SCHRIFTSTUDIEN
BAND
4 - DER
KRIEG VON
HARMAGEDON
Studie
7
Versammlung
der Nationen und Zubereitung der
Elemente für das große Feuer des Zornes Gottes.
Wie und
warum die Nationen versammelt werden. — Die
sozialen Elemente bereiten sich für das Feuer zu. — Aufhäufung
von Schätzen. — Zunahme
der Armut. — Soziale
Reibung führt zur Feuersbrunst. — Zu harte
Verurteilung der Reichen. — Selbstsucht
und Freiheit. — Gegenwärtige
Verhältnisse können nicht andauern. — Frauenarbeit. —
Vernünftige
und unvernünftige Ansichten der Arbeiter. - Angebot und Nachfrage. —
„Die
gelbe Gefahr.“ — Die
Arbeiterfragen in England. — Die
prophetischen Worte des Ministers Chamberlain. — Liebknecht
über den sozialen und industriellen Kampf in Deutschland. — „Riesen
in diesen Tagen.“ — „Trusts“
und andere Verbindungen. — Sklaverei
und moderne Knechtschaft. — Die Massen
zwischen dem oberen und unteren Mühlstein. — Die Not
allgemein und menschliche Hilfe unzulänglich.
„Darum harret auf mich,
spricht Jehova, auf den Tag, da ich mich aufmache zur Beute! Denn mein
Rechtsspruch ist, die Nationen zu versammeln, die Königreiche
zusammenzubringen, um meinen Grimm über sie auszugießen, die ganze Glut
meines Zornes; denn durch das Feuer meines Eifers wird die ganze Erde
verzehrt werden. Alsdann werde ich die Lippen der Völker in reine Lippen
umwandeln, damit sie alle den Namen Jehovas anrufen und ihm einmütig
dienen.“ - Zeph. 3:8, 9
Die Zusammenbringung der
Nationen in Erfüllung dieser Prophezeiung ist eine Tatsache, die
jedermann sehen kann. Die Erfindungen der Neuzeit haben die entferntesten
Enden der Erde zu Nachbarn gemacht. Eisenbahn, Post, Telegraph, Telephon,
Welthandel und Presse haben eine Gedanken- und Handlungsgemeinschaft unter
den Menschen erzeugt, die vorher unbekannt war und zu internationalen
Vereinbarungen geführt hat, die jede Nation achten muss. Weltkongresse,
Weltausstellungen sind Folgen dieser gegenseitigen Annäherung, und dem
Welthandel vermag kein Sonderbund, kein Sprachunterschied Schranken zu
setzen. Die zivilisierten Nationen sind auf der ganzen Erde zu Hause. Mit
allen Bequemlichkeiten ausgerüstete Schiffe und Eisenbahnwagen führen
ihre Kaufleute, ihre Abgeordneten, ihre Reisenden überall hin, und die
Heidenvölker, aus Jahrhunderte langem Schlaf erwachend, sehen mit Staunen
die Fremden zu ihnen kommen und senden ihre jungen Leute in die Länder,
woher jene kommen, um durch diese der Errungenschaften der Neuzeit
teilhaftig zu werden. Zur Zeit Salomos war es ein Gegenstand der
Verwunderung, dass die Königin von Scheba 800 Kilometer weit herkam, um
Salomos Weisheit zu hören. Heutzutage reisen Tausende, von denen die Öffentlichkeit
nicht einmal den Namen kennt, durch die ganze Welt, und in weniger als 80
Tagen macht man bequem eine Reise um die Erde.
Ja, wahrhaftig, die Nationen
sind versammelt! zwar in einer Weise, wie man es nicht erwartet hat, aber
in der einzigen Weise, wie es geschehen konnte: durch allgemeine Verknüpfung
ihrer Interessen und Tätigkeit. Diesem dient freilich nicht die Liebe,
sondern die Selbstsucht als Triebfeder. Der Unternehmungsgeist, das Kind
der Selbstsucht, hat Eisenbahnen, Dampfschiffe, Telegraphen, unterseeische
Kabel, Telefon usw. entstehen lassen; Selbstsucht ist das Prinzip im
Handel und internationalen Verkehr überhaupt, ja, in jeder Unternehmung,
die Verkündigung des Evangeliums und die Gründung wohltätiger Anstalten
ausgenommen; doch sind auch hier zuweilen andere Triebfedern tätig, als
die Liebe zu Gott und dem Nächsten. Selbstsucht hat also die Nationen
versammelt und bereitet sie dadurch zu für die geweissagte und nun
herannahende Vergeltung, für den anarchistischen Zustand, das „Feuer
des Zornes Gottes,“ das bald die jetzige Welt (2. Petr. 3:7), die gegenwärtige
soziale Ordnung, verzehren wird. So ist es natürlich nur vom menschlichen
Standpunkt aus betrachtet, denn der Prophet beschreibt es als ein
Versammeln der Nationen zu Gott hin. Beide Standpunkte aber sind richtig,
denn, während dem Menschen Handlungsfreiheit zugestanden wird, gestaltet
Gott durch seine überwaltende Vorsorge die Angelegenheiten der Menschen
seinem eigenen weisen Plane gemäß. Während die Menschen mit ihren
Werken und Wegen die Werkzeuge sind, ist Gott der große Befehlshaber, der
jetzt die Nationen und Königreiche versammelt von einem Ende der Erde bis
zu ihrem anderen Ende, als Vorbereitung zur Übergabe der Herrschaft an
den, „dem das Recht gehört“, Immanuel. Der Prophet sagt uns, warum
Gott die Nationen versammelt: „Um meinen Grimm über sie auszugießen,
die ganze Glut meines Zornes; denn durch das Feuer meines Eifers wird die
ganze Erde (das ganze gesellschaftliche Gebäude) verzehrt werden.“
Diese Botschaft würde uns mit Sorge und Angst erfüllen, hätten wir
nicht die Versicherung, dass das Endergebnis Gutes für die Menschen
bewirken wird, den Umsturz der Herrschaft der Selbstsucht und die
Aufrichtung des Millenniums-Königreiches Christi, welches die Herrschaft
der Gerechtigkeit aufrichten wird: „Alsdann will ich die Lippen der Völker
in reine Lippen umwandeln (ihre Verbindung miteinander soll nicht mehr
selbstsüchtig, sondern rein, wahrhaftig, liebevoll sein ...), damit sie
alle den Namen Jehovas anrufen und ihm einmütig dienen.“
Das „Versammeln der Nationen“
wird nicht nur zur Schwere des Gerichts beitragen, es wird auch unmöglich
machen, dass irgendein Volk ihm entgeht; und es wird daher die Trübsal
kurz und gründlich machen, wie geschrieben steht: „Der Herr wird eine
abgekürzte Sache tun auf Erden.“ - Röm. 9:28; Jes. 28:22
Die gesellschaftlichen Elemente für
das „Feuer“ zubereitet
Wenn wir uns in der Welt umsehen,
so gewahren wir, wie die „Elemente“ zubereitet werden. Selbstsucht,
Wissenschaft, Reichtum, Ehrgeiz, Hoffnung, Unzufriedenheit, Angst und
Verzweiflung sind gleichsam Sprengstoffe, deren Reibung gegeneinander die
Leidenschaften in Flammen setzt, in welchen die „Elemente“ vergehen
werden. Man beachte nur, welche Veränderungen in den letzten hundert,
ganz besonders in den letzten 40 Jahren Platz gegriffen haben. Die
Zufriedenheit und Genügsamkeit von ehedem sind überall, bei Mann und
Weib, reich und arm, gebildet und ungebildet, verschwunden. Alles ist
unzufrieden. Alles schreit nach „Rechten“ und beklagt sich über ihm
widerfahrendes „Unrecht.“ Freilich herrscht viel Unrecht, und es gibt
Rechte, die vielen zuerkannt werden sollten; aber in unserer Zeit, wo
Bildung und Unabhängigkeitsdrang so verbreitet sind, ist Selbstsucht fast
ausschließlich das Motiv zu den Klagen und Forderungen, so dass sie die
Rechte der anderen nicht sehen. Wie der Prophet es geweissagt hat, wird
dies schließlich dazu führen, dass eines jeden Hand wider seinen Nächsten
ist, was dann zu der großen Endkatastrophe führen muss. Gottes Wort und
Vorsehung und die Lehren der Vergangenheit geraten in Vergessenheit
infolge der festen Überzeugung, dass ein jeder recht hat mit seinen
Klagen und Forderungen, und so ist es niemand möglich, den Weg der klugen
Mäßigung einzuschlagen oder auch nur zu sehen. Die Liebe ist ein
unbekanntes Ding. Die goldene Regel ist ganz allgemein unbeachtet gelassen
worden, und der Mangel an Weisheit wie auch die Ungerechtigkeit in ihrem
Vorgehen wird sich bald bei allen Klassen in dieser schrecklichen Drangsal
offenbaren, vorab aber besonders bei den Reichen. - Luk. 12:15-20
Ja, die Nacht, von der die Rede
ist, und von der Jes. (21:12; 28:12, 13, 21, 22) und Johannes (9:4)
geweissagt hat, kommt schnell heran und wird die Welt unversehens, wie
eine Schlinge, überfallen. Dann werden die Reichen verzweifelnd ihr
Silber auf die Straße werfen, und ihr Gold wird ihnen genommen werden.
Ihr Silber und ihr Gold, das sie zur Ungerechtigkeit verleitet hat, wird
sie nicht erretten am Tage des Grimmes Jehovas. - Hes. 7:19
Gesammelte Schätze
Dass in unserer Zeit viel größere
Reichtümer aufgehäuft werden, und dass die Reichen sich mehr Außerordentliches
gestatten als je zuvor (Jak. 5:3,5), kann man heute in jeder Zeitung lesen;
das hat schon auf den alten Gladstone großen Eindruck gemacht, so dass er
in einer Rede bemerkte:
„In den
letzten fünfzig Jahren sind mehr Güter produziert worden als in den
neunzehn Jahrhunderten seit Julius Cäsar zusammengerechnet.“
Beachte diese Aussage, die von
einem der bestunterrichteten Männer der Welt stammt. Diese für uns so
schwer verständliche Tatsache, nämlich, dass während der vergangenen fünfzig
Jahre mehr Reichtum hervorgebracht worden ist als während der
vorhergehenden neunzehn Jahrhunderte, beruht gleichwohl, wie uns
Statistiken zeigen, auf noch sehr mäßiger Schätzung, und die Verhältnisse,
welche dadurch geschaffen wurden, sind dazu bestimmt, bei der
Wiederherstellung der sozialen Ordnung in dem kommenden Zeitalter eine
wichtige Rolle zu spielen.
„The Boston Globe“ brachte
vor einigen Jahren folgende Mitteilung über einige der Reichen in den
Vereinigten Staaten:
„Die
einundzwanzig Eisenbahnkönige, die am Montag in New York zusammentrafen,
um die Frage des Eisenbahn-Wettbewerbs zu besprechen, repräsentieren ein
Kapital von 300.000.000 Dollar. Man kann sich noch der Zeit erinnern, da
es kaum ein halbes Dutzend Millionäre im Lande gab. Sie zählen jetzt
gegen 4.600, und es soll einige geben, deren jährliches Einkommen über
eine Million Dollar beträgt.
„In New York City gibt es nach
mäßiger Schätzung 1.157 Personen und Besitzungen, deren jede 1.000.000
Dollar wert ist. In Brooklyn gibt es 162 Personen mit mindestens je
1.000.000 Dollar. In der Doppelstadt gibt es also 1.319 Millionäre, viele
von denselben besitzen jedoch weit mehr als 1.000.000 Dollar, sie sind
Multimillionäre. Von den Berühmtesten wird das Vermögen schätzungsweise
wie folgt verzinst: John D. Rockefeller 6 Prozent, William Waldorf Astor 7
Prozent, J. Goulds Erbschaft 4 Prozent, Cornelius Vanderbilt 5 Prozent und
William K. Vanderbilt 5 Prozent.
Daraus ergibt sich folgende
Aufstellung über das Einkommen:
|
|
|
jährlich
|
täglich
|
|
W. Waldorf Astor
|
Dollar
|
8.900.000
|
23.277
|
|
John D. Rockefeller
|
Dollar
|
7.611.250
|
20.853
|
|
Jay Goulds Erbschaft
|
Dollar
|
4.040.000
|
11.068
|
|
Cornelius Vanderbilt
|
Dollar
|
4.048.000
|
11.090
|
|
William K. Vanderbilt
|
Dollar
|
3.795.000
|
10.397
|
„Die obige Schätzung ist
sicherlich eine sehr mäßige, denn noch vor sechzehn Jahren wurde
berichtet, dass Herrn Rockefellers vierteljährliche Dividende auf seine
Standard Öl-Gesellschaft durch einen Scheck über vier Millionen Dollar
repräsentiert wurde; sie muss sich bis jetzt noch weit vergrößert haben.“
Die „Niagara Falls Review“
erließ noch vor Anbruch des gegenwärtigen Jahrhunderts folgende Warnung:
„Eine der größten Gefahren,
welche die freiheitlichen amerikanischen Einrichtungen bedroht, ist die
Vermehrung der Millionäre und die daraus folgende Konzentration von
Besitzungen und Geld in den Händen weniger. Ein kürzlich in einer
hervorragenden Zeitung des Staates New York erschienener Artikel bringt
Zahlen, die dazu dienen müssen, die allgemeine Aufmerksamkeit auf die
Entstehung dieser Schwierigkeit zu lenken. Die nachfolgend angeführten
Vermögen sollen die größten in den Vereinigten Staaten sein:
|
William Waldorf Astor
|
Dollar
|
150.000.000
|
|
Jay Gould
|
Dollar
|
100.000.000
|
|
John D. Rockefeller
|
Dollar
|
90.000.000
|
|
William W. Vanderbilt
|
Dollar
|
90.000.000
|
|
Cornelius Vanderbilt
|
Dollar
|
80.000.000
|
|
Henry M. Flagler
|
Dollar
|
60.000.000
|
|
John. L. Blair
|
Dollar
|
50.000.000
|
|
Russell Sage
|
Dollar
|
50.000.000
|
|
Collis P. Huntington
|
Dollar
|
50.000.000
|
|
Zusammen
|
Dollar
|
720.000.000
|
Eine Schätzung des Ertrages zu
dem durchschnittlich bei anderen ähnlichen Kapitalanlagen erzielten
Zinsfuße würde folgende Zahlen ergeben:
|
|
|
jährlich
|
täglich
|
|
Astor
|
Dollar
|
9.735.000
|
25.027
|
|
Rockefeller
|
Dollar
|
5.481.000
|
16.003
|
|
Gould
|
Dollar
|
4.040.000
|
11.068
|
|
Vanderbilt Cornelius
|
Dollar
|
4.554.000
|
12.477
|
|
Vanderbilt William K.
|
Dollar
|
4.048.000
|
11.090
|
|
Flagler
|
Dollar
|
3.036.000
|
8.318
|
|
Blair
|
Dollar
|
3.045.000
|
8.342
|
|
Sage
|
Dollar
|
3.045.000
|
8.342
|
|
Huntington
|
Dollar
|
1.510.000
|
4.137
|
„Fast alle diese Männer leben
verhältnismäßig einfach, und es ist klar, dass sie nur einen Teil ihres
riesigen täglichen und jährlichen Einkommens ausgeben können. Das übrige
fließt daher zum Kapital und lässt ihr Vermögen noch höher wachsen.
Die Familie Vanderbilt besitzt jetzt die folgenden riesenhaften Summen
(die sich mit der Zeit noch gewaltig vergrößert haben):
|
Cornelius Vanderbilt
|
Dollar
|
90.000.000
|
|
William K. Vanderbilt
|
Dollar
|
80.000.000
|
|
Frederick W. Vanderbilt
|
Dollar
|
17.000.000
|
|
George W. Vanderbilt
|
Dollar
|
15.000.000
|
|
Mrs. Elliot F. Sheppard
|
Dollar
|
13.000.000
|
|
Mrs. William D. Sloane
|
Dollar
|
13.000.000
|
|
Mrs. Hamilton Mck. Twombly
|
Dollar
|
13.000.000
|
|
Mrs. W. Seward Webb
|
Dollar
|
13.000.000
|
|
Zusammen
|
Dollar
|
254.000.000
|
Noch wunderbarer sind die Aufhäufungen
des großen Standard-Öl-Trusts, dem nach seiner Auflösung die Standard
Öl-Gesellschaft folgte. Die Vermögen belaufen sich wie folgt:
|
John D. Rockefeller
|
Dollar
|
90.000.000
|
|
Henry M. Flagler
|
Dollar
|
60.000.000
|
|
William Rockefeller
|
Dollar
|
40.000.000
|
|
Benjamin Brewster
|
Dollar
|
25.000.000
|
|
Henry H. Rogers
|
Dollar
|
25.000.000
|
|
Oliver H. Payne (Cleveland)
|
Dollar
|
25.000.000
|
|
Wm. G. Warden (Philadelphia)
|
Dollar
|
25.000.000
|
|
Chas. Pratt (Brooklyn)
|
Dollar
|
25.000.000
|
|
John D. Archbold
|
Dollar
|
10.000.000
|
|
Zusammen
|
Dollar
|
325.000.000
|
„Es
bedurfte gerade eines Zeitraumes von zwanzig Jahren, um diesen Reichtum in
den Händen von acht oder neun Menschen zu vereinen. Hier liegt also die
Gefahr. In den Händen Goulds, der Vanderbilts und Huntingtons befinden
sich die großen Eisenbahnen der Vereinigten Staaten. Zu den Besitzungen
Sages, Astors und anderen gehören große Stadtviertel des Grundstücks
von New York, deren Wert beständig wächst. Vereint und auf natürlichem
Wege angewachsen, würde das Vermögen dieser neun Familien in fünfundzwanzig
Jahren 2 Milliarden 754 Millionen Dollar betragen. William Waldorf Astor
allein wird vor seinem Tode wahrscheinlich gegen eintausend Millionen wert
sein, und sein Geld wird, gleich demjenigen Vanderbilts, in seine Familie
wie in andere übergehen, dadurch eine dem Gemeinwohl äußerst gefährliche
Geldaristokratie schaffen und einen eigenartigen Kommentar bilden zu der
Aristokratie der Geburt, den wir Amerikaner als für England so schädlich
betrachten.
„Andere große Vermögen sind
vorhanden oder im Entstehen begriffen. Wir wollen nur noch einige davon
anführen:
|
William Astor
|
Dollar
|
40.000.000
|
|
Levland Stanford
|
|