
die Religion des Hofes und der aristokratischen Klasse geworden war, wurde
es zur Unterstützung gerade derselben Übel gebraucht, gegen die es ursprünglich
protestiert hatte. Die Kirche wurde nicht nur von Irrtümern heidnischer
Philosophie erfüllt, sondern nahm auch vieler der umständlichen und
imposanten Zeremonien morgenländischen Gottesdienstes an. Im vierten
Jahrhundert wurden die Kirchen so prunkvoll wie die alten Götzentempel.
Festlichkeiten wurden häufig und großartig, und das Volk hielt darauf,
weil sie ihnen Anregung und Erholung von der Arbeit boten. Die Ehrfurcht
vor den Märtyrern reifte heran zur Einführung von Bildern, eine Quelle
späterer populärer Abgötterei. Das Christentum ging in pompösen
Zeremonien auf. Die Verehrung der Heiligen näherte sich mehr und mehr der
Vergötterung derselben; und der Aberglaube erhöhte die Mutter unseres
Herrn zu einem Gegenstand absoluter Anbetung. Kommunionstische wurden zu
imposanten Altären, dem jüdischen Opferdienst nachgeahmt, und die
Reliquien der Märtyrer verwahrte man als heilige Amulette (geheime
Schutzmittel). Aus dem Mönchsleben entspross ein großartiges System von
Bußübungen, und Scharen von Mönchen zogen sich in traurige, einsame
Orte zurück und ergaben sich nutzlosen Verbindungen, eitlem Fasten und
leerer Selbstbuße. Sie waren verrannte und fanatische Leute, welche die
praktischen Ziele des Lebens aus dem Auge ließen.“
„Die
ehrsüchtige und weltliche Geistlichkeit trachtete nach Rang und
Auszeichnung. Sie drängte sich sogar an die Höfe der Fürsten und
erstrebte zeitliche Ehren. Sie wurden nicht mehr durch freiwillige Beiträge
der Gläubigen unterhalten, sondern durch Einkünfte, die ihnen die
Regierung gewährte, oder die sie aus Eigentum bezogen, das sie von den
alten heidnischen Tempeln ererbt hatten. Von den Reichen wurden der Kirche
große Legate vermacht, über welche die Geistlichen verfügten. Diese
Vermächtnisse wurden die Quelle unerschöpflichen Reichtums. Als der der
Geistlichkeit anvertraute Reichtum wuchs, wurden dieselben gegen die Bedürfnisse
des Volkes, durch welches sie nicht mehr unterhalten wurden, gleichgültig.
Sie wurden träge, anmaßend und unabhängig. Das Volk wurde vom
Kirchenregiment ausgeschlossen. Der Bischof wurde eine hohe Persönlichkeit,
welche die Geistlichkeit ernannte und beaufsichtigte. Die Kirche war mit
dem Staat verbunden, und religiöse Dogmen (Lehrsätze) wurden durch das
Schwert der Obrigkeit erzwungen.“
„Eine herrschsüchtige Hierarchie, aus verschiedenen Graden
bestehend,
wurde hergestellt, welche in dem Bischof von Rom gipfelte“
„In
Glaubenssachen entschied der Kaiser, und die Geistlichen wurden von
Staatslasten entbunden. Ein großer Zudrang zu den priesterlichen Ämtern
fand statt, weil die Geistlichkeit so viel Macht handhabte und so reich
wurde; und Männer wurden nicht nur ihrer Frömmigkeit oder Talente wegen
auf stolze Bischofssitze erhoben, sondern weil sie bei den Großen
Einfluss hatten. Die Mission der Kirche wurde in einem erniedrigenden Bündnis
mit dem Staat aus den Augen verloren. Das Christentum wurde zum Gepränge,
zum Ritualismus (Formelwesen), zum Arm des Staates, zur eitlen Philosophie,
zum Aberglauben und zum Schein.“
Der
große vom Apostel Paulus geweissagte Abfall vom Glauben ist somit eine
geschichtlich erwiesene Tatsache. Alle Geschichtsschreiber bezeugen es,
sogar diejenigen, welche solch Ansichreißen von Macht billigen und deren
Lob singen, die bei diesen Bestrebungen am meisten beteiligt waren. Wir
bedauern, dass unser Raum unsere Anführungen auf nur einige der
bezeichnendsten beschränkt. Der Abfall, der einen Zeitraum von
Jahrhunderten umfasst, war so allmählich, dass er den Zeitgenossen viel
weniger bemerkbar war, als uns, die wir ihn als ein Ganzes sehen. Auch war
derselbe um so täuschender, als jeder Schritt vorwärts in der
Organisation, zu Einfluss und Autorität in der Kirche und über die Welt,
im Namen Christi getan wurde und, wie man vorgab, zur Verherrlichung
seines Namens und zur Verwirklichung des in der Schrift niedergelegten
Planes. So entwickelte sich der große Antichrist - der gefährlichste,
listigste und beharrlichste Gegner wahren Christentums und feindseligste
Verfolger der wahren Heiligen.
Das
Hindernis beseitigt.
Der
Apostel Paulus sagte voraus, dass dieser böse Grundsatz eine Zeitlang
heimlich wirken werde, weil etwas ihm Widerstrebendes im Wege stände; und
erst dann, wenn das Hindernis beseitigt sei, könne es freien Lauf haben
und raschen Fortschritt zur Entwicklung des Antichristen machen. Er sagt:
„Nur ist jetzt der, welcher zurückhält (hindert), bis er aus dem Wege
(getan) ist.“ (2. Thess. 2:7) Welche Erfüllung dieser Weissagung zeigt
uns die Geschichte? Sie zeigt uns, dass das, was die schnelle Entwicklung
des Antichristen aufhielt, die Tatsache war, dass bereits ein Anderer den
Platz ausfüllte, den er beanspruchte. Das römische Kaisertum hatte nicht
nur die Welt besiegt und ihr Verfassung und Gesetze gegeben, sondern
erkennend, dass der religiöse Aberglaube die stärkste Kette sei, mit der
man ein Volk im Zaume halten könne, nahmen die Römer einen Plan an, der
seinen Ursprung in Babylon hatte, zur Zeit seiner Größe als
Beherrscherin der Welt. Der Plan war der, dass der Kaiser sowohl in
geistlichen als in weltlichen Dingen als Leiter und Herrscher angesehen
werden sollte. Um dies zu stützen, behauptete man, der Kaiser sei eine
Art Halbgott, der in gewissem Sinne von ihren heidnischen Gottheiten
abstamme. Als solcher wurde er verehrt und seine Statue angebetet, und als
solcher wurde er betitelt: PONTIFEX MAXIMUS, das bedeutet Oberpriester
oder höchster Herrscher in Religionssachen. Und dies ist ganz und gar der
Titel, der den Oberpriestern oder Päpsten der römischen Hierarchie
gegeben und von ihnen beansprucht wurde, seitdem dieser Antichrist „Macht
und Thron und große Gewalt“ der vorigen Herrscher Roms erlangt hatte. -
Offb. 13:2
Aber
das alte heidnische Rom und Babylon hatten nur ein Gerippe priesterlicher
Gewalt im Vergleich mit der zusammengesetzten und mit Fleiß
ausgearbeiteten Maschinerie und der Erfindungen in Lehre wie Praxis des päpstlichen
Roms, dem erfolgreichen Erben ihres Planes. Jetzt noch, nach
jahrhundertlanger Anwendung von Verschlagenheit und Geschicklichkeit, hat
Rom seine Macht so verschanzt, dass es sogar heutzutage, wo seine Macht
nach außen gebrochen und es seiner politischen Herrschaft entkleidet ist,
dennoch die Welt regiert und Königreiche heimlich und versteckt, gründlicher
als je römische Kaiser die ihnen unterworfenen Könige, beherrscht.
Zu
ihren Gunsten sei es gesagt, dass kein römischer Kaiser als Oberpriester
oder Religionshaupt je solche Tyrannei ausübte, wie einige ihrer
Nachfolger auf dem päpstlichen Thron. Hierüber sagt Gibbon (Band 2,
Seite 85): „Man muss zugestehen, dass die Zahl der in einer einzigen
Provinz und unter einer einzelnen Regierung hingerichteten Protestanten
die Zahl der ersten Märtyrer in dem langen Zeitraum der ersten drei
Jahrhunderte und des ganzen römischen Kaisertums weit übersteigt.“
Nach dem Gebrauch jener Zeit begünstigten die Kaiser die am meisten populären
Götter, aber wohin auch immer ihre Heere kamen, die Götter und
Gottesdienste der besiegten Völker wurden gewöhnlich mit Achtung verehrt.
So war es auch in Palästina. Obgleich es unter römischer Botmäßigkeit
stand, die Religions- und Gewissensfreiheit wurde von dem kaiserlichen
PONTIFEX MAXIMUS hochgehalten. So bewies er als religiöser Herrscher
seine Gnade gegen das Volk und seine Übereinstimmung mit allen Nationalgöttern.
So
sehen wir also, dass das, was den Antichristen an einer früheren
Entwicklung hinderte, der Umstand war, dass der begehrte Sitz geistlicher
Obergewalt von einem Vertreter des mächtigsten Reiches, das die Welt je
kannte, besetzt war, und dass, wenn irgend jemand seine Eroberungssucht in
dieser Richtung offen an den Tag zu legen versucht hätte, er sich dem
Zorn der Herren der Welt ausgesetzt haben würde. Daher wirkte diese schändliche
Herrschsucht zuerst insgeheim, irgendwelche Absicht, Gewalt und Autorität
zu gewinnen, leugnend, bis eine günstige Gelegenheit sich bot - nachdem nämlich
die Namenkirche groß und einflussreich geworden und die kaiserliche Macht
durch politische Zwistigkeiten zersplittert und im Verfall begriffen war.
Die Macht Roms war in rascher Abnahme begriffen, und seine Stärke und
Einheit unter sechs Bewerber um die kaiserlichen Ehren geteilt, als
Konstantin Kaiser wurde. Dass er das Christentum annahm, um zum Teil
wenigstens sein Reich zu kräftigen und zu einigen, ist eine vernünftige
Annahme.
Hierüber
sagt die Geschichte: „Ob Konstantin es (das Christentum) aus Überzeugung
oder aus Politik annahm, ist die Frage. Gewiss ist, dass diese Religion,
obschon sie von der römischen Macht im Stillen verachtet oder tatsächlich
verfolgt worden war, sich doch unter dem Volke so sehr verbreitet hatte,
dass Konstantin durch die Annahme derselben sich sehr in der Zuneigung
seiner Soldaten befestigte. Weltlicher Ehrgeiz wies auf den Weg hin, den
der Kaiser einschlug, als er sich als Christ bekannte, und nicht der Geist
Christi, der da sagte: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Konstantin
machte das Christentum zur Staatsreligion, und von da an finden wir des
letzteren Einfluss mit weltlichen Dingen besudelt. Kein besonderer Bischof
wurde als das Haupt der ganzen Kirche angesehen, aber der Kaiser war es
der Tatsache nach. In dieser Eigenschaft berief er das Konzil zu Nicäa,
wo er im Streit zwischen Athanasius und Arius gegen letzteren Partei nahm.
Das Konzil stimmte mit dem Kaiser.“ (Willards Universalgeschichte, Seite
163)
„Was
für Vorteile aus der Eroberung eines kaiserlichen Proselyten auch
abgeleitet werden mochten, so unterschied er sich doch mehr durch den
Glanz des Purpurs als durch größere Weisheit oder Tugend von den vielen
Tausenden seiner Untertanen, welche die Lehren des Christentums angenommen
hatten ... Dasselbe Jahr seiner Regierung, in dem er das Konzil zu Nicäa
zusammenberief, wurde durch die Hinrichtung seines ältesten Sohnes
befleckt. Die Dankbarkeit der Kirche hob die Tugenden eines so großmütigen
Schutzherrn, der das Christentum auf den Thron der römischen Welt erhoben
hatte, hervor und entschuldigte seine Fehler.“ (Gibbon, Band 2, Seite
269)
Damals
also, unter Konstantins Regierung, wandelte sich die Opposition des
Reiches gegen das Christentum in Gunst um, und der kaiserliche Pontifex
Maximus wurde der Schirmherr der sogenannten, aber tatsächlich
abgefallenen Kirche Christi. Indem er ihr die Hand reichte, verhalf er ihr
zu einer Stelle des Glanzes und der Volksgunst, von der aus sie später,
als die kaiserliche Macht hinzuwelken anfing, ihren eigenen Vertreter als
höchsten geistlichen Herrscher - als PONTIFEX MAXIMUS - auf den religiösen
Thron der Welt stellte.
Es
ist aber ein Irrtum anzunehmen, wie es viele tun, dass die Kirche zu jener
Zeit eine reine (eine jungfräuliche) Kirche gewesen sei, die plötzlich
zu Würde und Macht erhoben wurde, was ihr zum Fallstrick gereichte.
Gerade das Gegenteil ist der Fall. Wie schon gesagt, ein großer Abfall
hatte stattgefunden. Aus ihrer ursprünglichen Reinheit, Einfachheit und
Freiheit war sie in Bekenntniszwang gefallen und in ehrgeizige Fraktionen
zersplittert. Ihre Irrtümer und Gebräuche glichen den heidnischen
Philosophien. Ein wenig mit der Wahrheit ausgeschmückt, und durch die
Lehre von der ewigen Qual erzwungen, wurde sie das Mittel, ungeheure
Scharen in die Kirche herein zuziehen. Zahl und Einfluss war, was
Konstantin für seine Zwecke wollte. Kein Weltmann dieser Art hat je
ernstlich daran gedacht, die Sache der demütigen, christusähnlichen „kleinen
Herde“, - der wahrhaft geweihten Ekklesia (Herauswahl), deren Namen im
Himmel geschrieben sind - zu der seinigen zu machen. Ganz etwas anderes
ist die Beliebtheit bei seinen Soldaten, von der die Historiker reden, als
die Beliebtheit bei den wahren Kreuzesstreitern.
Zum
Beweis hierfür lassen wir hier die Geschichte über den Stand der religiösen
Gesellschaft unter Diokletian, dem Vorgänger Konstantins, berichten.
Gegen das Ende seiner Regierung wurde dieser in seiner Meinung, dass die
Christen nach seinem Leben getrachtet hätten, gegen dieselben erbittert
und verfolgte sie. Er befahl die Bibeln zu verbrennen, die Bischöfe zu
verbannen, und ordnete schließlich den Tod derjenigen an, die diesen
Gesetzen widerstreben würden. Gibbon (Band 2, Seite 53 und 57) sagt von
dieser Zeit:
„Diokletian
und seine Gehilfen übertrugen häufig die wichtigsten Ämter solchen
Personen, welche ihren Abscheu vor der Verehrung der Götter bekannten,
aber geeignete Fähigkeiten für den Staatsdienst an den Tag legten. Die
Bischöfe nahmen in ihren betreffenden Provinzen eine geehrte Stellung ein
und wurden nicht nur vom Volk, sondern auch selbst von der Obrigkeit mit
Auszeichnung und Achtung behandelt. Fast in jeder Stadt reichten die alten
Kirchen nicht mehr hin, die zunehmende Zahl der Neubekehrten zu fassen,
und an ihre Stelle wurden für die Gläubigen prachtvollere und geräumigere
Gebäude aufgerichtet. Die von Eusebius so heftig beklagte Verderbnis der
Sitten und Grundsätze kann nicht nur als eine Folge, sondern auch als ein
Beweis dafür gelten, welcher Freiheit sich die Christen unter der
Regierung Diokletians erfreuten, sie aber missbrauchten. Der Wohlstand ließ
die Strenge der Zucht erschlaffen. Betrug, Missgunst und Bosheit gewann in
jeder Gemeinde die Oberhand. Die Proselyten bewarben sich um bischöfliche
Ämter, welche täglich ein ihres Ehrgeizes würdigerer Gegenstand wurden.
Die Bischöfe, welche miteinander um den kirchlichen Vorrang stritten,
zeigten durch ihr Betragen, dass sie weltliche und tyrannische Gewalt in
der Kirche beanspruchten, und der lebendige Glaube, der immer noch die
Christen vor den Heiden auszeichnete, zeigte sich viel weniger in ihrem
Leben, als in ihren Streitschriften.“
„Die
Geschichte des Paulus von Samosata, welcher den Metropolitan-Bischofsitz
von Antiochien innehatte, während der Osten in den Händen des Danathus
und der Zenobia war, kann zur Beleuchtung der Verhältnisse und Zustände
jener Zeit (um 270 n.Chr.) dienen. Paulus sah den Kirchendienst als ein
sehr einträgliches Gewerbe an. In seiner kirchlichen Verwaltung war er
geldgierig und bestechlich; von den wohlhabendsten Gläubigen erpresste er
häufig Abgaben und verwandte einen beträchtlichen Teil der öffentlichen
Gelder für seinen eigenen Bedarf. (Es wird von Untersuchern der Sache
behauptet, sagt Gibbon, dass Paulus das Amt eines kaiserlichen Duzensarius
oder Prokurators innehatte, mit einem jährlichen Gehalt von 200
Sistertien = 77.000 Dollars). Durch seinen Stolz und seine Prachtliebe
wurde das Christentum in den Augen der Heiden verhasst gemacht. Sein
Ratszimmer, sein Thron, die Pracht, mit der er in der Öffentlichkeit
erschien, der kriechende Pöbel, welcher um seine Aufmerksamkeit bettelte,
die Menge von Briefen und Petitionen, zu welchen er seine Antworten
diktierte, die beständige Geschäftseile, in der er begriffen war, waren
Zustände, die sich besser für den Stand einer bürgerlichen
Magistratsperson als für die Demut eines Bischofs der ersten Zeit
schickten. Wenn Paulus das Volk von der Kanzel anredete, ahmte er den
bildlichen Stil und die theatralischen Gesten eines asiatischen Sophisten
nach, während die Kathedrale von dem schwärmerischen Beifall zum Preise
seiner göttlichen Beredsamkeit widerhallte. Gegen diejenigen, welche
seiner Macht widerstanden oder sich weigerten, seiner Eitelkeit zu
schmeicheln, war der Prälat von Antiochien anmaßend, unerbittlich und
unnachgiebig; dagegen aber milderte er die Zucht bei seiner ihm ergebenen
Geistlichkeit, an die er die Schätze der Kirche verschleuderte.“
So
wurden unter Konstantins Regierung schließlich alle Hindernisse beseitigt,
und es gelangte, wie wir finden werden, das Papsttum – das bedeutet die
Organisation der Namenkirche unter ihrem Oberhaupt, dem Bischof zu Rom,
als Papst - gar schnell zur Verwirklichung.
Die
rasche Entwicklung des Antichristen
Die
schnelle Entwicklung der päpstlichen Herrschaft seit dem Beitritt
Konstantins ist ein bemerkenswerter Zug der Geschichte. „Der Fürst
dieser Welt“ hielt sein Versprechen. Für ihm geleistete Anbetung und
ihm erwiesenen Gehorsam gab er Macht und Gewalt als Lohn. (Matth. 4:8, 9)
Durch das Edikt (Verordnung) von Mailand verlieh Konstantin den Besitztümern
der Kirche gesetzliche Sicherheit und vormals entrissene Ländereien
wurden von den Christen wiedererlangt. Ein zweites Edikt im Jahre 321
gestattete der Kirche, Eigentum zu vermachen, während Konstantin selbst
ein Beispiel von Freigebigkeit gab und die christliche Geistlichkeit mit
Reichtümern überschüttete. Dieses Exempel des Kaisers wurde von
Tausenden seiner Untertanen, deren Beisteuer im Leben und deren Vermächtnisse
in der Todesstunde in den Kirchenschatz flossen, nachgeahmt. White sagt:
(Whites Universalgeschichte, Seite 155):
„Die
Kirche Roms fing früh an, sich um der Zahl und des Reichtums ihrer
Glieder willen über andere (über Kirchen anderer Städte und Länder)
Autorität anzueignen. Viele Umstände trafen zusammen, den Einfluss ihres
Bischofs zu vergrößern, obgleich seiner ungerechtfertigten Anmaßung und
seiner Ehrfurcht eine Zeitlang widerstanden wurde. Durch Verlegung der
Hauptstadt (von Rom nach Konstantinopel durch Konstantin im Jahre 334)
vermehrte sich die Macht der abendländischen Kirche, durch Übertragung
der Hauptmagistratswürde auf den Bischof. Hierzu kommt noch, dass Gratian
und Valentinian den Gebrauch, nach Rom zu appellieren, sowie die häufigen
Pilgerfahrten zu den Gräbern der Apostel Petrus und Paulus und anderer Märtyrer
guthießen und so beförderten.“
Nach
dem Tode Konstantins schien das wechselnde Glück des römischen
Kaisertums bei dem Emporkommen der abgefallenen Kirche und bei der
Entwicklung des Antichristen mitzuwirken; denn bis dahin war die Kirche
noch nicht unter ein Haupt vereinigt worden, das man als Stellvertreter
oder Statthalter Christi ansah. Die Nachfolger Konstantins bis herab auf
Theodosius fuhren fort, sich als Häupter der Kirche zu betrachten, auf
denen göttliche Autorität ruhte. Obwohl keiner der achtzehnhundert Bischöfe
des Kaisertums damals schon imstande gewesen war, als das Haupt oder der
Papst Anerkennung zu fordern, so hatten doch schon Verschiedene ihre Augen
auf diesen Preis gerichtet. Die Hohlheit ihrer Ansprüche auf den Titel
PONTIFEX MAXIMUS wurde den Kaisern durch das Argument vorgehalten, dass,
wenn sie selbst tote Heilige verehrten, sie doch ihren lebenden Vertretern
- den Bischöfen - die gleiche Achtung schuldig seien. Dessen ungeachtet
bezogen sich die Kaiser in ihren Erlassen wiederholt auf das Kaisertum als
auf eine göttliche oder von Gott gutgeheißene Herrschaft und auf sich
selbst als auf göttliche Persönlichkeiten. (siehe Gibbon, Band 2, Seite
108)
Die
Macht und das Ansehen des Bischofs von Rom mehrte sich nun zusehends.
Innerhalb von vielen Jahren von der Zeit an, da das Christentum gesetzlich
eingeführt worden war, wurde sein Reichtum und seine Würde als Bischof
der Haupt- und Weltstadt sehr groß. Ammian, ein Geschichtsschreiber aus
jener Zeit, sagt von seinem Reichtum und seinen Prahlereien: „Er übertraf
Könige an Glanz und Pracht, fuhr in den stattlichsten Karossen, war mit
den feinsten Gewändern angetan und seines Luxus und Stolzes wegen
allbekannt.“ Die Verlegung des kaiserlichen Regierungssitzes nach
Konstantinopel, der Umstand, dass die Stadt Rom dem feindlichen Einfall
durch die Barbaren von Norden her ausgesetzt war, der beständige Wechsel
der Generäle und Statthalter, ließ in dem nun schnell sinkenden Reiche
den Bischof der Kirche Roms als den beständigsten und geehrtesten Beamten
daselbst zurück; und sein allmählich zunehmendes Ansehen wurde nur durch
die Entfernung des nebenbuhlerischen Glanzes des kaiserlichen Hofes nach
Konstantinopel erhöht, sowie auch durch die Ehrfurcht, die bei allen Völkern
der Welt mit dem bloßen Namen Roms verknüpft war.
Als
Beispiel hierfür führen wir an, dass, als die Stadt Rom im Jahre 455 von
den Vandalen überfallen und geplündert wurde, und alles umher voll Elend
und Zerstörung war, der Bischof Leo von Rom die Gelegenheit ergriff,
sowohl den Barbaren als den Römern sein Anrecht auf geistliche Macht
recht einzuprägen. Den rohen und abergläubischen Barbaren, die schon
ohnedies von dem, was sie um sich her sahen, einen gewaltigen Eindruck über
die Größe Roms bekommen hatten, rief Leo mit seinen priesterlichen Gewändern
geschmückt ehrerbietend zu: „Sehet euch wohl vor. Ich bin der
Nachfolger des Apostel Petrus, dem Gott selbst die Schlüssel des
Himmelreiches gegeben hat, und dessen Kirche selbst die Pforten der Hölle
nicht überwältigen können. Ich bin der lebende Stellvertreter göttlicher
Macht auf Erden. Ich, ich bin der Kaiser, ein christlicher Kaiser, der in
Liebe herrscht, dem alle Christen Treue schulden. In meiner Hand halte ich
den Fluch der Hölle und den Segen des Himmels. Ich entbinde alle
Untertanen von der Treue gegen Könige. Aus göttlichem Recht verleihe ich
alle Throne und Herrschaften der Christenheit und nehme sie wieder hinweg.
Hütet euch, dass ihr das Erbe nicht entweiht, das mir euer unsichtbarer König
gegeben hat; ja beuget euren Nacken vor mir und bittet, dass Gottes Zorn
von euch abgewendet werde.“
Die
Ehrfurcht vor Ort und Namen beutelte der Bischof von Rom eifrig zu seinem
Vorteile aus und beanspruchte gar bald eine Herrschaft über alle anderen
Bischöfe, Herrscher und Regenten. Nicht nur die geistliche Herrschaft der
Welt beanspruchte er sehr bald, sondern auch die bürgerliche. Das Recht,
alle und jeden Herrscher des alten römischen Reiches zu krönen und zu
entthronen, zu ernennen und abzusetzen, sei das Recht und Erbteil der
Kirche Roms, welche, wie man behauptete, Gott solcher Gestalt mit der
Herrschaft über die Erde bekleidet habe. Diese Forderungen wurden
wiederholt gemacht und wiederholt von sich widersetzenden Bischöfen
verweigert, sodass ein genaues Datum ihres Anfangs festzusetzen unmöglich
sein würde. Was es selbst betrifft, so behauptet das Papsttum, in den
Tagen der Apostel aufgerichtet worden zu sein, und dass Petrus der erste
Papst gewesen sei; aber dies ist nicht nur gänzlich unbewiesen, sondern
dem wird auch von der ganzen Geschichte widersprochen. Dieselbe zeigt,
dass, obgleich eine Zeitlang ehrsüchtige Bosheit heimlich wirkte, sie
doch daran gehindert wurde, sich in den Antichristen zu entwickeln und
solche offenen Ansprüche zu erheben, bis das römische Kaisertum sich
aufzulösen anfing.
Von
nun an haben wir es mit dem Antichristen zu tun. Seine allmähliche
Entwicklung und Organisation, aus heimlich wirkendem Ehrgeiz hervor, ist
ein passendes Vorspiel zu dem schrecklichen Charakterbild, als das er sich,
nachdem er die begehrte Macht ergriffen hatte - von 539 bis 1799 - 1260
Jahre lang auswies. Die ersten drei Jahrhunderte dieses Zeitraums
bezeichnen das Steigen seiner weltlichen Macht, die letzten drei die
Abnahme derselben unter dem Einfluss der Reformation und Zivilisation. Die
dazwischen liegende Periode von sieben Jahrhunderten umfasst die
Glanzperiode des Papsttums und die finsteren Jahrhunderte des Mittelalters,
voll Trug und Täuschung, die im Namen Christi und wahrer Religion verübt
wurden.
Ein
römisch-katholischer Schreiber bestätigt vollständig, was wir über
diesen Gegenstand finden, und wir führen seine Worte ohne Rücksichtnahme
auf ihre Färbung als bekräftigendes Zeugnis an. Mit glühendem
Enthusiasmus eine Beschreibung des Steigens des Papsttums gebend, stellt
er es als eine Pflanze himmlischen Ursprungs hin, welchem Umstand es
zuzuschreiben sei, dass es so reißend schnell wuchs und so hoch in der
Welt emporkam. Er sagt:
„Der
Aufschwung der weltlichen Macht des Papsttums vergegenwärtigt eine der außergewöhnlichen
Erscheinungen, welche zu unserem Staunen und zu unserer Bewunderung die
Geschichte des menschlichen Geschlechtes darbietet. Durch eine seltsame
Verkettung der Umstände kam leise und verstohlen eine neue Macht, eine
neue Herrschaft, aus den Ruinen jenes alten römischen Kaisertums empor,
das in seiner Macht und Glanzperiode seine Herrschaft über fast alle
damaligen Nationen, Völker und Geschlechter ausgedehnt und bei ihnen sich
Achtung verschafft hatte. Und jene neue Macht geringen Ursprunges schlug
tiefere Wurzel und übte bald eine weiter reichende Autorität aus als das
Reich, dessen gewaltige Ruinen es in Stücke zerbröckeln und in Staub
zerfallen sah. In Rom selbst wuchs die Macht des Nachfolgers von Petrus
neben und unter dem schützenden Schatten des Kaisers heran. Der Einfluss
der Päpste wuchs in solchem Maße, dass aller Wahrscheinlichkeit nach in
nicht zu langer Zeit die Majestät des obersten Bischofs den Glanz des
Purpurs verdunkelt haben würde.“
„Die
Verlegung des Herrschersitzes durch Konstantin von Westen nach Osten, von
den historischen Ufern des Tiber an die schönen Gestade des Bosporus,
legte das breite Fundament zu einer in Wirklichkeit mit jenem
folgenschweren Wechsel anfangenden Oberherrschaft. Wesentlich von jenem
Tag an wurde Rom - das die Geburt, die Jugend, den Glanz und Verfall jenes
mächtigen Geschlechtes gesehen hat, durch welches seinem Namen mitsamt
seinen Adlern bis in die entferntesten Länder der damals bekannten Welt
getragen worden war - von den Erben seines Ruhmes allmählich aufgegeben,
und sein Volk sah, von den Kaisern verlassen und eine leichte Beute der plündernden
Barbaren, denen zu widerstehen sie nicht mehr den Mut hatten, in dem
Bischof von Rom seinen natürlichen Beschützer, seinen Vater. Jahr für
Jahr nahm die weltliche Macht des Papstes bestimmtere Gestalt an und
gewann an Festigkeit, ohne Gewalt, ohne Blutvergießen, ohne Betrug,
allein durch die Macht überwältigender Umstände, als ob von der Hand
Gott sichtbar geordnet.“
Während
römische Katholiken das Entstehen des Papsttums auf den Trümmern des
alten heidnischen Roms als einen Sieg des Christentums darstellen, suchen
die, welche mit dem wahren Geist des Christentums bekannt sind, in der
Preisgebung der Kirche und in ihrem unheiligen Bündnisse mit der Welt
vergeblich nach jenem Geist. Wahre Christen können in den Umständen, die
durch Unwissenheit, Aberglauben, Unglücksfälle und verschiedene Zeitverhältnisse
hervorgerufen wurden, und welche die Kirche Roms schlau benutzte, keinen
Beweis göttlichen Eingreifens zu ihren Gunsten erkennen. Noch auch können
sie in der Erhöhung Roms zu irdischer Macht und Herrlichkeit irgendwelche
Bewahrheitung der der Kirche vom Herrn gegebenen Verheißung, sie zu
seiner Zeit - nachdem der Antichrist gekommen und gegangen sei - zu erhöhen,
entdecken. Denn die Erhöhung der wahren Kirche soll nicht auf einen
blutbefleckten und durch Verbrechen geschändeten Thron stattfinden, wie
es mit dem Papsttum vom ersten Anfang an der Fall gewesen ist; auch wird
der wahre Christus nie die irdischen Könige anzugehen nötig haben, damit
diese ihn in die Macht einsetzen oder in derselben schützen. Die Zeichen,
welche das wahre Königreich Christi von der Nachfälschung unterscheiden,
sind denen leicht erkennbar, die durch die Schrift mit dem wahren Christus
und seinem Leib, der wahren Kirche, und mit den Grundsätzen, auf denen
dieses Königreich, und wozu es errichtet werden soll, bekannt geworden
sind.
Aber
niemand meine, dass die wahre Kirche, selbst in jener verderbten Zeit
nicht, ganz vertilgt oder aus dem Auge gelassen worden sei. „Der Herr
kennt die Seinen“ in jedem Zeitalter und unter allen Umständen. Sie
durften als Weizen mitten in einem von Unkraut (Lolch oder Scheinweizen)
überwucherten Feld wachsen; wie Gold wurden sie in den Schmelztiegel
geworfen, um geprüft und geläutert, um geschickt gemacht zu werden „zu
dem Anteil am Erbe der Heiligen in dem Licht.“ Wohl wahr, der Lauf der
Menge derer, die sich Christen nannten, nimmt den hervorragendsten Platz
auf den Blättern der Geschichte ein, aber unzweifelhaft ist, dass durch
alle Verfolgungen hindurch und von all den täuschenden Künsten des
Geheimnisses der Bosheit umgeben, einige Aufrichtige ihrer hohen Berufung
würdig wandelten. Sie wurden zur Ruhe gelegt und von Gott als Erben der
unverwelklichen Krone, welche ihnen im Himmel beigelegt ist, angeschrieben.
Also
wird auf den Blättern der Geschichte deutlich nachgewiesen, dass dieser
Mensch der Sünde, der Antichrist, in Rom geboren wurde; und obwohl ihm
anfänglich widerstanden wurde, schwang er sich doch nach und nach zur
Macht empor, oder, wie es in Daniels Prophezeiung heißt: Als „ein
kleines Horn„ kam es aus dem Kopf des alten römischen Tieres hervor,
jenes „greulichen und schrecklichen Tieres“„ für das Daniel keinen
Namen finden konnte, und das solche Gewalt hatte zu beschädigen und zu
verderben. Und beim Fortfahren werden wir finden, dass die Geschichte
desselben nicht nur genau mit der Prophezeiung Daniels, sondern auch mit
allen dasselbe betreffenden Weissagungen übereinstimmt.
Das
geschichtliche Charakterbild des Antichristen
Nachdem
wir festgestellt haben, was und wer der Antichrist ist, fahren wir zunächst
fort, das geschichtliche Charakterbild des Papsttums mit den
aufgezeichneten Weissagungen zu vergleichen, die das Wesen und das Tun des
Antichristen oder des Menschen der Sünde beschreiben.
Mancher
möchte hier fragen, ob es wohl richtig sei, an den römischen Kaisern,
welche doch die obersten religiösen Herrscher zu sein beanspruchten,
vorbeizugehen und nicht deren System Antichrist zu nennen, sondern diese
Bezeichnung ganz und gar auf das organisierte päpstliche System
anzuwenden? Wir antworten: Gewiss ist dies recht und verweisen den Leser
aufs neue auf die in der Schrift gebrauchte Definition vom Antichristen,
wie wir sie bereits angegeben haben, nämlich: An Stelle von oder anstatt,
was bedeutet, eine Verfälschung und Nachahmung des wahren Christus. Um
dies zu sein, muss es ein geistliches Reich zu sein behaupten; es muss
vorgeben, die Königreiche der Erde durch diese geistliche Autorität zu
regieren; es kann also nicht nur ein Gegner sein, sondern es muss ein
Betrug, eine Fälschung sein; es muss vorgeben, das Königreich Christi zu
sein. Es muss dasselbe falsch darstellen und das ausrichten wollen, was zu
Gottes rechter Zeit die Aufgabe des wahren Christus sein wird, das
bedeutet der verherrlichten und vollendeten Kirche unter ihrem einzigen,
wahren Haupt und Herrn - dem echten PONTIFEX MAXIMUS.
Das
Papsttum beanspruchte nicht nur, das herrliche Königreich Christi zu sein,
das von dem Herrn, den Aposteln und Propheten verheißen ist, sondern es
bezieht auch auf sich und auf seine aufeinander folgenden Häupter (die Päpste,
die, so behauptet es, an Stelle Christi Hohepriester, Häupter oder Könige
dieses Reiches seinen) alle die Stellen der Propheten, welche die tausendjährige
Herrlichkeit des Christus beschreiben. Und durch ihre falschen Theorien,
die sich langsam, Jahrhunderte hindurch, aus ihrem sündlichen Streben
nach Größe entwickelten, andere „verführend und selbst verführt“,
haben sie nach und nach alle die Titel derer, die zu dieser Hierarchie gehören,
erfunden, samt ihren prunkvollen Gewändern, eindrucksvollen Zeremonien
und großartigen Kathedralen, mit ihren feierlich, Ehrfurcht einflößenden
Gottesdiensten, und das alles auf einem Fuß, der so genau wie möglich
ihren Ansprüchen entspräche. Alles, die glänzende Umgebung, die
prachtvolle Kleidung und die eindrucksvollen Zeremonien suchte man der
Glorie und Erhabenheit, wie sie von den Propheten gezeichnet wurde, so
genau wie nur möglich anzupassen.
In
Psalm 2:12 heißt es zum Beispiel: „Küsset den Sohn, dass er nicht zürne,
und ihr umkommet auf dem Weg“, usw. Dies ist kein Gebot, buchstäblich
zu küssen, sondern sich dem Herrn mit williger und fröhlicher
Unterwerfung zu ergeben, und gilt der gegenwärtigen Stunde, da als
Vorbereitung auf die große und eigentliche Tausendjahrherrschaft des
wahren Christus die politischen, gesellschaftlichen, finanziellen und
kirchlichen Könige und Großen der Erde, ob ihrer Willigkeit oder
Unwilligkeit, sich unter die gerechten Verordnungen zu beugen, welche
jetzt in Kraft zu treten an der Zeit sind, geprüft werden.
Wer
der Gerechtigkeit widerstrebt, widerstrebt dem Zepter dieses Königs der
Herrlichkeit, und alle solche werden in der Zeit der großen Drangsal,
welche die tausendjährige Herrschaft des neuen Königs einleitet, gestürzt
werden. Alle, die nicht wollen, dass er über sie herrsche, werden
umgebracht werden. (Lukas 19:27) „Seine Feinde werden Staub lecken“ -
überwunden werden.
Diese
Prophezeiung, fälschlich auf sein nachgeahmtes Reich anwendend, hat der
Papst, das stellvertretende Haupt des Antichristen, in den siegreichen
Tagen seiner Blütezeit Könige und Kaiser veranlasst, sich vor ihm zu
beugen, wie vor Christus selbst, und seine große Fußzehe zu küssen; was
man als Erfüllung dieser Prophezeiung ansah.
Schriftsteller
und Erforscher der Propheten gehen gewöhnlich leicht über solche
Behauptungen weg, und suchen besonders nach Unsittlichkeit als Zeichen und
Merkmal des Antichristen. Aber hierin irren sie sich sehr. Schlechte
Menschen hat es zu jeder Zeit reichlich gegeben, und dafür wäre solch
besondere prophetische Schilderung, wie sie vom Antichristen gegeben wird,
nicht nötig gewesen. Könnte man beweisen, dass die dem päpstlichen
System Angehörigen wahre Muster von Tugend gewesen wären, so würde
nichtsdestoweniger das in der Schrift gegebene Charakterbild des großen
Antichristen damit stimmen. Es würde doch die Fälschung sein, welche
sich die Titel, Rechte, Gewalten und Verehrung angemaßt hat, die dem
Gesalbten des Herrn gebühren. Als solche Fälschung hat es auch den Plan
Gottes in Bezug auf die Herauswahl einer „kleinen Herde“ gefälscht,
und die eigentliche Hoffnung der Kirche und die Verheißung des Herrn, die
Welt während der tausendjährigen Regierung Christi zu segnen, ganz
beiseite gesetzt. Letztere stellt er als in seinem eigenen Reich erfüllt
dar. Die schlimme Wirkung solcher Verdrehung und falscher Darstellung des
Planes Gottes kann kaum berechnet werden. Es ist die direkte Quelle
gewesen, aus der alle die verderblichen Lehren entsprungen sind, die
nacheinander eingeführt wurden, um die Ansprüche des Antichristen zu stützen
und seine Würde zu vergrößern. Wohl brach mit der Reformation vor drei
Jahrhunderten eine neue Zeit des Bibelstudiums und der Gedankenfreiheit an
und führte zur Verwerfung mancher Übel und Irrtümer des Papsttums. Aber
die Fälschung, das Trugbild, war auf so vollkommener Stufe angelangt, und
in allen seinen Teilen und Einrichtungen so in sich vollendet und hatte
die Welt so vollständig irregeleitet, dass, selbst nachdem Luther und
viele andere das Papsttum als den Ausfluss des großen Abfalls - als den
geweissagten Antichristen - erkannt hatten, sie dennoch, während sie es
als ein System verurteilten, an der falschen Theorie festhielten, welche
zu den dem Papsttum eigentümlichen Irrtümern in Lehre wie Praxis geführt
hatte. Bis auf den heutigen Tag unterstützen die Protestanten aller
Konfessionen die Theorie des Antichristen, dass das Reich Christi schon
aufgerichtet sei. Einige versuchten wie das Papsttum ihre Kirche unter
einer Person, als deren Haupt, zu organisieren, während andere anstelle
dieses Hauptes ein Konzil oder eine Synode setzen; alle aber in dem Wahn,
der ihnen durch die vom Antichristen begonnene falsche Schriftauslegung
beigebracht worden war - dass jetzt, und nicht in der Zukunft, die Zeit
der Herrschaft des Reiches Christi sei; und wie der Antichrist, das
kommende Zeitalter leugnend, sind sie gegen die Förderung wahrer
Heiligkeit unter den Gläubigen gleichgültig und schwärmen vielmehr dafür,
das Werk des nächsten Zeitalters (die Bekehrung der Welt) jetzt auszuführen;
und das in solchem Maße, dass sie gar oft willens sind, Gottes Plan und
Wort zu fälschen und Lehren zu erdichten, um die Welt in ein äußerliches
Bekenntnis der Gottseligkeit zu schrecken und zu treiben. Und ebenso sind
sie gar willig, ihre Zuflucht zu fraglichen und weltlichen Mitteln zu
nehmen, um ihre Anziehungskraft zu erhöhen und die Unbekehrten für ihre
mannigfaltigen Abteilungen zu ködern. Wie der Antichrist rechnen sie um
des Stolzes willen und, um mit großen Zahlen prangen zu können, alle
solche mit ein.
Solchen
fällt es schwer, einzusehen, dass das Papsttum der Antichrist ist. Wie können
sie, solange ihr Glaube noch nicht frei ist von dem Gift der Irrlehre, und
ihre Vernunft noch durch den Erzirrtum des Antichristen verblendet ist?
Erst muss man die Größe, die Erhabenheit und die Notwendigkeit des
tausendjährigen Königreiches Christi sehen, ehe man die Größe der Fälschung
von Seiten des Antichristen erkennen oder die durch ihn angerichtete Verstümmelung
der Wahrheit und seinen verderblichen und befleckenden Einfluss in der
Namenkirche, die der Tempel Gottes sein soll, recht würdigen und in
seiner ganzen Schrecklichkeit begreifen kann.
Niemand
braucht sich über die Vollständigkeit dieser Fälschung zu wundern. Man
bedenke nur, dass es Satans Werk ist, und dass er dasselbe den in der
Schrift dargestellten Vorbildern und Erläuterungen nachgebildet hat. Als
der große Widersacher sah, dass die Zeit der Auswahl der Kirche gekommen
war, und dass die vom Herrn und seinen Aposteln gepflanzte Wahrheit allen
heidnischen Religionen gegenüber an Raum gewann und überall, wo sie
hinkamen, die Sanftmütigen aussuchte, versuchte er die Reinheit der
Kirche zu zerstören und das in andere Kanäle zu leiten, was er nicht
mehr aufhalten konnte. So ist also der Triumph des Antichristen, wie auch
seine gegenwärtige Macht, der Erfolg des Satans gewesen. Aber gerade hier
sehen wir die Weisheit Gottes; denn während Satans Erfolg scheinbar dem
Plan Gottes eine Niederlage zu bereiten schien, wirkte er in der Tat, wenn
auch unwissentlich, mit, dass der göttliche Plan hinausgeführt wurde.
Denn durch keine anderen Mittel konnten die wahrhaft Geweihten so vollständig
geprüft und ihre Treue zu Gottes Wort so durch und durch auf die Probe
gestellt werden, als nur durch die Zulassung dieses großen gefälschten
Christus.
Die
beigefügte Tabelle zeigt, wie vollständig die Fälschung des künftig zu
errichtenden Königreiches Christi im Papsttum gewesen ist, und wie es dem
jüdischen vorbildlichen Priestertum nachgebildet war.
Die
Ekklesia,
die Herauswahl Gottes - das königliche Priestertum
-
- - - - - - - - - - - - -
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Das
Vorbild
|
Die
Wirklichkeit
|
Das
gefälschte
|
|
|
während
des
Millenniums |
Gegenbild |
|
Aaron,
|
Christus
Jesus,
|
Die
Päpste, |
|
und
seine Nachfolger- Erster oder Hohenpriester,Haupt, Stelltreter und
Sprecher. |
unser
Herr, Haupt und Stellvertreter; der Hohenpriester unseres
Bekenntnisses (unserer Ordnung).
|
der
Reihe nach, Hohenpriester der päpstlichen
Hierarchie; deren Herr, Haupt
und Sprecher. |
|
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|
|
Unterpriester,
die ihre Amtswürde,
ihre Rechte und ihre gottesdienstlichen Vorrechte durch Aaron
empfingen, dessen Leib sie bildeten, schatteten die Kirche Christi
ab. |
Die
verherrlichte Herauswahl,
der Leib Christi, Teilhaber seiner Herrlichkeit, seiner Majestät
und seines Herrscheramtes. Ihre
Stellungen werden sich voneinander unterscheiden
wie Stern sich von Stern an Klarheit unterscheidet. |
Die
Kirche Roms besteht aus Bischöfen und Prälaten, welche die Würden
der Hierarchie teilen, jedoch nach Ehrengraden - Kardinälen,
Erzbischöfen usw. - sich unterscheiden. |
Unter
diesen Hierarchien stehen folgende Gehilfen:
|
Die
Leviten, die
Dienstleistungen für die vorbildliche Stiftshütte - Lehren usw.
- verrichteten. Eine geringere Priesterordnung, der nicht
gestattet war, das Heiligtum (vorbildlich von der geistigen Natur)
zu betreten. |
Die
irdische Stufe des
Königreiches Gottes, durch welche die verherrlichte Kirche
direktere Berührung mit der Welt haben, dieselbe unterweisen und
regieren; und zwischen ihr und der geistigen Kirche findet die
innigste Gemeinschaft statt. |
Die
Unterpriester des Papsttums,
die kein Teil,
keine Glieder, der Kirche oder Hierarchie sind, aber „Brüder
und Schwestern“ genannt. Aus diesen bestehen die Lehrer, usw.,
die in direkter Berührung mit dem Volk wie mit der Hierarchie
sind. |
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|
|
Ganz
Israel wurde von der oben beschriebenen Hierarchie gelehrt und
geleitet. Und in Mose, der ein Vorbild des ganzen Christus war,
hatte es in einem vereinigt, Prophet, Priester und König, die
tausendjährige Herrschaft des Christus
vorschattend. - Apg. 3:22 |
Von
oben beschriebenem Königreich Gottes und seinen irdischen
Vertretern wird die Welt belehrt, geführt, regiert und ihr
geholfen werden. Es wird alle Gewalt besitzen, und ihm muss
Gehorsam geleistet werden; und alle, die nicht gehorchen, werden
„vertilgt“. - Apg. 3:22
|
Das
Papsttum fordert seinen Anordnungen und Lehren gegenüber den
Gehorsam der Welt, als ob es das Königreich Gottes sei. Die
niedere Priesterschaft
ist sein Agent. Als es in seiner Macht stand, strebte es, seine
Gesetze zu erzwingen, und Ungehorsame wurden vertilgt. |
Mosheim,
der das Entstehen des hierarchischen Systems (der Priesterschaft) erklärt,
zeigt diese Nachfälschung sehr klar in folgenden Worten, Band 1:
„Solange
die geringste Möglichkeit vorhanden war, dass Jerusalem zu irgendeiner
Zeit sein Haupt wieder aus dem Staube erheben könne, legten sich die
christlichen Lehrer und Ältesten keine Titel und Würden bei, wenigstens
keinen anderen als die bescheidensten und demütigsten; aber als das
Schicksal jener Stadt durch Hadrian (im Jahre 135) besiegelt worden war
und die Juden nicht die entfernteste Hoffnung mehr unterhalten konnten,
ihre alte Herrschaft wiederhergestellt zu sehen, da regte sich bei
denselben Hirten und Dienern der Wunsch, ihre Herden glauben zu machen,
sie seien die rechtmäßigen Nachfolger der jüdischen Priesterschaft. Die
Bischöfe waren daher geschäftig, den Glauben zu erzeugen, dass sie mit
eine