SCHRIFTSTUDIEN
BAND
4 - DER
KRIEG VON
HARMAGEDON
Studie
6
Die
kirchliche Verwirrung Babylons vor dem höchsten Gerichtshof.
Die
wahre Kirche, dem Herrn bekannt, hat keinen Teil an den Gerichten Babylons. —
Die
religiöse Situation der Christenheit bietet der politischen Lage gegenüber
keinen hoffnungsvollen Unterschied. —
Die
große Verwirrung. —
Die
Verantwortlichkeit, die Verteidigung zu führen, liegt der Geistlichkeit
ob. — Der
Geist der großen Reformation tot. —
Priester
und Volk in derselben Lage. —
Erhobene
Anklagen. — Die
Verteidigung. — Ein
„Bund“ vorgeschlagen. —
Das
erstrebte Ziel. — Angewandte
Mittel. — Der
allgemeine Geist des Kompromisses. —
Das
Gericht, das über die religiösen Institutionen ergeht.
„Er
spricht zu ihm: Aus deinem Mund werde ich dich richten, du böser Knecht.“
- Luk. 19:22
Wenn
wir in diesem Kapitel das Gericht über die „Kirche“, das heißt die
große Namenkirche betrachten, so dürfen wir dabei nicht außer acht
lassen, dass es außerdem eine wahre Kirche Christi gibt, auserwählt und
köstlich, die Gott geweiht ist und an seine Wahrheit glaubt inmitten
eines bösartigen und verkehrten Geschlechtes. Die Welt kennt dieselbe als
Korporation nicht, die einzelnen aber, die ihr angehören, kennt der Herr,
der nicht nach dem Urteil, was vor Augen ist oder vom Ohr vernommen wird,
sondern Gedanken und Absichten des Herzens sieht und beurteilt. So sehr
sie auch zerstreut leben mögen, sei es ganz allein, sei es mit anderen
mitten im Scheinweizen, Gottes Auge findet sie stets. Sie wohnen unter dem
Schirm des Höchsten (sind geheiligt und gänzlich Gott geweiht) und
weilen im Schatten des Allmächtigen, während die Gerichte des Herrn über
alle Namenkirchen gehen, die sich mit Unrecht „christliche“ nennen.
(Psalm 91:1,14-16) Sie haben keinen Anteil an dem Gericht, das Babylon
trifft, sondern werden zuvor erleuchtet und von ihr abgetrennt. (Offb.
18:4) Von dieser Klasse handeln die Psalmen 91 und 46, und für ihre
Segnung und Erquickung sind sie geschrieben. Mitten aus der Schar der
formellen und unaufrichtigen Bekenner findet des Herrn wachsames Auge
seine wahren Jünger heraus, führt sie auf grüne Auen und zu frischen
Wassern und erquickt ihre Herzen durch seine Wahrheit und seine Liebe. Der
Herr kennt sie als die Seinen (2. Tim. 2:19), sie sind in seinen Augen die
wahre Kirche, das Zion, das sich der Herr selbst auserwählt (Psalm
132:13-16), und von dem geschrieben steht: „Zion hört es und freut sich,
die Töchter Judas frohlocken wegen deiner Gerichte, O Herr!“ (Psalm
97:8) Der Herr wird sie sicher führen wie ein Hirte seine Herde. Von
dieser Kirche unterscheidet sich die Namenkirche, welche allein der Welt
bekannt ist, und von welcher die Propheten unter verschiedenen
symbolischen Namen sagen, sie sei von der Gnade abgefallen und werde in
der Zeit der Ernte des Evangeliums-Zeitalters ins Gericht kommen.
Wie
die bürgerliche Gewalt in der Namenchristenheit in Verlegenheit und die Völker
dem Verzweifeln nahe sind, so erscheinen auch die religiösen Verhältnisse
keineswegs mehr als friedlicher und sicherer Zufluchtsort: denn das
Kirchentum von heutzutage ist in seinem eigenen Netze gefangen. Die große
Namenkirche, das Kirchenchristentum, hat der Welt Wind säen helfen und
wird daher mit ihr Sturm ernten. Die große Namenkirche hat lange genug
Menschensatzungen zu ihrer Lehre gemacht, und das Wort Gottes als einzige
Richtschnur für den Glauben und gottgefälligen Wandel zum großen Teil
nicht mehr anerkennend, keck untereinander unvereinbare und Gott
missfallende Lehren verbreitet und selbst den Rest Wahrheit, der ihr
verblieb, treulos verwaltet. Sie hat Christi Geist nicht gepflegt noch
gezeigt, sondern frank und frei sich vom Weltgeist durchdringen lassen.
Sie hat die Umzäunung der Schafhürden niedergerissen, die Böcke zum
Eindringen aufgefordert und selbst die Wölfe ermutigt, einzudringen und
ihr böses Werk zu vollbringen. Sie hat es gern gesehen, dass der Teufel
Scheinweizen unter den Weizen streute, und freut sich heute über die
Frucht dieser Saat, das blühende Scheinweizenfeld. Aus den wenigen noch
übrigen Weizenähren macht sie sich nichts, und jedenfalls ist ihr nicht
daran gelegen, dass der Scheinweizen den Weizen nicht hindere. Der Weizen
gilt nichts mehr auf dem „christlichen“ Markt, und das demütige, gläubige
Kind Gottes wird, wie sein Herr, von der Welt verachtet und verschmäht
und selbst im Hause derer, die es als Freunde anzusehen bereit war,
verletzt. Der Schein der Gottseligkeit ist an die Stelle des Wesens
derselben, und prunkvoller Gottesdienst an die Stelle der Anbetung im
Geist getreten.
Lange
Zeit schon lösen einander widersprechende Lehren die Kirche in zahlreiche
einander bekämpfende Richtungen und Sekten auf, deren jede den Anspruch
erhebt, die wahre, vom Herrn und den Aposteln gegründete Kirche zu sein,
und ihr Streit hat der Welt so verkehrte Begriffe von den Eigenschaften
und den Absichten unseres himmlischen Vaters gegeben, dass viele vernünftige
Leute sich mit Ekel abwenden, ihren Schöpfer verachten oder gar seine
Existenz zu leugnen suchen. Die römische Kirche, die das Dogma der
Unfehlbarkeit angenommen hat, erklärt es als Absicht Gottes, alle
Andersgläubigen im Pfuhl, der mit Feuer und Schwefel brennt, in alle
Ewigkeit zu quälen. Für andere kennt sie eine zeitlich beschränkte Qual,
das sogenannte Fegfeuer, von dem sie die Seele loslösen kann, gestützt
auf Bußübungen, Gebete, Fasten, Wachskerzen, Weihrauch und gutbezahlte
Seelenmessen. Sie leugnet mithin die Wirksamkeit von Christi Sühn- und
Opfertod und übergibt die Verfügung über die ewige Bestimmung des
Menschen spekulativen Priestern, welche den Himmel nach Belieben für
einen Mitmenschen auf- oder zuschließen können. Sie begnügt sich mit
der Form der Gottseligkeit und lehnt deren belebende Kraft ab; sie fördert
den Bilderkultus, statt in den Herzen ein erhabenes Bild des unsichtbaren
Gottes und seines lieben Sohnes, unseres Herrn und Heilandes aufzurichten.
Sie überträgt einer menschlich organisierten Priesterschaft die Führung
in der Kirche und setzt sich damit in direkten Widerspruch zu Matth. 23:8,
9: „Ihr sollte euch nicht Rabbi nennen lassen; denn einer ist euer
Meister, Christus, ihr alle aber seid Brüder. Und ihr sollt niemand Vater
heißen auf Erden; denn einer ist euer Vater: der im Himmel ist.“ In
Wahrheit, das Papsttum ist die vollendetste Nachbildung der wahren
Christenheit und verlangt dabei keck, als wahre Kirche zu gelten. (siehe
Band 2, Kapitel 9 und Band 3, Kapitel 3) Die Reformation warf einige
der Irrlehren des Papsttums um und führte viele aus dem Schoß der römischen
Kirche weg. Die Reformatoren machten auf das Wort Gottes aufmerksam und
legten das Recht des einzelnen dar, es zu lesen und auszulegen, und
erkannten damit notwendigerweise die Berechtigung eines jeden Kindes
Gottes an, auch ohne Ermächtigung der Bischöfe und Päpste zu predigen,
welche ohne jedes Recht als Nachfolger der zwölf Apostel gelten wollen
und deren Autorität beanspruchen. Aber schon bald darauf durchseuchte der
Geist dieser Welt das gute Werk des Protestes gegen die ungerechte,
antichristliche römische Kirche, indem die Protestanten neue Kirchen gründeten,
welche neben den Wahrheiten, zu denen sie leiteten, auch viele alte
Irrlehren weiter überlieferten und neue hinzufügten. Indes behielt jede
ein Körnchen Wahrheit. Das Resultat war eine Mischung von
widerspruchsvollen Glaubensbekenntnissen, die ebenso untereinander wie mit
der Vernunft und dem Worte Gottes unvereinbar waren. Sobald der
Forschungseifer der Reformationszeit erkaltete, bemächtigte sich dieser
protestantischen Kirchen eine Verknöcherung, und in diesem Zustand sind
sie geblieben bis auf den heutigen Tag. Die systematische Theologie, wie
sie das nennen, dieses Gebäude von Irrlehren, ist mit Aufwand von viel
Zeit und Gelehrsamkeit aufgebaut worden. Die Gelehrten haben dicke Bände
darüber geschrieben und deren Studium statt desjenigen des Wortes Gottes
empfohlen. Daher sind Predigerschulen gegründet und reich ausgestattet
worden, von denen junge Männer, nachdem sie die Irrlehren in sich
aufgenommen hatten, ausgingen, dieselben auch den Völkern beizubringen;
diese waren gewohnt, sie als berufene Diener am Worte Gottes, als
Nachfolger der Apostel zu betrachten, und nahmen ihr Wort an, ohne wie die
Leute in Beröa (Apg. 17:11) in den Tagen des Apostel Paulus, in der
Schrift nachzuforschen, ob sich das alles so verhielte.
Jetzt
aber ist die Ernte dieser Aussaat gekommen, der Tag der Rechenschaft
vorhanden, und beschämt und verwirrt steht die ganze Namenkirche, welche
Namen sie auch führen möge, und besonders die Geistlichkeit da, die an
diesem Tage des Gerichts in Gegenwart vieler Ankläger und Zeugen sich und
die Namenkirche zu verteidigen hat, und von der man erwartet, dass sie womöglich
ein Mittel finde, das, was sie die wahre Kirche nennt, vor gänzlicher
Vernichtung zu bewahren. Bei ihrer gegenwärtigen Verwirrung freilich und
beseelt von dem durch den Selbsterhaltungstrieb erzeugten Bestreben sich
zusammenzuschließen, haben sie aufgehört, ihre spezielle Richtung als
die allein wahre Kirche zu betrachten, und reden nun von verschiedenen
Zweigen der einen Kirche, trotz der sich widersprechenden Lehren, die
nicht alle gleichzeitig wahr sein können. In dieser schweren Stunde
vermisst man mit Schmerzen den heilsamen Geist der „großen
Reformation“. Der Protestantismus ist kein Protest mehr gegen den Geist
des Antichristen, gegen Welt, Fleisch und Teufel; seine dem Worte Gottes,
der Vernunft und unter sich selbst widerstreitenden Lehren sucht er vor öffentlicher
Untersuchung zu schützen. Seine dickleibigen theologischen Werke verzehrt
das Feuer des über die Namenchristenheit ergehenden Gerichtes. Seine
hervorragendsten theologischen Fakultäten sind Treibhäuser des
Unglaubens und verbreiten diesen überall wie eine Seuche. Seine „großen
Männer“, seine Bischöfe, seine Doktoren und Professoren der Theologie,
seine bedeutendsten und einflussreichsten Geistlichen in den großen Städten
führen die anvertrauten Herden zu einem verkappten Unglauben. Sie suchen
die Autorität und Inspiration der Heiligen Schrift zu untergraben und zu
zerstören, den darin geoffenbarten Heilsplan durch die menschliche
Evolutionstheorie zu ersetzen. Sie suchen sich der Kirche Roms zu nähern
und sie nachzuahmen, sie buhlen um ihre Gunst, preisen ihre Gebräuche,
schließen die Augen vor ihren Untaten und werden dadurch ihre Verbündeten
im Geiste. Sie stellen sich auch immer mehr in allem der Welt gleich,
indem sie deren Gepränge, das sie zu verschmähen behaupten, mehr und
mehr nachahmen. Man denke nur an die luxuriösen Kirchenbauten, an die
Ausstattung der „Gotteshäuser“, die daraus sich ergebende schwere
Verschuldung und das beständige Kollektieren, um dieser zu entrinnen. In
der Methodistenkirche in der Lindell Avenue in New York zum Beispiel ist
ein Basrelief von 46 Fuß Breite und 50 Fuß Höhe angebracht worden,
welches die Erhebung der heiligen Jungfrau auf den Thron darstellt. Die
Figuren sind alle lebensgroß. Zu oberst im Spitzbogen steht Maria
aufrecht, das Jesuskind im Arm, links und rechts verkünden Seraphim mit
der Posaune ihre Erhebung auf den Thron, und Scharen von Engeln mit
ausgestreckten Flügeln beten sie an. Unten steht zu beiden Seiten ein
Engel, eine Buchrolle tragend, auf der links geschrieben steht: „Friede
auf Erden!“, und rechts: „An den Menschen ein Wohlgefallen!“ Wie ist
da nicht nur das Gepränge, sondern selbst der Bilderdienst der römischen
Kirche eingedrungen! Dazu kommt, dass in einzelnen Kirchen Billardsäle
reserviert worden sind, dass einzelne Pfarrer den Ausschank leichter Weine
in der Kirche empfohlen, die Abhaltung theatralischer Aufführungen oder
gesellschaftlicher Spiele in den Kirchen gestattet haben. In vielen dieser
Dinge sind die Kirchengenossen willige Werkzeuge der Geistlichkeit
geworden, und diese hat sich als Gegenleistung offen und frei dem
Geschmack und den Wünschen weltlicher und einflussreicher Kirchengenossen
angepasst. Die Leute haben auf ihr Recht, selber zu urteilen, verzichtet
und ihre Pflichten vernachlässigt; sie haben aufgehört, in der Schrift
die Wahrheit zu suchen und über Gottes Gebot nachzudenken, um zu finden,
was Rechtschaffenheit ist. Sie sind gleichgültig, weltlich, lieben das
Vergnügen mehr denn Gott; sie sind vom Gott dieser Welt geblendet und
stets bereit, Lehren anzunehmen, welche sie in ihrer Weltlust und ihrem
Ehrgeiz nicht hindern, und die Geistlichkeit züchtet diesen Geist und
passt sich ihm an, da sie dabei ihren momentanen Vorteil findet. Denn
sollten diese „Kirchen“ untergehen, so wäre es um die Ämter und Würden
und Gehälter der sich selbst erhöhenden Geistlichen geschehen. Sie sind
daher jetzt ebenso besorgt um den Fortbestand der Namenchristenheit, als
es die Pharisäer und Schriftgelehrten und Gesetzesausleger zur Zeit Jesu
um die Erhaltung der jüdischen Religion waren, und zwar ganz aus
denselben Gründen. (Joh. 11:47, 48, 53; Apg. 4:15-18) Wegen ihrer
Vorurteile und ihres weltlichen Ehrgeizes sind die Namenchristen dem
Lichte der neuen jetzt aufgehenden Wahrheit gegenüber ebenso blind, wie
die Juden zur Zeit der ersten Gegenwart unseres Herrn es dem Lichte der
damals aufgehenden Wahrheit des Evangeliums gegenüber waren.
Die
schwersten Anklagen gegen die Namenkirche sind die Gefühle der
erwachenden Welt und der erwachenden Christen, mögen dieselben in oder außerhalb
der „christlichen“ Welt leben. Plötzlich, namentlich seit dem Jahre
1890, ist die Kirche der Bekenner der Kritik stark ausgesetzt, und mit
Forscherblicken schaut die ganze Welt auf sie. Diese Kritik kann von
niemand überhört werden, sie liegt geradezu in der Luft; man vernimmt
sie im Privatgespräch, auf der Straße, auf der Eisenbahn, in den Werkstätten
und Kaufläden; sie flutet durch die Tagespresse und ist beständig ein
Gegenstand der Besprechung in den leitenden Blättern weltlichen oder
religiösen Charakters. Die leitenden Männer in der Kirche sehen wohl ein,
dass diese Kritik für sie und ihre Einrichtungen nichts Gutes bedeuten
kann, dass man ihr schnell und weise (wie sie das verstehen) begegnen müsse,
wenn man ihre Kirchen vor dem Zusammenbruch, der ihnen droht, bewahren
wolle.
Die
erste Anklage, welche gegen die Namenkirche erhoben wird, ist die, dass
sie inkonsequent sei. Selbst die Welt sieht den himmelweiten Unterschied,
der zwischen der Bibel, der angegebenen Richtschnur für die Lehren der
Namenkirche, und den Glaubenssätzen dieser letzteren besteht, die
einander widersprechen und in mancher Hinsicht durchaus verwerflich sind.
Die gotteslästerliche Lehre von der ewigen Qual wird mit Hohn zurückgewiesen
und vermag nicht mehr wie ehedem durch das Mittel der Furcht die Menschen
der Kirche zuzutreiben. Vor gar nicht langer Zeit erging über die
Presbyterianerkirche und andere kalvinistische Religionsgemeinschaften und
ihre überlieferten Glaubensartikel ein Sturm der Kritik, der sie aufs
schwerste erschütterte. Jedermann erinnert sich der langen Verhandlungen
und der verzweifelten Anstrengungen, die die Geistlichkeit machte, ihre
Lehre zu verfechten. Dies ist eine schwere, schwere Aufgabe, und die
Geistlichen wären sie gern los, aber sie kommen daran nicht vorbei,
sondern müssen sich ihrer nach besten Kräften entledigen. Was sie dabei
im allgemeinen empfinden, zeigt ein Ausspruch von Rev. de Witt Talmage,
welcher bei der Diskussion dieser Frage einmal sagte:
„Ich
wollte, dieser Streit über das Glaubensbekenntnis wäre nie
heraufbeschworen und der Kirche aufgedrängt worden; so aber, wie die
Dinge nun liegen, sage ich: Fort mit dem Streitgegenstand und einen neuen
Glauben her!“ Bei anderer Gelegenheit sagte derselbe Geistliche: „Ich
erkläre ein für allemal all diesen Streit in der ganzen Christenheit als
Teufelswerk. Es ist ein Versuch des Teufels, die Kirche zu sprengen, und
wenn ihm nicht gewehrt wird, so wird die Bibel schließlich so verachtet
werden wie ein alter Kalender, der über das Wetter längst vergangener
Tage und den besten Moment, Rüben zu pflanzen, Auskunft gibt. Welche
Stellung sollen wir in diesen Streitereien einnehmen? Beiseite stehen!
Derweil diese religiösen Meutereien draußen tosen, zu Hause bleiben und
seine Geschäfte verrichten! Kann man von einem 5-6 Fuß großen Menschen
erwarten, dass er durch einen Ozean von 1.000 Fuß Tiefe wate? Die jungen
Leute, die jetzt ins Amt treten, geraten in den dicksten Nebel, der je
eine Küste bedeckt. Die Fragen, über die sich die Gelehrten jetzt
herumstreiten, werden erst nach dem Tag des Gerichts gelöst werden.“
Mit
dieser Äußerung trifft de Witt Talmage den Nagel auf den Kopf. Ja der
Tag nach dem Tage des Gerichts wird alle diese verwirrenden Fragen lösen
und Wahrheit und Gerechtigkeit auf Erden zur Herrschaft bringen!
Die
Schwierigkeit der Aufgabe der Geistlichkeit in diesen Streitfragen und die
Furcht vor dem schließlichen Ausgang fand einen nicht minder deutlichen
Ausdruck in einer Resolution, welche eine Versammlung von Presbyterianern
in Chicago fasste:
„Wir
sehen mit Bekümmernis die Streitfragen, welche jetzt unsere liebe Kirche
entzweien, ihren Ruf, ihren Einfluss und ihren Nutzen schwer schädigen
und beeinträchtigen und geeignet sind, mit der Zeit nicht nur das Werk
unserer eigenen Kirche, sondern unsere ganze Christenheit zu vernichten.
Wir möchten daher hiermit unsere Brüder aufs dringendste ersuchen, dass
sie einerseits bei der Prüfung neuer Glaubenssätze nicht voreilig ihren
Einfluss im Sinne der Unterdrückung ehrlichen und ehrerbietigen Forschens
nach Wahrheit geltend machen, dass sie aber andererseits sich selbst der
Weiterverbreitung noch unbewährter Lehren enthalten möchten. Namentlich
sind Fragen zweifelhaften Wertes, besonders wenn sie geeignet sind, den
Glauben der Ungebildeten an die Heilige Schrift zu erschüttern, beiseite
zu lassen. Waffenruhe und Feuereinstellen ist es, was unsere Kirche jetzt
am meisten bedarf, und was ihre Interessen und ihr Werk am besten fördert.“
In
einem Bericht über die erwähnte Versammlung bemerkte das „Presbyterianer
Banner“:
„In
einem Kranken- oder Irrenhause mag eine Störung, ein Alarm dem einen oder
anderen einen tödlichen Schreck verursachen. In einer Anstalt dieser Art
leistete sich eine Zeitlang ein älterer Mann das Vergnügen, die
aufgehende Sonne täglich mit Trommelwirbel zu begrüßen. Schließlich
ward er ersucht, sein Instrument nur in einiger Entfernung der Anstalt zu
schlagen. Dies zeigt so recht, warum ernsthafte Pastoren böse werden,
wenn ihre Kirche gestört wird. Die Kirche ist gleich einem Spital, in dem
sündenkranke Menschen untergebracht sind, die, bildlich gesprochen,
fieberleidend, aussätzig, lahm, schwer verwundet und halbtot sind. Eine
Störung, wie sie in den gegenwärtigen Streitereien ob den von einigen
Predigerschulen ausgehenden Lehren liegt, mag einige Seelen vernichten,
die jetzt schon eine Krisis durchmachen müssen. Wird Prof. Briggs nun
wohl leise auftreten und seine Trommel weglegen?“
Die
zweite Anklage liegt im Mangel an Frömmigkeit und Gottseligkeit. Die
Namenkirche erhebt zwar Anspruch auf diese Eigenschaften, aber nur wenige
wahrhaft fromme Seelen finden sich in ihrem Schoße. Scheinwesen und
Heuchelei herrschen vor; Hochmut und Geldstolz lassen deutlich merken,
dass der Arme in den Gotteshäusern nicht willkommen ist. Die Massen haben
das gefühlt und in ihre Bibel geschaut, um zu suchen, ob das wohl der
Geist des großen Gründers der Kirche sei. Dann fanden sie, dass einer
der Beweise für seine göttliche Sendung gerade der Umstand war, dass den
Armen das Evangelium gepredigt werde, und dass er zu seinen Jüngern sagte:
„Arme habt ihr allezeit bei euch“, sowie, dass seine Jünger keinerlei
Bevorzugung für die Leute mit Fingerringen, schönen Kleidern usw. zeigen
sollten. Sie haben die goldene Regel gefunden und das Benehmen der Kirche
als ganzes und das ihrer Glieder persönlich danach geprüft. Im Lichte
der Bibel mussten sie es sofort herausfinden, dass die Kirche von der
Gnade gefallen sei. Dieser Schluss drängt sich so mächtig auf, dass
selbst die Verteidiger der Kirche beschämt dastehen.
Die
dritte Anklage besteht im Hinweis darauf, dass die „Kirche“ das, was
sie als ihre Aufgabe bezeichnet, die Gewinnung der Welt für Christum,
nicht zu vollbringen vermocht hat. Es ist rein unerfindlich, wie die Welt
entdeckt haben sollte, dass das (angebliche) Werk der Kirche demnächst
seiner Vollendung um einen großen Schritt näher gebracht werde, und
dennoch geht heute, am Ende des Evangeliums-Zeitalters diese Erwartung
durch die Welt, genau wie man am Ende des jüdischen Zeitalters großen Änderungen
entgegensah. (Luk. 3:15) Die Menschen merken, dass wir in einer Übergangszeit
leben, und der Anbruch des 20. Jahrhunderts gilt vielfach als der Moment
großer, revolutionärer Änderungen. Dieser Unruhe gab Prof. Henry Grady
in einer Ansprache, die er vor den Hochschulgesellschaften in
Charlottesville hielt, kräftigen Ausdruck:
„Wir
stehen“, sagte er, „gegenwärtig im Tagesanbruch. Die Fixsterne
schwinden allmählich am Firmament. Ungewisses Zwielicht umfließt uns.
Seltsame Bilder haben wir aus der Nacht mitgebracht. Die wohlbegründeten
Wege sind verschwunden, neue Straßen verwirren uns, weites, offenes Feld
breitet sich vor unseren Blicken aus, soweit wir sehen können. Unruhig
gehen wir in der Dämmerung hin und her; die Verwirrung ruft den Zweifel
hervor, und selbst auf den üblichen Pfaden werden die wandernden Scharen
angehalten, und aus dunklen Ecken rufen die Schildwachen: „Wer da?“ In
dieser Morgendämmerung sind furchtbare Kräfte an der Arbeit. Nichts mehr
ist fest, nichts mehr gilt als unumstößlich. Die Wunder der Gegenwart
stoßen die einfachen Wahrheiten der Vergangenheit um. Die Kirche sieht
sich von außen belagert, von innen verraten. In Hofräumen raucht bereits
die Fackel der Empörer und erhebt sich der Galgen der Anarchisten. Die
Regierung ist das Kampfobjekt der Partei, die Beute der Sieger, die ihre
Machtstellung sich zunutze machen. Der Handel wehrt sich verzweifelnd
gegen die Monopole und die Fesseln, die ihm angelegt werden sollen. Die Städte
schwellen an, das offene Land entvölkert sich. Pracht wohnt in den Palästen
und Schmutz in den Hütten. Die allgemeine Brüderlichkeit schwindet, und
die Menschheit zerfällt in Klassen. Im Dickicht zischt die Schlange des
Nihilismus, und längs der Landstraße tost das Meer der unzufriedenen
Volksmassen.“
Die
Kirche kann nicht leugnen, dass der Tag des Endes, der Tag der Abrechnung,
nun da ist. Ob sie die Zeit im Lichte der Weissagung erkennt oder nicht,
tut wenig zur Sache; die Tatsache des Gerichts drängt sich ihr auf, und
dieses wird noch vor Ende der Erntezeit vollzogen sein. Die Kirche merkt,
dass aller Welt Augen auf sie gerichtet sind, dass alle Welt es
herausgefunden hat, dass sie ihre angebliche Aufgabe, die Welt zu bekehren,
nicht gelöst hat, obschon die Zeit vorhanden wäre, wo sie dieselbe ganz
oder doch zum größten Teil gelöst haben sollte, dass sie von der Welt
sich nur durch das Bekenntnis unterscheidet. Die falsche Auffassung, die
sie von ihrer Aufgabe hat, beruht auf Missverständnis; sie hat den Zweck
des Evangeliums-Zeitalters aus den Augen verloren, der darin besteht, dass
das Evangelium vom Reiche Gottes in der ganzen Welt verkündigt werde zu
einem Zeugnis für alle Völker, und darin, zu helfen, dass die „kleine
Herde“ berufen und vorbereitet werden könne, mit dem Herrn das Tausendjährige
Reich zu bilden, in welchem gesegnet werden sollen alle Geschlechter auf
Erden. (Matth. 24:14; Apg. 15:14-17) Sie sieht sich vor die Tatsache
gestellt, dass sie heute, nach Ablauf von 18 Jahrhunderten, weiter von dem
Ziele, das sie sich gesteckt hat, entfernt ist als am Ende des ersten
Jahrhunderts. Darum entschuldigt und verteidigt sie sich jetzt; sie überzählt,
was sie geleistet hat, rechnet die Summe noch einmal zusammen, stellt „Tatsachen“
fest und gefällt sich selbst in der Ankündigung großer Taten, die in
kurzer Zeit ihr Werk zur Vollendung führen werden, denn der Geist der
kritischen Forschung unterwirft sie einem Kreuzverhör und zwingt sie
angesichts ihrer zahlreichen Ankläger, sich zu rechtfertigen, was sie
freilich umsonst versucht.
Sie
ist in großer Verlegenheit, wie sie der Beschuldigung, dass ihre Lehre
mit der Bibel nicht übereinstimme, begegnen soll; denn sie kann nicht
leugnen, dass es untereinander sich widersprechende Glaubenssätze gibt.
Sie nimmt ihre Zuflucht zu verschiedenen Methoden der Erklärung, die für
denkende Leute ebenso viele Beweise ihrer großen Verlegenheit sind. Jede
Richtung hält ängstlich an den überlieferten Glaubenssätzen fest, weil
diese allein die einzelnen Kirchen zusammenhalten; die Aufhebung dieser
Glaubenssätze würde daher die sofortige Auflösung der
Religionsgemeinschaften zur Folge haben. Doch reden die Geistlichen so
wenig als möglich darüber, weil sie sich innerlich dieser Sätze schämen,
da nun das durchdringende Licht dieses Tages des Gerichts darauf fällt.
Die einen gehen dabei so weit, dass sie auf die Gefahr, benachteiligt zu
werden, alle Sätze ohne Ausnahme verwerfen; andere halten es für klüger
und richtiger, die Sätze allmählich fahren zu lassen und durch neue zu
ersetzen, sie zu verbessern, zu revidieren usw. Jedermann weiß, welch
eine Diskussion sich bei der Durchsicht des presbyterianischen
Glaubensbekenntnisses erhob. Ebenso bekannt sind die Versuche der
sogenannten höheren Kritik, der Heiligen Schrift die Autorität und göttliche
Eingebung zu nehmen, und an ihre Stelle die Inspiration des 19.
Jahrhunderts zu setzen, oder die sogenannte Evolutionstheorie, welche den
von der Bibel berichteten Fall Adams leugnet und daher den göttlichen
Plan zum Loskauf von diesem Fall auf den Kopf stellt. Eine dritte
zahlreiche Klasse von Geistlichen empfiehlt eine eklektische oder
Kompromiss-Theologie, die dank ihrem geringen Umfange und ihrer
Weitherzigkeit, allen Einwendungen von Christen und Heiden ausweichen könnte
und womöglich alle sozusagen unter einen Hut bringen sollte. Viele machen
viel Aufhebens von großen Dingen, die mit Hilfe neuer kürzlich in Tätigkeit
gesetzter Kräfte verrichtet werden sollen, in deren Zentrum die
Vereinigung aller christlichen Namenkirchen steht; wenn diese erreicht sei,
was, wie sie sagen, nicht mehr lange auf sich warten lasse, so werde die
Belehrung der Welt zum Christentum, so meinen sie, alsbald folgen.
Der
Beschuldigung, es an Frömmigkeit und gottseligem Wandel fehlen zu lassen,
begegnet die Namenkirche ebenfalls mit Prahlereien, indem sie sich „mancher
herrlichen Werke“ rühmt, die oft an den Matth. 7:22, 23 verzeichneten
Tadel des Herrn erinnern. Allein mit dieser Ruhmredigkeit ist Babylon
nicht geholfen; denn sie dient zu handgreiflich zur Verhüllung der
Tatsache, dass es der Kirche am Geist des göttlichen Gebotes der Liebe
fehlt, sie macht mithin nur die kläglichen Zustände in der gefallenen
Kirche ersichtlicher. Wäre dieses große kirchliche System wirklich die
wahre Kirche, wie wäre da der Fehlschlag der Absicht Gottes, sich ein
Volk nach seinem Namen zu erwählen, offenbar!
Allein
die maßgebenden Persönlichkeiten in der Kirche geben sich darüber
absolut keinen Illusionen hin, dass ihre Rechtfertigungsversuche, ihre
Versprechungen und ihre Ruhmredigkeit sie so lange nicht schützt, wie
ihre Zersplitterung andauert. Auflösung und Untergang drohen der Kirche -
sie sehen es wohl - binnen kurzer Zeit, falls sie ihre verschiedenen
Abteilungen nicht vereinigen kann, um der Welt gegenüber mehr zu gelten
und ihren Einfluss auf die Welt zu kräftigen. Darum hört man oft von
einer Union aller Christen reden, und was etwa in dieser Richtung
geschieht, wird sofort als Wachstum im Geiste der Liebe und der Nachfolge
Christi ausposaunt. Aber der Geist der Liebe und die Nachfolge Christi
haben mit dieser Bewegung sehr wenig zu schaffen; die Furcht ist es, die
ihr gerufen hat, die Furcht vor dem geweissagten Sturme der Entrüstung
und des Zornes, der nahe bevorsteht und dem keine „Kirche“ allein zu
begegnen sich getraut. Daher die auf Zusammenschluss gerichteten
Bestrebungen! Wie aber die widerspruchsvollen Lehren vereinigen? Der eine
schlägt vor, zunächst nur den Zusammenschluss derjenigen zu versuchen,
deren Lehren am wenigsten voneinander abweichen, etwa der verschiedenen
Zweige von Presbyterianern, Baptisten, Methodisten, Katholiken usw., und
damit von da aus den weiteren Zusammenschluss dieser zu suchen. Der andere
will für die Idee des Zusammenschlusses bei den Massen Propaganda machen,
Gleichgültigkeit der Lehre gegenüber verbreiten und das Hauptgewicht auf
gemeinsame Betreibung „christlicher“ Werke legen, an denen sich alle
sittlich denkenden Menschen beteiligen sollten.
Es
sind meist junge Männer, welche das letztere ernstlich empfehlen. Überhaupt
ist in der Jungmannschaft die Neigung für einen solchen Zusammenschluss
größer, weil sie manche heiße Schlacht der Vergangenheit nicht
miterlebt hat und für sie viele strittige Lehren, wie die, welche die
Vorherbestimmung, die freie Gnade usw. betreffen, nicht mehr in Betracht
kommen. Aus ihren Kinderjahren bringen sie nur die unter dem Einfluss Roms
und der Finsternis der Vergangenheit entstandene Lehre von der ewigen
Verdammnis mit, welche alle die treffen soll, die im gegenwärtigen
Zeitalter das Evangelium nicht hören oder nicht annehmen, sowie vom Zweck
des Evangeliums, die Welt im gegenwärtigen Zeitalter zu bekehren und vor
der ewigen Qual zu bewahren. Das bezwecken die christlichen Jünglings-
und Jungfrauenvereine, die Gesellschaften für Verbreitung des
Christentums, für Hebung der Sittlichkeit, die „Königstöchter“, die
Heilsarmee usw. Diese Vereine und Gesellschaften haben allerdings Eifer für
Gott, aber nicht nach Erkenntnis; ihr großer Fehler liegt darin, dass sie
ihre eigenen Pläne verfolgen, welche, so wohlwollend und so weise
dieselben in den Augen der Menschen auch sein mögen, notwendigerweise
fehlschlagen müssen, da sie der göttlichen Weisheit ermangeln und dem göttlichen
Plane nicht entsprechen, der allein mit Erfolg gekrönt werden wird. Es wäre
für die wahren Christen unter ihnen von großem Segen, wenn sie den göttlichen
Plan erkennen könnten, der jetzt auf die Auswahl der kleinen Herde der
Heiligen und alsdann auf die Hebung (Segnung) der Welt durch diese vollzählige
erhöhte und als Christi Miterben tausend Jahre herrschende kleine Schar
abzielt. Könnten sie dies erkennen, so würde oder müsste es die
Aufrichtigen unter ihnen heiligen; in der Minderzahl würden sie freilich
bleiben, denn die Mehrzahl derer, die solche Vereine bilden, tun dies aus
verschiedenen Gründen, die mit der vollständigen Hingabe an Gott und dem
Dienst an seinem Werk „bis in den Tod“ nichts gemein haben.
Für
die jungen Leute, welche die Kirchengeschichte, und was sie lehrt, und die
Verschiedenheit der Lehren nicht kennen, hat die Idee des
Zusammenschlusses etwas Bestechendes. Sie meinen, die Lehre sei an den
Zwistigkeiten der Vergangenheit schuld, und wollen daher den
Zusammenschluss ohne Lehre versuchen. Aber sie übersehen, dass in der
Vergangenheit alle Christen diesen Zusammenschluss erstrebten, genau wie
gewisse Leute heutzutage, aber sie erstrebten den Zusammenschluss auf der
Grundlage der Wahrheit; einen anderen Zusammenschluss wollten sie nicht.
Ihr Verhalten wurde bestimmt durch die Vorschriften: „Kämpfet um den
einmal den Heiligen überlieferten Glauben“, und „habt nicht
Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis, strafet sie
vielmehr“. (Judas 3; Eph. 5:11) Viele übersehen eben heutzutage, dass
es gewisse Lehren gibt, die für den wahren Zusammenschluss unter wahren
Christen -- einen gottwohlgefälligen Zusammenschluss - unentbehrlich sind,
dass der Irrtum der Vergangenheit in der vorurteilsvollen Bevorzugung
menschlicher Glaubenssätze lag, welche deren Erprobung und Verbesserung
an der Hand des Wortes Gottes unmöglich machte. Daher ist der in
Vorschlag gebrachte und erstrebte Zusammenschluss, insofern er die Lehre
der Bibel verwirft, und umso fester an den menschlichen Lehren von der
ewigen Qual, von der Unsterblichkeit usw. festhält und insofern er
menschliches Urteil zur Richtschnur für sein Verhalten und seine Ziele
nimmt, ein sehr gefährliches Ding. Er wird zu Irrlehren führen, weil er
die Lehre Christi und die Weisheit von oben verwirft und sich statt dessen
auf die Weisheit derer stützt, die ihn zu bewerkstelligen suchen, welche
aber eitel Torheit ist, wenn sie mit göttlichen Methoden im Widerspruch
steht. „Die Weisheit ihrer Weisen wird vergehen.“ - Jes. 29:14
Andere
Vorschläge gehen von fortschrittlichen (?) Geistlichen und Laien aus. Sie
bezwecken, Charakter und Aufgabe der Kirche für die nächste Zukunft den
Anschauungen der Welt noch näher zu bringen, als sie es schon sind. Damit
soll die unwiedergeborene Welt in die Kirche hineingezogen und zu großen
finanziellen Opfern ihr gegenüber angeregt werden; dazu bedarf es der
Beschaffung von Unterhaltungen und Vergnügungen. Wie viel wahre Christen
haben diese Bestrebungen nicht schon abgestoßen, ob dieselben in ihrer
Stadt oder anderswo sich geltend machten! Ein besonders frappantes
Beispiel vom Abfall bietet die Methodistenkirche, deren Geschichte von
einem Geistlichen derselben in einem Methodistenblatte Nordamerikas „Nordwestern
Christian Advocate“ bis auf ihren gegenwärtigen Zustand verfolgt worden
ist. Der Geistliche schreibt unter anderem:
„Die
Lehre von der „Wiedergeburt“, auf welche die Methodisten großes
Gewicht legten, wirkte wie eine neue, unerhörte Botschaft und trug Frucht,
auf welche selbst Weltleute und Irreligiöse mit Zustimmung blickten. Denn
diese forderte nicht nur eine Änderung des Herzens, sondern auch eine
solche des täglichen Lebens, damit ein Methodist schon an seinem
Verhalten leicht von einem Weltkind unterschieden werden könne. Ferner
trug zu der Entwicklung der Methodistenkirche der Umstand bei, dass ihre
Gottesdienste keinerlei Formenkenntnisse von den Zuhörern verlangten,
dass das gewöhnliche Volk dabei willkommen geheißen ward, welchem damit
gedient war, seine Gebete zum Allmächtigen richten zu können, ohne dass
ein anderer als Mittler diente. Das entsprach seinem Verlangen nach
Selbstachtung und Freiheit. Ein weiterer Grund für das Gedeihen der
Methodisten lag darin, dass sie die Geißel, die der Herr aus Stricken
gefertigt hatte, zu gebrauchen und das Heiligtum von Unwürdigen zu säubern
verstanden. Diese Säuberungen reinigten jeweils gleichsam wie ein
Gewitter die Atmosphäre und machten es selbst dem Spötter ersichtlich,
dass Zugehörigkeit zur Kirche etwas bedeute. Ebenso trug der Charakter
der Geistlichen jener Zeit viel zur Ausbreitung der Methodisten bei. Der
Einfluss von Männern, die vom Gedanken durchdrungen waren, dass sie hier
keine bleibende Stätte haben, die fürs Greisenalter nichts zurücklegten,
die auf schriftliche Anstellungs- und Besoldungsverträge verzichteten,
wonach die Menschen am meisten gelüstet, musste sich überall als ein großer
erweisen. Endlich machten die Lieder, in welchen die Kirchenmitglieder die
Hauptwahrheiten sangen, einen tiefen und bleibenden Eindruck auf die Zuhörer.
„Allein
dieses alles sind nun veraltete Mittel. An der Vorbedingung der
Wiedergeburt wird tatsächlich nicht mehr festgehalten, weil man gesehen
hat, dass sie viele gute Leute vom Anschluss an die Kirche abschreckte,
und dass manche ihre Christenpflicht auch sonst tun. Die Geistlichkeit,
wenigstens die der großen Gemeinden, ist zu gut erzogen, um auf der
Heiligkeit, wie sie unsere Väter verstanden, zu beharren, und verkündet
jene weitherzige Heiligkeit, die vom Mitmenschen nichts Schlechtes denkt,
auch wenn er nicht geheiligt ist. Mit der früheren, engherzigen
Auffassung wäre des Verbleibens der Geistlichen in leitenden Kreisen
nicht mehr. Die Einfachheit und Schlichtheit des Gottesdienstes haben in
den kunstsinnigen Kreisen städtischer Gemeinden einem wohleinstudierten,
vornehmen Ritual Platz gemacht. Die Vortrefflichkeit dieses Wechsels
anfechten, hieße den Vorrang, den die Kultur vor der Unkultur hat, in
Zweifel ziehen. Die Säuberung der vergangenen Zeiten war sicher am Platze,
solange die Kirche gleichsam in einem Versuchsstadium sich befand. Damals
war übrigens wenig zu verlieren. Jetzt aber weigern sich kluge Männer,
das Wohlergehen einer an Gütern und Einfluss reichen Kirche durch bigotte
Anwendung des Gesetzes aufs Spiel zu setzen, die die Reichen und
Gebildeten stoßen könnte. Die Leute mögen unbeugsam sein, das
Evangelium ist es nicht. Die Kirche ist da, die Menschen zu retten, nicht
sie auszustoßen oder sie zu entmutigen. So haben unsere modernen,
weitherzigen Anschauungen die engherzige, selbstgerechte Auffassung verdrängt,
dass wir besser seien als andere Leute und diese von unserer Kirche
fernhalten müssten. Die Geistlichkeit unserer Tage endlich, die auf höherer
Kulturstufe steht, befolgt mehr als je in der Vergangenheit das Gebot des
Meisters: „Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.“
Welcher Geistliche wäre heutzutage noch so närrisch, wie es die Prediger
der ersten Zeit waren, dem reichsten Kirchenangehörigen, Der auf einem
großen Fuße, zu sagen, er solle alles für Gott und das Wohl der
Menschheit verkaufen, sein Kreuz aufnehmen und Christo nachfolgen? Er könnte
betrübt hinweggehen - der Geistliche, meine ich.
„Freilich
darf bei dieser vom Gesetz der Evolution und des Fortschrittes geleiteten
Entwicklung der Dinge nichts zu schnell oder zu umstürzlerisch
vorgenommen werden. Das sind Klippen, welche die modernen
Methodistenprediger meist glücklich zu vermeiden wissen. An die Stelle
des ungeschlachten Predigers, welcher den Gott der Liebe beschuldigte,
zornmütig zu sein, ist der feine, elegante Kanzelredner getreten, dessen
Gedanken, Empfindungen und Gefühle erhaben sind und niemand stoßen.
„Die
Bestimmung, dass ein Geistlicher eine Stelle nicht länger als fünf Jahre
bekleiden dürfe, muss fallen. Zur Zeit der Gründung der Kirche durfte er
es sogar nur ein halbes Jahr; allmählich aber ward seine Amtsdauer 1, 2,
3 und schließlich 5 Jahre verlängert. Heute haben die gebildeten Kreise
unserer Kirche eingesehen, dass, wenn diese den Vergleich mit anderen
Kirchen vertragen soll, ihre Geistlichen dauernd angestellt werden müssen,
damit die guten Kanzelredner einen Mittelpunkt für gesellschaftliche und
literarische Kreise bilden können. Heutzutage ist es - das erkennt
niemand besser als die Geistlichkeit selber - mit dem Halten langatmiger
Versammlungen, mit dem Evangelisten-Sein, nicht getan. Früher suchten die
Gemeinden vorab große Erweckungsprediger, und an den Jahreskonferenzen
mussten die Prediger angeben können, wie viele Bekehrungen sie im
Berichtsjahr erwirkten. Jetzt lässt sich Hirt und Herde von weniger
seltsamen Anschauungen leiten. Die größeren Gemeinden wünschen
Geistliche, welche den ästhetischen Bedürfnissen der Gebildeten genügen,
die Angriffe des modernen Zweiflers abwehren können, und an den
Jahreskonferenzen fragt man nur nach dem Ertrage der Missionskollekte. Der
moderne Methodistenprediger versteht sich ganz besonders auf das
Kollektieren und wirkt dadurch viel mächtiger auf die Herren als durch
Ermahnung und Weckruf, wie es früher üblich war.
„Diese
Träger des christlichen Gedankens haben eine große, wichtige Entdeckung
gemacht, nämlich dass das Evangelium es stets vermeiden solle, die
Gebildeten zu stoßen. Einer Kirche, die sich ihrer Zeit so trefflich
anzupassen versteht, gehört die Zukunft, und werden die Massen zuströmen.
Wie herrlich passt auf sie das Wort, das die Engel verkündeten: „Friede
auf Erden und an den Menschen ein Wohlgefallen!“
Rev.
Chas. A. Crane.
So
voll Lobes über den jetzigen Zustand der Methodistenkirche ist der wider
seinen Willen in Ruhestand versetzte Bischof R. S. Foster nicht, doch bestätigt
er voll und ganz, nur mit anderen, vielleicht etwas zu bitteren Worten,
was sein Kollege Crane so herrlich gefunden hat, wie folgt:
„Die
Kirche Gottes“, schreibt er in der „Posaune des Evangeliums“, „buhlt
heutzutage um die Gunst der Welt. Ihre Glieder selber bestreben sich, sie
auf das den Gottlosen geläufige Niveau herabzudrücken. Bälle und
Theater, die Künste leichtgeschürzter Musen, gesellschaftliche Üppigkeit,
mit ihrer Förderung leichter Sitten, sind in das Allerheiligste der
Kirche eingedrungen, und dann wollen Christen diese Früchte weltlicher
Gesinnung durch Fasten, Kirchenfeste und Ausschmückung der Gotteshäuser
wieder gutmachen! Das ist des Satans alte List; an dem ist schon die jüdische,
dann die römische Kirche zugrunde gegangen, und die protestantische ist
nahe daran. Gefahr droht uns, soweit ich sehe, davon, dass wir uns dieser
Welt gleichstellen, die Armen vergessen, von der Gottseligkeit nichts als
die leere Form bewahren, die Kirchenzucht missachten, Mietlinge zu
Seelsorgern machen, das Evangelium fälschen, und aus dem allen eine
ansehnliche Kirche aufbauen. Wer hätte das vor 100 Jahren von der
Methodistenkirche gedacht? Und doch ist es buchstäblich so. Kleiden sich
nicht Methodisten im Widerspruch mit Gottes Wort und der Kirchenzucht
ebenso modisch wie alle anderen Menschen? Tragen nicht die Damen, ja
selbst Frauen und Töchter der Geistlichen, Gold und Perlen und sonstigen
kostbaren Schmuck? Würden nicht diejenigen, welche sich mit der einfachen
Kleidung der Gründer der Kirche begnügten, heute als Fanatiker
verschrieen, sogar in Methodistenkreisen? Kann man in unseren Großstädten
das Publikum, das unsere Gottesdienste besucht, an der Kleidung von Ball-
und Theaterbesuchern unterscheiden? Selbst die Musik ist verweltlicht,
indem sie von elegant gekleideten Choristen und Choristinnen, die sich oft
zu keiner Religion bekennen oder gar Spötter und Gottesleugner sind, wie
eine künstlerische Formalität besorgt wird, die mit der Anbetung im
Geiste gerade soviel zu tun hat wie eine Oper oder sonst ein Theaterstück.
Solches Formenwesen tötet aber das Geistesleben. Ehedem musste jeder
Methodist bezeugen, dass er die Religion aus Erfahrung kenne; jetzt wird
es nicht mehr verlangt, es kommt äußerst selten vor; namentlich
entziehen sich Kirchenvorsteher dieser Verpflichtung. Ehedem ergriff in
den Gebetsversammlungen fast jeder Methodist das Wort zum Zeugnisablegen,
Beten und Ermahnen; heute bekommet man jeweils nur wenige zu hören.
Ehedem vernahm man laute Lobpreisungen; heute gelten solche Ausbrüche
heiliger Begeisterung und Freude als Fanatismus. Weltliche Gesellschaften,
Feste, Konzerte und dergleichen mehr sind an die Stelle der religiösen
Zusammenkünfte, der Erweckungs- und Gebetsversammlungen früherer Zeiten
getreten. Ja wahrlich, die Kirchenzucht der Methodisten ist zu einem
leeren Worte geworden! Sie untersagt, Gold oder Perlen oder sonst
kostbaren Schmuck zu tragen, aber keiner denkt daran, diejenigen
Kirchengenossen zu strafen, die sich um das Verbot nicht kümmern. Sie
verbietet die Lektüre von Büchern oder das Mitmachen der Zerstreuungen,
die die Gottseligkeit nicht fördern; doch die Kirche hat sich selbst in
den Feststrudel geworfen, in dem das innere Leben der Jungen wie der Alten
zugrunde geht. Die ersten Methodistenprediger suchten Christo Opfer zu
bringen und für ihn zu leiden; sie strebten nicht nach wohlbezahlten und
behaglichen Stellen, sondern nach Entsagung; sie prahlten nicht mit großen
Besoldungen, feiner Erscheinung und gewählter Zuhörerschaft; dagegen rühmten
sie sich, wenn sie Seelen für Jesum gewonnen hatten. Das ist jetzt alles
anders. Der Prediger ist zum Mietling geworden, ein Prediger ohne Saft und
Kraft, der seiner Zeit Rechnung trägt, keinen Glauben, keine
Beharrlichkeit, kein heiliges Feuer kennt. Der Methodismus verkündigte
einst die Hauptwahrheiten; jetzt ergehen sich seine Lehrer in
Allgemeinheit und volkstümlichen Ansprachen. Selten hört man von der
herrlichen Lehre der Heiligung.“
Doch
kommen wir auf die Zusammenschlussbestrebungen zurück. Wir haben oben erwähnt,
dass die Jugend für diesen Gedanken leicht zu entflammen ist, und dass
man es bei ihr zur Vermeidung der Bekenntnisstreitigkeiten mit einer
Religion ohne feste Lehre versucht. Aber auch die Erwachsenen sucht man für
den Zusammenschluss zu begeistern. In dieser Richtung bewegen sich die Pläne
und Anstrengungen der maßgebenden Persönlichkeiten in allen Kirchen. Ein
Versuch ist gemacht worden in dem großen Chicagoer Religionsparlament im
Jahre 1893. Die Tonangeber machten damals kein Hehl aus ihrer wahren
Absicht; aber die große Mehrheit ihrer Kirchengenossen machte mit,
anscheinend ohne dabei zu bemerken, dass, was man von ihnen verlangte,
nichts weniger war als ein Kompromiss des Christentums mit allem möglichen
Unchristlichen. Da beabsichtigt wird, 1913 ein weiteres, womöglich noch
umfassenderes Religionsparlament abzuhalten, werden alle, welche Gott treu
bleiben wollen, wohl daran tun, sich die ausdrücklichen An- und Absichten
der Förderer dieser Kongresse zu merken. Wir führen deshalb hier an, was
ein San Franziskoer Journal über eine Rede des Hauptförderers der Idee,
Rev. Barrows, Dr. Theol., berichtet:
„Die
Vereinigung der Religionen“, sagt er ungefähr, „wird auf zwei Wegen
zustande kommen. Entweder es schließen sich zunächst die einander in der
Lehre ähnlichen Richtungen, wie zum Beispiel die verschiedenen Zweige von
Presbyterianern und Methodisten, alsdann alle protestantischen Kirchen
zusammen. Ist das geschehen, so werden sie sehen, dass keine
Grundprinzipien sie von den Katholiken scheiden und sich daher auch mit
diesen verbrüdern. Alsdann wird aber die Vereinigung derselben mit
verschiedenen anderen Religionen (Buddhismus, Brahaminismus, Islam, Lehre
des Konfucius usw.) nur noch eine Frage der Zeit sein. Oder aber: Die
Religionen und Kirchen können gleichsam einen rein brüderlichen Bund auf
Grundlage einer gemeinsamen Sittenlehre eingehen, wie dies von Mr. Steard
(dem Herausgeber der „Review of Reviews“) angeregt wird. Die
verschiedenen religiösen Systeme haben gemeinsame Interessen und
gemeinsame Pflichten ihren Anhängern gegenüber; warum sollten sie sich
nicht zur Förderung derselben verbünden? Ich halte den Zusammenschluss
auf ersterem Wege für das wahrscheinlichere. Doch, wie dem auch sei, die
Idee der Religionskongresse macht Fortschritte. Rev. T. C. Seward rühmt
bereits eine starke numerische Zunahme der „Bruderschaft für
vereinigtes Christentum“ in New York und in Chicago hat C. C. Bonney
eine große und unternehmungslustige „Gesellschaft für die Förderung
der Religionsvereinheitlichung“ ins Leben gerufen.“
Das
Religionsparlament in Chicago
In
seinem Bericht über die erste Sitzung des Religionsparlamentes 1893 sagte
der „Chicago Herald“:
„Seit
der Sprachenwirre zu Babel haben nie mehr so viele Religionen so vieler
Glaubensbekenntnisses Seite an Seite, Hand in Hand, ja fast Herz an Herz
gestanden, wie gestern Abend in dem großen Amphitheater. Nie seit Beginn
der niedergeschriebenen Geschichte sind die verschiedenen Rassen der
Menschheit so durch der Liebe goldene Ketten verbunden gewesen. Die
Nationen der Erde, die Glaubensbekenntnisse der Christenheit, Buddhisten
und Baptisten, Mohammedaner und Methodisten, Katholiken und Konfuzianische,
Brahmanen und Unitarier, Hindus und Bischöfliche, Presbyterianer und
Pantheisten, Monotheisten und Polytheisten, alle Denkarten und
Menschenzustände darstellend, sind letzthin zusammengekommen, verbunden
durch Sympathie, Humanität und Hochachtung.“
Wie
auffällig ist es doch, dass der Geist selbst eines solchen Lobredners des
großen Kongresses zu der denkwürdigen Sprachwirre zu Babel zurückgeführt
wurde! Sah er in dem Kongress nicht in der Tat instinktiv ein
bemerkenswertes Gegenbild? In einem Brief, der in Sachen der Vorbereitung
dieses Kongresses geschrieben war, sagt der oben erwähnte Dr. Theol.
Barrows:
„Die
althergebrachte Idee, dass die Religion, der ich angehöre, die einzig
wahre sei, kann nicht weiter bestehen. Man kann aus allen Religionen etwas
lernen, und kein Mann ist derjenigen würdig, der er angehört, wenn er
nicht jedem Gleich- oder Andersgläubigen die Bruderhand zu reichen bereit
ist. Es hat jemand gesagt, der Augenblick für das Erscheinen der besten
Religion sei gekommen. Die Zeit, sich seiner speziellen Religion zu rühmen,
ist vorbei. An unserem Kongress werden Prinzen und Geistesfürsten des
Orient in freundschaftlicher Beziehung zum Erzbischof, zum Rabbi, zum
abendländischen Geistlichen treten. Ihr Zusammensein am Kongress wird
hoffentlich dazu beitragen, die Schranken niederzureißen, welche die
Glaubensbekenntnisse errichtet haben.“
Ein
anderer Geistlicher, Rev. Chalmers, preist das Religionsparlament als Vorläufer
einer Weltreligion, für die er sogar sein uniertes Christentum
preiszugeben bereit ist. Er freut sich darüber, dass Jesus in die
Gesellschaft von Konfucius und Zoroaster gebracht werden soll; er hält
den Versuch für eine große Keckheit, fügt aber bei, Chicago pflege sich
jeweils Großes zuzutrauen.
Es
wäre in der Tat verwunderlich, wenn der Weltgeist sich plötzlich in Übereinstimmung
mit dem Geist Gottes befinden sollte, wenn sich diejenigen, die ein so
entgegengesetzter Geist erfüllt, ins Auge sehen sollten. Das wird aber
nicht der Fall sein. Es bleibt wahr, dass der Geist dieser Welt
Feindschaft gegen Gott bedeutet (Jak. 4:4), dass seine Lehren und
Lehrsysteme eitel und verkehrt sind, dass es nur eine Wahrheit gibt, nämlich
die, welche uns von den von Gottes Geist eingegebenen Schriften der
Propheten und Apostel geoffenbart ist.
Nach
der Meinung des einberufenen Präsidenten, Mr. Bonney, sollte das
Religionsparlament durch Zusammenkunft von Anhängern der verschiedensten
Religionen die Ziele und Grundlagen ausfindig machen, die allen gemeinsam
wären, und gleichzeitig eine Rundschau der wunderbaren religiösen
Fortschritte sein, die im 19. Jahrhundert verwirklicht worden wären. Ja,
ja, diese Rundschau! Sie entspricht dem Drange, der die Kirche anklagenden
Welt gegenüber möglichst gute Figur machen zu können, die Hoffnung zu
erwecken, eben jetzt sei die „Kirche“, nach allem anscheinenden
Misserfolg der Namenchristenheit, am Vorabend eines großen Sieges, bald,
sehr bald werde die Aufgabe, die sie sich angemaßt, die Welt zu bekehren,
erfüllt sein. Wie will sie nur diesen Sieg erfechten? Nicht durch den
Geist der Wahrheit und Gerechtigkeit, sondern mittels eines heuchlerischen,
auf Täuschung beruhenden Kompromisses. Dem vorgesteckten Ziele, mit allen
Religionen sich zu verbrüdern, werden die größten Opfer gebracht; ja,
um die Heiden nicht zu stoßen, verwirft man gar den Namen „christliche“
Union, strebt nach Vereinigung der Religionen und ist zufrieden, den Herrn
Jesus aus seiner überlegenen Stellung herabzuholen und ihn mit Konfuzius
und Zoroaster auf ein und dieselbe Linie zu stellen. Die Protestanten
voller Zweifel und Verlegenheit, ohne Festigkeit und daher zu allen
Kompromissen geneigt, die Katholiken und die übrigen Religionen voller
Ruhmredigkeit, voll Zuversicht: das sind die Hauptcharakterzüge des
Religionsparlaments. Auf protestantische Anregung hin zusammengetreten,
ward es durch ein Gebet eines Katholiken, des Kardinals Gibbons, eröffnet,
durch das Gebet eines Katholiken, des Bischofs Keane, geschlossen; ja,
selbst ein Shinto-Priester rief den Segen seiner acht Millionen Götter
auf das Parlament herab! Der Ruf, den Rev. Barrows an die Vertreter der
heidnischen Religionen erließ, als er zum Religionsparlament einlud, ist
wie der Ruf des Mazedoniers, den Paulus im Traum vernahm: „Kommet herüber
und helft uns!“ Dass ein solcher Ruf von der Presbyterianerkirche
ausgehen musste, die wenige Jahre zuvor auf eine Feuerprobe gestellt
worden war, zeigt, bis zu welchem Grade die Verwirrung und Unsicherheit in
ihr Platz gegriffen hat, und mit ihr in der ganzen Namenchristenheit!
Darum hörte diese so bereitwillig auf den Ruf zum Religionsparlament und
tagte 17 Tage lang mit Vertretern der verschiedensten heidnischen
Religionen, die von christlichen Rednern wiederholt als die „Weisen aus
dem Morgenlande“ bezeichnet wurden.
Am
letzten Sitzungstage lautete die Tagesordnung: „Die
Religionsfreiheit der ganzen Menschenfamilie. Besprechung der Elemente der
vollkommenen Religion, wie sie sich aus der Vergleichung der verschiedenen
Glaubensformen ergeben haben. Ausblick auf die Hauptzüge der letzten
Religion und den Mittelpunkt der bevorstehenden Religionseinheit für das
ganze Menschengeschlecht.“
Man sollte es fürwahr nicht für möglich halten, dass christliche (?)
Geistliche sich unfähig erklären anzugeben, was der Mittelpunkt der
Religionseinheit sein müsse, worin die Hauptzüge der vollkommenen
Religion bestehen sollen. Liegt ihnen denn soviel an einer Welt-Religion,
dass sie bereit sind, die christliche Lehre, ja, sogar den Christennamen
zu opfern, um jener Platz zu machen? „Aus deinem Munde will ich dich
richten, du böser und fauler Knecht!“ sagt der Herr.
Die
vorangegangenen Sitzungen waren eben jener Vergleichung der verschiedenen
Religionen gewidmet gewesen, um so die Elemente der vollkommenen Religion
ausfindig zu machen. Das Vorhaben war ein gewagtes; es hat aber dazu
gedient, jedem wahren Kind Gottes über mehrere Tatsachen die Augen zu öffnen,
nämlich 1. darüber, dass die Namenkirche ihre Hoffnung, sie werde am
gegenwärtigen Tage des Gerichtes, da der Herr mit seinem Volke (das heißt
mit dem geistigen Namen-Israel) rechten will (Micha 6:1, 2), bestehen,
aufgegeben hat; 2. darüber, dass sie ob ihres Rückschrittes, ihres
Mangels an Glauben, Eifer und Gottseligkeit keine Reue empfindet, dass sie
sich keineswegs um die Wiedergewinnung der Gunst Gottes bemüht, sondern
vielmehr die Heidenwelt zu Hilfe ruft, um mit ihr dem Urteil des Herrn über
ihre Menschensatzungen und ihre Trübung des wahren Bildes Christi zu
widerstehen; 3. dass sie bereit ist, Christum und sein Evangelium fahren
zu lassen, um die Freundschaft der Welt und die „Vorteile“ zu gewinnen,
welche sie von der Gunst der Mächtigen und Einflussreichen erwartet; 4.
dass ihre Verblendung derart ist, dass sie Wahres vom Falschen, den Geist
der Wahrheit vom Geist der Welt nicht mehr zu unterscheiden vermag; 5.
dass sie die Lehren Christi bereits aus den Augen verloren hat. Sicherlich
wird ihr von da, wo sie so eifrig sucht, vorübergehend Hilfe zuteil
werden, aber nur zum Zweck, die ganze Welt beim bevorstehenden Sturz
Babylons miteinzubegreifend, damit die Könige und Kaufleute der ganzen
Erde trauern und heulen müssen über sie. - Offb. 18:9,11, 17-19
Bei
der Betrachtung des Religionsparlamentes wollen wir unsere Aufmerksamkeit
folgenden 7 Punkten zuwenden: 1. dem Geist der Unsicherheit und des
Nachgebens in der ganzen „Christenheit“, mit Ausnahme der römisch-
und der griechisch-katholischen Kirche; 2. der zuversichtlichen Haltung
des Katholizismus und aller nichtchristlichen Religionen; 3. den
deutlichen, von den Weisen unter den Heiden wahrgenommenen Unterschieden
zwischen dem Bibelchristentum und dem Christentum, welches von den
Missionaren gepredigt wird, die ihre widerspruchsvollen Lehren mit der
Bibel zugleich in die Fremde tragen; 4. der Wertschätzung des
Missionswerkes durch die Heiden und die Aussichten desselben; 5. dem
Einfluss der Bibel auf viele Heiden trotz der irrigen Auslegungen derer,
die sie ihnen brachten; 6. der Wirkung des Religionsparlamentes auf die
Gegenwart und Zukunft; 7. wie sich dieses Parlament im Lichte der
Weissagung darstellt.
Das
Religionsparlament ist aus der Initiative von Christen, protestantischen
Christen, hervorgegangen. Es tagte in einem dem Bekenntnis nach
protestantischen Lande. Es stand unter der Leitung protestantischer
Christen. Diese sind mithin für alles verantwortlich, was sich am
Parlament ereignete. Entsprechend dem an Kompromisssucht und
Glaubenslosigkeit krankenden Protestantismus zeigte denn auch das
Parlament sich bereit, Christum und sein Wort preiszugeben, um die
Freundschaft des Widerchristlichen und Heidnischen zu gewinnen. Es
zeichnete, wie schon erwähnt, die römische Kirche dadurch aus, dass es
Vertretern derselben die Ehre des Eröffnungs- wie des Schlussgebetes überließ.
Während die heidnischen Vertreter ihren Glauben in wohldurchdachten Vorträgen
klarlegten, fehlte eine systematische Darlegung der christlichen Religion
durchaus, wiewohl es an „christlichen“ Rednern nicht gebrach. Wie
befremdlich, dass eine solche Gelegenheit, das Evangelium von Christo
hervorragenden, gebildeten und einflussreichen Heiden zu verkünden, von
einer Versammlung von Geistlichen verpasst werden konnte! Schämen sich
etwa die Vertreter von Christi Evangelium dieses Evangeliums? (Röm. 1:16)
Die römischen Katholiken freilich kamen nicht weniger als sechszehnmal
zum Wort! Ja, selbst Redner, die sich zum christlichen Glauben bekannten,
waren ernstlich bemüht, dessen Fundamentalsätze in Zweifel zu ziehen;
sie berichteten den Vertretern des Heidentums von ihren Zweifeln an der
Untrüglichkeit der Heiligen Schrift, die Erzählungen der Bibel müssten
mit Vorbehalt aufgenommen, und ihre Lehren müssten durch menschliche
Philosophie ergänzt und nur insofern als gültig angesehen werden, als
sie mit diesen letzteren in Einklang ständen. Anhänger der Orthodoxie
verwarfen die Lehre von der Erlösung, welche doch die einzige Grundlage
des christlichen Glaubens ist, andere leugneten den Fall des Menschen und
bekannten sich als Anhänger der Evolutionstheorie, nach welcher der
Mensch niemals vollkommen erschaffen, mithin niemals gefallen sei, keines
Erlösers bedürfe und sich aus einem niedrigen Zustand, der mit dem Bilde
Gottes keine Ähnlichkeit hat, allmählich emporgearbeitet habe und sich
noch jetzt im Entwicklungsprozess befinde, dessen Prinzip das
Weiterexistieren des Stärksten sei. Dieses, das heißt das gerade
Gegenteil von der biblischen Lehre von der Erlösung und Wiederherstellung,
fand im Kongress den größten Beifall!
Wir
geben nun im folgenden einige kürzere oder längere Auszüge aus den am
Kongress gehaltenen Reden und beginnen dabei mit denen, welche die
Haltlosigkeit der Protestanten angesichts der Vertreter Roms und der
Heidenwelt deutlich hervortreten lassen.
Da
war zunächst Dr. Chas. A. Briggs, Professor der Theologie, an einer
Presbyterianer-Predigerschule, den Präsident Dr. Barrows der Versammlung
als einen Mann vorstellte, dessen „Gelehrsamkeit, Mut und Überzeugungstreue
ihm einen hervorragenden Platz in der allgemeinen Kirche“ verschafft. Er
sagte:
„Alles,
was wir für die Bibel geltend machen können, ist göttliche Eingebung
und Untrüglichkeit, soweit es sich um die Mitteilung religiöser Lehren
handelt. Gott ist wahrhaftig; er kann nicht lügen; er kann seine Geschöpfe
nicht irreleiten oder täuschen. Aber wenn der unendliche Gott zum beschränkten
Menschen spricht, muss er dann Worte sprechen, die kein Irrtum sind? (Welche
Frage! Wenn Gott nicht die Wahrheit spricht, so ist er nicht wahrhaftig.)
Kommt doch dabei nicht nur Gottes Reden, sondern noch des Menschen Hören
und das Mittel in Frage, durch das Gott mit dem Menschen verkehrt! Man
muss zuvor den Beweis erbringen, dass der Mensch fähig war, das Wort zu
vernehmen, ehe wir sicher sein können, dass er dasselbe richtig weiter
vermittelt hat. (Der Herr Professor sollte bedenken, dass Gott wohl
imstande war, zur Entgegennahme seiner Worte und Weitervermittlung
derselben geeignete Werkzeuge auszuwählen, und dass er diese Auswahl auch
wirklich getroffen hat, wird jedem aufrichtigen Bibelforscher klar. Ein
Argument wie dieses war geradezu eine Beleidigung einer geistig so hoch
stehenden Zuhörerschaft.) Die göttliche Eingebung der Schrift bedingt
noch nicht die Untrüglichkeit jedes Details.“
Rev.
Theodor Munger aus New Haven seinerseits meinte:
„Christus
ist mehr als der auf Golgatha hingerichtete Jude. Christus ist die unter
dem Einfluss göttlicher Gnade sich empor ringende Menschheit, und jedes
Buch, dem die Eingebung diese Tatsache (nämlich, dass nicht Jesus,
sondern die empor gerungene Menschheit als ganzes der Gesalbte des Herrn
sei) zugrunde liegt, ist ein Teil der christlichen Literatur.“ Er
zitierte dann Dante, Shakespeare, Goethe, Shelley, Matthew Arnold, Emerson
und andere und fügte schließlich bei: „Die Literatur mit den wenigen
Ausnahmen, denen man die Inspiration absprechen muss, fußt fest auf der
Menschlichkeit als auf einer sittlichen Grundlage mit sittlichem Endzweck.
Das ist das Wesen des Christentums. Eine Theologie, welche auf einem übernatürlichen
Gott beharrt, der außerhalb der Welt thront und von dort aus ihre
Geschicke lenkt, kann die Zustimmung jener Geister nicht haben, die in der
Literatur ihren Ausdruck gefunden hat; der Dichter, das Genie, der
weitherzige und alles umfassende Denker bedarf ihrer nicht; sie stehen zu
nahe bei Gott, um durch solche Wiedergabe seiner Wahrheit getäuscht zu
werden.“
Rev.
Dr. Rexford, ein Universalist, sagte:
„Ich
wollte, wir würden alle zugeben, dass eine aufrichtige Gottesverehrung,
wo auf der Welt sie auch stattfindet, eine wahre Gottesverehrung sei. Der
ungeschriebene Glaubenssatz, der heute hier dominiert, ist, behaupte ich,
dass jedweder Gottesverehrer in aller Welt, der sich vor dem Besten, den
er kennt, beugt, und in Übereinstimmung mit dem reinsten Licht, das ihm
scheint, wandelt, Zugang zu den höchsten Segnungen des Himmels hat.“
Mit
diesem Wort traf der Redner den Grundton der heutzutage vorherrschenden
Religionsauffassung. Aber redete Pauls auf dem Areopag auch so zu den
Verehrern des unbekannten Gottes? (Apg. 17:23-31) Nahm Elias die
Baalspriester auch in dieser Weise in Schutz? (1. Kön. 18:21, 22) Paulus
erklärte vielmehr, dass der einzige Weg zu Gott der Glaube an Christi
Opfertod für unsere Sünden sei, und Petrus sagt von Christo: „Es ist
kein anderer Name unter dem Himmel, der unter den Menschen gegeben ist, in
welchem wir errettet werden müssen.“ - Apg. 4:12
Rev.
Lyman Abbot, aus Brooklyn, nahm die göttliche Eingebung, welche uns durch
Christum und die zwölf Apostel das Neue Testament brachte, „auf dass
der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werk geschickt“ (2.
Tim. 3:17) für die ganze Namenchristenheit in Anspruch.
„Wir
glauben nicht“, sagte er, „dass Gott allein in Palästina gesprochen,
und auch in diesem kleinen Stücklein Erde nur zu ganz vereinzelten. Wir
glauben nicht, dass er einzig in der christlichen Welt vernommen ward,
indes er überall sonst stumm blieb. Nein, wir glauben, dass Gott zu allen
Zeiten geredet habe.“
Aber
wie spricht er zu den Baalspriestern? Er hat sich nicht offenbart, es sei
denn seinem erwählten Volk, Israel nach dem Fleisch im jüdischen, Israel
nach dem Geist im Evangeliums-Zeitalter. „Euch allein habe ich erkannt
unter allen Geschlechtern der Erde.“ - Amos 3:2; dazu 1. Kor. 2:6-10
Es
tut einem angesichts solcher Aussprüche förmlich wohl, auch solchen zu
begegnen, in welchen der moralische Mut zutage trat, trotz
stillschweigender oder lauter Opposition den einst den Heiligen übergebenen
Glauben zu verkündigen, wenn auch diese Redner nicht ganz miteinander übereinstimmten
und einige Verlegenheit zeigten, da sie eben den göttlichen Plan der
Zeitalter nicht kannten noch die bedeutsamen Beziehungen der christlichen
Grundlehren zu dem ganzen bewunderungswürdigen System göttlicher
Wahrheit. Da ist zunächst Rev. Joseph Cook aus Boston zu erwähnen, der,
weil die Lehre von Christi sühnendem Opfertod totgeschwiegen oder gar als
des erleuchteten 19. Jahrhunderts unwürdig verworfen ward, kräftig
betonte, dass die christliche Religion die einzig wahre sei, und dass nur
solche, die sie annehmen, auf ein glückliches Leben nach dem Tode rechnen
können. Dann zitierte er ein Beispiel aus Shakespeare:
„Da
haben Sie“, sagte er, „Lady Macbeth. Welche Religion kann Lady
Macbeths blutige Hand reinwaschen? Dies frage ich die Kontinente und die
Inseln der Ozeane! Es sei denn, es sei Ihnen mit ihrem Religionsparlament
gar nicht ernst. Ich frage den Islam: Kannst du Lady Macbeths blutige Hand
reinwaschen? Ich frage Buddha und Konfucius: Könnt ihr es?“
Dieses
freie Wort hat Mr. Cook die herbste Kritik zugezogen. Ein Geistlicher aus
Chicago, Rev. Jones, tadelte es in öffentlichem Vortrage, dass sein
Kollege aus Boston den am Religionskongress vertretenen Andersgläubigen
ein solches Paroli geboten habe, und er verstieg sich dabei zu folgenden Sätzen:
„Um
die Unsittlichkeit der Lehre von Christi stellvertretendem Sühnopfer
besser zu begreifen, jener Lehre, die nur auf den Satz abstellt: „Siehe
auf Jesum und du wirst gerettet werden“, wollen wir die Tat Lady
Macbeths fest ins Auge fassen, jener Mörderin, die durch einen Blick aufs
Kreuz sich Straflosigkeit sicherte. Der Verfechter dieser Behauptung
schleuderte allen Anwesenden die Ungeheuerlichkeit ins Angesicht, dass nur
der Wiedergeborene, der der Frucht von Christi Opfertod, der Vergebung der
Sünden, teilhaftig geworden sei, das Himmelreich ererben könne. Alles,
was ich dazu zu sagen habe, ist: Ich bin froh, dass ich solches nicht
glaube. Ich fordere alle, denen an Sittlichkeit gelegen ist, alle Freunde
der Gerechtigkeit, alle diejenigen, welche an einen unendlichen, gerechten
Gott glauben, auf, diese Lehre zu verwerfen. Eine solche Art der Errettung
ist nicht nur vernunft-, sondern auch sittlichkeitswidrig. Sie ist
jedenfalls für die gegenwärtige Welt eine grobe Täuschung. Ich kehre
Golgatha den Rücken, wenn ich dort nur lernen soll, dass Prinz Sidartha
auf ewig von einem Himmel ausgeschlossen bleibt, der Lady Macbeth oder
irgend andere Mörder auf ewig aufgenommen hat.“
Ein
anderer Zeuge war Prof. W. C. Wilkinson von der Universität Chicago,
welcher bei Behandlung des Gegenstandes: „Das
Verhalten des Christentums gegen andere Religionen“ die Aufmerksamkeit
seiner Zuhörer auf die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testamentes
richtete. Er stellte fest, dass das Christentum sich den anderen
Religionen gegenüber feindselig verhalten müsse, dass diese notgedrungen
falsch, wenn jenes wahr sei, dass der Herr allein uns erretten könne, was
er in verschiedenen Wendungen selber betont habe:
„Niemand
kommt zum Vater denn durch mich.“ - „Ich bin das Brot des Lebens.“ -
„Wenn jemand dürstet, der komme zu mir und trinke.“ - „Ich bin das
Licht der Welt.“ - „Ich bin die Tür zum Schafstall.“ - „Alle, die
vor mir gekommen, sind Diebe und Räuber.“ - „Ich bin die Tür; so
jemand durch mich eingehet, der wird errettet.“
„Man
mag auch antworten“, fuhr Wilkinson alsdann fort, „dass Christus auch
gesagt habe, er werde, nachdem er erhöht worden sei, alle zu sich ziehen,
und dass dieses Wort beweise, dass viele Seelen, die anderen Religionen
angehören, nachdem sie wissentlich und unwissentlich zu Jesu hingezogen
seien, gerettet werden, trotz der Ungunst ihrer religiösen Verhältnisse.
Das gebe ich zu. Ich bin froh, dass dies auch die Lehre Christi zu sein
scheint. Ich bitte jedoch, sich wohl daran erinnern zu wollen, dass wir
keineswegs von der Ausbreitung der Wohltat sprechen, die ausschließlich
in der Macht Jesu, zu erretten, liegt, sondern vielmehr davon, ob das
Christentum irgendeiner nichtchristlichen Religion als solcher das Vermögen
zuerkenne, Seelen zu erretten, mit anderen Worten, ob Jesus seine rettende
Macht, bis zu einem gewissen Grade, mehr oder weniger, auch durch
Religionen ausübe, die nicht die seinigen sind. Ist in der Bibel, im
Alten oder Neuen Testament, eine Andeutung, auch nur der Schatten einer
Andeutung dafür, dass wir jene Frage bejahend beantworten sollen, so möge
man sie mir zeigen; ich habe keine gefunden! Dagegen habe ich Winke für
das Gegenteil, und zwar sehr deutliche, in Menge gefunden! Es liegt mir
freilich ferne, die Verdienste solcher schmälern zu wollen, die ohne
Hilfe des geschichtlichen Christentums des Alten und Neuen Testaments sich
auf große, sittliche Höhe empor gerungen haben. Aber wir sprechen hier
nicht von Personen, sondern von dem Verhalten des Christentums gegen
nichtchristliche Religionen.
„Nebst
den Äußerungen Jesu sind auch diejenigen heranzuziehen, welche von jenen
Männern stammen, denen er, laut Neuem Testament, die gleiche Autorität
wie sich selbst zuerkannte. Da lesen wir beispielsweise: „Halten von
sich, sie seien weise, sind aber zu Narren geworden und haben die Ehre
Gottes preisgegeben und Bilder angebetet von Menschen, Vögeln, vierfüßigen
und kriechenden Tieren.“ Mit dieser Reihenfolge deutet die Heilige
Schrift gleichsam das allmähliche Tiefersinken der Heidenreligionen an,
mit denen die wahre Religion in Berührung kam. Die Folgen dieser
Degeneration des angeborenen Instinkts, der zur Anbetung treibt, des einst
reinen Gottesbegriffes, schildert Paulus (im 1. Kapitel des Römerbriefes)
mit den Worten: „Darum hat sie auch Gott dahingegeben in ihres Herzens
Gelüste, in Unreinigkeit zu schänden ihre eigenen Leiber an sich selbst,
denn sie haben Gottes Wahrheit verwandelt in die Lüge und dem Geschöpf
lieber gedient denn dem Schöpfer, der da gelobt ist in Ewigkeit.“ Ich
will nicht weiter zitieren. Was nun kommt, von dem weiß man zur Genüge,
dass es der alten Heidenwelt mit Recht vorgeworfen wird. Keine Spur von
Zuerkennung mildernder Umstände für wenigstens teilweise Gutes oder doch
nicht so Schlechtes in den verurteilten Religionen! Überall scharf
geladen, genau präzisierte Anklage! Keine Spur, dass jene in gewissen Fällen
als wahre und annehmbare Gottesverehrung gelten könne, die nur durch
falsche Formen verunstaltet wäre! Keine Möglichkeit des Wahrnehmens
einer Unterscheidung seitens der Götzenanbeter zwischen dem Bild, das sie
verehren, und dem wahren Gott, von dem ersteres nur ein Symbol sein soll.
Kein Vorzugsrecht für solche erleuchteten Seelen, die eine reinere
Religion in Mysterien, welche für die große Masse unzugänglich bleiben,
suchen und zu finden wähnen! Nein, vor dem Richterstuhl des Christentums
gibt es kein Entrinnen für die widerchristlichen Religionen, die mit ihm
in Berührung kommen. Vielmehr trifft sein Spruch ohne Unterschied wie ein
Blitz alle, die auf der Verehrung anderer Götter beharrt haben. Nirgends
findet sich die erleichternde Zusicherung oder auch die Hoffnung, dass ein
gütiger Gott die Verehrung, die scheinbar einem anderen gezollt wird, als
ihm dargebracht anerkennen sollte. Ein solcher Gedanke ist jedenfalls
nicht schriftgemäß, er ist vielmehr schriftwidrig, daher widerchristlich.
So freisinnig ist denn das Christentum doch nicht. Mit Bezug auf die
Vorzugsrechte Gottes ist das Christentum vielmehr, das muss frank und frei
zugegeben werden, eine engherzige, strenge, eifersüchtige Religion. Dem
sterbenden Sokrates mag sein Auftrag, dem Aeskulap als Opfer einen Hahn
darzubringen, vergeben worden sein; aber dass Gott diesen götzendienerischen
Akt als eine Gottesverehrung angesehen habe, dafür gibt uns die
christliche, die biblische Lehre, auch nicht den geringsten Anhaltspunkt.
„Petrus
sagt, Gott sieht nicht die Person an, sondern in jedem Volk nimmt er an,
wer ihn fürchtet und Gutes tut. Das ist also das Kennzeichen derer, die
Gott gefallen. Nun ist aber klar, dass „Gott fürchten“ in
christlicher Auffassung nicht bedeuten kann, einen anderen anbeten. Je
mehr sich jemand von der Volksreligion, die in seiner Umgebung die
herrschende ist, los macht und sich nicht dank, sondern trotz derselben
zur Anbetung des wahren Gottes empor ringt, um so mehr wird er Gott
gefallen. Kann von einer dieser Volksreligionen gesagt werden, sie sei
eine wahre, wenn auch unvollkommene Religion? Das Christentum sagt: Nein!
Das Christentum lässt zwar für einige derer, die nie von Christo gehört
haben, Hoffnung zu, und es ist das eine für Christen unschätzbare Verheißung.
Doch ist diese Verheißung nicht auf jene Volksreligionen gegründet. Die
Bibel stellt diese nirgends als teilweise erfolgreiches Tasten nach Gott
dar; sie sind vielmehr als abwärts, nicht aufwärts führend bezeichnet.
Sie versperren den Zugang zu Gott, sie helfen ihn nicht finden. Wenn ihre
Anhänger sich daran klammern, so gleichen sie Ertrinkenden, die im Wasser
sich an Wurzeln oder auf dem Grunde liegenden Steinen festhalten. Die in
der falschen Religion liegende Wahrheit mag freilich helfen, dann ist es
aber eben diese Wahrheit, und nicht jene falsche Religion. Aber nach
christlicher Lehre ist alle falsche Religion bestrebt, die in ihr liegende
Wahrheit zu vernichten, wie dies im ersten Kapitel des Römerbriefes
dargestellt ist. Strebten jene Religionen aufwärts, so hätten sie immer
besser werden müssen; wenn sie aber, wie Paulus uns belehrt, immer
schlechter wurden, so liegt das eben daran, dass sie abwärts strebten.
„Das
Christentum verhält sich also anderen Religionen gegenüber ausgesprochen
unversöhnlich, auf immer feindlich, den Menschen aber, auch den Anhängern
falscher Religionen, bietet es Gnade, Vergebung und Frieden an, sofern sie
es annehmen wollen. Darüber freilich, wie viele es sein werden, die es
annehmen, gibt uns das Christentum keinen Bescheid.“
Den
christlichen Standpunkt vertrat ferner Rev. J. Devine aus New York bei
seinem Vortrag, über „die Botschaft des Christentums an andere
Religionen“, wobei er die Lehre von der Versöhnung durch das kostbare
Blut Christi wie folgt klar darstellte:
„Wir
kommen nun zu einem anderen Fundamentalsatz des Christentums, zur
geheimnisvollen Lehre der Versöhnung. Die Sünde ist eine nicht
wegzudisputierende Tatsache. Ihre Existenz wird allseitig zugegeben. Ihr
Vorhandensein ist zu handgreiflich. Sie ist aber eine Scheidewand zwischen
Gott und Mensch. Die Heiligkeit Gottes und die Sünde mit ihrem
abscheulichen, trotzigen, herunterbringenden und hoffnungslosen Wesen sind
absolut unvereinbar. Gott kann sie nicht dulden, sie nicht gutheißen, ihr
in seiner Gegenwart keinen Platz einräumen. Er kann nicht mit ihr
verhandeln, er muss sie strafen. Er kann nicht über sie hinwegsehen, er
muss ihr den Garaus machen; er kann ihr keine Existenzberechtigung
zuerkennen, er muss das verdammende Urteil über sie verhängen, das sie
verdient. Versöhnung heißt Gottes wunderbare Art, seine Stellung der Sünde
gegenüber ein für allemal vor aller Welt zu wahren, indem er freiwillig,
sich selbst opfernd, die Strafe dafür auf sich nahm. Dies tat er in der
Person Jesu Christi. Christi Geburt, Leben, Tod und Auferstehung sind
unumstößliche geschichtliche Tatsachen, und der sittliche Wert sowie die
sühnende Kraft seines vollkommenen Gehorsams und seines Opfertodes ist
ein geheimnisvolles Element von unschätzbarem Wert in der
Wiederherstellung der Beziehungen zwischen Gott und dem Sünder. Christus
ist von Gott als Bürge anerkannt. Das Verdienst, das er sich durch den
vollkommenen Gehorsam erworben hat, die hohe Würde, zu der er durch
seinen Opfertod gelangt ist, werden beide dem angerechnet, der da glaubt.
Der demütige, reuige, seine Unwürdigkeit erkennende Sünder darf
Christum als seinen Erlöser, Mittler, Heiland betrachten und einfältig
an ihn glauben, auf seine Verheißungen trauen, da diese auf Christi Versöhnungswerk
abstellen, und erhält dafür von Gott, als Gabe seiner unendlichen Liebe,
alles, was Christus durch sein Mittlerwerk erworben hat. Auf diese Weise
bleibt Gott selber gerecht und vollzieht dabei doch die Rechtfertigung des
Sünders. Hier haben wir wiederum ein erhabenes Geheimnis seiner Weisheit
vor uns.
„Das
ist die Quintessenz des Evangeliums. Da ist lauter geheimnisvolle Liebe;
da ist ein unaussprechlicher Drang, den Schaden der Menschheit zu heilen;
das bringt Leben in das ganze System von Gottes Herrschaft. Wie es wirkt,
das entzieht sich freilich der menschlichen Forschung; aber gleichwohl
bleibt es das Lebensblut für die Geschichte und gibt dem Christentum
Lebenskraft. Eben weil das Christentum die Sünde zu beseitigen vermag,
gibt es eine vollständige und endgültige Lösung des Problems. Das
Christentum muss im Namen Gottes reden; ihm verdankt es seine Existenz,
und seine geheimnisvolle Macht und sein Ansehen beruhen darauf, dass es
ihn erkennen lehrt. Es wäre Anmaßung seinerseits, wollte es auf eigene
Verantwortung oder im Namen der Vernunft sprechen. Es hat keine
Evolutionslehre vorzulegen; es hat vielmehr eine befreiende Botschaft
Gottes zu verkünden. Es ist keine Philosophie, sondern eine Religion; es
ist nicht erdgeboren, sondern gottentsprungen. Es stammt nicht von
Menschen, sondern von Gott; es lebt von seiner Macht, von seiner Liebe; es
ist erfüllt von seiner Güte, es strahlt von seinem Lichte, es verkündet
seine Wahrheit; es ist voll von seiner Kraft, seiner Weisheit, begabt mit
dem Vermögen, geistigen Schaden zu heilen, und zwar mit oberster Autorität.
„Es
hat ein Werk unter den Menschen zu verrichten, wo und wann immer es
dieselben findet, ein Werk, das so großartig ist wie die Schöpfung, so
wunderbar wie die Existenz von Geistern, so geheimnisvoll wie die Ewigkeit.
Sein Brennpunkt ist die Person seines erhabenen Offenbarers und Verkündigers,
auf den bis zu seinem Kommen alle Lichtstrahlen deuteten, und von dem seit
seiner Menschwerdung aller Glanz eines hellen Tages ausging. Sein Wesen
ist Aufrichtigkeit, hohe Würde, Milde und Selbstlosigkeit. Sein Zweck ist
vorab zu segnen, nicht zur Vergleichung herauszufordern. Geachtet zu sein,
ist ihm weniger wichtig, als die Menschen seiner Wohltaten teilhaftig zu
machen; seinen Weg zum Herzen zu finden, geht ihm über die größte Ehre
bei den Menschen. Es sucht seinen Nebenbuhler nicht in ungünstiges Licht
zu stellen oder zu demütigen, sondern durch Liebe über ihn zu siegen,
ihn durch die ihm (dem Christus) eigene Vorzüglichkeit anzuziehen und
kraft der ihm eigenen unvergleichlichen Überlegenheit zu verdrängen. Es
ist sein unbestreitbares Recht zu herrschen, darum ist ihm die Eifersüchtelei
völlig fremd, ebenso harte Worte, hochmütiges Herabsehen auf andere,
Gewalttätigkeit, Rechthaberei, Täuschung, Betrug. Es stützt sich einzig
und allein auf seinen Wert und beansprucht nichts, als was mit seinem
Recht, gehört und geachtet zu werden, vereinbar ist. Seine wunderbare Übereinstimmung
mit Recht und Wahrheit verschafft ihm seine Ausnahmestellung. Es war ein
Werk der Ermutigung für den schwachen Glauben, eine Nahebringung des Göttlichen
zur gefallenen Natur. Wunder lassen sowohl auf Gnade als auch auf Macht
schließen. Wenn wir an die unbegrenzte Macht Gottes denken und daran,
dass es derselben ein kleines gewesen wäre, mit Zeichen und Wundern
Eindruck zu machen, so werden wir uns so recht der Zurückhaltung dieser
Macht bewusst, die das Theatralische stets vermeidet. Das Wunderbare in
der Geschichte des Christentums ist die Spärlichkeit, mit welcher die
Christenheit von ihren Mitteln Gebrauch machte. Es ist eine recht harte
Glaubensprobe, den Mangel an Energie, die geringe Kraftentfaltung bei den
Fortschritten unserer heiligen Religion zu sehen. (So muss es jedem
vorkommen, der den göttlichen Plan der Zeitalter noch nicht versteht.)
Ohne Zweifel hat Gott seine Gründe dafür, aber unterdessen können wir
nicht anders als feststellen, dass dem Christentum eine geheimnisvolle
Reserve, eine wunderbare Geduld, eine absichtliche Zurückhaltung
innewohnt. Es ruft nicht, noch erhebt es seine Stimme, noch lässt es
diese auf der Gasse vernehmen. Jahrhunderte kommen und gehen, und das
Christentum berührt nur Teile der Erde, aber was es berührt, das
gestaltet es um. Es scheint materielle Erfolge zu verschmähen und
trachtet nur nach Siegen, welche es durch Berührung mit der einzelnen
Seele erringt. Sein Verhalten anderen Religionen gegenüber war stets
eigenartig reserviert, und seine Fortschritte drängten es nie aus seiner
stillen Würde, welche zum majestätischen Wesen Gottes, seines Urhebers,
so vortrefflich passt.
„So
haben wir denn recht, wenn wir behaupten, dass das Christentum frei ist
von Eifersucht, hocherhaben über marktschreierisches Wesen, dass es
keinen Bund mit der weltlichen Macht, keinen äußerlichen Glanz sucht,
dass ihm mehr an einem Platz in einem demütigen Herzen als an einem Sitz
auf Königsthronen liegt, dass es vorab die sittliche Umgestaltung des
Charakters anstrebt, um das geistige Leben des Menschen zu beeinflussen.
So spricht es denn zu anderen Religionen mit unumwundener Freimütigkeit
und Klarheit, sich nur stützend auf sein unbestreitbares Recht, gehört
zu werden. Es nimmt die Aufrichtigkeit der persönlichen Überzeugung und
den sittlichen Kampf vieler denkender Seelen ernst, die, wie die alten
Athener, in Unwissenheit und Unkenntnis ehren und anbeten (Apg. 17:23); es
warnt, redet zu, befiehlt, wie es sein Recht ist; es spricht, wie einst
Paulus dem zivilisierten Heidentum gegenüber auf dem Areopag, von dem
Tage, an welchem die Welt gerichtet werden muss; es wiederholt immer
wieder seine Aufforderung zur Buße, es fordert Unterwerfung unter seine
sittliche Richtschnur, Demut, Geradheit, Ehrerbietigkeit. Alles dies tut
es mit prächtig ruhiger Beharrlichkeit. Oft unterstützt es seinen Ruf
mit Gründen, mit sanftmütiger Eindringlichkeit, aber stets ist diese in
Übereinstimmung mit dem erhabenen Willen, dem das Christentum seine
Entstehung verdankt, und in dessen Namen es immer spricht. Es verkündigt
seine Botschaft mit fester Zuversicht und meisterhafter Ruhe. Es kümmert
sich nicht um die Anerkennung seiner Vorzüglichkeit oder andere Äußerlichkeiten,
um den Schutz mächtiger Menschen, um die Bevorzugung, deren sich etwa
andere erfreuen. Es spricht immer im Bewusstsein seiner einfachen, natürlichen,
unvergleichlichen, unermesslichen Überlegenheit, welche den Nebenbuhler
sofort entwaffnet und schließlich die Bewunderung erwirbt und von Bosheit
und Falschheit freie Herzen unterwirft.“
Ein
weiterer mutiger Zeuge für die christliche Religion war der deutsche Graf
Bernstorff. Er sagte:
„Ich
gehe von der Voraussetzung aus, dass niemand hier ist, der es mit seiner
Religion nicht ernst meint. (Der Verlauf des Religionsparlaments hat ihn
wohl eines besseren belehrt.) So erkläre ich denn auch persönlich, dass
ich hier bin als ein einzelner evangelischer Christ, und dass ich meinen
Fuß nie in diesen Saal gesetzt hätte, wenn ich denken müsste, das
bedeute eine Anerkennung der Gleichwertigkeit aller Religionen, und dass
es nur darauf ankomme, aufrichtig zu sein. So etwas könnte ich nie
zugeben. Ich halte nur die Bibel für wahr und nur den Protestantismus für
die wahre Religion. Ich wünsche durchaus keinen Kompromiss desselben mit
anderen Religionen. Wir können nicht leugnen, dass wir, die wir in diesem
Saale beisammen sitzen, durch Grundfragen voneinander geschieden sind. Wir
erkennen die Unüberbrückbarkeit der Kluft an, die uns trennt, aber jeder
von uns denkt, dass er ein Recht habe auf seinen Glauben. Jeder, der
hierher gekommen ist, hat Anspruch darauf, seinen Glauben zu verfechten.
So stehe ich denn vor Ihnen wie Paulus vor König Agrippa und dem römischen
Statthalter, indem ich Ihnen nur zurufen kann: „Ich wollte, dass alle,
die mich heute hören, würden wie ich bin!“ Ich kann nicht beifügen:
„diese Ketten ausgenommen“. Nein, Gott sei’s gedankt, ich bin ein
freier Mann, ausgenommen meine Fehler und Mängel, welche daran schuld
sind, dass ich meinen Glauben nicht so fest umfange, als ich es wohl möchte.
„Aber
wozu kommen wir denn zusammen, wenn wir uns nicht dulden können? Wohlan,
das Wort „Duldung“ wird verschiedentlich gebraucht. Die Worte
Friedrichs des Großen: „In meinem Land kann jeder nach seiner Facon
selig werden“ zeugen von einer vorzüglichen staatsmännischen
Anschauung, die viel Blutvergießen und viele Greuel hätte vermeiden
lassen. Aber als Ausdruck der religiösen Gleichgültigkeit des vorigen
Jahrhunderts, des Hofes Friedrichs des Großen mit seinem Voltaire, ist
der Ausspruch entschieden verwerflich. Paulus verwirft im Galaterbrief
jede andere Lehre, und wenn sie von einem Engel des Himmels verkündigt würde.
Wir Christen sind Diener des Allerhöchsten und unseres lebendigen Herrn
und Heilandes. Wir haben kein Recht, die uns anvertraute Wahrheit
preiszugeben, es damit leicht zu nehmen oder sie unseren Mitmenschen
vorzuenthalten.
„Wir
kommen also zusammen, jeder in der Hoffnung, die anderen für seinen
Glauben zu gewinnen. Wird dann dieses Friedensparlament nicht ein
Kriegsparlament werden? Wird es nicht die Kluft, die uns scheidet,
erweitern? Ich denke nicht, wenn wir uns nur geistiger Waffen in diesem
Wettkampf bedienen; denn ein ehrlicher Kampf entfremdet die Kämpfer
einander nicht, sondern bringt sie oft einander näher. Mehr braucht dies
Parlament nicht auszurichten, um sich einen Platz in der Geschichte zu
erwerben, als den Grundsatz der Religionsfreiheit hochzuhalten. In jedem
Herzen dämmert ein Licht, und das 19. Jahrhundert hat diesen Grundsatz
wesentlich gefördert, doch steht zu befürchten, dass das 20. Jahrhundert
anbreche, bevor die Religionsfreiheit allgemein anerkannt ist.“
Endlich
führen wir noch das mutige Zeugnis von Mr. Grant aus Canada an:
„Wir
sollten, so scheint mir“, sagte er, „unsere Verhandlungen nicht im Gefühl,
Großes zu verrichten, beginnen, sondern im Gefühl und Eingeständnis
unserer Sünden und Schwachheiten. Warum sind die Erdbewohner der Wahrheit
noch nicht untertan? An uns liegt es! Würde nicht der Apostel Paulus,
wenn er das 19. Jahrhundert gesehen hätte, wieder ausrufen: „Den ganzen
Tag strecke ich meine Hände aus nach einem ungehorsamen und ...
Geschlecht!“ Würde er uns nicht vorwerfen, wir seien stolz auf unsere
christliche Religion, während wir derselben gestatten sollten, uns demütig
zu machen? Wir rühmen uns, sie zu besitzen, während sie uns besitzen
sollte? Wir hätten sie von der Moral getrennt, während sie dieselbe
durchdringt, ergänzt und höher hebt? Wir hätten dadurch ihren Glanz
verhüllt und ihren Einfluss geschwächt? Wenn es anders werden soll, so müssen
wir das einsehen, uns demütigen, anderen Sinnes werden und es mit
amerikanischer Zuversicht besser zu machen versuchen!“
Hätten
doch diese Gefühle ein Echo gefunden im Religionsparlament! Aber weit
entfernt davon herrschte das Rühmen vor von den wunderbaren religiösen
Fortschritten unseres Jahrhunderts, und Graf Bernstorffs Befürchtung,
dass es sich bei dem Parlament um feige Preisgabe der christlichen
Religion handle, erwies sich als nur zu begründet, und die japanischen
Buddhisten, die am Parlament teilnahmen, trugen den Eindruck davon, die Völker
des Westens hätten ihren Glauben an das Christentum verloren und seien
bereit, dasselbe gegen den Buddhismus umzutauschen. Nirgends würde, rühmten
sie in einer großen Buddhistenversammlung, der Buddhismus freudigere
Aufnahme finden als in den Vereinigten Staaten. „Wie konnten nur
amerikanische Christen den unwiederbringlichen Fehler begehen, dieses
Parlament zu veranstalten und damit der Sache des Christentums in Japan
einen so schweren Stoß versetzen!“ klagte im Anschluss an diese
Versammlung ein japanischer Christ.
Die
Geschichte lehrt uns den wahren antichristlichen Charakter der Kirche Roms
erkennen, der jetzt noch für alle, die offene Augen haben, wahrnehmbar
ist. Jedermann kann wissen, dass die griechische Kirche die
Stundisten-Verfolgungen in Russland hingenommen, ja gebilligt und
wahrscheinlich veranlasst hat, weil sie alle hasst, die von ihrem
Aberglauben lassen und Gott aus seinem Worte kennen lernen. Diese
Verfolgungen werden von der Polizei besorgt, die dabei die größten
Grausamkeiten und Schändlichkeiten begeht, gegen welche der Pope nichts
einwendet, nachdem er geradezu dazu aufgefordert hat. Gleichwohl sucht die
protestantische Namenchristenheit Annäherung wie an die römische, so
auch an die griechische Kirche!
Noch
schlimmer steht es mit den
heidnischen
Religionen und ihrer finsteren Macht,
mit
denen die Namenchristenheit sich verbrüdern möchte. Diese am
Religionsparlament so deutlich zutage tretende Tendenz veranlasste Dr.
Pentecost zu äußerst kräftiger Abwehr; er sagte:
„Ich
halte es für jammerschade, dass jemand versucht, die Diskussionen dieses
Kongresses in eine Reihe von Anschuldigungen und Gegenbeschuldigungen
ausarten zu lassen, gleichwohl haben wir Christen geduldig der Kritik
zugehört, welche gewisse Vertreter der östlichen Religionen über die
Erfolge des Christentums gefällt haben. Die verrufenen Stadtgegenden von
Chicago und von New York zum Beispiel, die namenlose Verkommenheit, die
selbst für die Augen der Fremden greifbar ist, die unsere Gäste sind,
die Zügellosigkeit, die Trunksucht, der Streit, die Morde und die
Verbrechen der Verbrecherklasse sind uns angerechnet worden. Das
Misslingen der Regierungskongresse sowohl in England als auch in Amerika
ist dem Christentum zur Last gelegt worden. Der Opiumhandel, der
Schnapshandel, der Vertragsbruch, die unmenschlichen und barbarischen
Gesetze gegen die Chinesen usw., alles das ist dem Christentum zur Last
gelegt worden. (Wenn die Christen aber behaupten, dass dies christliche
Nationen sind, können sie dann die Heiden vernünftigerweise tadeln, wenn
diese so denken und demgemäss urteilen?)
Es
erscheint unnötig zu sagen, dass alle diese Dinge, die Unmoral, die
Trunksucht, die Verbrechen, die Unbrüderlichkeit und die selbstsüchtige
Gier dieser verschiedenen verderblichen Handelszweige, die von unseren Ländern
in den Orient getragen worden sind, außerhalb des Christentums stehen.
(Nein, wenn diese Länder christliche Nationen sind, nicht. Bei dieser
Behauptung ist die Kirche verantwortlich für die Sünden der Nationen,
und dieselben werden ihr gerechterweise zur Last gelegt.) Die Kirche
Christi arbeitet Tag und Nacht daran, diese Verbrechen abzuschaffen. Die
Stimme der Kirche Christi verurteilt einmütig den Opiumhandel, den
Schnapshandel, das Gesetz der Chinesenunterdrückung und alle Formen des
Lasters und der Selbstsucht, über welche sich unsere Freunde des Ostens
beschweren.
„Wir
sind bereit, uns kritisieren zu lassen; aber wenn ich an die Tatsache
erinnere, dass diese Kritiken zum Teil von Herren gefällt wurden, die ein
Religionssystem vertreten, dessen Tempel, welche die höchsten Kasten der
brahmanischen Priesterschaft innehaben, die befugten und dazu bestimmten
Klöster eines Systems von Unmoral und Ausschweifung sind, dergleichen in
keinem westlichen Land bekannt ist, so glaube ich, dass keine Antwort auch
eine Antwort ist. Ich könnte Sie zu mehr oder weniger - eher mehr - als
zehntausend Tempeln führen, in allen Teilen Indiens, zu welchen zwei- bis
vierhundert Priesterinnen gehören, deren Leben nicht so ist, wie es sein
sollte.
„Ich
habe dies mit eigenen Augen gesehen und niemand leugnet es in Indien. Wenn
Sie mit Brahmanen darüber sprechen, so werden diese sagen, dass es einen
Teil der Einrichtung für das gewöhnliche Volk ausmacht. Beachten Sie es
wohl, es ist die befugte Einrichtung der Hindu-Religion. Man braucht nur
auf die abscheulichen Schnitzereien zu blicken, die sich an den Tempeln
befinden, sowohl bei den Hindus als auch bei den Buddhisten, die scheußlichen
Symbole des alten phallischen Systems, die Gegenstände, die in Indien am
meisten verehrt werden, um den Eindruck von der Verderbtheit der
Religionen zu bekommen. Beachten Sie wohl, dieselben werden nicht nur
geduldet, sondern sogar vorgeschrieben, angewiesen und durch die Priester
der Religion überwacht. Nur die schamlosen Bilder und Porträts des
ehemaligen Pompeji kommen an Unzüchtigkeit dem gleich, was öffentlich
und an den Eingängen der indischen Tempel zu sehen ist.
„Es
erscheint uns ein wenig hart, die Kritik zu ertragen, welche diese Hindu-Vertreter
über die gottlosen Teile der westlichen Länder fällen, während sie in
so großen Glashäusern wie den erwähnten wohnen, die von den Führern
ihrer eigenen Religion errichtet, geschützt und verteidigt werden.
„Wir
haben viel über die Vaterschaft Gottes und die Brüderschaft der Menschen
gehört, als sei dies eine Hauptlehre der Religionen des Ostens. Es ist
Tatsache, dass ich nie einen einzigen Text in einer der heiligen Schriften
der Hindus habe finden können, der diese Lehre rechtfertigt oder auch nur
andeutet, und ich habe die Beibringung von Seiten ganz Indiens
herausgefordert. Die Lehre ist ganz einfach eine Abschrift vom Christentum.
Wir freuen uns, dass man dieselbe angenommen und sich zu eigen gemacht
hat. Wie kann ein Brahmane, der auf alle Menschen einer niederen Kaste,
und besonders auf die armen Ausgestoßenen, mit einem Geist des Ekels
herabblickt und sie als eine andere Art von Lebewesen, die von Affen und
Teufeln abstammt, betrachtet, sich anmaßen, uns zu erzählen, dass er an
die Vaterschaft Gottes und an die Brüderschaft der Menschen glaubt? Wenn
ein Brahmane an die Brüderschaft der Menschen glaubt, weshalb weigert er
sich denn, sowohl Menschen aus einer anderen Kaste als auch seine
westlichen Brüder in seine Gesellschaft oder in die allgemeinen Krankenhäuser
aufzunehmen, wenn er sie so schön in die Arme seiner neu gefundenen Lehre
von der Vaterschaft Gottes und Brüderschaft der Menschen einschließt?
„Wenn
es eine Brüderschaft von Menschen in Indien gibt, so braucht auch der
oberflächliche Beobachter nicht zu zögern, zu sagen, dass dann keine
Schwesternschaft von ihnen anerkannt wird. Lassen Sie die namenlosen
Schrecknisse, denen die Hindufrauen Indiens unterworfen sind, auf diese
Aussage antworten.
„Bis
die englische Regierung die alten religiösen Hindu-Einrichtungen der
Sutti mit Gewalt unterdrückte, warfen sich jährlich Hunderte von
Hinduwitwen lieber auf die Bestattungsscheiterhaufen ihrer verstorbenen
Gatten, indem so die Flammen sie umschlangen, dass sie ihren Leib
verbrannten, als dass sie sich der lebendigen Hölle einer
Hinduwitwenschaft auslieferten. Mögen unsere Hindufreunde uns doch sagen,
was ihre Religion für die Hinduwitwe und besonders für die Kindwitwe
getan, denen der Kopf nach Verbrecherart geschoren, der Schmuck geraubt
wurde! Sie wurden in Lumpen gekleidet, auf die Stellung von Sklaven
herabgesetzt, in einem schlimmeren Maße, als wir es fassen könnten; sie
wurden zum gemeinen Arbeitstier und Gassenkehrer der Familie gemacht und
oft zu noch Schlimmerem und Unaussprechlichem benutzt. Auf dieses Niveau
und in diese Verhältnisse sank die arme Witwe unter dem Gutheißen des
Hinduismus herab. Erst vor zwei Jahren wurde die englische Regierung
dringend gebeten, das gesetzliche Alter, mit welchem eine Hindufrau
heimgeführt werden darf, auf zwölf Jahre zu erhöhen. Das Anfüllen
christlicher Hospitäler mit missbrauchten kleinen Mädchen, die kaum aus
der ersten Kindheit heraus sind, wurde so überaus abscheulich, dass die
Regierung einschreiten und diesen Verbrechen, die im Namen der Religion
begangen wurden, ein Ende machen musste. Die Erregung hierüber war in
Indien so groß, dass eine religiöse Revolution, die fast zu einem neuen
Aufstand geführt hätte, drohte.
„Wir
sind von unseren orientalischen Freunden kritisiert worden, indem sie
sagten, wir urteilen in Unwissenheit und mit Vorurteil, weil neulich, bei
einer der ersten Sitzungen dieses Kongresses, nur fünf Personen sagen
konnten, dass sie die Buddha-Bibel gelesen hätten, als sie aufgefordert
wurden; so wurde es für ausgemacht gehalten, dass unser Urteil in
Unwissenheit und mit Vorurteil gefällt werden würde. Dieselbe
Herausforderung könnte man in Burma oder Ceylon ergehen lassen, und man
kann wohl sagen, dass außer den Priestern nicht so viele ihre eigenen
Schriften gelesen haben. Die Badas der Hindus sind Gegenstände der
Verehrung. Außer einem Brahmanen kann sie niemand lehren, noch viel
weniger lesen. Ehe die christliche Mission nach Indien kam, war der
Sanskrit genau genommen eine tote Sprache. Wenn die indische heilige
Schrift letzthin in die Landessprache übersetzt wurde, so geschah dies,
weil die christliche Mission und die westlichen Gelehrten sie wieder
entdeckt, ausgegraben und an das Licht der Gegenwart gebracht haben. Was
der gewöhnliche Inder, der die westliche Bildung genossen hat, von den
Sanskrit-Schriften kennt, ist nur das, was in die englische oder in die
einheimische Sprache durch westliche Gelehrte übersetzt worden ist. Das
gewöhnliche Volk, neunundneunzig unter hundert, kennt nur die Überlieferung.
Vergleichen wir doch einmal diese tote Abgeschlossenheit auf Seiten der
indischen Religionen mit der Tatsache, dass der Christ die Bibel in mehr
als dreihundert Sprachen und Dialekte übersetzt hat, und dass er sie zu
Hunderten von Millionen von Exemplaren unter alle Nationen und Sprachen
und Menschen der Erde verbreitet hat. Wir suchen das Licht, aber es möchte
scheinen, dass die Bibeln des Ostens die Finsternis lieben, weil sie das
Licht einer allumfassenden Veröffentlichung nicht ertragen können.
„