SCHRIFTSTUDIEN
BAND
3 - DEIN
KÖNIGREICH KOMME
Studie
6
Das
Ernte Werk.
Was
das Ernte Werk ist. —
Das
Sammeln des Weizens. —
Das
in Bündeln Binden und Verbrennen des Unkrautes (Scheinweizens). —
Sein
Ursprung und fruchtbares Wachstum. —
Wird
verzehrt, ähnlich wie die Spreu der jüdischen Ernte. —
Anmerkung
der übereinstimmenden Zeitverhältnisse. —
Die
Verwerfung, der allmähliche Fall und schließliche Untergang Babylons. —
Das
Versiegeln der Knechte Gottes, ehe die Plagen über Babylon hereinbrechen. —
Gericht
oder Prüfung sowohl des ganzen Systems, als auch der einzelnen. —
Die
Prüfung des jüdischen Systems verbildlich. —
Das
Prüfen und Sichten des Weizens. —
Die
klugen, von den törichten Jungfrauen getrennt, gehen allein zu dem
Hochzeitsmahl hinein. —
„Und
die Tür ward verschlossen.“ —
Eine
weitere Musterung und das Hinauswerfen einiger. —
Warum?
und wie? — Der
Schluss des „hohen Berufes“. —
Die
Zeit ist kurz. — „Lasst
niemand deine Krone nehmen.“ —
Die
Knechte der ersten Stunde und die Überwinder.
„Die
Ernte“ ist ein Ausdruck, der im Allgemeinen eine Idee gibt, was für ein
Werk zwischen den Daten 1874 und 1914, sich zu vollziehen, zu erwarten ist.
Es ist eine Zeit des Erntens und nicht etwa des Säens, eine Zeit der Prüfung,
des Abrechnens, des Lohnausteilens. Da die Ernte des jüdischen Zeitalters
ein Vorbild der Ernte dieses Zeitalters ist, so gewährt die Betrachtung
und Vergleichung der verschiedenen Züge jener Ernte sehr deutliche Ideen
betreffs des in der gegenwärtigen Ernte zu vollführenden Werkes. In
jener war die besondere Lehrmethode unseres Herrn so eingerichtet, dass
dadurch der Weizen, der schon solcher war, gesammelt werde, und die Spreu
des jüdischen Volkes von demselben getrennt werde. Und seine Lehre wurde
zugleich der Same für die neue Heilszeitordnung, die an Pfingsten begann
- kurz nachdem Israel als Volk verworfen war.
Betreffs
der Worte unseres Herrn, die er während seines Berufes in jener
Nationalkirche, als er seine Jünger aussandte, an dieselben richtete,
sollte man sorgfältig beachten, dass sie den Beweis liefern: Ihr ihnen
damals besonders obliegendes Werk war, zu ernten, und nicht zu säen. Er
sagte zu ihnen: „Hebt eure Augen auf und schaut die Felder an, denn sie
sind schon weiß zur Ernte. Der da erntet, empfängt Lohn und sammelt
Frucht zum ewigen Leben.“ (Joh. 4:35, 36). Als der Hauptschnitter in
jener Ernte, wie er es auch in dieser ist, sagte der Herr zu den
Unterschnittern: „Ich habe euch gesandt zu ernten, woran ihr nicht
gearbeitet habt; andere(die Patriarchen und Propheten und andere
Fromme)haben gearbeitet, und ihr seid in ihre Arbeit eingetreten“ - die
Früchte jener jahrhundertlangen Arbeit einzuernten und jenes Volk durch
die Botschaft zu prüfen: „Das (König)Reich der Himmel ist nahe
gekommen;“ der König ist da - „Siehe, dein König kommt zu dir.“ -
Matth.10:7; Joh. 12:15; Sach. 9:9
In
der Ernte suchte der Herr die geblendeten und zerstreuten Schafe Israels;
alle die rufend, die seine Schafe schon waren, dass sie seine Stimme hören
und ihm folgen möchten, statt dass er aus Böcken Schafe machen wollte.
Diese Beobachtungen an dem Vorbilde geben eine Andeutung über das jetzt
in der gegenwärtigen Ernte zu vollbringende Werk. Ein anderes und großartigeres
Säen unter den günstigeren Verhältnissen des Tausendjährigen Königreiches
wird bald seinen Anfang nehmen. In der Tat, der Same der Wahrheit über
Wiederherstellung, usw., der die zukünftige Ernte hervorbringen wird, fällt
jetzt schon hier und da in verlangende, wahrheitshungrige Herzen. Doch
dies ist bloß ein zufälliges Werk jetzt, denn, wie ihr jüdisches
Vorbild, ist die gegenwärtige Ernte eine Zeit für das Einernten der sich
als solche bekennenden Kirche (genannt Christenheit),damit die aus ihr
gesammelten wahren Heiligen erhöht und mit ihrem Herrn vereinigt werden möchten,
nicht nur um die Wahrheit zu predigen, sondern auch um das große Werk der
Wiederherstellung für die Welt in Bewegung zu setzen.
In
dieser Ernte sollen Weizen und Scheinweizen getrennt werden; doch vor der
Trennung bilden diese beiden Klassen die nominelle Kirche. Der Weizen sind
die wahren Kinder des Reiches, die wahrhaft Geweihten, die Erben; während
der Scheinweizen nur nominell und nicht wirklich Christi Kirche oder
voraussichtliche Braut ist. Der Scheinweizen ist die vom Herrn erwähnte
Klasse derer, die ihn Herr, Herr heißen, aber ihm nicht gehorchen. (Luk.
6:46). In äußerer Erscheinung sind die beiden Klassen sich oft so sehr
gleich, dass es genaue Untersuchung fordert, um sie zu unterscheiden. „Der
Acker ist die Welt“ im Gleichnis, und diese, Weizen und Scheinweizen (der
Scheinweizen am zahlreichsten), bilden, was oft „die christliche Welt“
und „Christenheit“ genannt wird. Durch gelegentlichen oder regelmäßigen
Besuch des Gottesdienstes, dadurch dass sie sich Christen nennen, durch
Befolgung gewisser Gebräuche Zeremonien; und dadurch, dass sie mehr oder
weniger direkt mit einem religiösen System eins sind, sieht der
Scheinweizen manchmal wie von Herzen Gott geweihte Kinder aus und gilt für
solche. In sogenannt „christlichen Ländern“ werden alle, ausgenommen
ausgesprochene Ungläubige und Juden, auf solche Weise als Christen gezählt;
und ihre Zahl - einschließlich der wenigen völlig Geweihten (der
Heiligen) - wird auf ungefähr 180 Millionen Griechisch und Römisch
Katholischer und 120 Millionen Protestanten geschätzt.
Während
des christlichen Zeitalters, lehrte unser Herr, sollte man keinen Versuch
zur Trennung der wahren von den nachgeahmten Kindern des Reiches machen,
denn dies zu bewirken, hieße, eine allgemeine Umwälzung der Welt (des
Feldes) hervorrufen - ein allgemeines Losreißen des Weizens sowohl wie
des Scheinweizens. Daher sagte er: „Lasst es beides zusammen wachsen bis
zur Ernte.“ Dann fügt er aber hinzu: „Zur Zeit der Ernte werde ich zu
den Schnittern (Engeln oder Sendboten) sagen: Leset zuerst das Unkraut (Scheinweizen)
zusammen und bindet es in Bündeln, um es zu verbrennen, den Weizen aber
sammelt in meine Scheune.“ (Matth. 13:30). Folglich müssen wir in der
Zeit der Ernte ein allgemeines Trennungswerk erwarten, das bis dahin
weislich untersagt war. Während der wahre Weizen stets ermuntert worden
ist, festzustehen in der Freiheit, womit Christus sie befreit hatte, und
sich vor umgarnenden Verbindungen mit offenbaren Übertretern und Wölfen
in Schafskleidern zu hüten, sollten sie doch nicht unternehmen, zwischen
der völlig geweihten Klasse, dem Weizen, den Heiligen, und dem
Scheinweizen, der da Christi Namen und Lehre bekennt, und der bis zu einem
gewissen Grad seinen äußerlichen Wandel durch diese Lehren beeinflussen
lässt, dessen Herz jedoch weit vom Herrn und seinem Dienst entfernt ist,
zu unterscheiden. Dieses Richten der Herzen, der Beweggründe, usw., das
über unsere Macht geht, und das der Herr uns gänzlich zu meiden anbefahl,
ist gerade das, was die verschiedenen Sekten die ganze Zeit zu vollbringen
versucht haben. Sie versuchten den Weizen zu trennen, zu prüfen, und als
Scheinweizen oder Ketzer durch starre Glaubenssätze menschlicher Bildung
alle Bekenner des Christentums, deren Glaube mit ihren verschiedenen
falschen Maßen nicht genau stimmte, abzutrennen. Doch wie erfolglos all
diese gewesen sind! Sie haben falsche, unschriftgemäße Glaubensfahnen
und Lehren aufgestellt, die in Wirklichkeit vielen Scheinweizen
hervorgerufen und den Weizen erstickt oder getrennt haben; wie z.B. die
Lehre der ewigen Qual für alle, die nicht Glieder der Kirche seien.
Obwohl dies unter dem jetzt zunehmenden Licht sehr gemildert wird, was für
eine Masse Scheinweizen hat dieser Irrtum hervorgerufen, und wie hat er
den Weizen erstickt, geblendet und an einer rechten Erkenntnis des Wesens
und Planes Gottes verhindert. Heute sehen wir, welch großen Missgriff die
verschiedenen Sekten gemacht haben, dass sie seinen Rat nicht befolgten,
Weizen und Scheinweizen, Heilige und bloße Bekenner, zusammen wachsen zu
lassen, ohne eine Trennung zu versuchen. Aufrichtige Leute jeder Sekte
werden zugegeben, dass in ihren Sekten viel Scheinweizen ist, bloße
Bekenner und nicht Heilige, und dass es außerhalb ihres Sektenzaunes gar
manche Heilige gibt. So kann heutzutage keine Sekte behaupten, noch tut
dies irgend eine, ganz Weizen und frei von Scheinweizen zu sein; - noch
weniger würde irgend eine irdische Organisation (außer „Christadelphians“,
d.i. Brüder Christi, und Mormonen) kühn genug sein, zu behaupten, dass
sie allen Weizen enthielte. Folglich haben sie keine Entschuldigung für
ihre Organisationen, theologischen Zäune, usw. Sie trennen keinen Weizen
vom Scheinweizen, noch kann irgend etwas anderes diese Trennung der Herzen
vollständig und durch und durch bewirken, als die Methode, die der Herr
dazu verordnet hat, und die in der Zeit der Ernte in Ausführung gebracht
werden soll. Dies zeigt, dass es notwendig ist, zu wissen, dass die Zeit
vorhanden ist und das Erntewerk der Trennung zu beginnen hat. Und treu
seiner Verheißung hat uns der Herr nicht im Dunkeln gelassen, sondern
gibt allen, deren Herzen dazu bereit sind, den jetzt zeitgemäßen
Bescheid. „Ihr aber, Brüder, seid nicht in Finsternis (noch im Schlaf),
dass euch der Tag wie ein Dieb ergreife.“ - 1. Thess. 5:4
Die
Sichel in dieser Ernte ist die jetzt fällige Wahrheit, gerade wie eine ähnliche
Sichel in der jüdischen Ernte gebraucht wurde. Die Schnitter, die Engel (Das
Wort Engel, angelos, bedeutet Sendbote.) oder Sendboten, sind die
Nachfolger des Herrn, gerade wie eine ähnliche Klasse in der jüdischen
Ernte die Schnitter waren. Und obwohl das ganze Zeitalter hindurch die
Regel galt, keine Trennung des Weizens vom Scheinweizen zu versuchen, so
wird doch denen, die bereit, würdig und gehorsam sind, der Plan und die
Anordnung des Herrn so deutlich gezeigt werden, dass sie seine Stimme in
der Zeit der Ernte hören, die da sagt: „Schlage an mit der Sichel“
der gegenwärtigen Wahrheit und: „Sammelt mir meine Frommen, die meinen
Bund geschlossen haben beim Opfer.“ „Sie werden mir, spricht Jehova
der Heerscharen, zum Eigentum sein, an dem Tage, den ich machen werde.“
- Psalm 50:5, Mal. 3:17
Nicht
allein aber ist dies eine Zeit des Einsammelns der Frommen, der Heiligen,
durch die Wahrheit (in die Einheit mit dem Herrn und untereinander und aus
der Gemeinschaft mit bloßen Bekennern, den Scheinweizen), sondern es ist
auch eine Zeit des Reinigens des Feldes durch Verbrennen des Scheinweizens,
der Stoppeln, des Unkrautes, usw. als Vorbereitung für ein neues Säen.
In einem Sinne wird der „Weizen“ aus dem Scheinweizen heraus gesammelt
- wegen der größeren Anzahl des Scheinweizens - wie wenn der Herr sagt:
„Gehet aus von ihr, mein Volk“. Doch in einem anderen Sinne wird die
Trennung richtig dargestellt als eine Trennung des Scheinweizens vom
Weizen. Eigentlich ist der Weizen an seinem Platze. Es ist ein Weizenfeld,
nicht ein Lolchfeld. (Die Menschenwelt wird als Ackerboden gerechnet, aus
dem der Weizen wie der Scheinweizen emporwächst). So ist also der
Scheinweizen nicht am Platz und muss entfernt werden. Der Herr begann das
Weizenfeld, und der Weizen stellt die Kinder des Königreiches dar (Matth.
13:38). Und da der Acker oder die Welt diesen Kindern übergeben werden
soll, und ihnen schon durch Verheißung gehört, so zeigt das Gleichnis,
dass es eigentlich der Scheinweizen ist, der gesammelt und verbrannt wird,
und der Acker, mit allem in und auf ihm, dem Weizen überlassen wird. Der
Scheinweizen kehrt zum Ackergrund (zur Welt), aus dem er kam. zurück, und
die Erstlingsfrucht des Weizens ist in die Scheuer zu sammeln, damit die
Erde eine weitere Ernte hervorbringen könne.
Der
Weizen soll nicht gebündelt werden. Die Körner wurden ursprünglich
getrennt und unabhängig von einander gepflanzt, um nur als eine Art unter
gleichen Bedingungen sich zusammenzutun. Das Gleichnis aber erklärt, dass
eine der Wirkungen der Ernte die sein werde, den Scheinweizen vor dem „Verbrennen“
oder vor „der Zeit der Trübsal“ zu sammeln und in Bündel zu binden.
Und dies Werk ist rings um uns her im Fortschritt begriffen. Nie gab es
eine Zeit, wie diese, für Arbeitervereinigungen, kapitalistische
„Trusts“ und Gesellschaften jeder Sorte zum gegenseitigen Schutz.
Die
zivilisierte Welt ist der „Acker“ des Gleichnisses. Die in ihr während
der Reformation bald von dieser bald von jener Seite sich erhebenden Winde
der Kämpfe über Meinungsverschiedenheit in der Lehre warfen Weizen und
Scheinweizen in große Schläge (religiöse Gemeinschaften)zusammen,
einige in dieser Lehrrichtung, andere in jener. Dies trieb Weizen und
Scheinweizen näher zusammen und raubte allen viel von ihrer Persönlichkeit
oder Selbstständigkeit. Die Lehrstürme haben längst ausgetobt, doch die
Trennungen bleiben durch die Gewalt der Gewohnheit bestehen, und nur hier
und da hat eine Weizenähre versucht, sich aus dem Gewicht der Masse
gerade empor zu richten.
Doch
mit der Erntezeit kommt die Befreiung des Weizens von der Beschwerung und
Hinderung durch den Scheinweizen. Die Sichel der Wahrheit bereitet diese
Klasse zu für die Freiheit, mit der Christus ursprünglich alle frei
gemacht hatte, obwohl die selbe Sichel eine entgegengesetzte Wirkung auf
den Scheinweizen hat. Der Geist des Scheinweizens ist auf sektiererische
Größe und Ansehen mehr wie auf persönlichen Gehorsam und Treue gegen
Gott gerichtet. Folglich verwirft er die gegenwärtige Wahrheit und
widersetzt sich ihr stark, weil er sofort erkennt, dass dieselbe all und
jedes Sektenwesen verurteilt und jeden Einzelnen prüft. Und wenn auch
nicht geneigt, sich mit einander zu vereinigen, so vereinigen sie sich
doch im Ankämpfen gegen die trennende Wirkung der gegenwärtigen Wahrheit
bis zu einem solchen Grade, dass sie langsam, vorsichtig und doch fest um
alles selbstständige Denken und Studium religiöser Gegenstände die
Seile ziehen, sonst möchten ihre Organisationen in Stücke fallen, aller
Weizen entkommen und nichts als Scheinweizen zurück bleiben.
Ein
jeder in der Scheinweizen-Klasse scheint zu merken, dass, wenn er als
Person geprüft werden würde, er keinen Anspruch auf das den genauen
Nachfolgern des Lammes verheißene Königreich machen könne. Der
Scheinweizen würde vorziehen, dass die verschiedenen Sekten als so und so
viele Körperschaften gerichtet würden, und im Vergleich mit einander;
auf diese Weise hoffte er, auf Grund des Verdienstes des Weizens, mit dem
er verbunden ist, in die Herrlichkeit des Königreiches hinein zu gleiten.
Doch dies ist nicht möglich. Die Probe der Würdigkeit für die Ehre des
Königreichs wird eine persönliche sein - eine über persönliche Treue
gegen Gott und seine Wahrheit - keine Prüfung von Sekten, um zu sehen,
welche die wahre sei. Und an diesem Tage größeren Lichtes, das die Dünste
von Scheinheiligkeit und Aberglauben zerstreut, scheint jede Sekte zu
merken, dass andere Sekten ebenso gut (und ebenso wenig) ein Recht haben,
zu behaupten, die eine und einzig wahre Kirche zu sein. Gezwungen, dies
zuzugeben, suchen sie alle dadurch zu fesseln, dass sie den Eindruck geben,
es sei zum Heile wesentlich, zu irgend einer ihrer Sekten zu gehören -
einerlei zu welcher. So vereinigen sie persönliche Verantwortlichkeit mit
Sektenknechtschaft.
Als
Beispiel eines allgemein bekannten Bandes, das kürzlich vom Sektentum
fester um seine Anhänger gezogen wurde, führen wir die scheinbar unschädlichen
und für viele dem Anschein nach vorteilhaften „Internationalen
Sonntagsschuleaufgaben“ an. Diese geben den Eindruck von unparteiischem
Gemeinwirken im Bibelstudium unter allen Christen. So scheinen sie einen
großen Schritt hinweg von, und hinaus über, den alten Methoden, nach
sektiererischen Katechismen zu studieren, getan zu haben. Diese
gemeinsamen Aufgaben oder Themen haben den Anschein von einem Fallenlassen
des Sektentums und des Zusammenkommens aller Christen, die Bibel in ihrem
eigenen Lichte zu betrachten; - ein Ding, das alle als den einzig
richtigen Weg anerkennen, aber alle Sekterianer sich weigern zu tun, denn,
man beachte wohl, diese internationalen Sonntagsschuleaufgaben scheinen
nur unparteiisch zu sein: sie scheinen nur große Freiheit im Bibelstudium
zu gewähren. In Wirklichkeit bereitet jede religiöse Gemeinschaft ihre
eigenen Bemerkungen über die Schriftstellen der Aufgabe. Und das Komitee,
welches diese Aufgaben auswählt, nach äußerem Schein von Harmonie
strebend, wählt solche Stellen, über die wenig Meinungsverschiedenheit
herrscht. Die Stellen und Lehren, in denen sie differieren, die gerade am
meisten besprochen zu werden bedürfen, damit die Wahrheiten und Irrtümer
einer jeden Sekte offenbar werden möchten und eine wirkliche Vereinigung
auf Grund des „einen Herrn, ein Glaube, eine Taufe“ zustande kommen würde
- diese werden in den Aufgaben übergangen, aber wie zuvor in jeder Sekte
festgehalten.
Die
Folge dieser und ähnlicher „Vereinigungs-Methoden ist, den
Protestantismus mehr eindrucksvoll im Aussehen zu machen und dem Volke in
der Tat, wenn nicht in Worten zu sagen: Ihr müsst euch einer dieser
Sekten anschließen, oder ihr seid überhaupt gar kein Kind Gottes. In
Wirklichkeit ist gar keine Vereinigung als Kirche vorhanden, sondern eine
Zusammenfassung getrennter und wohl unterschiedener Organisationen, jede
so begierig wie je, seine eigene Organisation als Sekte oder als Bündel
zu behalten, aber jede willens, sich mit anderen zu verbinden, um einen größeren
Achtung fordernden Eindruck auf die Welt zu machen. Es verhält sich wie
mit dem Zusammenstellen der Garben in einen Haufen. Jede Garbe behält
ihre eigenen Bande und Einrichtung und wird noch fester gebunden, indem
sie mit anderen Bündeln zusammengepfercht und befestigt wird - in einem
größeren und stattlicheren Stapel.
Das
International Aufgaben System, zusammen mit der neueren Methode, wie
Sonntagsschulen „betrieben“ werden, fördert das Sektentum sehr und
hindert wirkliches Wachstum in Erkenntnis der Wahrheit auf noch einem
anderen Wege. So eine allgemeine Aufgabe wird der Sonntagsschule in
Verbindung mit „Übungen“ vorgelegt, so dass kaum Zeit erübrigt, die
vorbereiteten gedruckten Fragen und Antworten zu berücksichtigen; und gar
keine Zeit bleibt daher übrig für den wahrheitshungrigen Bibelforscher
oder einen (zufällig) ernsten Lehrer, andere Fragen von größerer
Wichtigkeit hervorzurufen, die Speise zum Denken und nützlichen
Besprechen enthalten. Ehemals versammelten sich Bibelklassen, solche
Abschnitte der Bibel zu studieren, die man wünschte. Sie wurden nur durch
die Bande ihres eigenen Vorurteils und Aberglaubens daran gehindert, die
Wahrheit zu erlangen; und die Ernsten und Wahrheitshungrigen waren immer
imstande, etwas Fortschritt zu machen. Aber jetzt, da zunehmendes Licht
jeden Gegenstand erleuchtet und die Dünste des Aberglaubens und
Vorurteils verscheucht, wird es durch die Internationalen Aufgaben daran
gehindert, auf den Bibelforscher der Bibelklassen zu scheinen, obschon sie
behaupten, ihm zu helfen. Mit Gewandtheit wird seine Zeit zum Forschen so
gelenkt, dass er keine neuen Gedanken bekommt, sondern fortwährend beschäftigt
ist, die „Milch des Wortes“ (von Aufsätzen der Menschen sehr abgeschwächt)
zu gebrauchen, so dass ihm sein Appetit nach „fester Speise“, vollerer
Wahrheit, ganz genommen wird (Hebr. 5:14). In solchen Klassen (oder
Bibelstunden) wird alle Zeit und Gelegenheit, Speise zu schmecken und
wertzuschätzen, geopfert - im Gehorsam der Worte: „Wir müssen uns an
die Aufgabe halten, denn die Stunde wird bald um sein“. Wohl sagt der
Prophet, sowie auch der Apostel, dass wir, um die großen Lehren Gottes
wertschätzen zu können, die zu unserem Wachstum in Gnade und Erkenntnis
und der Liebe Gottes so nötig sind, - dass wir das Wort vom Anfang, die
ersten Bedingungen, lassen und zum volleren Wuchse fortfahren müssen -
„von der Milch entwöhnt und von den Brüsten entfernt.“ - Hebr. 6:1;
Jes. 28:9
Als
eine Folge der gegenwärtigen Sonntagsschulemethode (einschließlich den
Gebrauch der Internationalen Aufgaben mit denselben immer wiederkehrenden
Fragen, die persönliches Studium und persönlichen Gebrauch des Gehirnes
entmutigen) ist eine Bibelklasse der Erwachsenen, um durch Verständnis
der Schrift Gnade zu erlangen, ein Ding der Vergangenheit. Reifere Köpfe
werden entweder gezügelt und gespannt, als Lehrer das International
System mitzuschleppen, oder sie bleiben zu Hause und lesen die Zeitung.
Junge Männer und junge Frauen, dagegen, finden die kurzen Versammlungen
und die maschinenmäßig gestellten Fragen und die „Übungen“
angenehmer als Bibelstudium. Sie werden in dem Gefühl angeleitet, dass
sie eine Pflicht erfüllt haben; und das Opfer der paar Minuten wird bei
der Gelegenheit durch den Verkehr und geselliges Plaudern zurückerstattet.
Die Kleinen, ebenfalls, lieben die „Übungen“, das Singen, Geschichtsbücher,
Ausflüchte, Geschenke und allgemeine Unterhaltung, am besten; und sie und
ihre Mütter fühlen ihre Mühe des Ankleidens von der Gelegenheit, ihre
feinen Kleider zu zeigen, wohl belohnt. Und die elterliche Pflicht einer
religiösen Erziehung wird oft dem Schein- und Maschinenwesen der
Sonntagsschule überlassen. Die Sonntagsschule ist mit Recht die
Baumschule der Kirche genannt worden, und die Kleinen, die so in der
Furcht und Vermahnung des weltlichen Geistes erzogen werden, sind die
jungen Schösslinge der so reichen Ernte von Unkraut, mit dem Groß-Babylon
gänzlich überfüllt ist.
Wo
immer, hier und da, eine Bibelklasse für Erwachsene besteht, und der
Lehrer frei und offen genug ist, anstatt der vorgeschriebenen Aufgaben
wichtigere Themen zu verfolgen, und Freiheit gebend, dass die Wahrheit
klar gelegt wird, sei sie dem Bekenntnis der Sekten günstig oder ungünstig,
so wird er von dem weltlich kluge Pastor oder Superintendenten als
unsicher bezeichnet. Solche Lehrer sind dem Sektentum in der Tat gefährlich
und sehr bald ohne eine Schüler-Klasse. Solche Lehrer und die Wahrheiten,
die sie für offene Prüfung würden zulassen, würden bald die Schnur
zerschneiden und die Bündel des Sektentums zerstreuen; und folglich sind
sie nicht lange gewünscht. Andere werden daher vorgezogen, welche die
Gedanken der Klasse fesseln, von „Fester Speise“ ablenken und sie so
als nicht entwöhnte Kinder erhalten können - Kinder, die zu schwach sind,
allein zu stehen, an das System festgebunden, dasselbe zu lieben und zu
glauben lernen, dass sie ohne dasselbe sterben würden. Des wahren Lehrers
und des wahren Bibelforschers Platz ist außerhalb aller menschlichen
Fesseln, wo er frei ist, alle Teile des guten Wortes Gottes zu prüfen und
davon zu genießen, frei, dem Lamm zu folgen, wo immer es hinführen mag.
- Joh. 8:36; Gal. 5:1
Während
jetzt persönliche Freiheit, wie früher nie, äußerlich anerkannt werden
muss, so sehen wir doch, dass es in Wirklichkeit nie eine Zeit gab, da die
Bande so trefflich fest gezogen wurden, um allen Weizen und Scheinweizen
in den vielen Bündeln zu binden. Nie gab es eine Zeit, da die
Einrichtungen für jede persönliche Freiheit so eng und so hindernd waren,
wie jetzt. Jede freie Stunde eines aufrichtigen Sektierers wird von einer
der vielen Versammlungen und Vorhaben ausgefüllt, so dass ihm keine Zeit
für ungestörtes Denken und Bibelstudium erübrigt. Der Hauptzweck dieser
Versammlungen, Unterhaltungen, usw. ist: Wachstum und Stärke der Sekte;
und die Folge ist das genannte Gebunden sein, das so schädlich,
vernichtend auf ein wirkliches Wachstum des geweihten Kindes Gottes, des
Weizens, einwirkt. Diese Bande werden immer fester werden, wie der Prophet
andeutet (Jes. 28:22). Ein wenig Weizen und viel Scheinweizen bilden diese
Bündel, aus denen es täglich schwerer wird, zu entkommen.
Aus
dem, was wir von der kleinen Anzahl wahrhaft geweihten Weizens und von der
großen Masse des „getauften Bekenntnisses“ (wie ein methodistischer
Bischof die Scheinweizen-Klasse zutreffend beschrieben hat) gesehen haben,
ist klar, dass das Verbrennen des Scheinweizens ein gewaltiges Ereignis
sein wird. Es ist jedoch ein Missgriff, den viele machen, anzunehmen, dass
das Verbrennen des Scheinweizens in einem Schmelzofen, wo da Heulen und Zähneknirschen
sein wird (Matth.13:42), entweder auf ein buchstäbliches Feuer Bezug
nehme, oder auf Trübsal jenseits des Grabes. Das ganze Gleichnis gehört
in das gegenwärtige Zeitalter. Nicht nur Weizen und Scheinweizen sind
Symbole, sondern auch das Feuer. Es symbolisiert die Vernichtung des
Scheinweizens in der großen Trübsalzeit mit der dieses Zeitalter schließt,
und welcher zu entgehen der Weizen-Klasse verheißen ist. (Mal. 3:17; Luk.
21:36). Der große Feuerofen symbolisiert die „große Trübsalzeit“,
die über die unwürdige Scheinweizen-Klasse der „Christenheit“ am
Schluss dieser Ernte kommen wird.
Noch
deutet die Vernichtung des Scheinweizens entweder gegenwärtig oder zukünftig
eine Vernichtung der Personen an, aus welchen die Scheinweizen-Klasse
besteht. Es bedeutet vielmehr eine Vernichtung dieser Klasse als
Scheinweizen - der falschen Vorwände, Ansprüche oder Behauptungen
solcher, als seien sie Christen. Wenn sie als Scheinweizen aufgebrannt
sind, werden sie sein, was sie stets waren, und als was sie sich immer hätten
ansehen und ausgeben sollen - nämlich Glieder der Welt und nicht mehr
nachgeahmte Christen oder nominelle Glieder der Kirche Christi.
Unser
Herr erklärt, dass er den guten Samen des Königreiches, die Wahrheit, säte,
von dem die ganze wahre vom Geiste der Wahrheit gezeugte Weizenklasse
stammt. Später, während der Nacht, den dunkeln Zeiten, säte Satan den
Scheinweizen (Unkraut): Ohne Zweifel wurde der Scheinweizen in derselben
Weise wie der Weizen gesät. Er wurde durch Irrtümer erzeugt. Wir haben
gesehen, wie schrecklich das Heiligtum und das Heer durch den Widersacher
und seine verblendeten Diener verunreinigt worden ist, und wie die
kostbaren Gefäße (Lehren) vom Papsttum entweiht und missbraucht wurden;
und dies beweist dieselbe Sache aufs neue. Falsche Lehren erzeugten
falsche Ziele und Bestrebungen im Weizenfeld des Herrn und führten viele
in den Dienst Satans, Irrtümer in der Lehre zu säen, die reichlichen
Scheinweizen hervorbrachten.
Das
Feld sieht für viele schön und blühend aus wenn sie die Christen bei
Hunderten von Millionen zählen können. Doch tatsächlich ist der
Weizenbestandteil sehr klein, und es wäre für denselben viel besser
gewesen, wenn der weltlich gesinnte Scheinweizen nicht in der Kirche,
sondern an seinem Platze in der Welt geblieben wäre und die geweihte „kleine
Herde“, die alleinigen Vertreter des Geistes und der Lehre Christi, im
Feld gelassen hätte, denn er hat den Weizen sehr am Wachstum gehindert
und nahezu erstickt. Dann würde der Unterschied zwischen der Kirche und
der Welt sehr bezeichnet gewesen sein, und ihr Wachstum, obwohl augenfällig
weniger rasch, würde ein gesundes gewesen sein. Der große, scheinbare
Erfolg, der sich in Zahlen und Reichtum und gesellschaftlicher Stellung
kundtut, womit so viele sich brüsten, ist in Wirklichkeit ein großer
Schaden und weder für die Kirche noch für die Welt irgendwie ein Segen.
Wenn
wir die Sache untersuchen, finden wir, dass viele dieser Scheinklasse für
ihre falsche Stellung als nachgeahmter Weizen wenig zu beschuldigen sind;
noch auch wissen viele von ihnen, dass der Scheinweizen nicht die wahre
Kirche (Herauswahl) ist, denn sie halten die kleine Herde der Geweihten für
Extremisten und Fanatiker. Und verglichen mit der Schein-Masse, erscheinen
der Herr und die Apostel und aller Weizen ganz gewiss als Extremisten und
Fanatiker, wenn die Mehrheit, der Scheinweizen, im Recht ist.
Dem
Scheinweizen ist so gründlich und so oft versichert worden, dass sie
Christen sind, dass alle Christen sind, außer die Juden, die Ungläubigen
und Heiden, dass man kaum erwarten kann, dass sie etwas anderes wissen.
Falsche Lehren zeigen ihnen, dass es nur zwei Klassen gibt, und dass alle,
die der ewigen Qual entgehen, Miterben mit Christo sein sollen. Jede
Leichenpredigt, außer im Falle von tief gesunkenen und offenbar Gottlosen
und Unsittlichen, versichert die Freunde von dem Frieden, der Freude und
der himmlischen Herrlichkeit des Gestorbenen; und um es zu beweisen,
werden Schriftstellen angeführt, die dem Zusammenhang nach als nur auf
die völlig Geweihten, die Heiligen, anwendbar erkannt werden sollten.
Von
sich selbst aus geneigt, sich zu tadeln, und gewissenhaft zu verneinen,
dass sie Heilige sind, und die reichen Verheißungen der Schrift solchen
abzusprechen, werden sie von ihren eben nicht besser unterrichteten
Scheinweizen-Genossen, auf der Kanzel wie im Kirchenstuhl, überredet,
sich für Christen zu halten. Sie empfinden in ihrem Gewissen - ja sie
sind gewiss - dass sie nichts getan haben, das gerechterweise ewige Qual
verdient hätte; und ihr Glaube an die falschen Lehren der Christenheit
veranlasst sie, zu hoffen und zu behaupten, dass sie und alle moralischen
Leute Glieder der Kirche sind, der all die irdischen Verheißungen gehören.
So sind sie kraft falscher Lehren Scheinweizen und nehmen nicht nur selbst
eine falsche Stellung ein, sondern Missrepräsentieren und erniedrigen
auch den wahrhaft hohen Standpunkt der Heiligkeit. Unter der Täuschung
dieses Irrtums haben sie ein Gefühl der Sicherheit und Selbstbefriedigung.
Denn wenn sie sich und ihr Leben mit dem der Mehrzahl in der nominellen
Kirche und mit ihren verstorbenen Freunden, deren Leichenreden sie zugehört
haben, vergleichen, so finden sie, dass sie selbst wenigstens mittelmäßig
sind - und selbst mehr in Übereinstimmung mit ihrem Bekenntnis als viele,
die großes Wesen von sich machen. Doch sie sind sich bewusst, dass sie
nie wirklich ihr Herz und Leben, Zeit und Geld, Pfunde und Gaben Gott und
seinem Dienste geweiht haben.
So
wie die „Spreu-Klasse“ der jüdischen Nation am Schluss ihrer Ernte (Luk.
3:17) verzehrt wurde, so wird auch diese „Scheinweizen“-Klasse in
dieser Ernte verzehrt werden. Wie die Spreu aufhörte als das
triumphierende Königreich Gottes noch weitere vergebliche Ansprüche auf
die göttliche Gunst zu machen, ehe jene Ernte mit dem großen Feuer
religiöser und politischer Kämpfe schloss, die jenes System verzehrten,
so wird es mit der Scheinweizen- Klasse der sogenannten Christenheit sein.
Sie wird verzehrt; sie wird aufhören, eine Scheinweizen-Klasse zu sein;
sie wird aufhören, sich selbst sowie andere zu verführen; sie wird aufhören,
auf sich selbst die über alle Maßen großen und köstlichen Verheißungen
anzuwenden, die nur den überwindenden Heiligen gebühren; und sie wird
aufhören, für ihre weltlichen Systeme den Namen „Christenheit“ zu
beanspruchen, - wenn ihre verschiedenen religiösen Organisationen, durch
Zwiespalt, der durch das zunehmende Licht entsteht, zerrissen, in dem
schon entzündeten „Feuereifer Gottes“ - der großen Trübsalzeit, mit
der dieses Zeitalter zu Ende geht - verzehrt sein werden. - Zeph. 3:8
Nachdem
das Gleichnis das Verbrennen des Scheinweizens berichtet, erklärt es
weiter: „Dann werden die Gerechten(der Weizen) leuchten wie die Sonne in
dem (König)- Reiche ihres Vaters“. (Welch besseres Zeugnis als dies können
wir haben, dass die wahre Kirche noch nicht als Gottes Königreich in
Macht eingesetzt worden ist, und dass sie nicht vor dem Ende dieser Ernte
so erhöht werden wird)? Dann soll die Sonne der Gerechtigkeit (deren
Mittel- und Glanzpunkt Christus Jesus stets sein wird) mit Heil unter
ihren Flügeln aufgehen, um die ganze Menschheit zu segnen,
wiederherzustellen und von Sünde und Irrtum zu reinigen und zu läutern.
Man
vergesse den Umstand nicht, dass die wahren Israeliten ebenso wohl wie
alle Scheinisraeliten das jüdische oder fleischliche Haus Israel
ausmachten, und dass nur die wahren Israeliten ausgewählt und in die
Scheune des Evangeliums gesammelt und mit den zum christlichen Zeitalter
gehörigen Wahrheiten beehrt wurden, und dass der übrige Teil jener
Nation (die „Spreu“) nicht leiblich vernichtet wurde (obwohl in ihrer
Trübsal viele Leben verloren gingen), sondern nur von allen Königreichsgnaden,
auf die sie früher vertrauten und pochten, abgeschnitten wurden. Dann
suche die Parallele und das Gegenstück hierzu in dem Verfahren mit dem
„Scheinweizen“ in dieser brennenden Zeit.
Unser
Herr hat uns gezeigt, was wir in dieser „Ernte“ zu erwarten haben, und
was unser Anteil darin ist, dass wir nicht nur selbst getrennt sein,
sondern auch als „Schnitter“ die Sichel der Wahrheit gebrauchen sollen,
um anderen zur Freiheit in Christo und zur Trennung von falschen,
menschlichen Systemen und Banden zu verhelfen. Aber nicht dies allein,
sondern, um uns doppelt zu vergewissern, dass wir richtig sind, und dass
die Trennungszeit der Ernte gekommen ist, hat er uns auch mit Beweisen
versehen, selbst über das Jahr, mit dem das Erntewerk begann; über seine
Dauer und wann es zu Ende geht. Diese schon untersuchten Beweise zeigen,
dass der Schluss des Jahres 1874 den Anfang und der Schluss des Jahres
1914 das Ende dieser 40-jährigen Ernte bildet, während alle Einzelheiten,
die Reihenfolge und das Werk dieser Ernte in ihrem Vorbilde, der jüdischen
Ernte, abgebildet sind. Wir wollen nun etliche der hervortretenden
Zeitverhältnisse jener vorbildlichen Ernte untersuchen und die Lehren,
welche sie geben, und welche jetzt anwendbar sind, und die unser Herr
augenscheinlich dazu bestimmt hat, dass wir nicht in Zweifel oder
Ungewissheit wären, sondern seinen Plan wüssten und kräftig darnach
handeln könnten als Mitarbeiter mit ihm in der Hinausführung seines
geoffenbarten Willens.
Alle
mit der jüdischen Ernte verbundenen Zeitverhältnisse (obwohl sie sich öfters
indirekt auf die Treuen bezogen) bezogen sich direkt auf die große
nominelle Masse und bezeichneten Perioden ihrer Prüfung, ihrer Verwerfung,
ihres Sturzes und ihrer Zerstörung als System oder Nationalkirche. So kam
der Herr als Bräutigam und Schnitter (i.J. 29) nicht zu den wahren
Israeliten allein, sondern zur ganzen Masse (Joh. 1:11). Dort offenbarte
der Vollzug des Erntewerkes die Tatsache, dass die reifen, für die
Scheuer (die christliche Heilszeitordnung) tauglichen Weizenkörner in der
Minderheit, ihrer nur wenige, die große Masse dagegen bloß dem äußeren
Schein nach Weizen waren. In Wirklichkeit war die Masse nur „Spreu“,
des wirklichen inneren Weizenprinzips bar. Als unser Herr 3½ Jahre später
(i.J. 33) das königliche Amt an sich nahm und zuließ (was er vordem
verweigert hatte Joh. 6:15), dass das Volk ihn auf ein Eselfüllen setzte
und ihn als König begrüßte, bezeichnet dies einen Punkt in dieser
gegenbildlichen christlichen Ernte, der bei weitem bedeutsamer ist als der
des Vorbildes. Die Parallele hierzu deutet, wie wir gesehen haben, auf
1874 hin, als die Zeit der zweiten Gegenwart unseres Herrn als Bräutigam
und Schnitter, und auf April 1878 als die Zeit, da er begann, sein Amt als
König und Herr der Herren - jetzt ein geistlicher König, mit all seiner
Macht gegenwärtig, obwohl unsichtbar für Menschen - tatsächlich auszuüben.
Was
der Herr da tat, während er wenige Stunden als König Israels vorbildlich
handelte, ist für uns tief bedeutsam. Es zeigt unzweifelhaft an und
schattet ab, was hier zu erwarten ist. Was man ihn damals
vorbildlicherweise tun sah, dass er auf einen Eselfüllen als König in
Jerusalem eintritt, dass er die Geldwechsler aus dem Tempel geiselte, das
erkennen wir als jetzt auf einer höheren Stufe geschehend; obwohl der König
und die aus Stricken verfertigte Geisel und die Verkündigung königlicher
Autorität jetzt auf sehr verschiedene Weise und nur dem Glaubensauge kund
gemacht werden. Aber das jüdische Vorbild dient dazu, auf diese Erfüllung
die Aufmerksamkeit zu lenken. Sonst wären wir nicht imstande sie zu
erkennen. Das erste Werk des vorbildlichen Königs war, die ganze
Nationalkirche Israels zu verwerfen, als nicht wert, sein Königreich
ferner zu sein oder länger als sein besonderes Erbteil behandelt zu
werden. Dies ist in folgenden Worten ausgedrückt: „Jerusalem¸
Jerusalem, die da tötet die Propheten und steinigt, die zu ihr gesandt
sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre
Kücklein versammelt unter ihre Flügel, und ihr habt nicht gewollt. Siehe,
euer Haus wird euch (jetzt) wüste gelassen.“ - Matth. 23:37-39
Auf
die gegenwärtige Ernte angewendet, lehrt dies, dass, wie das vorbildliche
Israel im Jahre 33, nachdem es 1845 Jahre lang als Gottes Volk durch
Erweise von Gnade und Züchtigung, usw., anerkannt worden war, von dem König
verworfen wurde, weil er es nach einer 3½-jährigen Prüfung und
Heimsuchung (Episcope, Inspektion) für unwürdig erfand - so würde in
der gegenwärtigen Ernte nach einer ähnlichen 3½-jährigen Inspektion
und am Schluss einer ähnlichen Periode von 1845 Jahren der Gnade und Züchtigung
die nominelle Christenheit von dem Könige verworfen werden, als nicht
wert, noch länger von ihm anerkannt zu werden.
Doch
wie die Verwerfung des nominellen fleischlichen Israel nicht die persönliche
Verwerfung irgend eines „wahren Israeliten, in dem kein Falsch ist“,
einschloss sondern vielmehr für diese (die von den „blinden Leitern“
frei gemacht und mehr direkt und besser durch neue geistige Kanäle - die
Apostel - belehrt worden waren) eine noch größere Gnade bedeutete, so müssen
wir hier das gleiche erwarten: Die geistigen Segnungen, die vordem der
nominellen Masse galten, gehören hinfort nur den Treuen und Gehorsamen.
Hinfort darf man das Licht, das fällig wird, und „die Speise zur
rechten Zeit“ für die „Hausgenossen des Glaubens“, in keiner Weise
durch die alten Kanäle erwarten, sondern durch außerhalb der gefallenen,
verworfenen Systeme stehende treue Diener.
Während
seines Amtes auf Erden und bis zu der Zeit, da er als König das jüdische
System verwarf, erkannte unser Herr in gewissem Grade die Schriftgelehrten
und Pharisäer als Lehrer des Volkes an. Dies geht aus den Worten des
Herrn hervor, wenn er sagt: „Die Schriftgelehrten und die Pharisäer
haben sich auf Moses Stuhl gesetzt. Alles nun, was irgend sie euch sagen,
tut und haltet.“ (Matth. 23:2). So ähnlich saßen die großen religiösen
Herrn des nominellen Christentums - in Synoden, Konferenzen, Konzilien,
usw. - in einer Weise und zum Teil als Lehrer des Volkes auf Christi Stuhl,
wie einst der jüdische Sanhedrin Moses Stuhl innehatten. Aber wie der
Herr nach dem Jahre 33 die Schriftgelehrten und Pharisäer in keiner Weise
mehr anerkannte, und die wahren Israeliten nicht mehr durch sie sondern
durch demütige, unbetitelte und würdigere Werkzeuge gelehrt wurden, die
Gott aus dem Volke erweckte, und die besonders von ihm gelehrt waren, so müssen
wir es hier, in dieser Ernteparallele, erwarten.
Das
Ansichnehmen des königlichen Amtes von Seiten unseres Herrn im Jahre 33
und sein erster offizieller Akt in der Verwerfung der Nationalkirche des
fleischlichen Israel, im Zusammenhang genommen mit all den auffallenden
Parallelen der beiden Zeitalter, deutet sehr deutlich an, dass das
mystische Babylon, sonst Christenheit genannt das Gegenbild des Judentums,
am parallelen Zeitpunkt in der gegenwärtigen Ernte, i.J. 1878, verworfen
worden ist; und da ging die Botschaft aus: „Gefallen, gefallen ist
Babylon, die große, und eine Behausung von Teufeln geworden und ein Gefängnis
jedes unreinen Geistes und ein Gefängnis jedes unreinen und gehassten
Vogels.“ - Offb. 18:2
Der
Fall, die Plagen, die Zerstörung, usw. die, wie vorausgesagt, über das
mystische Babylon kommen sollten, wurden in der großen Trübsal und dem
nationalen Untergang vorgeschattet, die über das fleischliche Israel
kamen, und die mit seinem gänzlichen Sturz im Jahre 70 endeten. Und die
Dauer des Fallens ist gleichfalls dementsprechend, denn von der Zeit an,
da unser Herr sagte: „Euer Haus wird euch wüste gelassen“, im Jahre
33, bis zum Jahre 70 waren 36½ Jahre; und so sind vom Jahre 1878 bis zum
Ende des Jahres 1914 ebenfalls 36½ Jahre. Und mit dem Ende des Jahres
1914 wird, was Gott Babylon nennt, und was die Menschen Christentum nennen,
verschwunden sein, wie schon aus der Weissagung gezeigt wurde.
Das
Judentum war ein von Gott bestimmtes Vorbild des tausendjährigen Königreiches
Christi, das alles beherrschen und regeln wird, folglich war damals eine
Vereinigung von Kirche und Staat - von kirchlicher und bürgerlicher
Obrigkeit - ganz am Platze. Doch die christliche Kirche, sollte, wie wir
schon gezeigt haben, in keinem Sinne mit der nationalen Obrigkeit vermengt
sein, oder etwas damit zu tun haben, bis ihr Herr, der König der Könige,
kommt, die Herrschaft an sich nimmt, und sie als seine Braut erhöht, um
an jener gerechten Regierung teilzunehmen. Die Worte des Herrn missachtend
und menschlicher Weisheit, menschlichen Theorien und Plänen folgend,
wurde das große Christenheit genannte System, das alle Reiche und
Glaubensbekenntnisse umfasst, die vergeben Christo anzugehören (aber eine
erbärmliche Nachahmung des wahren Königreiches Christi sind), vor der
Zeit organisiert, und zwar ohne den Herrn und aus gänzlich untauglichen
Elementen. Der Fall Babylons als eines untauglichen staatskirchlichen
Systems und das Heraussammeln des würdigen Weizens kann daher wohl durch
den Fall des Judentums veranschaulicht werden und ist dadurch
vorgeschattet worden.
Der
Name Babylon bedeutet ursprünglich Gottes Torweg; doch spottweise erhielt
er später die Bedeutung: Mischung oder Verwirrung. Im Buch der
Offenbarung wird dieser Name ganz besonders auf die nominelle Kirche
angewandt, die aus einem Tor zur Herrlichkeit ein Tor zum Irrtum und zur
Verwirrung wurde, eine armselige Mischung, die hauptsächlich aus
Scheinweizen und Heuchlern bestand, eine verwirrte Masse weltlicher
Herr-Herr-Sager, unter welcher die Edelsteine des Herrn begraben lagen,
und in welcher ihre wahre Schönheit und ihr Glanz verborgen war. In der
symbolischen Prophezeiung wird der Ausdruck Babylon oft nur auf die Kirche
Roms angewandt, Babylon, die Große, die Mutter der Huren genannt.
Jahrhundertlang konnte der Name sich nur auf sie beziehen, weil sie das
einzige gemischte System war und kein anderes neben sich dulden wollte;
doch andere kirchliche Systeme, nicht so groß wie die „Mutter“, noch
auch so gottlos, noch so durch und durch schlecht, gingen durch
verschiedene versuchte, jedoch unvollkommene Reformen aus ihr hervor. In
diesen hatten Irrtum, Scheinweizen und Weltförmigkeit die bedeutende
Oberhand, und so wurde der Name Babylon als allgemeiner oder Familienname
für all die nominell christlichen Systeme gebraucht und schließt nun
nicht nur die Kirche Roms ein, sondern eben sowohl auch alle
protestantischen Sekten. Denn da das Papsttum als das Muttersystem
bezeichnet ist, so müssen wir die verschiedenen protestantischen Systeme,
die von ihr abstammen, als die Töchter betrachten - ein Umstand, der sehr
allgemein zugegeben wird und von Protestanten selbst oft mit Stolz.
Schon
vor der Erntezeit entdeckten manche Kinder Gottes in Großbabylon, dass
ihr eigentlicher, hervorstechender Charakterzug ein grob antichristlicher
sei, besonders sahen dies die Waldenser, die Hugenotten und Reformatoren
des 16. Jahrhunderts. Sie lenkten die Aufmerksamkeit auf diese Tatsache
und trennten sich von dem Muttersystem und führten andere mit sich, wovon
viele Scheinweizen waren; wie der Prophet vorhergesagt: „Und viele
werden sich ihnen mit Heuchelei anschließen.“ (Dan. 11:34). Hier fand
das Auseinanderscheiden der politisch kirchlichen Stürme vor der
Erntezeit statt. Unter diesen herrschte der Scheinweizen noch vor und
bildete andere, wenn auch weniger verwerfliche, babylonische Systeme.
Obwohl
der Weizen von Zeit zu Zeit den Versuch machte, sich von dem Übergewicht
des Scheinweizens zu befreien und besonders von den gröberen Irrtümern,
die letztere pflegte und hervorbrachte; und obwohl jener durch solche Bemühungen
gesegnet wurde, dennoch blieb die Weizenklasse immer noch mit
hervorherrschenden Schein-Elementen vermischt. Doch um des Weizens willen
erstreckte sich Gottes Gnade selbst bis zu diesen gemischten Bündeln oder
babylonischen Systemen; und nicht bis Gottes Zeit herbeikam, eine vollständige
und schließliche Trennung zu vollziehen - in der Erntezeit, im Jahre 1878
- wurde das System vollständig und für immer von aller Gnade
abgeschnitten und zur schleunigen Zerstörung verurteilt, und alle Kinder
Gottes ausdrücklich und dringend herausgerufen. Gleich am Anfang des
Zeitalters wurde Gottes Volk vor der Verführung des Antichristen gewarnt
und belehrt, sich von ihm getrennt zu halten; und doch wurde zugelassen,
dass es in gewissem Grade durch denselben verführt und zu seiner Prüfung
und Erprobung mehr oder weniger mit ihm verwoben wurde. Jedes Aufwachen
zur Erkenntnis unchristlicher Grundsätze, Lehren und Handlungen, die zu
Reformmaßnahmen führten, prüfte und erprobte die Weizenklasse und half,
sie mehr und mehr von den Verunreinigungen des Antichristen zu reinigen.
Doch diese letzte Prüfung und dieser bestimmte Ruf, zusammen mit der gänzlichen
Verwerfung jener Systeme, die nicht länger mehr göttliche Gunst
empfangen (wie früher um des in ihnen befindlichen Weizens willen der
Fall war), soll die endliche Trennung der Weizenklasse von allen
antichristlichen Systemen und Grundsätzen bewirken. Die Wahrheiten,
welche diese Systeme früher festhielten, werden jetzt schneller und
schneller von ihnen weggeschwemmt und durch Menschentheorien ersetzt, die
jedes Element göttlicher Wahrheit zerstören; und lebendige Frömmigkeit
und Heiligkeit werden rasch durch Vergnügungssucht und den Geist der Welt
verdrängt.
Mit
der Erklärung, dass Babylon gefallen ist, kommt auch der Befehl an alle
Kinder Gottes, die noch darin sind, herauszukommen: „Und ich hörte eine
andere Stimme aus dem Himmel sagen: Gehet aus ihr hinaus, mein Volk! auf
dass ihr nicht ihrer Sünden mitteilhaftig werdet, und ihr nicht empfanget
von ihren Plagen.“ (Offb. 18:4) Der Ausdruck: „Babylon ist gefallen“,
„Gehet aus ihr hinaus“, hebt zwei Gedanken hervor, die recht im Auge
behalten werden sollten. Er zeigt an, dass Babylon zu einer Zeit nicht von
der göttlichen Gnade gefallen war, dass sie trotz ihres gemischten
Charakters eine Zeitlang ein Maß von Gnade behielt, dass sie, wie groß
auch der Teil des von ihr gelehrten Irrtums war, und wie wenig sie vom
Geiste Christi besaß, dennoch nicht gänzlich von Gottes Gnade verworfen
war, bis die Erntezeit der Trennung kam. Es zeigt zum anderen an, dass
einmal eine plötzliche und gänzliche Verwerfung über Babylon kommen
soll, da alle Gnade für immer aufhört, und da die Gerichte folgen werden
- grade solch eine Verwerfung, wie sie von uns, als im Jahre 1878 fällig,
nachgewiesen worden ist. Es zeigt ebenfalls an, dass zur Zeit der
Verwerfung Babylons viele Kinder Gottes in Babylon und mit ihr verknüpft
sein würden. Denn erst nach Babylons Verwerfung oder Fall von der Gnade
geschieht es, dass diesen zugerufen wird, herauszukommen.
Der
Unterschied zwischen den mancherlei allmählichen Reformbewegungen der
letzten vierhundert Jahre und dieser schließlichen, vollständigen
Trennung, sollte deutlich erkannt werden: Jene waren zugelassene Versuche,
Babylon zu reformieren, während diese für sie alle Hoffnung auf
Besserung aufgibt: - „Babel war ein goldener Becher in der Hand Jehovas,
der die ganze Erde berauschte; von seinem Weine haben die Nationen
getrunken, darum sind die Nationen rasend (von ihren Irrtümern berauscht)
geworden. Plötzlich ist Babylon gefallen und zertrümmert. Jammert über
dasselbe! holet Balsam für seinen Schmerz; vielleicht wird es geheilt
werden! Wir haben Babylon heilen wollen, aber es ist nicht genesen.
Verlasst es und lasst uns ein jeder in sein Land ziehen (zur wahren Kirche
oder zur Welt, je nachdem jeder sich als Weizen oder Scheinweizen ausweist),
denn sein Gericht reicht bis an den Himmel.“ - Jer. 51:7-9 - vergleiche
Offb. 17:4; 14:8; 18:2, 3, 5, 19
Das
ungeheilte Babylon ist jetzt zum Untergang verurteilt. Das ganze System -
ein System von Systemen - ist verworfen, und allen Kindern Gottes, die da
nicht in Einklang stehen mit ihren falschen Lehren und ihrer falschen
Praxis, wird jetzt zugerufen, sich von ihr zu trennen. Der Prophet gibt
den Grund zu diesem Urteilsspruch an, sowie warum etliche das zu erkennen
verfehlen, wenn er sagt:
„Selbst
der Storch am Himmel kennt seine bestimmten Zeiten, und Turteltaube und
Schwalbe und Kranich halten die Zeit ihres Kommens ein; aber mein Volk
kennt das Recht (die Anordnung) Jehovas nicht.“ (Es erkennt nicht, dass
eine Zeit vollständiger Trennung des Weizens von Spreu und Scheinweizen
kommen muss. Hierin zeigen sie weniger Unterscheidungsgabe als die Zugvögel.)
„Wie möget ihr sagen: Wir sind weise, und das Gesetz Jehovas ist bei
uns“ (wenn ihr die Erntezeit und den Wechsel der Zeitordnung, der dann fällig
ist, nicht erkennt)? „Siehe, fürwahr, zur Lüge hat es (das Gesetz)
gemacht der Lügengriff der Schriftgelehrten;“ (Denn das Wort Gottes
durch seine Propheten und Apostel ist bedeutungslos gemacht und ohne
Beachtung beiseite geworfen worden; und Glaubensformulare, die in dem
vergangenen „dunklen Zeitalter“ gebildet wurden, sind die lichtlosen
Leuchten derer, die in der Finsternis wandeln.) „Die Weisen (?) werden
beschämt, bestürzt (durch die Vereitlung ihrer menschlichen Lieblingspläne)
und gefangen werden; siehe, das Wort Jehovas haben sie verschmäht, und
welcherlei Weisheit haben sie (nun)?“ (Vergleiche Jes. 29:10) „Darum
werde ich ihre Weiber (Kirchen) anderen geben, ihre (Arbeits-) Felder
anderen Besitzern. Denn vom Kleinsten bis zum Größten sind sie allesamt
der Gewinnsucht ergeben; vom Propheten (Redner) bis zum Priester (weniger
begabten Prediger) üben sie allesamt Falschheit (vergl. Jes. 56:10-12;
28:14-20), und sie heilen die Wunde der Tochter meines Volkes (das
nominelle Zion - Babylon) leichthin und sprechen: Friede, Friede, und da
ist doch kein Friede.“ (Da ihr ganzes System krank ist und einer gründlichen
Reinigung durch die Arznei des Wortes Gottes, die Wahrheit, bedarf.) „Sie
werden beschämt werden, weil sie Greuel verübt haben. Ja, sie schämen
sich keineswegs, ja Beschämung kennen sie nicht. Darum werden sie (die
Lehrer) fallen unter den Fallenden; zur Zeit ihrer Heimsuchung (oder
Inspektion in der „Ernte“) werden sie straucheln, spricht Jehova.
Wegraffen werde ich sie, spricht Jehova. Keine Trauben am Weinstock und
keine Feigen am Feigenbaum (sollen bleiben), und das Blatt ist verwelkt:
so will ich ihnen solche (Trübsale) bestellen, die sie verheeren werden.“
- Jer. 8:7-13
Die
folgenden Verse zeigen, dass viele der so Verworfenen die über sie
kommende Trübsal erkennen und doch über deren eigentliche Ursache im
Dunkeln sein werden. Sie werden sagen: „Wozu bleiben wir sitzen?
Versammelt euch, und lasst uns in die festen Städte (Obrigkeiten) ziehen
und dort umkommen (als Denomination and. überf.: stille sein)“. Sie
merken irgendwie, dass weder Vernunft noch Schrift ihre falschen Lehren
unterstützen, und dass es das Klügste ist, unter dem Schatten des alten
Aberglaubens und unter dem Schutze der sogenannten christlichen Obrigkeit
zu schweigen. Hier werden sie mit Recht dargestellt als sagend: „Jehova,
unser Gott, hat uns zum („Schweigen“ wie im) Untergang bestimmt und
uns mit bitterem Wasser getränkt.“ Der einzige Labetrunk, den sie haben
können, ist der Trank, den sie selbst gemischt haben. (Das Gift bitteren
Irrtums, die „Lehren der Teufel“, mit etwas purem Lebenswasser, der
Wahrheit des göttlichen Wortes, vermengt.) Sollten die, welche zu Babylon
gehören und es lieb haben, und darum nicht bereit sind, dem Aufruf: „Gehet
aus ihr hinaus“, zu folgen, nicht gezwungen werden, den Kelch ihrer
eigenen Mischung zu trinken? Sollten sie nicht gezwungen werden, die
Verkehrtheit ihrer Lehren einzusehen? Sicherlich sollen sie; und sie
werden alle davon durch und durch mit Ekel erfüllt werden. Der nächste
Vers redet von der Enttäuschung ihrer Erwartungen, dass ihre bitteren
(Gift-Wasser) Lehren die Welt bekehrt und das Millennium herbeigeführt
haben würden. Sie sagen: „Man hofft auf Frieden, und da ist nichts
Gutes; auf die Zeit der Heilung, und siehe da, Schrecken.“ Die Krankheit
des nominellen Zion wird sich von der Zeit ihrer Heimsuchung und
Verwerfung an rasch verschlimmern, da die „wahren Israeliten“, dem göttlichen
Ruf gehorsam, anfangen, aus den nominellen Systemen herauszukommen.
Etliche
wundern sich, warum der Herr keine noch größere Reform, wie die der
Vergangenheit, eintreten lässt, die sich als so fruchtlos und kurzlebig
erwiesen hat. Sie fragen: Warum gießt er nicht auf all die großen Sekten
einen Segen aus und schmilzt sie alle in eine zusammen; oder warum gießt
er ihn nicht auf eine derselben aus und reinigt sie von den Schlacken und
zieht alle anderen in sie hinein. Und warum nicht alle Reiche der Welt in
eins verschmelzen, und es reinigen?
Es
sollte für alle Kinder Gottes genügen, zu wissen, dass dies nicht das
ist, was er als seinen Plan geoffenbart hat; und ein wenig Überlegung vom
Standpunkte Gottes aus, zeigt uns die Unvernünftigkeit solcher Vorschläge.
Bedenke die Zahl der Namenkirche (400 Millionen) und frage dich: Wie viele
davon würden für sich selbst behaupten, nach Leib und Seele dem Herrn
und dem Dienste seines Planes völlig geweiht zu sein? Deine eigene
Beobachtung muss dich zu dem Schluss führen, diese durch Entfernung der
anderen von denselben zu trennen, hieße in fast jedem Fall, selbst in den
größten Kirchengebäuden oder Kathedralen, nur eine kleine Handvoll übrig
lassen.
Der
Grund, warum man nicht unternehmen sollte, die nominellen Systeme zu
reinigen, ist der, dass kein noch so gründliches Reinigen die ungeweihte
Masse der „Christenheit“ und ihre staatlichen und kirchlichen
Organisationen für das jetzt auf Erden anzufangende Werk des Herrn
tauglich machen würde. Während der vergangenen 18 Jahrhunderte hat er
die wahrhaft Geweihten, die Würdigen, ausgewählt, und was jetzt zu tun
übrig ist, ist, diejenigen derselben Klasse aus der lebenden Generation
auszusuchen - und dies sind nur wenige - und nur wenige fehlen noch, um
die vorher verordnete Anzahl Glieder im Leibe Christi voll zu machen.
Der
Grund, warum jetzt alle menschlichen Organisationen beiseite geschoben
werden, und nicht einmal die am wenigsten zu beanstandende reformiert wird,
und alle anderen zu ihr gerufen werden, ist durch die Behandlung der
verschiedenen jüdischen Sekten in der Ernte oder am Schluss ihrer
Heilszeitordnung von Seiten des Herrn dargelegt worden. Denn damals wurden,
wie jetzt, alle verworfen und die „wahren Israeliten“ aus allen in die
Freiheit herausgerufen; und durch verschiedene von Gott selbst gewählte
Gefäße wurde ihnen der Wille und Plan Gottes gelehrt. Diese Sache erläuternd,
erklärte der Herr den Juden in zwei Gleichnissen die Weisheit seiner
Verfahrungsweise: Erstens, dass ein Flicken von neuem Tuch auf ein sehr
altes Gewand die Schwachheit nur um so auffälliger machen, und der Riss
vermöge der Ungleichheit der Stärke nur um so größer werden würde.
Zweitens, dass neuer Wein, in alte Schläuche getan, aus welchen alle
Dehnungsfähigkeit und Nachgiebigkeit gewichen, sicher Schaden anstatt
Vorteil bringen würde, denn das Resultat würde nicht nur das sein, dass
die alten Schläuche bersten und zu Nichte würden, sondern auch, dass der
wertvolle neue Wein verloren gehen würde.
Die
neuen Lehren unseres Herrn waren der Wein, während die jüdischen Sekten
die alten Schläuche waren. Angenommen nun, dass unser Herr sich einer
dieser Sekten angeschlossen und in derselben eine Reform begonnen hätte;
was würde der Erfolg gewesen sein? Kein Zweifel kann bestehen, dass die
neuen Wahrheiten, wenn sie angenommen worden wären, jene Sekten vollständig
zerbröckelt hätten. Die Macht ihrer größtenteils auf sektiererischen
Stolz aufgebauten, und durch Irrtümer, Aberglauben und menschliche
Traditionen verkitteten Organisationen würden sofort vernichtet worden
sein; die neuen Lehren dagegen würden Schiffbruch gelitten haben, und
durch die Irrtümer und Traditionen jener Sekte gehindert, und von der
Welt für das vergangene Tun und Treiben der Sekten verantwortlich
gehalten worden sein.
Aus
demselben Grunde verfährt der Herr hier, in der gegenwärtigen Ernte, bei
der Einführung des volleren Lichtes der Wahrheit beim Tagesanbruch des
Millenniums ebenso. Er flickt die alten Systeme nicht, noch tut er neuen
Wein in alte Schläuche. Weil zuerst keines derselben in einem zum Flicken
tauglichen Zustande ist oder neue Lehren annehmen kann. Zweitens, weil die
neuen Wahrheiten, wenn sie angenommen würden, bald zur Gärung kommen und
eine Macht entwickeln würden, die irgendwelche Sekte in Stücke reißen würde,
wie durch und durch fest organisiert und gebunden sie auch sein möchte.
Wenn der Versuch gemacht würde, bei einer wie der anderen würde das
Resultat das gleiche sein, und am Ende würde der neue Wein (Lehren)
keinen Schlauch haben, der ihn fassen und aufbewahren könnte.
Der
geeignete und beste Weg war der von unserem Herrn beim ersten Advent
eingeschlagene. Er machte ein ganz neues Kleid aus dem neuen Stoff und tat
den neuen Wein in neue Schläuche, d.h. er berief die wahren (unsektierischen)
Israeliten und übertrug ihnen die damals fälligen Wahrheiten. Und so
geschieht es jetzt; und aus dem gleichen Grunde; und es gebührt allen
Wahrheitshungrigen, die Wahrheit so anzunehmen, wie es dem Herrn gefällt,
sie mitzuteilen, und von Herzen auf seinen Plan einzugehen und mitzuwirken,
einerlei welche oder wie viele Schläuche übergangen und als zur Aufnahme
der selben untauglich verworfen worden sind. Freuet euch lieber, dass ihr
würdig erachtet wurdet, dass dieser neue Wein gegenwärtiger Wahrheit
euch bezeugt wurde, und, sobald geprüft, nehmt die Wahrheit an und
handelt freudig daraufhin. Wer am ersten Advent darauf wartete, die
Meinung hervorragender Sektenführer zu erfahren und ihrer Leitung zu
folgen, und etwa fragte: „Glauben auch die Schriftgelehrten und Pharisäer
an ihn?“ - nahm die Wahrheit nicht an, weil er vielmehr ein Nachfolger
der Menschen als ein Nachfolger Christi war. Denn hervorragende Sektenführer
nahmen Christi Lehre nicht an, und diese gleiche Klasse sind immer die
blindesten Leiter der Blinden gewesen, und sind es noch. Anstatt die
Wahrheit anzunehmen und gesegnet zu werden, „fallen“ sie in der Zeit
der Prüfung ab. Das alte Kleid und die alten Weinschläuche sind in
solchem Zustande, dass sie für ferneren Gebrauch völlig untauglich sind.
Da
es der Herr ist, der sein Volk aus Babylon herausruft, so können wir
keinen Zweifel haben, dass, was auch immer seine Werkzeuge dabei sind,
alle, die in Wahrheit sein Volk sind, den Ruf hören werden; und durch den
Ruf wird nicht nur ihr Gehorsam, sondern auch ihre Hinneigung und Liebe zu
Babylon und deren Irrtümer geprüft werden. Heißen sie deren Methode
gut, usw. so dass es ihnen schwer ankommt, sie zu verlassen, so beweisen
sie, dass sie wert sind, an den hereinbrechenden Plagen Babylons
teilzunehmen und unwürdig, die gegenwärtige Wahrheit zu empfangen. Doch
die bei dem Ruf gebrauchten Worte zeigen an, dass Gottes wahre Kinder in
Babylon nicht so angesehen werden sollen, als ob sie in deren Sünden der
Verweltlichung und Verachtung der göttlichen Wahrheit mit verwickelt
seien, bis zu dem Zeitpunkt, da sie erfahren, dass Babylon gefallen -
verworfen ist. Dann, wenn sie fortfahren, in ihr zu verbleiben, werden sie
in dem Sinne zu ihr gehörig betrachtet, als ob sie ihre unrechten Taten
und Lehren in der Vergangenheit und Gegenwart guthießen, und werden als
ihrer Sünden teilhaftig gerechnet und wert, an ihrer Strafe, an den über
sie kommenden Plagen, teilzunehmen. - siehe Offb. 18:4
Wie
stark ist der Ausdruck: Sie „ist eine Behausung von Teufeln geworden,
und ein Gefängnis jedes unreinen Geistes und ein Gefängnis (Käfig)
jedes unreinen und gehassten Vogels (Offb. 18:2). Wie wahr ist es, dass
die verwerflichsten Glieder der Gesellschaft in etlichen der verschiedenen
Vierteln (Sekten) Babylons das Gewand christlichen Bekenntnisses und
Formendienstes suchen und tragen. Jeder unlautere Grundsatz und jede
unreine Lehre findet in ihr irgendwie und irgendwo Vertretung; und sie ist
der „Käfig“, der sicher die sanftmütigen Tauben des Herrn, aber auch
viele unreine und verhasste Vögel verwahrt. Wie viele von den Verfälschern
und von den Männer und Weiber betrügenden Menschen sind dem äußerlichen
Bekenntnis nach Glieder der Kirche Christi! Und wie viele benutzen selbst
ihr Bekenntnis als einen Mantel, unter dem sie verwerfliche Ziele
verfolgen! Selbst von den brutalsten, hingerichteten Verbrechern, wie
wohlbekannt ist, sterben die meisten in der römisch katholischen
Gemeinschaft.
Babylon
enthielt sowohl das Mark wie auch den Abschaum der Bevölkerung der
zivilisierten Welt. Das Mark ist die kleine Klasse wahrhaft Geweihter,
trauriger weise mit der großen Masse bloßer Bekenner und dem gemeinen,
verbrecherischen Abschaum vermischt. Jedoch unter günstigen Verhältnissen
wird das Mark, als Vorstufe der Verherrlichung, in der gegenwärtigen
Ernte davon getrennt werden.
Die
Ursache dieses gemischten Zustandes wird in den Worten angegeben: „Denn
von dem Wein (Geist, Einfluss) der Wut ihrer (Babylons) Hurerei (Verweltlichung)
haben alle Nationen getrunken.“ (Offb. 18:3) Falsche Lehren über Wesen
und Aufgabe der Kirche und die Behauptung, dass die Zeit ihrer Erhöhung
und Herrschaft schon gekommen sei, (und besonders nach dem großen Erfolg,
den ihr weltlicher Ehrgeiz in den Tagen Konstantins errang, da sie
behauptete, das in Macht und großer Herrlichkeit aufgerichtete Königreich
Gottes zu sein), führten viele nach Babylon hinein, die sonst, wenn sie
auf dem schmalen Weg der Aufopferung verharrt hätte, sich nie mit ihr
verbunden hätten. Stolz und Ehrgeiz führte in der damaligen Kirche zum
an sich reißen von weltlicher Gewalt. Um Gewalt zu erlangen, waren Zahlen
und weltlicher Einfluss nötig; und um die Zahlen zu bekommen, welche
unter den gegenwärtigen Verhältnissen die Wahrheit nie gezogen haben würde,
wurden falsche Lehren verbreitet, die schließlich über alles andere die
Oberhand erlangten; und selbst beibehaltene Wahrheiten wurden entstellt
und verdreht. Die Zahlen kamen herbei, selbst bis zu Hunderten von
Millionen, und die wahre Kirche, der Weizen, immer noch eine „kleine
Herde“ wurde unter den Millionen von Scheinweizen verborgen. Hier, wie
Schafe, inmitten reißender Wölfe, litt das Embryo - (Keim) Königreich
Gottes Gewalt, und die Gewalt - Anwendenden nahmen es mit Gewalt; und wie
ihr Herr, in dessen Fußstapfen sie wandelten, wurden seine Nachfolger
verachtet und von den Menschen verworfen, waren Schmerzensleute und mit Trübsal
vertraut.
Doch
jetzt, da der Millenniumsmorgen dämmert und die Lehrirrtümer der dunklen
vergangenen Nacht entdeckt werden, und die wirklichen Edelsteine der
Wahrheit aufblinken, muss die Wirkung die sein, dass der Weizen, wie
beabsichtigt, gänzlich vom Scheinweizen getrennt wird. Und da falsche
Lehren die unstatthafte Entwicklung hervorriefen, so wird in dem
Erntelicht die entfaltende Wahrheit die Trennung herbeiführen. Der ganze
Scheinweizen und etlicher Weizen ist jedoch furchtsam. Ihnen erscheint es,
als ob die Auflösung Babylons die Vernichtung des Werkes Gottes hieße.
Doch nicht so; der Scheinweizen war niemals Weizen, und Gott sagte niemals,
dass er sie als solchen anerkennen wolle. Er gestattete es nur, „ließ“
beide zusammen wachsen bis zur Ernte. Von Babylons „Käfig“ oder „Gefängnis“
der unreinen Vögel werden Gottes Kinder herausgerufen, damit sie sowohl
die Freiheit genießen, als auch am Erntelicht und an der Erntearbeit
teilnehmen, und sich als solche ausweisen, die nicht in Einklang stehen
mit den Irrtümern in Lehre und Praxis Babylons und so diesen Irrtümern
und ihrem Lohne - den über alle in ihr Bleibenden hereinbrechenden Plagen
- entgehen.
Diese
Plagen oder Trübsale, die in den über das verworfene jüdische Haus
gekommenen Trübsalen vorgeschattet wurden, werden in solch feurigen
Symbolen in der Offenbarung Johannes geschildert, dass viele Forscher über
diesen Gegenstand sehr übertriebene und wilde Ideen haben und daher
unvorbereitet sind für die Wirklichkeit, die so nahe bevorsteht. Sie
legen die Symbole oft buchstäblich aus und sind folglich nicht imstande,
sie so erfüllt zu sehen, wie sie erfüllt werden sollen - durch religiöse,
soziale und politische Störungen, Streitigkeiten, Umwälzungen,
Gegenwallungen, Revolutionen usw.
Doch
beachte einen anderen Punkt hier. Zwischen der Zeit, da Babylon verworfen
ist, oder von der Gnade fällt (1878) und der Zeit, da die Plagen oder Trübsale
über sie kommen, ist ein kurzer Zwischenraum, während welchem die Treuen
des Volkes Gottes alle hierüber in Kenntnis gesetzt und aus Babylon
gesammelt werden sollen. Dies zeigt auch deutlich derselbe Vers. Denn mit
der Botschaft: „Babylon ist gefallen“, ist der Ruf verbunden: „Gehet
aus ihr hinaus, mein Volk, auf dass ihr nicht ... empfanget von ihren (hereinbrechenden)
Plagen.“ Auf diesen gleichen Zeitraum und auf das gleiche darin zu
vollbringende Werk wird gleichfalls in symbolischer Sprache (Offb. 7:3)
Bezug genommen. Den Zornengeln wird da der Befehl gegeben: „Beschädiget
nicht die Erde, noch das Meer, noch die Bäume, bis wir die Knechte
unseres Gottes an ihren Stirnen versiegelt haben.“ Die Versiegelung der
Stirne bedeutet, dass ein geistiges Verständnis der Wahrheit, das Zeichen
oder Siegel sein soll, welches die Knechte Gottes von den Knechten und
Unterstützern Babylons trennen und unterscheiden wird. Und dies stimmt
mit Daniels Zeugnis: „Die Verständigen (deines Volkes) aber werden es
verstehen; aber keine der Gottlosen (ihrem Gelübde Untreuen) werden es
verstehen.“ (Dan. 12:10). Somit sollen die Klassen versiegelt und
getrennt werden. ehe die Plagen über das verworfene Babylon kommen.
Und,
dass diese Erkenntnis sowohl die Versiegelung als auch die Scheidung
bewirken soll, ist deutlich in dem vorher betrachteten Verse enthalten,
denn die Erklärung, dass „Babylon gefallen“ ist, und dass gewisse
Plagen über sie kommen werden, wird vordem gemacht, ehe vom Volk des
Herrn erwartet wird, dem Befehle, „Gehet aus“, nachzukommen; welcher
Befehl sich auf diese Erkenntnis gründet. Jawohl, wir wissen, dass alle
wohl „an ihren Stirnen versiegelt“ - in Bezug auf den Plan Gottes mit
Verständnis ausgerüstet sein müssen - ehe sie diesen Befehl recht würdigen
und ihm nachkommen können.
Und
ist es nicht augenscheinlich, dass dieses Werk, die Knechte Gottes zu
versiegeln, gerade jetzt im Fortschritt begriffen ist? Sind wir nicht an
unseren Stirnen versiegelt worden? und noch dazu gerade zur geeigneten
Zeit? Werden wir nicht Schritt für Schritt wie von des Herrn eigener Hand
- durch sein Wort - zu einem Verständnis der Wahrheit und der allgemeinen
Angelegenheiten von seinem Standpunkt aus geführt, - wodurch unsere aus
anderen Quellen stammenden Ansichten über viele Dinge umgestoßen werden?
Ist es nicht wahr, dass die verschiedenen Abteilungen oder Sekten Babylons
nicht die Kanäle waren, durch welche die Versiegelung zu uns gekommen ist,
sondern dass sie Hindernisse waren, die ein schnelleres Ausführen
derselben verhinderten? Und sehen wir nicht sowohl die Angemessenheit
derselben, wie die der Erklärung des Herrn, dass in der Ernte eine
Trennung vom Weizen und Scheinweizen stattfinden muss? Und sehen wir nicht,
dass es sein Plan ist, diese Tatsache seinen Getreuen zu offenbaren und
dann zu erwarten, dass sie ihre Herzenssympathie mit diesem Plan durch
prompten Gehorsam beweisen? Wenn Gehorchen und Herauskommen uns zwingt,
das Lob der Menschen hinter uns zu lassen, oder einen angenehmes Gehalt,
oder ein pastorales Heim, oder finanzielle Hilfe im Geschäft, oder häuslichen
Frieden, oder was nicht alles? - lasst es uns nicht anfechten. Er, der uns
sagt: „Komm!“ ist derselbe, der zu Petrus sagte: „Komm!“ als er
auf dem Meere wandelte. Petrus gehorchte und würde freilich gesunken sein,
wenn nicht des Herrn ausgestreckter Arm ihn gehalten hätte. Aber derselbe
Arm hält auch heute gar wohl diejenigen empor, die jetzt auf seinen
Befehl hin aus Babylon kommen. Schaue nicht auf das wogende Meer der
Schwierigkeiten, die dazwischen liegen, sondern blicke direkt auf den
Herrn und sei fröhlichen Mutes.
Der
Befehl ist: Komm; nicht Gehe, denn beim Herauskommen aus der Knechtschaft
der Traditionen und Glaubensbekenntnisse und Systeme und Irrtümer der
Menschen, kommen wir direkt zu unserm Herrn, um von ihm gelehrt und genährt
zu werden, um zum Tun seines ganzen Wohlgefallens gestärkt und
vervollkommnet zu werden, und nicht mit Babylon zu fallen.
Gottes
Wort offenbart den Umstand, dass die Namenkirche nach ihrem Fall von
seiner Gnade und von der Ehre, sein Mundstück zu sein (Offb. 3:16), nach
und nach in einen Zustand des Unglaubens sinken wird, in dem die Bibel
schließlich tatsächlich unbeachtet gelassen, obwohl dem Namen nach noch
beibehalten werden wird, und in welchem Zustand philosophische
Spekulationen verschiedenster Schattierungen die eigentlichen
Glaubensbekenntnisse bilden werden. Diesem Fallen sollen die treuen
Versiegelten entgehen, denn sie sollen „imstande sein“, würdig
geachtet werden, diesem allem zu entfliehen, was geschehen soll, und ...
zu stehen“ - nicht zu fallen in der Zeit der Gegenwart des Herrn (Luk.
21:36). In der Tat, viele sinken bereits schon - behalten wohl die Form
der Gottesfurcht und des Glaubens an einen Schöpfer und an ein zukünftiges
Leben bei, betrachten diese aber hauptsächlich durch ihre eigenen
Philosophien und Theorien oder durch die anderer Leute, und übergehen die
Bibel als einen unfehlbaren Unterweiser über den göttlichen Vorsatz.
Trotzdem, dass sie die Bibel beibehalten, glauben sie doch ihren Berichten
nicht; besonders die von Eden und dem Falle. Sie behalten den Namen Jesu
bei und nennen ihn den Christus und den Heiland, aber sie betrachten ihn
nur als ein ausgezeichnetes, jedoch nicht unfehlbares Beispiel und
verwerfen gänzlich sein Lösegeld - sein Kreuz. Sie behaupten, die
Vaterschaft Gottes erstrecke sich zu den Sündern, und verwerfen sowohl
den Fluch als auch den Mittler.
Es
ist noch nicht allgemein beachtet worden, dass die 3½ Jahre des irdischen
Amtes unseres Herrn, zur Zeit des ersten Adventes, bis zur Verwerfung der
jüdischen Nation (ihre Kirche und ihr Staat war eins) eine Prüfung jenes
kirchenpolitischen Körpers oder Systems als eines Ganzen und nicht eine
Prüfung der einzelnen Glieder war. Die klerikale Klasse - Priester,
Schriftgelehrte und Pharisäer - vertreten jenes System als Ganzes. Sie
selbst behaupteten, das Judentum zu vertreten (Joh. 7:48, 49) und das Volk
betrachtete sie so; daher die Bedeutung der Frage: „Glaubt denn auch
irgend ein Oberster oder Pharisäer an ihn?“ Und unser Herr betrachtete
sie so. Selten tadelte er das Volk dafür, dass es ihn nicht annahm,
wiederholt aber machte er die „blinden Leiter“ verantwortlich, die
weder selbst in das Königreich eingingen, noch auch dem Volke, welches
sonst Jesum als Messias und König angenommen hätte, gestatten wollten,
einzugehen.
Unser
Herr war beständig darauf aus, Öffentlichkeit zu vermeiden, - zu
vermeiden, dass seine Wunder und Lehren das Volk erregen würden, damit
sie ihn nicht mit Gewalt nähmen und zum König machten (Joh. 6:15) und
doch brachte er diese Zeugnisse oder Beweise seiner Autorität und
Messiaswürde zur Beachtung der jüdischen Geistlichkeit, bis zu der Zeit,
da, weil ihre Prüfungszeit als Nationalkirche abgelaufen war, ihr Haus
oder System verworfen, „verlassen“, „Wüste gelassen“ wurde. Von
da ab wurden unter seiner Leitung und der Belehrung der Apostel alle Bemühungen
auf das Volk als einzelne gerichtet, und die verworfene
Kirchenorganisation und ihre Vorsteher wurden als solche gänzlich und
absichtlich übersehen.
Als
Beweis dafür, dass während seines Amtes, und bis ihr System verworfen
worden war, die Lehrer und Priester das Volk vertraten, beachte das
Verfahren des Herrn mit dem geheilten Aussätzigen, wie Matth. 8:4 es
berichtet. Jesus sagte ihm: „Siehe zu, sage es niemand, sondern gehe hin
und zeige dich dem Priester und opfere die Gabe, die Mose befohlen hat, zu
einem Zeugnis für sie.“ Der Beweis oder das Zeugnis sollte eine
Zeitlang dem Volke verborgen bleiben, aber seinen „Oberen“, welche die
jüdische Kirche als Ganzes in der damals vor sich gehenden Prüfung
vertraten, sollte es unverzüglich gegeben werden.
Wir
sollten ganz besonders den Zweck und die Resultate der Prüfung der jüdischen
Kirche als ein System bemerken, und zwar um der vorbildlichen Bedeutung
willen in Bezug auf ihr Verhältnis dem Gesamtplane Gottes gegenüber. Sie
gaben gemäß jener Verheißung vor, das für den kommenden Messias
bereite Volk zu sein, das Volk, das er zubereiten, mit Macht ausrüsten,
leiten und als sein „eigentümliches Volk“ gebrauchen würde, um alle
anderen Nationen der Erde zu segnen, indem sie alle zum Zustand der
Harmonie mit Gott und seien gerechten Gesetzen gebracht würden. Obwohl
vermöge seines Vorherwissens es Gott nicht verborgen war, dass das
fleischliche Israel für die Hauptstelle in seinem großen Werke
untauglich sein würde, gab er ihnen doch jegliche Gelegenheit und
jeglichen Vorteil gerade so, als ob er über die Resultate im Ungewissen wäre.
Mittlerweile schloss er sein Vorherwissen in prophetische Aussagen ein,
welche sie nicht verstehen konnten, damit wir nicht meinen möchten, er
habe in seiner Verfahrensweise mit dem jüdischen Volke nur Versuche
gemacht, und es sei fehlgeschlagen.
So
lange Israel als Nationalkirche behauptete, bereit zu sein, und vorgab,
nur darauf zu warten und begierig zu sein, seinen Teil des Programms
auszuführen, war es nur recht, dass sie geprüft wurden, ehe Gottes
weiterer Plan in Kraft treten sollte. Dieser weitere Plan war, dass, wenn
der natürliche Same Abrahams bei seiner Prüfung sich als ungeeignet für
die verheißene und gesuchte Hauptehre ausweisen würde, sodann während
des christlichen Zeitalters eine Wahl oder Auswahl von einzelnen gemacht
werden sollte, die der hohen Ehre würdig seien, der verheißene Same
Abrahams und Miterben mit dem Messias im verheißenen Königreiche zu sein,
welches alle Geschlechter der Erde aufrichten und segnen würde. - Gal.
3:16, 27-29, 14
Die
dem Volke verheißenen „siebzig Wochen“ (490 Jahre) göttlicher Gnade
konnten der Erfüllung nicht ermangeln. Folglich konnten weder die Heiden
(Nationen), noch auch die Samariter, eingeladen werden, Jünger zu werden,
noch in irgend einem Sinne mit dem Königreich verknüpft sein, welches
Christus und die Apostel verkündigten (Apg. 3:26). „Zu euch musste
notwendig das Wort Gottes (die Einladung, das Königreich zu teilen)
zuerst geredet werden.“ (Apg. 13:46) „Gehet nicht auf einen Weg der
Nationen, und ziehet nicht in eine Stadt der Samariter; gehet aber
vielmehr zu den verlorenen Schafen des Hauses Israels;“ und wiederum:
„Ich bin nicht gesandt, als nur zu den verlorenen Schafen des Hauses
Israel“, sagte der Meister, als er seine Jünger aussandte. - Matth.
10:5; 15:24
Die
ganze „siebzigste Woche“, in deren Mitte Christus starb - die sieben
Jahre vom Anfang des irdischen Amtes unseres Herrn bis zur Sendung des
Petrus zu Kornelius, dem ersten Bekehrten aus den Nationen - war nach
Gottes Anordnung für die jüdische Prüfung bestimmt worden. Doch statt
sie als Ganzes (als Nationalkirche) all diese sieben Jahre zu prüfen,
wurde jene Prüfung „in Gerechtigkeit abgekürzt“ (Röm. 9:28 - Lutherübersetzung
ungenau) - das bedeutet, nicht zu ihrem Nachteil, sondern zu ihrem Vorteil.
Weil es nicht bloß vor Gott, sondern auch vor Menschen offenbar war, dass
die Pharisäer, Priester und Schriftgelehrten den Herrn Jesus nicht nur
verwarfen, sondern gegen das Ende hin ihn sogar hassten und zu töten
suchten, daher verwarf er als König unverzüglich jenes System, als die
Zeit gekommen war, da er sich öffentlich als solcher anbieten sollte, und
auf dem Eselfüllen einritt, aber von den Vertretern jener Nationalkirche
nicht aufgenommen wurde; obwohl das gewöhnliche Volk ihn freudig empfing
und auf seine Anerkennung als König drang (Mark. 12:37). So kürzte unser
Herr die weitere nutzlose Prüfung ab, damit der Rest jener „siebzigsten
Woche“ besonders und ausschließlich auf das Volk, die Einzelnen jenes
verworfenen Systems, verwendet werden möchte, - ehe die Bemühungen der
Diener jener neuen Zeitordnung weithin allen Nationen zu teil werden
sollten. Und so geschah es, denn als unser Herr nach seiner Auferstehung
seinen Jüngern sagte, dass ihre Arbeit sich nicht mehr auf die Juden
allein zu beschränken habe, sondern sich auf „alle Nationen“
erstrecken dürfe, fügte er sorgsam hinzu: „Anfangend von Jerusalem.“
(Luk. 24:47). Er wusste auch gar wohl, dass ihre jüdischen Ideen sie
hindern würden, über die Juden hinauszugehen, bis er zu seiner Zeit den
Weg öffnen werde, - wie er denn am Ende ihrer Gnadenzeit tat, als er
Petrus zum Kornelius sandte. Seitdem haben einzelne Juden und Heiden
gleichermaßen das Vorrecht der Gnade Gottes genossen; in und durch
Christum war ein jeder gleich annehmbar. Soweit es Gott betrifft, ist in
dem gegenwärtigen Ruf „kein Unterschied“. Der Unterschied zu
Ungunsten der Juden war ihr eigenes Vorurteil, die ihnen einst unter der
Bedingung tatsächlicher und völliger Erfüllung des Gesetzes Gottes,
nach Buchstaben wie Geist (was kein gefallener Mensch vermag), angebotenen
Segnungen nun als Gabe durch Christum anzunehmen.
Jene
„siebzigste Woche“, und all die Einzelheiten der Prüfung des
fleischlichen Israel erfüllten nicht nur den Vorsatz, jenes System zu prüfen,
sondern lieferte auch, und ganz besonders, eine vorbildliche Darstellung
einer ähnlichen Prüfung der nominellen christlichen Kirche des
geistlichen Israel („Christentum“ (Reich) und „Babylon“ genannt) während
sieben entsprechenden Jahren; mit welcher Prüfung die Ernte des
christlichen Zeitalters begann. Es ist die Periode vom Oktober 1874 bis
Oktober 1881. „Christentum“ (Reich Christi), „Babylon“, behauptet
zu sehen, worin sein Vorbild, das fleischliche Israel, gefehlt hat und
beansprucht, der wahre geistliche Same Abrahams zu sein und dazu bereit,
in Erwartung und begierig, die Welt der Heiden zu bekehren und alle Völker
in Gerechtigkeit zu regieren, zu lehren und zu segnen, gerade was das jüdische
System behauptete. Das gegenwärtige Zeitalter ist auch in dem Umstand dem
vorbildlichen ähnlich, dass die Führer, dort wie jetzt, dazu verleitet
waren, die Verheißungen eines zukünftigen Messias bloß als figürliche
Ausdrücke zu fassen; und nur die gewöhnlichere Klasse Leute erwartete
einen persönlichen Messias. Die Gelehrten unter den Juden damals
verachteten einen persönlichen Messias und erwarteten, dass ihr
nationalkirchliches System vermöge ihrer vorzüglichen Gesetze über
andere triumphieren und so das erfüllen würden, wozu das gewöhnliche
Volk meinte, es bedürfe eines persönlichen Messias. (Und diese Ansicht
wird noch heute von „gelehrten“ jüdischen Lehrern oder Rabbinern
vertreten, welche die messianischen Prophezeiungen als auf ihr
Nationalkirchen-System und nicht auf einen persönlichen Heiland der Welt
anwendbar, auslegen). Um ihre Theorie auszuführen, sandten sie Missionare
in die Welt, um die Welt zum Gesetze Moses zu bekehren, und so mit
Beiseitelassung eines persönlichen Messias „alle Geschlechter der Erde“
zu erreichen und zu segnen. Bis zu einem solchen Grade war das der Fall,
dass unser Herr sagte: „Ihr umziehet Land und Meer, um einen Proselyten
zu machen.“
Wie
ähnlich ist hiermit die Theorie des heutigen nominellen „Christentums“.
Wenn man die gewöhnlichen Leute darauf aufmerksam macht, dass der Herr
verheißen habe, wiederzukommen, und dass die Apostel und Propheten
vorhergesagt haben, dass die Wiederkunft des Herrn das Millennium oder die
Zeiten der Wiederherstellung herbeiführen würde (Apg. 3:19-21), so sind
sie gern bereit, die Wahrheit anzunehmen und sich derselben zu erfreuen,
gerade wie eine ähnliche Klasse am ersten Advent. Aber die vornehmen
Priester und Oberen heutigen Tages haben, gerade wie vor 1800 Jahren,
fortgeschrittenere(?) Gedanken. Sie behaupten, dass die Verheißungen der
Millenniumsglückseligkeit, des Friedens auf Erden, des Wohlgefallens bei
den Menschen, durch ihre Arbeit, ihre Missionen, usw. zuwege gebracht
werden müssen, ohne die persönliche Wiederkunft des Herrn Jesus; und so
machen sie die Verheißung des zweiten Adventes und des zukünftigen Königreiches
bedeutungslos.
Die
gegenwärtigen vornehmen Priester und Oberen, die „Geistlichkeit“ des
„Christentums (Reiches), betrügen sich selbst sowohl wie auch das Volk,
wenn sie behaupten und augenscheinlich glauben, dass ihre
Missionsunternehmungen gerade ungefähr auf dem Punkte sind, mit Erfolg
gekrönt zu werden, dass sie ohne den Herrn nahe daran seien, der Welt all
die in der Schrift vorgemalten Millenniumssegnungen zuzuführen. Die Stütze
dieses Selbstbetruges liegt teilweise in dem Umstand, dass die Vermehrung
von Wissen und das Hin- und Her- Reisen auf Erden, das mit diesem „Tage
der Vorbereitung“ eintreten sollte, der Ausbreitung des Handels der
zivilisierten Völker und der daraus erwachsenden Zunahme weltlichen
Gedeihens besonders günstig war. All dies schreibt Babylon sich selbst in
kühler Weise zu, und weist auf all die Errungenschaften hin als Erfolge
ihres christianisierenden und kräftigenden Einflusses. Stolz weist man
auf die „christliche Nation“ Großbritanniens hin und auf ihren
Reichtum und ihr Wohlergehen als Ergebnisse ihrer christlichen Grundsätze.
Doch was sind die Tatsachen? Jeder Fortschritt, den dieses Volk oder
irgend ein anderes gemacht hat, fand nur in dem Maße statt, als es den
Druck Babylons von sich abschüttelte. In dem Maße als Großbritannien
die Ketten päpstlichen Druckes von sich warf, ist ihr Wohlstand
zugeflossen; und in dem Masse, als es fortfuhr, an der päpstlichen Lehre
einer Vereinigung von Kirche und Staat, an einer gottverordneten, königlichen
und priesterlichen Oberhoheit und Bedrückung festzuhalten und sich der
Tyrannei des Geizes und der Selbstsucht zu unterwerfen, in dem Maße ist
es noch erniedrigt.
Geldgeiz
und Sucht nach Macht waren die Triebfedern, welche die Häfen heidnischer
Länder widerwillig dem Handel der sogenannt christlichen Nationen, dem
englischen und deutschen Schnaps und dem amerikanischen Whiskey und Tabak
eröffneten. Die Liebe Gottes und die Segnungen heidnischer Völker hatte
keinen Raum in diesen Unternehmungen. Hier liegt ein augenscheinlich
geringer Zug der Zeitgeschichte vor, der das Gewissen der sogenannt
christlichen Nationen, wenn sie ein solches hätten, mit Schrecken erfüllen
müsste. Der mohammedanische Emir von Nupien in West Afrika sandte vor
kurzem folgende Botschaft an den Bischof Crowther von der Negermission:
„Es
ist keine lange Geschichte; es betrifft Barasa (Schnaps). Barasa,
Barasa, Barasa! Es
hat unser Land ruiniert; es hat unser Volk sehr verderbt; es hat unser
Volk toll gemacht. Ich bitte dich, Malam Kip, vergiss dieses Schreiben
nicht, denn wir alle flehen, dass er (Crowther) die großen Priester (das
Komitee der anglikanischen Kirchenmissionsgesellschaft) ersuchen möchte,
dass sie die englische Königin (das Haupt der Kirche Englands) bitten
sollen, zu verhindern, dass Barasa in dies Land gebracht wird.
„Um
Gottes und des Propheten willen! Um Gottes und des Propheten, seines
Sendboten, willen, muss er uns in dieser Sache - in der betreffs Barasa -
helfen. Sage ihm, möchte Gott ihn in seinem Werke segnen. Das ist das
Wort vom Munde Malikas, des Emirs von Nupien.
Dies
erläuternd, macht ein baptistisches Journal folgende Bemerkungen: „Dieser
einfache Negerfürst offenbart in diesem Brief eine Teilnahme an dem Wohle
seines Volkes, die christliche Monarchen und Obrigkeiten noch nicht
erreicht haben, denn noch kein europäischer, christlicher Herrscher und
kein Präsident der Vereinigten Staaten hat je so sich für sein Volk
verwendet. In keiner die Parlamente eröffnenden Ansprache, in keiner Präsidentenbotschaft
ist je solche Sprache gefunden worden. Schade für unsere christlichen
Herrscher. Gewinn, die verwünschte Goldgier, ist das Gesetz bei den
Kaufleuten; und sie sind die Lieblinge und Herrn der Obrigkeiten.“
Nun,
im Namen der Wahrheit fragen wir: Warum diese Obrigkeiten christliche
Obrigkeiten nennen? Und die Obrigkeit der Vereinigten Staaten ist hierin
keine Ausnahme, obwohl so viele darauf bestehen, es eine christliche
Regierung zu nennen, während sie selbst, wie es sich gehört, diesen
unverdienten Titel nicht annimmt, obwohl sie von eifrigen Vertretern der
Sekten dazu gedrängt werden. Von Boston werden beständig ungeheure
Schiffsladungen Schnaps nach Afrika gesandt, ungehindert von der Obrigkeit
und mit ihrer vollen Zulassung, während sie vielen Zehntausenden zur
Herstellung des schrecklichen „Feuerwassers“ und zum Ausschank
desselben an ihre, eigenen Untertanen Lizenzen (Erlaubnisscheine) gewährt,
welches Feuerwasser noch doppelt verderblicher und verführerischer
gemacht wird durch das, was man Rektifizieren (Läuterung) nennt, das heißt,
durch vom Gesetz erlaubte Beimischung des reinsten Giftes. All dies und
noch viel mehr wird von „christlichen“ Staatsmännern und Oberen der
sogenannten christlichen Nationen gerechtfertigt und vereidigt, um der
Steuererhebung willen - als das leichteste Mittel, vom Volke einen Teil
der notwendigen Regierungsausgaben zu erheben. Gewiss, das ist
Prostitution (gewerbsmäßige Unzucht)der niedrigsten und schlechtesten
Sorte. Jeder denkende Mensch muss sehen, wie ungereimt die Bezeichnung „christlich“
ist, wenn sie selbst auf die allerbesten, gegenwärtigen Obrigkeiten
angewandt wird. Der Versuch, den christlichen Namen dem Wesen der vom „Fürsten
dieser Welt“ - von Satan - beherrschten und mit dem „Geiste der
Welt“ getränkten „Reiche dieser Welt“ anzupassen, hat alle wahrhaft
christlichen Herzen in Verlegenheit gebracht, da sie in dem Irrtum
befangenen waren, dass die gegenwärtigen Obrigkeiten der Welt in irgend
einem Sinne Christi Königreich seien.
So
sagt Cannon Farrar, der Erzbischof Englands:
„Die
alte Raubgier des Sklavenhandels hat der gierigeren und verderblicheren
Raubgier des Schnapsverkäufers Platz gemacht. Unsere Väter rissen vom
Nacken von Afrika das Joch der Peitsche; wir haben die eingeborene Rasse
einem Joche der Skorpionen unterworfen. Wir haben die Flüsse von Afrika
dem Handel eröffnet, bloß um die verderbende Flut des Alkohols ihnen
entlang zu gießen, im Vergleich mit welcher kein Fluss der Hölle mehr
blutgerötet oder fluchwürdiger ist, als diese. Ist das Gewissen des
Volkes tot?“
Wir
antworten, Nein! Das Volk war nie ein christliches und hatte folglich nie
ein christliches Gewissen oder einen christlichen Geist. Das meiste, was
man von ihm sagen kann, ist, dass das Licht von Gottes wahrhaft geweihten
Kindern die öffentliche Meinung dieser Völker, unter denen sie „scheinen
wie Lichter“, etwas erleuchtet und veredelt und in einen gewissen Grad
von moralischer Reform hineingeschämt haben.
Auf
gleiche Weise wurde von denselben christlichen(?) Obrigkeiten ein ähnlich
fürchterlicher Handel China und Japan trotz ihres ernsten Protestes
aufgezwungen. Im Jahre 1840 begann Großbritannien einen Krieg mit China,
der „Opium-Krieg“ genannt, um die chinesische Regierung, die ihr Volk
vor diesem schrecklichen Fluche schützen wollte, zu zwingen, diesen
Artikel zuzulassen. Der Krieg schlug für des Teufels Seite der Frage günstig
aus. Britische Kriegsschiffe vernichteten tausende von Leben und Heimstätten
und zwangen den chinesischen Kaiser, das Reich dem langsameren Opiumtode -
dem Berauschungsmittel für China - zu öffnen. Die Bareinnahme der
britischen Regierung von diesem Gifte, nach Abzug großer Auslagen für
die Einnahme der Steuer, betrug gemäß öffentlicher Berichte im Jahre
1872 über US$ 37.000.000 für das vorhergehende Jahr. Diese US$
37.000.000 per Jahr waren die Triebfeder zu jenem Krieg, das gerade
Gegenteil von Liebe beides für das gegenwärtige und zukünftige
Wohlergehen der Chinesen. Die Klausel in dem Vertrag, die Schutz für
christliche Missionare vorsah, war bloß ein schlau hingeworfener Bissen,
um die Gewissen von Gerechtigkeit liebenden Leuten zufrieden zu stellen -
um ein großes Verbrechen als Barmherzigkeit, als aus Wohlwollen getan,
erscheinen zu lassen. In den Vertrag am Ende des Krieges, wurden gewisse Häfen
dem englischen Handel geöffnet, und ähnliche Verträge mit anderen Völkern
folgten, und einige gute Resultate wurden hierdurch erzielt. Eins
derselben war, dass China dem Einfluss der Zivilisation geöffnet wurde.
Aber der Umstand, dass etliche christliche Männer und Frauen in den
Vordergrund traten, um dem Volk etwas von den Prinzipien und Gesetzen der
Gerechtigkeit zu verkünden, darf nicht dem Volke Englands zu gut
geschrieben werden. Sein Zweck war Handel, und aus Goldgier und nicht um
des Wohles des Chinesen willen, noch zur Ehre Gottes, wälzte es einen
unheiligen und ungerechten Krieg auf ein Volk, das in der teuflischen
Kunst nicht so geübt war.
Neben
anderen Lastern hat das „Christentum (Reich) die Völker die schlimmste
Form des Götzendienstes, den Götzendienst des Ich und der Macht und des
Reichtums gelehrt, wofür christlich sein wollende Männer und Völker
willens sind, einander zu betrügen, zu schädigen und selbst zu töten.
Es hat ihnen auch Gotteslästerung und Entweihung des Heiligen in
jeglicher Sprache gelehrt. Denn jede Schiffsmannschaft aus allen
professionell christlichen Nationen, lästert den Namen Christi. Aber, während
dies der Einfluss der sogenannt christlichen Nationen war, so sind doch
auch aus ihrer Mitte etliche edle Missionare des Kreuzes, etliche
wahrhaftige Diener Gottes ausgegangen, und gleichfalls auch etliche
weniger edle, die bloß Menschendiener waren. Alles in allem war es jedoch
nur eine bloße Handvoll, die den Heiden von Christo und wahrer
Zivilisation Kunde gaben.
Es
sind nicht die ernsten Missionare, sondern die sanguinischen Beamten der
Missionsgesellschaften in der Heimat, die wenig Begriff und oft auch wenig
tatsächliches Interesse an der wahren Sachlage in den fremden Ländern
haben, und deren Ansichten sich hauptsächlich auf die großen jährlich
gesammelten und verausgabten Summen gründen, die da denken, die
heidnische Welt sei beinahe bekehrt, und ihre Bemühungen auf dem Punkt,
in das verheißene Tausendjahr-Zeitalter des Segens ohne das zweite Kommen
unseres Herrn überzulenken. Missionare, die in der ersten Reihe gestanden
haben, bekennen gewöhnlich, sehr entmutigt zu sein, außer wenn sie ihre
Hoffnung über alles Verhältnis zur tatsächlichen Erfahrung hinaus und
gegen gesundes Urteil anzuregen vermögen. So hielt kürzlich ein solcher
- J.C.R. Ewing. Dr. Th. - der 9 Jahre im Missionswerk in Indien zugebracht
hatte, vor dem Verein junger christlicher Männer in Pittsburg, Pa., einen
Vortrag, in dem er zugab, dass die gegenwärtige Wirkung der Zivilisation
und Missionsbemühungen nicht nur die wäre, die heidnischen Religionen
niederzureißen, sondern alle Religion und allen Glauben zu vernichten und
das Volk ungläubig zu machen. Seine starke Hoffnung aber ist, dass der nächste
Schritt vom Unglauben zum christlichen Glauben sein werde - sicherlich
eine unvernünftige Hoffnung, wie jede Erfahrung hier, in zivilisierten
Landen, aufs gewisseste beweist. Wir machen aus dem Bericht in den Tagesblättern
über seinen Vortrag folgenden Auszugs:
„Indien
schuldet dem direkten und indirekten Einfluss der Christenheit mehr als
irgend einem anderen Ding. Es hat viel getan, um die alten Ideen
materieller Götter Niederzubrechen und an ihrer Stelle den Gedanken an
einen einzigen, allerhöchsten Gott gesetzt, welchen die Völker des
Westens (Europa und Amerika) unterhalten. (Ein deutlicheres Darstellen der
Sache wäre; dass sie dem Atheismus geläufige Ideen bekommen, dass die
Natur der höchste und einzige Gott sei.)
„Unter
den 263.000.000 Einwohnern in jenem Lande gibt es 10.000.000 junge Männer,
welche die englische Sprache sprechen und in den westlichen Ideen, in
denen wir erzogen wurden, unterrichtet sind. Die höheren Kasten sind in
der Literatur, in der Religion und in den Wissenschaften, welche die
Grundlage der Erziehung des Volkes hierzulande bilden, durch und durch
bewandert. Die alte Meinung eines rachsüchtigen Gottes, der durch
zahlreiche Gaben und viele Gebete versöhnt werden muss, hat dem neueren
Geist des Unglaubens Platz gemacht. Der Gebildete des Ostens glaubt nicht
mehr an die Götter seiner Väter. Sie haben dieselben für immer beiseite
geworfen und an ihre Stelle die Lehren eines Oberst Robert G. Ingersoll,
Paine, Voltaire, Bradlaugh und aller anderen atheistischen Lehrer gestellt.
Dieses skeptische Zeitalter wird bald vergehen und der Westen, wie er
Indien seine Ideen gegeben, wird ihm auch die Religion des christlichen
Gottes geben.
„Die
jungen Leute Indiens sind wohlgebildete, genaue Beobachter, intelligent,
gut vertraut mit allen Angelegenheiten anderer Nationen außer der ihren,
und, obgleich es sonderbar scheinen mag, gut mit unserer Bibel bekannt. In
der Tat, sie kennen sie so gut, dass niemand als nur ein mit ihrer Lehre völlig
vertrauter Mann hoffen kann, fähig zu sein, all die Einwände, welche sie
gegen dieselben vorbringen, mit Erfolg zu beantworten. Die volkstümliche
Meinung, dass ein Missionar im Schatten eines Baumes sitzt und nackte
Wilde, die sich um ihn sammeln, belehrt, ist explodiert. Neben ihrer
Intelligenz, ihrer Einsicht, sind sie ein hübsch aussehendes Volk,
liebenswürdig, höflich, edelmütig; und alle Ausländer behandeln sie
mit der größten Zuvorkommendheit und Ehrerbietung.“
Die
widersprechenden Tatsachen, die er anführt, rechtfertigen die unvernünftigen
Hoffnungen dieses Herrn durchaus nicht. Erfahrung hat sicher erwiesen,
dass die stümperhaften Argumente des Sektentums, dessen Irrtum das, was
es noch an Wahrheit besitzt, verdrehen und verderben, selten aus ehrlichen
oder spottenden Zweiflern Proselyten macht. Gewiss alle, außer Blinde, können
sehen, dass wenn die zehn hundert Millionen des Heidentums zu dem Zustand
der vierhundert Millionen des sogenannten Christentums bekehrt würden,
die Frage gar wohl noch als offen betrachtet werden müsste, wie es im jüdischen
Zeitalter (Matth. 23:15) der Fall war, ob sie nicht zwiefältig der
Vernichtung wert wären, als wenn sie in ihrem ursprünglichen,
heidnischen Aberglauben verblieben wären. Sicherlich, kein klarer Kopf
kann behaupten, dass eine Bekehrung zu solch einem Zustande, in dem sich
das sogenannte Christentum befindet, mit der Beschreibung passen würde,
die von dem Frieden und Wohlgefallen des Millenniums entworfen wird, wie
es die Propheten vorher verkündigt haben und in den Worten des Gebetes
unseres Herrn kurz zusammengefasst ist: „Dein Königreich komme; Dein
Wille geschehe auf Erden, wie im Himmel.“
Soll
es uns überhaupt Wunder nehmen, dass diese Masse von 400.000.000, die dem
Namen nach die Kirche Christi ausmachen und sich selbst sein Königreich -
„Christentum“ (Reich) - nennen, vom Herrn nicht anerkannt wird, und er
ihr vielmehr den viel angebrachteren Namen Babylon (Mischung, Verwirrung)
beilegt? Und ist es ein Wunder, dass diese, mit ihren Ideen vom Königreich
Christi und über die Art und die Erfolge seiner Ausbreitung in der Welt,
für das wahre Königreich unvorbereitet, und nicht willens sind, den
neuen König zu empfangen; wie um ähnlicher Gründe willen die Oberen des
vorbildlichen Hauses beim ersten Advent unvorbereitet waren? Noch kann
bezweifelt werden, dass die Kaiser, Könige und Fürsten, die jetzt ihren
Einfluss und ihre Macht hauptsächlich zur Selbstvergrößerung verwenden
und Millionen bewaffneter Männer unterhalten und ausrüsten, um sie in
ihren Ausschweifungen und herrschaftlichen Stellungen zu erhalten, lieber
Millionen dahingeschlachtet und andere Millionen zu Witwen und Waisen
gemacht sehen würden, wie es in der Vergangenheit geschah, als dass sie
ihren gegenwärtigen Vorteilen entsagen würden. Ist es zu verwundern,
dass diese ein solches Königreich, wie die Schrift es verheißt, weder
begehren, noch erwarten, noch daran glauben? - ein Königreich, in dem der
Niedrige zur allgemeinen rechten und beabsichtigten Höhe emporgehoben
werden soll? Ist es zu verwundern, dass alle, die irgendwie Bedrückung,
Aussaugung, oder zermalmende Monopole befürworten, wodurch sie ungerechte
Vorteile über ihre Mitmenschen erlangen oder zu erlangen suchen, langsam
sind an ein Königreich der Gerechtigkeit zu glauben, in dem keine
Ungerechtigkeit und Übervorteilung gestattet wird? Besonders, kann es uns
wundern, dass sie nicht glauben mögen, dass dieses Königreich nahe, ja
vor der Tür ist?
Noch
auch können wir uns wundern, dass die Großen, die vornehmen Priester und
Oberen des „Christentum“ (da ein jeder auf Gewinn aus seinem eigenen
Viertel oder seiner Sekte aus ist (Jes. 56:11) verfehlen, den geistigen König
als jetzt gegenwärtig zu erkennen und ihn daher verwerfen, wie die Lehrer
des fleischlichen Israels ihn verwarfen, als er im Fleische gegenwärtig
war. Und wie der Herr viele der „natürlichen Zweige“ des Ölbaumes
verwarf, abschnitt und aus seiner Gnade weg in ein Feuer der Trübsal
gehen ließ und nur die wahren Israeliten als Zweige bewahrte, sehen wir
nicht, wie dieselbe Weisheit in der Ernte dieses Zeitalters die „wilden
Zweige“ auch prüft (Röm. 11:21, 22), und die große Masse nomineller
Zweige, deren Charakter und Ziel und Anlage in der Tat gar fremdartig und
wild ist, - sehr verschieden