SCHRIFTSTUDIEN
BAND
5 - DIE
VERSÖHNUNG DES MENSCHEN MIT GOTT
Studie
12
Der
Gegenstand der Versöhnung:
Der
Mensch.
Was ist der Mensch? — Antwort der „Rechtgläubigen”.
— Antwort der
Wissenschaft. —
Die biblische Antwort. —
Der Leib des Menschen. —
Des Menschen Geist. —
Die menschliche Seele. —
Durch falsche Übersetzung hervorgerufene Verwirrung. —
Das Erzeugen, bzw. Fortpflanzen von Seelen. —
Was ist der
„Schoel”, “Hades”, wohin alle Seelen nach dem Tod bis zur
Auferstehung gehen. —
Eine genaue Untersuchung aller diesbezüglichen
Schriftaussagen.
„Was
ist der Mensch, dass du sein gedenkst, und des Menschen Sohn, dass du auf
ihn acht hast? Denn ein wenig hast du ihn geringer gemacht als die Engel;
und mit Herrlichkeit und Pracht hast du ihn gekrönt. Du hast ihn zum
Herrscher gemacht über die Werke deiner Hände; alles hast du unter seine
Füße gestellt: Schafe und Rinder allesamt und auch die Tiere des Feldes,
das Gevögel des Himmels und die Fische des Meeres, was die Pfade der
Meere durchwandert.” - Psalm 8:4-8
Welch
ein großes Wesen ist denn der Mensch, dass der Schöpfer des Weltalls so
sehr um sein Wohlergehen bekümmert ist und so reichliche Fürsorge zu
seiner Versöhnung getroffen hat - dabei sogar seines eigenen Sohnes nicht
verschonend? Diese höchste aller irdischen Kreaturen Gottes sollten wir
eigentlich so gründlich als möglich kennen: und doch ist unser
Urteilsvermögen so beschränkt, und unser Wissen so begrenzt, dass wir in
Bezug auf diesen Gegenstand fast allein auf das angewiesen sind, was unser
lieber Schöpfer in seinem Wort uns offenbart. Obwohl das Erforschen des
Menschen als höchste Wissenschaft fast allgemein anerkannt ist, so müssen
wir doch zu unserem Befremden zugestehen, dass es kaum einen Gegenstand
gibt, worüber so viel Verwirrung herrscht, als gerade in Bezug auf den
Menschen. Untersuchen wir die Sache etwas näher, so begegnen wir zwei
Hauptansichten, von denen wir aber keine als die richtige und biblische
anerkennen können. Obwohl die beiden gewisse Wahrheiten enthalten, so
sind sie doch beide ganz bedenklich falsch und irreleitend, so dass sogar
solche, die von denselben noch nicht ganz irregeführt sind, doch so sehr
von diesen Irrtümern beeinflusst werden, dass viele Wahrheiten ihnen als
haltlos und ungereimt erscheinen, während sie andererseits manchen
Trugschluss für wahr und unumstößlich halten. Unser Gegenstand muss
daher allen wichtig sein, welche die Wahrheit zu erkennen begehren und den
vollen Segen bringenden Einfluss derselben in ihren Herzen und Leben verspüren
möchten. Ganz besonders wichtig ist er aber in Bezug auf unser Hauptthema,
die Versöhnung. Wer nicht deutlich erkennt, was der Mensch ist, der wird
schwerlich ein klares Verständnis der biblischen Lehre erlangen, welche
sich auf das Lösegeld für die Sünde des Menschen und auf die Resultate
dieses Lösegeldes beziehen.
Wir
wollen zuerst die allgemeine, sogenannt “rechtgläubige” (orthodoxe)
Antwort auf die Frage, Was ist der Mensch? betrachten, dann die streng
wissenschaftliche und schließlich die biblische Ansicht, die wohl sehr
von den anderen abweicht, aber trotzdem viel verständiger ist als beide
zusammen, und die zugleich auch die einzige Grundlage bietet, auf welcher
die beiden anderen Ansichten sich vereinigen lassen
Die
Ansicht der Orthodoxie
Befragen
wir die Vertreter der sogenannt orthodoxen Theologie über das Wesen des
Menschen, so wird uns ungefähr folgende Antwort (deren Richtigkeit wir
jedoch bestreiten) zu teil:
Der
Mensch besteht aus drei Teilen, Leib, Seele und Geist; der Leib wird auf
gewöhnliche animalische Weise geboren, mit dem Unterschied jedoch, dass
Gott bei der Geburt dazwischen tritt und in den Leib eine Seele und einen
Geist pflanzt, die beides Teile von ihm selbst sind: und als Teile von
Gott können sie selbstverständlich nicht zerstört und nicht vernichtet
werden, sie sind also gleich Gott unsterblich. Diese beiden Teile, Seele
und Geist, bilden zusammen den eigentlichen Menschen, während der Leib
bloß die sichtbare Hülle des eigentlichen Menschen ist, worin derselbe während
der Zeit seines irdischen Lebens wie in einem Hause wohnt. Beim Tode,
sagen sie werde er von seinem fleischlichen Gefängnis befreit und er
erreiche deshalb erst von da an einen ihm angemessenen Zustand.
Mit
anderen Worten ausgedrückt, behauptet die “Orthodoxie”, dass der
eigentliche Mensch kein irdisches, sondern ein Geistwesen sei, das im
Grunde nicht für diese Erde passe. Ja, man ist, in der Theorie wenigstens,
so weit gegangen, dass man den Tod, wo der Mensch von seiner “Hülle”
befreit werde, als einen großen Segen betrachtet; trotzdem scheuen aber
die Menschen keine Anstrengung, um die Zeit ihres Wohnens im fleischlichen
Hause soviel als möglich zu verlängern, indem sie sich der Medizin
bedienen, Erholungsreisen unternehmen und alle möglichen
Gesundheitsregeln befolgen. Viele betrachten “die Befreiung” oder
“Erlösung” (genannt “Tod”) als eine weitere Stufe im
Entwicklungsprozess; sie halten die Verwandlung vom irdischen in den
himmlischen, vom animalischen in den geistigen Zustand für ein vernünftiges,
logisches Endergebnis der wissenschaftlichen Theorie, laut welcher der
Mensch ursprünglich nicht als Mensch erschaffen worden sei, sondern sich
während vielen fast endlosen Zeitaltern vom Urgebilde (Protoplasma) bis
zum Affen und vom Affen schließlich bis zum Menschen empor entwickelt
habe. Und in Übereinstimmung mit dieser Lehre wird ferner behauptet, die
frühesten Generationen der Menschheit seien gegenüber der heutigen ganz
gewaltig im Rückstand gewesen; die Fortentwicklung bringe die Menschen
vorwärts, und die nächste Stufe (für jedes menschliche Wesen) sei eine
Verwandlung oder Weiterentwicklung zum geistigen Zustand, zu Engeln und Göttern,
oder aber zu Teufeln.
Dies
alles scheint dem Hochmut des 19. Jahrhunderts sehr zu schmeicheln (trotzdem
man dadurch andererseits die denkbar schmählichste und unwürdigste
Herkunft anerkennt). Man misst sich selbst die höchsten Errungenschaften
der Gegenwart sowohl als auch eine zukünftige Erhöhung bei. Diese
Anschauung ist zwar nicht bloß in den zivilisierten Ländern zu finden,
sondern unter allen heidnischen Völkern, sogar die Wilden offenbaren in
der Praxis den gleichen Gedanken, betreffend den Menschen, nur dass sie
dessen Herkunft nicht so weit zurück verfolgen. Die Ansicht wird von
allen heidnischen Philosophen unterstützt, und in beträchtlichem Maße
stimmen ihr auch unsere heutigen wissenschaftlichen Theoretiker bei, die,
obwohl sie den Gegenstand ganz anders definieren, sich dennoch gerne der
Hoffnung auf ein zukünftiges, der Fortentwicklung entsprechendes Leben
hingeben; sie erwarten damit eine Befriedigung ihrer Eitelkeit - auf eine
Art und Weise, die freilich gar nicht mit ihren “Entdeckungen” und
Mutmaßungen bezüglich des Lebenskeimes des Menschen übereinstimmt.
Wie
die Wissenschaft den Menschen beurteilt,
kann
in ungefähr folgenden Worten kurz zusammengefasst werden: Der Mensch ist
die bis jetzt höchst entwickelte Gattung des Tierreichs; sein Körper
unterscheidet sich von denjenigen anderer Tiere durch seine schönere
Gestalt, durch seine edlere Ausbildung. Sein Gehirn gleicht dem der Tiere,
ist aber ebenfalls besser entwickelt, von einer feineren Substanz und mit
größerer Fassungskraft ausgerüstet, wodurch der Mensch von Natur aus
befähigt ist, über die niedere Kreatur zu herrschen. Der Mensch besitzt
den gleichen Odem oder Geist des Lebens wie die anderen Tiere; sein
Organismus sowie sein Lebenskeim stammen von seinen Eltern, gleich wie
auch die Tiere ihr Leben und ihre Leiber von ihren Eltern erhalten.
Die
Wissenschaft anerkennt jeden Menschen als eine Seele - ein fühlendes
Wesen; was aber die Zukunft, den Zustand des Menschen in der Ewigkeit
anbetrifft, ist sie nicht imstande, mit klarer Auskunft aufzuwarten, da
sie eben keinen Grund für eine Schlussfolgerung, ja nicht einmal für
eine vernünftige Vermutung finden kann. Ohne sich mit dem Gegenstand näher
zu befassen, erwartet die Wissenschaft jedoch, dass die Zukunft den Grundsätzen
der Fortentwicklung entsprechen werde, welche sie in der Vergangenheit
nachweisen zu können behaupten. Auf die durch ihren Gott, “das Gesetz
der Natur”, schon erreichte Entwicklungsstufe ist die Wissenschaft nicht
wenig stolz, und sie hegt die Hoffnung, dass durch das fernere Wirken des
Naturgesetzes (die Existenz eines persönlichen Gottes leugnet sie) die
Menschheit schließlich in einen noch vollkommeneren gottähnlicheren
Zustand gelangen werde, als sie es jetzt schon sei.
Der
Mensch vom biblischen Standpunkt aus betrachtet
Wie
schon früher erwähnt, stimmt die Bibel in einigen Punkten mit den soeben
betrachteten Anschauungen überein, in der Hauptsache jedoch widerspricht
sie beiden durchaus. Die Bibel bietet uns keinen Anlass zum Grübeln; als
Stimme der Offenbarung Gottes spricht sie vielmehr mit Autorität und
Nachdruck und gibt uns nicht bloß über die Vergangenheit und Gegenwart,
sondern eben sowohl über die Zukunft des Menschen klaren Aufschluss. Die
biblische Anschauung ist für uns die allein maßgebende; sie ist aber
auch die einzig wahrhaft wissenschaftliche und “rechtgläubige”
Anschauung über diesen Gegenstand.
Dem
menschlichen Stolz schmeichelt die biblische Darstellung freilich gar
nicht; sie stellt den Menschen nicht als seinen eigenen Entwickler dar,
noch auch schreibt sie das einem Gott der Natur zu, da es eben keinen
solchen gibt. Die Bibel lässt in Bezug auf die Erschaffung des Menschen
Gott allein die Ehre, indem sie klar und deutlich lehrt, dass Adam (der
Stammvater der ganzen Menschheit) als Ebenbild Gottes erschaffen wurde.
Und wenn der Mensch nun verfehlt hat, diese Gottähnlichkeit beizubehalten,
wenn er sich durch den Sündenfall geistige, körperliche und moralische
Entartung bis zum schließlichen Tod zugezogen hat, so ist er selbst
allein daran schuld und dafür verantwortlich. Wiederum gibt die Bibel
Gott die Ehre durch die Offenbarung seiner Gnade und Großmut gegen den
gefallenen Menschen, indem wir durch ihr Zeugnis vernehmen, wie Gott für
eine Erlösung des Menschen und für dessen Wiederherstellung zu seinem
ursprünglichen Zustand gesorgt hat - durch die Vermittlung seines Sohnes,
während des Millenniums.
Wenn
christliche Leute sich mit unserem Gegenstand befassen und untersuchen
wollen, was die heilige Schrift darüber sagt, so verfehlen sie gewöhnlich
den Unterschied zu erkennen zwischen der Menschheit im allgemeinen und der
Kirche - der kleinen Herde, welche sich Gott während des jetzigen
Zeitalters aus allen Völkern zusammen beruft, um sie für einen neuen, übermenschlichen
(einen geistigen) Zustand zu erziehen und vorzubereiten - und gerade
dieses Nichterkennen eines so bedeutenden Unterschieds ist zum guten Teil
schuld an der großen Verwirrung, welcher wir hinsichtlich unseres Themas
unter Christen leider überall begegnen. Da sie “das Wort der Wahrheit
recht zu teilen” verfehlen, so wenden sie die Weissagungen und Verheißungen
der heiligen Schrift, Alten und Neuen Testamentes auf alle Menschen an,
trotzdem besonders die letzteren ausschließlich an die Kirche (Herauswahl)
gerichtet sind und mit den der Welt verheißenen
Wiederherstellungssegnungen nichts gemein haben. So wahr und zutreffend
diese “überaus großen und herrlichen Verheißungen” in Bezug auf die
Kirche (Herauswahl) sind, so unpassend und falsch sind sie in Bezug auf
die Welt. So werden z.B. des Apostels Worte, “Der Leib ist zwar tot der
Sünde wegen, der Geist aber Leben der Gerechtigkeit wegen” (Röm.
8:10), die sich doch nur auf die Kirche (Herauswahl) anwenden lassen - so
werden die besonderen und eigentümlichen Bedingungen der während dieses
Zeitalters vor sich gehenden Berufung der Kirche dahin ausgelegt, als wären
sie eben sowohl auch auf die übrige Menschheit anwendbar. Die Worte
“tot” und “Leben” werden hier in Bezug auf solche gebraucht, die,
nachdem sie durch die Gnade Gottes durch den Glauben gerechtfertigt worden,
fortan als von der Todesstrafe freigesprochen betrachtet werden, damit sie
ihre Leiber als lebendige Opfer darbringen mögen, indem sie dieselben,
was irdische Vorteile und Interessen anbelangt, als tot rechnen und dem
gemäß behandeln: sich also nicht mehr als fleischliche oder menschliche
Wesen, sondern als “neue Kreaturen” betrachten - zu einer neuen
Kreatur gezeugt durch die Verheißungen Gottes. Auf gerechtfertigte und
geheiligte Gläubige (welche durch den Glauben und den Gehorsam in Christo
einen neuen Lebensgeist empfangen haben) beziehen sich also die angeführten
Worte “tot” und “Leben” und absolut nicht auf die Welt; letztere
besitzt ja keine andere Natur als die menschliche, kann man doch nicht
sagen, dass sie in irgend einem Sinn wieder- gezeugt worden wäre.
Eine
andere Stelle, die auch oft fälschlicherweise in Bezug auf die Welt
gebraucht wird, aber nur für die geweihten Kinder Gottes Gültigkeit hat,
ist die folgende: “Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen,
auf dass die Überschwenglichkeit der Kraft sei Gottes und nicht aus uns”
(2. Kor. 4:7). Dies bezieht sich offenbar nur auf die Kirche (Herauswahl)
- auf solche, die den Schatz, d.h. die neue Gesinnung, die neue Natur,
empfangen haben. Sie bewahren diesen Schatz (die neue Natur) in ihrem natürlichen
Leib, der als tot gerechnet und hier als “irdenes Gefäß” bezeichnet
wird. Die Illustration ist für die Klasse, auf welche sie sich bezieht -
auf die Kirche (Herauswahl)- sehr zutreffend; es wäre aber ganz falsch,
sie auf die allgemeine Menschheit anzuwenden, mit der Voraussetzung, dass
jedes menschliche Wesen einen himmlischen Schatz oder eine neue Natur
besitze, und dass also jeder menschliche Leib als ein “irdenes Gefäß”,
als ein Behälter solch einer neuen Natur betrachtet werden müsse. Die
Welt hat, wie schon gesagt, nur eine Natur - die menschliche; eine neue
Natur besitzt sie in keiner Hinsicht, und es ist auch gar kein
Anhaltspunkt dafür vorhanden, dass sie je eine solche erhalten werde. Das
höchstmögliche Ziel, das der Menschheit eröffnet werden wird, ist die
Wiederherstellung zur vollkommenen Menschennatur, welche in Eden verloren
ging, aber auf Golgatha zurück erkauft wurde. - Apg. 3:19-23
Wir
könnten eine große Menge neutestamentlicher Schriftzeugnisse anführen,
die sich alle nicht auf die allgemeine Menschheit beziehen, sondern nur
auf die geheiligte Kirche (Herauswahl), welche durch den heiligen Geist zu
einer neuen Natur gezeugt worden ist. So wäre es für jeden interessant
und von nutzen, wenn er z.B. nur alle die Grüße, womit die Apostel ihre
verschiedenen Epistel einleiten, aufmerksam betrachten würde: sie sind
nicht, wie es so viele glauben, an die ganze Menschheit gerichtet, sondern
an die Kirche (Herauswahl), an “die Geheiligten”, an den “Haushalt
des Glaubens”.
Behalten
wir also im Gedächtnis, dass wir in diesem Kapitel, “Was ist der Mensch?”,
nicht untersuchen wollen, was die Kirche (Herauswahl), die neue Kreatur in
Christo Jesu, noch auch die Geistes-Natur sei, wozu die Herauswahl jetzt
schon durch den Geist gezeugt ist, und deren sie in der Ersten
Auferstehung im vollsten Maße teilhaftig werden soll, so sie bis ans Ende
treu bleibt. Im Gegenteil, der Gegenstand unserer Betrachtung ist der
erste Adam mit seiner Nachkommenschaft. Wir möchten wissen, wer und was
und welchen Geschlechts wir von Natur sind. Was ist der Mensch? So
verstehen wir dann auch am Besten, wovon der Mensch gefallen, wohin er
gefallen, wovon er erlöst worden ist, und was ihm die verheißene
Wiederherstellung bringen wird.
Der
Mensch - Leib, Seele, Geist
Wenn
wir die maßgebende Erklärung des Wortes “Tier” (Animal - ein
lebendes, empfindungsfähiges Wesen) gelten lassen, so müssen wir den
Menschen ohne Zögern als das Haupt, als den König aller Tiere der Erde
anerkennen, und soweit stimmt die heilige Schrift auch völlig mit den
Folgerungen der Wissenschaft überein. Beachte nur die Stelle am Anfang
dieses Kapitels: der Prophet David hebt dort besonders hervor, dass der
Mensch in seiner Natur niedriger sei als die Engel, aber ein König und
Haupt über alle irdischen Kreaturen, der Stellvertreter Gottes gegenüber
allen niedrigeren Gattungen lebender Wesen.
Die
Bibel sagt nirgends, weder direkt noch indirekt, dass jeder menschlichen
Kreatur ein Stück, ein Teil oder ein Lebenskeim des göttlichen Wesens
mitgeteilt werde. Das ist eine grundlose Behauptung von Seiten solcher,
die gerne ein Lehrgebäude aufrichten möchten und das nötige Material
nicht aufzutreiben vermögen. Und diese haltlose Hypothese (Vermutung),
dass jedem Menschen bei seiner Geburt ein Stück aus Gott mitgeteilt werde,
bildet die Grundlage einer ganzen Anzahl falscher Lehren, durch welche der
göttliche Charakter - die göttliche Weisheit, Gerechtigkeit, Allmacht
und Liebe - grob geschändet wird.
Diese
Behauptung (dass ein Lebenskeim des göttlichen Wesens jedem Menschen bei
seiner Geburt mitgeteilt werde) ist es, welche die Lehre von einer Hölle
mit ewiger Qual unbedingt nötig gemacht hat. Man glaubte, wenn der Mensch
erschaffen worden wäre, wie die anderen Tiere, so würde er auch sterben,
wie alle anderen Tiere - ohne Furcht vor einer Ewigkeit in Qual. Wenn aber
Gott dem Menschen einen Keim seines eigenen Lebens eingepflanzt habe, so müsse
der Mensch ewig leben, weil Gott unsterblich sei; und deshalb sei es dem
“Allmächtigen” nicht möglich, sein Geschöpf zu zerstören, selbst
wenn ihm dessen Vernichtung erwünscht wäre. Wenn der Mensch aber unzerstörbar
ist, so muss er in alle Ewigkeit irgendwo existieren: und da die große
Mehrzahl der Menschen böse ist und nur eine “kleine Herde” heilig und
gottgefällig lebt, so ist man zu der Behauptung gelangt, dass in der
Ewigkeit die vielen Unheiligen in gleichem Verhältnis bestraft und gequält
werden, wie die wenigen Heiligen belohnt und gesegnet werden. Anderseits
wird freilich angenommen, dass es mehr im Interesse der Menschheit liegen
und mehr zur Ehre Gottes und zum Frieden und Gedeihen des ganzen Universum
gereichen würde, wenn alle Gottlosen vernichtet werden könnten. Man
behauptet aber, dass Gott wohl die Macht habe zu erschaffen, aber nicht
imstande sei, den Menschen als ein Geschöpf wieder zu vernichten, weil
ihm eben auf eine gewisse, unerklärliche Weise ein Keim göttlichen
Lebens beigebracht worden sei. Wir hoffen beweisen zu können, dass dieses
ganze Lehrgebäude lauter Trug ist und nicht nur jeglicher biblischen Stütze
entbehrt, sondern von der heiligen Schrift als ein aus den finsteren
Jahrhunderten stammendes Machwerk auf das bestimmteste widerlegt wird.
Den
Aussagen der Bibel gemäß besteht der Mensch aus zwei Elementen - aus
Leib und Geist. Aus der Vereinigung dieser Elemente entsteht die Seele,
das fühlende Wesen, die Intelligenz - der eigentliche Mensch. Der Begriff
“Leib” bezieht sich bloß auf den physischen Organismus, er kann also
weder auf die den Organismus belebende Kraft noch auch auf das aus dieser
Belebung entstehende fühlende Wesen angewendet werden. Ein Leib ist nicht
ein Mensch, trotzdem es ohne den Leib keinen Menschen geben könnte.
Gleicherweise ist auch der Geist des Lebens nicht der Mensch, obwohl ein
Mensch ohne diesen Geist des Lebens nicht existieren könnte. Das in den
alttestamentlichen Schriften vorkommende Wort “Geist” ist eine Übersetzung
des hebräischen Wortes “Ruach”, das in erster Linie Odem bedeutet;
darum begegnen wir ziemlich oft dem Ausdruck “Odem des Lebens” oder
“Geist des Lebens”, weil der einmal eingepflanzte Lebenskeim durch die
Atmung erhalten bleibt.
Der
Ausdruck “Geist des Lebens” bedeutet jedoch mehr als nur Odem; er
bezieht sich auf den eigentlichen Lebenskeim, ohne welchen der Odem gar
nicht denkbar wäre. Diesen Lebenskeim empfangen wir von unseren Vätern,
während derselbe durch unsere Mütter ernährt und entwickelt wird. (siehe Studie 4) Es
ist ganz falsch, zu glauben, dass der Keim des menschlichen Lebens auf
eine wunderbare Weise mitgeteilt werde - anders als der Lebenskeim der
niedrigeren Kreaturen. Die untergeordneten Geschöpfe wie Pferde, Hunde 2c
werden von den Eltern ihrer Art auf ganz gleiche Weise gezeugt und geboren
wie die Menschenkinder; und es gibt in der Bibel keine einzige Stelle, die
dieser Tatsache widersprechen würde. Es ist rein menschliche, zur Unterstützung
falscher Lehren bestimmte Erfindung, wenn behauptet wird, dass bei der
Geburt eines menschlichen Wesens eine göttliche Dazwischenkunft
stattfinde. Dass Gott der direkte Schöpfer jedes in die Welt geborenen
Menschenkindes sei, ist eine dem gesamten Schriftzeugnis scharf
zuwiderlaufende Vermutung, denn in diesem Fall wäre ja Gott selbst der
Urheber der Sünde, der Unordnung und Unvollkommenheit, während die Bibel
erklärt: “Vollkommen ist sein Tun” (5. Mose 32:4). Nein, nein, die
geistig, körperlich und sittlich Gefallenen sind keine Erzeugnisse aus
Gottes Hand. Sie sind weit entfernt und tief gefallen von dem Zustand
ihrer vollkommenen Stammeltern, Adam und Eva, für deren Erschaffung
allein Gott die Verantwortlichkeit trägt. Die, welche behaupten, dass
Gott jedes menschliche Wesen direkt erschaffe, machen dadurch den Schöpfer
für alle in der Welt existierende Geistesschwäche und Dummheit, für
allen Irrsinn und Blödsinn verantwortlich. Aber die Wissenschaft sowohl
wie die heilige Schrift erklärt einstimmig, dass die Kinder die Laster
und Tugenden, die Schwächen und Talente von ihren Eltern ererben. So erklärt
der Apostel mit größter Bestimmtheit: “Durch einen Menschen ist die Sünde
in die Welt gekommen und durch die Sünde (als Folge der Sünde) der Tod:
und also ist der Tod auf alle Menschen durchgedrungen, weil sie alle (durch
Vererbung) gesündigt haben.” Der Prophet bezieht sich auf ganz dieselbe
Tatsache, wenn er fragt: “Die Väter haben Herlinge (Sünde) gegessen,
und die Zähne der Söhne sind stumpf geworden“ - sie sind alle
ausgeartet. - Röm. 5:12; Jer. 31:29, 30; Hes. 18:2
Aber,
möchte jemand hier einwenden, wäre es denn nicht möglich, dass Gott
einen Keim seiner unsterblichen Gottheit unseren ersten Eltern
eingepflanzt hätte, und dass dieser Keim dann unwillkürlich auf ihre
Nachkommen übergegangen wäre? Lasst uns das diesbezügliche
Schriftzeugnis untersuchen, dabei nicht vergessend, dass es über diesen
Punkt sonst gar keine Offenbarung gibt als die biblische, jedermann verständliche
Schilderung. Wir können folglich daraus weit mehr vernehmen, als irgend
jemand anders über diesen Punkt zu wissen vermag. Was finden wir in der
Schöpfungsgeschichte? Wir finden in der Tat, dass die Schöpfung des
Menschen ganz besonders erwähnt wird, während die der niedrigeren Wesen
nicht so ausführlich beschrieben ist. Wir bemerken aber auch, dass all
die Zeugnisse in höchst einfache und deutliche Sprache gekleidet sind und
nicht im geringsten der Vermutung Raum lassen, dass dem Menschen irgend
ein übernatürlicher Lebenskeim mitgeteilt worden sei. Wenn der Mensch
der übrigen Kreatur auch sehr überlegen ist, so besteht (dem Zeugnis der
Schrift gemäß) sein Vorrang dennoch nicht in einer vornehmeren Art von
Odem oder Lebensgeist, sondern in seiner edleren Körpergestalt, seinem
feineren Organismus, und hauptsächlich auch im Besitz eines viel besser
entwickelten Gehirns, das ihn zu einer Denkkraft befähigt, welche die
Intelligenz der untergeordneten Tiere bei weitem übersteigt. Kurz, wir
finden in der Bibel, dass der Mensch in dieser Hinsicht als ein irdisches,
fleischliches Ebenbild seines Schöpfers erschaffen wurde, welcher ein
Geistwesen ist. Joh. 4:24
Der
Geist des Menschen
Wie
wir schon früher gesehen, stammt das in unseren gewöhnlichen Übersetzungen
vorkommende Wort “Geist” vom hebräischen Ruach und dem griechischen
Pneuma. Wollen wir also vom Worte “Geist” in der Bibel einen richtigen
Begriff erhalten, so dürfen wir nie vergessen, welche Bedeutung den ursprünglichen
Worten zu Grunde liegt. Wie wir gefunden haben, bedeutet “Geist” in
erster Linie Wind, das gleiche Wort kann aber auch in Bezug auf irgend
eine unsichtbare Kraft gebraucht werden. Wird es in Verbindung mit Gott
gebraucht, so will es uns sagen, dass er mächtig aber unsichtbar ist, und
wenn es sich auf den Einfluss und das Wirken Gottes bezieht, so bedeutet
es, dass dieses Wirken von einer unsichtbaren Kraft stammt. Das Wort
“Geist” bedeutet auch öfters Verstand, weil diese Kraft weder
sichtbar noch greifbar ist; so sind auch Worte unsichtbar und manchmal
doch recht mächtig, und das alles durchdringende Leben ist gleich der
Elektrizität eine gänzlich unsichtbare Kraft. Darum finden wir das Wort
“Geist” auf all diese verschiedenen Dinge angewendet. So spricht die
Bibel von dem Geist unseres Verstandes als von der unsichtbaren Kraft des
Verstandes; vom Geist des Menschen - dem Willen und den geistigen Kräften
eines Menschen; vom Geist des Lebens - der Kraft des Lebens, welche unsere
Leiber und die ganze Schöpfung bewegt; vom Geist Gottes als von der Kraft
oder dem Einfluss, welchen Gott bald auf leblose, bald auf lebendige
Gegenstände ausübt. Wir lesen vom Geist der Weisheit und verstehen
darunter einen weisen Sinn; vom Geist der Liebe und erkennen darin eine
von Liebe durchdrungene Gesinnung. Der “Geist der Bosheit” bezeichnet
einen von Bosheit durchwirkten Sinn; der “Geist der Wahrheit” bezieht
sich auf den Einfluss und die Kraft, welche von der Wahrheit ausgehen in
gleicher Weise wie “der Geist der Welt” sich auf die Kraft und den
Einfluss beziehen, welche die Welt ausübt. Wir sehen also aus all diesen
Beispielen, dass sich das Wort „Geist” wie schon gesagt, auf irgend
eine unsichtbare Kraft oder einen Einfluss beziehen kann. Im Einklang mit
dieser Tatsache stellt die Bibel himmlische Wesen als Geistwesen, d.h. als
unsichtbare, mit Kraft und Intelligenz ausgerüstete Wesen dar; das
bezieht sich aber nicht auf Gott den Vater, allein, von welchem unser Herr
Jesus erklärte, “Gott ist ein Geist”, sondern auch auf unseren Herrn
Jesum selbst, sowie auf die Engel und alle Glieder des Leibes Christi,
indem jedem Überwinder bei der Ersten Auferstehung ein “geistiger
Leib” zu teil werden soll; auch Satan und seine Engel werden in der
Schrift als Geistwesen bezeichnet, indem auch sie unsichtbare und doch mächtige
Wesen sind.
„Geist”
und „neue Kreatur” im Neuen Testament
Wenn
wir den Gebrauch des Wortes “Geist” in Verbindung mit dem Menschen
einer sorgfältigen Betrachtung unterziehen, so werden wir gewahr, dass
1.
im Neuen Testament die Worte “Geist” und “geistig” sich sehr oft
auf (a) den Willen, insbesondere den neuen Willen der durch das Wort und
den Geist Gottes gezeugten “Heiligen” beziehen. Die “neuen
Kreaturen” sind berufen, ihre menschliche Natur daranzugeben, damit sie
die geistige erlangen, und wenn sie treu bleiben, so sollen sie der göttlichen
Verheißung gemäß in der Ersten Auferstehung -
b) „geistige Leiber” empfangen, ähnlich dem
Auferstehungsleib Christi und dem herrlichen Leib des Himmlischen Vaters.
Diese Hoffnung und Verheißung der Kirche wird als
c)
die geistige und himmlische bezeichnet, im Gegensatz zu den Verheißungen,
welche die allgemeine Menschheit im Millennium ererben wird. “Geist”
wird auch -
d)
zur Bezeichnung von Engeln gebraucht, welche von Natur geistige, nicht
fleischliche Wesen sind. Überall aber, wo die Worte „Geist” und
„geistig” vorkommen, deuten sie in erster Linie die Unsichtbarkeit des
betreffenden Wesens oder Gegenstandes an, was wir hier mit einigen
geeigneten Schriftstellen noch illustrieren möchten:
a)
„Paulus setzte sich vor in seinem Geiste (Pneuma, Willen, Sinn) . nach
Jerusalem zu reisen.” - Apg. 19:21
a)
„Paulus Geist (Pneuma, Gesinnung, Gefühle) wurde erregt, da er die
Stadt voll von Götzenbildern sah.” - Apg. 17:16
a)
„Denn Gott ist mein Zeuge, welchem ich diene in meinem Geiste (Pneuma,
meiner neuen Gesinnung, meinem neuen Herzen, meinem neuen Willen) in dem
Evangelium seines Sohnes.” Röm. 1:9
a)
„Ein sanfter und stiller Geist (Pneuma, Gesinnung).” - 1. Petr. 3:4
Siehe
auch Apg. 18:5, 25; 1. Kor. 5:3; 6:20, wo dem Worte „Geist” stets die
Bedeutung von Wille, Sinn oder Gesinnung zu Grunde liegt.
b)
„Es wird gesät ein natürlicher Leib, es wird auferweckt ein geistiger
(pneumatikos) Leib. Wenn es einen natürlichen Leib gibt, so gibt es auch
einen geistigen (pneumatikos) Leib ... Aber das Geistige (pneumatikos) war
nicht zuerst, sondern das Natürliche, darnach das Geistige
(pneumatikos).” - 1. Kor. 15:44, 46
c)
„Die Gesinnung des Geistes (Pneuma - eine vom göttlichen Geist oder
Willen geleitete Gesinnung besitzen) ist Leben und Frieden.” - Röm. 8:6
c)
„Der Gott und Vater unseres Herrn Jesu Christi hat uns gesegnet mit
jeder geistigen Segnung (pneumatikos - Segnungen geistiger, unsichtbarer
Art) in himmlischen Örtern in Christo.” - Eph. 1:3
c)
„Ihr seid aufgebaut, ein geistliches Haus (pneumatikos - eine Familie,
eine Haushaltung geistiger Art oder Ordnung)”. - 1. Petr. 2:5
d)
„Eine gewisse Magd, die einen Geist (Pneuma - eine unsichtbare Kraft)
des Wahrsagen besaß” - durch Gemeinschaft mit gefallenen Geistwesen. -
Apg. 16:16
d)
„Paulus .. wandte sich um und sprach zu dem Geiste (Pneuma - dem bösen
Geistwesen, von dem das Weib besessen war): Ich gebiete dir ...
auszufahren.” - Apg. 16:18
d)
Ähnliche Stellen, wo für das Wort “Geist” (Geistwesen oder Engel) im
Griechischen Pneuma steht, sind auch Apg. 19:12, 13, 15; 23:8, 9 und
andere mehr.
Im
Alten Testament wird das Wort „Geist”
2.
besonders auf die Menschheit im allgemeinen angewendet, aber immer mit
Bezug entweder auf (e) den Geist des Lebens, den Lebenskeim, welchen Gott
ursprünglich dem Adam schenkte, und der sich seither (durch Vererbung)
auf dessen ganze Nachkommenschaft fortpflanzte - eine unsichtbare Kraft
oder Eigenschaft, oder aber (f) auf den Geist des Verstandes, den Willen,
der ebenfalls eine unsichtbare, die verschiedenen Taten des Lebens
beherrschende Kraft ist.
Ruach,
Pneuma - eine belebende Kraft
Wo
von der Schöpfung des Menschen die Rede ist, bedeutet der Geist des
Lebens nichts anderes als Odem des Lebens, und dass dieser selbe Geist des
Lebens nicht bloß dem Menschen, sondern allen Kreaturen Gottes innewohnt,
wird uns von der heiligen Schrift genügend verbürgt. Von den vielen
einschlägigen Stellen seien hier nur einige angeführt.
e)
“Alles Fleisch, in welchem ein Hauch des Lebens ist (Ruach - der
Lebenskeim oder Odem alles Fleisches).” - 1: Mose 6:17; 7:15
e)
“Alles, in dessen Nase ein Odem des Lebenshauches war (Ruach - der Geist
oder die Kraft des Lebens).” - 1. Mose 7:22
e)
“Und der Geist Jakobs, ihres Vaters lebte auf (Ruach - die Lebenskräfte
Jakobs erwachten wieder).” - 1. Mose 45:27
e)
“Und Simson trank und sein Geist (Ruach) kehrte zurück, und er lebte
wieder auf (seine Kräfte, seine Energie, kamen wieder zurück).” -
Richter 15:19
e)
“In dessen Hand .. der Geist (Ruach) alles menschlichen Fleisches ist
(der Geist des Lebens aller Menschen ist der göttlichen Macht
unterworfen).” - Hiob 12:10
e)
“Gott, du Gott der Geister (Ruach - Lebenskraft, Geist des Lebens) alles
Fleisches! Der eine Mann sündigt und du solltest über die ganze Gemeinde
zürnen?” - 4. Mose 16:22
Die
Lehre, dass der Unterschied zwischen Mensch und Tier in einem
verschiedenartigen Lebensgeist oder Odem bestehe und beim Tod der Geist
des ersteren aufwärts und derjenige des letzteren abwärts fahre, scheint
unter den Philosophen schon sehr alt zu sein, darum hören wir denn auch
Salomo, den Weisen, fragen:
e)
“Wer weiß (wer kann beweisen) von dem Odem der Menschenkinder, ob er
aufwärts fährt, und von dem Odem der Tiere, ob er niederwärts zur Erde
hinabfährt?” (Pred. 3:19-20) Wie Salomo diesen Gegenstand betrachtete,
erfahren wir aus der gleichen Stelle (Vers 19), indem er sagt:
e)
“Denn was das Geschick (den Tod) der Menschenkinder und das Geschick der
Tiere betrifft, so haben sie einerlei Geschick: wie diese sterben, so
sterben jene, und einen Odem (Ruach - Geist des Lebens, Odem des Lebens)
haben sie alle; und da ist kein Vorzug des Menschen vor dem Tier.” Wenn
in dieser Hinsicht (in der Art des Lebensgeistes) der Mensch vor dem Tier
also keinen Vorrang besitzt, so muss derselbe anderswo zu suchen und auch
zu finden sein, wie wir später sehen werden.
e)
“In deine Hand befehle ich meinen Geist (Ruach - Geist des Lebens oder
der Lebenskraft).” - Psalm 31:5
Das
war eine prophetische Äußerung der Worte unseres sterbenden Heilandes.
Er hatte den Geist des Lebens vom Vater als eine Gabe empfangen: er war,
im Gehorsam gegen den göttlichen Plan, Mensch geworden, um die Menschheit
zu erlösen: und als er seinen Lebensgeist oder seine Lebenskraft aufgab,
bezeugte er mit den erwähnten Worten sein festes Vertrauen in die Verheißung
Gottes, der ihm den Geist des Lebens durch eine Auferstehung wiedergeben
wollte.
Die
Menschheit hat den Geist des Lebens von Gott, dem Urquell alles Lebens,
erhalten, durch Vater Adam. Adam verwirkte aber durch Ungehorsam sein
Recht auf den Geist des Lebens oder die Lebenskraft, welche er dann allmählich
verlor, indem er während 930 Jahren langsam dahinstarb. Bei seinem Tode
wurde der Leib wieder zu Staub, wovon er bei der Schöpfung genommen
wurde, und der Geist des Lebens, das Recht zu leben, die Kraft oder
Erlaubnis zum Leben, kehrte zu Gott zurück, der ihm dieses Vorrecht,
diese Kraft, gegeben hatte: gerade wie jedes auf gewissen Bedingungen
beruhende Vorrecht oder Geschenk auf den Geber zurückgeht, sobald diesen
Bedingungen nicht nachgelebt wird (Pred. 12:7). Diese Stelle sagt nichts
von einem Zurück-“Fliegen” oder “Schweben” zu Gott (wie man
daraus zu schließen geneigt ist), denn der Geist des Lebens ist keine
“Intelligenz”, keine Person, sondern einfach eine Kraft, ein Vorrecht,
das verwirkt worden und deshalb an den ursprünglichen Geber zurück geht.
Der begangenen Sünden wegen hat der Mensch also keine Lebensrechte mehr:
dieselben gehen an Gott zurück, sein Fleisch kehrt sich wieder in Staub -
das heißt klar und deutlich: Der Mensch verfällt genau demselben Zustand
in dem er vor der Schöpfung gewesen.
Aber
gleichwie unser Herr Jesus, gemäß der göttlichen Verheißung, bestimmt
auf eine Rückkehr seines “Lebensgeistes” oder seiner Lebenskräfte
und -Rechte hoffen konnte, so sind, Kraft des Versöhnungsopfers unseres
Herrn, für die ganze Menschheit gewisse Hoffnungen und Verheißungen eröffnet
worden, durch “Jesum, den Mittler des Neuen Bundes” (Hebr. 12:24). Die
Gläubigen sind deshalb nicht “betrübt, wie die anderen, die keine
Hoffnungen haben.” Unser Erlöser hat den Lebensgeist oder die
Lebenskraft, welche Vater Adam für sich und sein ganzes Geschlecht
verwirkte, zurückgekauft, und darum können nun Gläubige ihren Geist,
ihre Lebenskraft (und durch eine Erkenntnis des göttlichen Planes auch
denjenigen anderer) in Gottes Hand befehlen, wie unser Herr und wie
Stephenus es getan, voll Glaubens an eine sichere Auferstehung.
Auferstehung wird für die Welt eine Wiederherstellung des menschlichen Körpers
bedeuten und dessen Erweckung oder Belebung mit Energie, dem Lebensgeist
(hebr.: Ruach, griech.: Pneuma). Für die Evangeliums-Kirche, die
Teilhaber der Ersten Auferstehung bedeutet sie die Einpflanzung des
Lebensgeistes, oder von Lebensenergie in einem geistigen Körper. - 1.
Kor. 15:42-45
In
jenem wunderbaren Bilde irdischer Auferstehung, das der Prophet Hesekiel
uns vor Augen malt, ist das Verhältnis zwischen dem Körper und dem Geist
des Lebens, dem “Odem”, sehr deutlich dargestellt, und wenn der
Prophet das Bild auch bloß als ein Symbol gebraucht, so finden wir darin
dennoch trefflich nachgewiesen, dass ein menschlicher Organismus kein
Leben besitzen kann, bis er den Ruach empfängt, den Odem des Lebens, der,
wie wir anderweitig gezeigt haben, auch allen Tieren gemein und zum Leben
unbedingt nötig ist. Lasst uns Hesekiels Beschreibung einmal genau
untersuchen:
e)
“Siehe, ich bringe Odem (Ruach, Geist des Lebens) in euch, dass ihr
lebendig werdet.
e)
“Und ich werde ... Fleisch über euch wachsen lassen und euch mit Haut
überziehen, und Odem (Ruach, Geist des Lebens, Lebensenergie) in euch
legen, dass ihr lebendig werdet.”
e)
“Und ich sah, und siehe, Sehnen kamen über sie, und Fleisch wuchs, und
Haut zog sich darüber oben her; aber es war kein Odem (Ruach,
Lebensgeist, Lebenskraft) in ihnen.”
e)
“Und er sprach zu mir: Weissage dem Odem (Ruach, Geist des Lebens) und
sprich zu dem Odem (Ruach): So spricht der Herr, Jehova: Komme von den
vier Winden (Ruach) her, du Odem (Ruach, Odem oder Geist des Lebens) und
hauche diese Getöteten an, dass sie lebendig werden.” (Bis der Odem sie
anhaucht, sind es also noch “Getötete”).
e)
“Und ich weissagte, wie er mir geboten hatte: und der Odem (Ruach, Geist
des Lebens, Odem des Lebens, Lebensenergie) kam in sie, und sie wurden
lebendig.”
e)
“Und ihr werdet wissen, dass ich Jehova bin, wenn ich eure Gräber öffne
und euch aus euren Gräbern heraufkommen lasse, mein Volk. Und ich werde
meinen Geist (Ruach, Geist des Lebens, Odem des Lebens) in euch geben,
dass ihr lebt.”
Wäre
Adam gehorsam geblieben, so hätte er das Recht gehabt, den von seinem Schöpfer
empfangenen Geist des Lebens oder die Kraft des Lebens für immer zu
behalten. Er verwirkte aber dieses Recht durch Ungehorsam, und das Recht
zu leben ging an den großen Geber zurück. Weder als Person noch als
Sache, sondern als ein Recht oder Privileg kehrt der Geist des Lebens zu
Gott zurück, welcher dieses Recht oder Privileg verschenkt hatte - unter
gewissen Bedingungen, die vom Empfänger verletzt wurden. - Pred. 12:7
e)
“Kein Mensch hat Macht über den Wind (Ruach, Geist des Lebens,
Lebenskeim), den Wind (Ruach, Geist oder Odem des Lebens) zurückzuhalten.”
- Pred. 8:8
Durch
Gottes Gnade sind alle jene Lebensrechte oder Privilegien, welche die
Menschen bei ihrem Tod Gott zurückerstatten müssen, durch das teure Blut
zurück erkauft worden, und der Käufer wird nun im Evangelium als der
neue Leben - Geber proklamiert, als der Wiederhersteller oder Vater des
Menschengeschlechtes, welcher allen volles Leben schenken wird, die ihn
schließlich annehmen.
Vom
Neuen Testament führen wir bloß ein Beispiel an:
e)
“Der Leib ohne Geist (Pneuma - Lebenskeim, Odem des Lebens) ist tot.”
- Jak. 2:26
Ruach,
Pneuma - der Verstand, der Wille
Da
der Verstand oder Wille auch eine unsichtbare Kraft ist, so wird derselbe
in beiden, der griechischen und hebräischen Sprache mit den gleichen Wörtern
bezeichnet, wie wir aus den folgenden Beispielen ersehen können:
f)
“Und Hannah antwortete und sprach: Nein, mein Herr! ich bin ein Weib
beschwerten Geistes (Ruach - Gemüt, Stimmung, Verstand).” - 1. Sam.
1:15
f)
“Der Tor lässt seinen ganzen Unmut (Ruach - Pläne, Absichten,
Verstand) herausfahren.” - Spr. 29:11
f)
“Mein Geist (Ruach, Mut, Verstand) ermattete.” - Psalm 77:3
f)
“Mein Geist (Ruach, Verstand) forschte.” - Psalm 77:6
f)
“Wer
aber treuen Geistes ist (Ruach, Gesinnung).” - Spr. 11:13
f)
“Alle Wege eines Mannes sind rein in seinen Augen, aber Jehova wägt die
Geister (Ruach, Gedanken, Absicht, Willen).” - Spr. 16:2
f)
“Hoffart geht dem Sturz und hoher Mut (Ruach, Gesinnung, Wille) dem Fall
voraus.” - Spr. 16:18
f)
“Besser, niedrigen Geistes (Ruach, Gesinnung, Gemüt) sein.” - Spr.
16:19
f)
“Vorschnell in deinem Geiste (Ruach, Willen, Stimmung).” - Pred. 7:8,
9
Beachten
wir auch einige Beispiele vom Neuen Testament:
f)
“Das Kindlein wuchs und ward stark (gut entwickelt) im Geist (Pneuma,
Verstand, Charakter).” - Luk. 1:80
f)
“Im Fleiße nicht säumig; inbrünstig im Geist (Pneuma, Gesinnung,
Charakter).” - Röm. 12:11
f)
Wir haben nicht den Geist (Pneuma, Neigung, Sinn) der Welt empfangen.”
1. Kor. 2:12
f)
“Ich hatte keine Ruhe in meinem Geiste (Pneuma, Gesinnung).” - 2. Kor.
2:13
f)
“Werdet erneuert in dem Geiste (Pneuma, Charakter, Neigung) eurer
Gesinnung.” - Eph. 4:23
f)
“In dem Schmuck des sanften und stillen Geistes (Pneuma, Gesinnung).”
- 1. Petr. 3:4
Wir
sehen aus der biblischen Anwendung dieser Wörter, dass das Wort Geist
unserer deutschen Sprache deren Bedeutung sehr gut wiedergibt, denn wir
reden nicht nur vom Geist des Lebens, sondern auch von einem guten oder
sanften Geist, von einem bösen, aufgebrachten oder von einem bitteren
Geist und von einem feurigen Geist, und wir bedienen uns dieser Ausdrücke
sowohl in Bezug auf die Tiere als auch auf den Menschen. Die Tatsache, die
wir beweisen wollen, ist somit hinlänglich erklärt, nämlich, dass der
Geist nicht der eigentliche Mensch und auch nicht ein anderer Mensch ist,
sondern dass dieses Wort, wo es sich auf die Schöpfung des Menschen
bezieht, einfach den Lebenskeim, oder die Lebenskraft bezeichnet, welche
er mit allen Tieren gemein hat.
Neschamah
- der Odem des Lebens
Trotzdem
das Wort Ruach ziemlich häufig mit “Odem” übersetzt wird, so hatten
die Hebräer doch noch ein anderes, besonderes Wort für Odem, nämlich
Neschamah, das im Alten Testament 26 Mal vorkommt und auch meistens mit
Odem übersetzt wird. Als Beispiele von der Bedeutung dieses Wortes und
als Beweis dafür, dass dasselbe bloß Lebenskraft und niemals ewiges
Leben oder Unsterblichkeit bedeutet, mögen folgende Stellen dienen:
“Und
Jehova Gott bildete den Menschen, Staub von der Erde, und hauchte in seine
Nase Odem (Neschamah) des Lebens (Chajah).” - 1. Mose 2:7
Und
es verschied alles Fleisch, das sich regt auf der Erde, an Gevögel, an
Vieh, an Getieren und an allem Gewimmel, das auf der Erde wimmelt, und
alle Menschen; alles, in dessen Nase ein Odem (Neschamah) des
Lebenshauches (Chajah) war, von allem das auf dem Trockenen war, starb.”
- 1. Mose 7:21, 22
Schon
diese beiden Schriftstellen, in denen das Wort Neschamah zuerst vorkommt,
beweisen die Richtigkeit unserer Behauptung aufs deutlichste: dass das
Wort nicht den geringsten Bezug auf Unsterblichkeit oder auf irgend einen
unsterblichen “Urstoff” hat, sondern ganz einfach Lebensfähigkeit
oder Lebenskraft bezeichnet. Diese Lebenskraft ist, gemäß dem Zeugnis
der ersten Stelle, dem Adam verliehen, worden, und aus der zweiten Stelle
geht unstreitig hervor, dass dieselbe Lebenskraft ebenso wohl auch in
allen auf dem Trockenen lebenden Tieren vorhanden war: in allem Getier, Vögeln
und Gewimmel und in allen Menschen, und so kann es uns denn nicht wundern,
wenn auch alle diese “Seelen” oder lebenden Wesen dem gleichen
Schicksal verfielen, als sie durch das steigende Wasser ihres Odems
beraubt wurden: - Alle (Menschen und Vieh) starben; und sie starben alle
desselben Todes, mit der Ausnahme jedoch, dass die göttliche Vorsehung für
den Menschen ein Sühnopfer bestimmt hatte, Kraft dessen er “zu seiner
Zeit” durch eine Auferstehung des Wesens oder der Seele aus der Gewalt
des Todes befreit werden soll.
Eine
menschliche Seele
Beim
Betrachten der Schöpfungsgeschichte in 1. Mose haben wohl manche bemerkt,
dass, nachdem Gott den Menschen aus dem Staube der Erde gebildet und ihm
den Lebensodem mitgeteilt hatte, es heißt: “Und der Mensch wurde zu
einer lebendigen Seele.” Will der gewöhnliche Leser nun dieses Zeugnis
mit seinem falschen Begriff von der Bedeutung des Wortes Seele (den ihm
solche beibrachten, die ihn richtig hätten unterweisen sollen) in
Verbindung bringen, so fängt gleich die Verwirrung an, und er sieht sich
veranlasst zu glauben, dass es für den vorherrschenden Irrtum irgend eine
Grundlage geben müsse, die ihm selbst freilich unbegreiflich, die aber,
nach seiner Vermutung, von den erwählten Lehrern der Theologie gründlich
erforscht und klargelegt worden sei.
Von
denen, welche die Bedeutung des Wortes Seele nicht verstehen, nehmen sich
viele die Freiheit, dieses Wort ganz rücksichtslos zu gebrauchen und
infolgedessen auch diesbezügliche Schriftaussagen zu verdrehen; statt der
Bibel zu glauben, dass der Mensch eine lebendige Seele ist, behaupten sie
ganz dreist und kühn: Der Mensch hat eine lebendige Seele; was doch
wahrlich nicht einerlei ist! Möchte deshalb jeder Wahrheitsforscher
seinen Geist so viel als möglich von allen Vorurteilen befreien und
besonders von solchen, die sich auf Dinge und Angelegenheiten beziehen,
die er zugestandenermaßen selbst nicht begreift, denn leicht ist man
geneigt, Eigenschaften und Kräfte solchen Dingen zuzuschreiben, die einem
geheimnisvoll und unbegreiflich erscheinen. Und so ist man allgemein zum
Glauben gelangt, die Seele sei überaus intelligent, mit wunderbaren Kräften
ausgerüstet, dazu noch unverwüstlich, unantastbar, ein unbegreifliches
Wesen.
Ein
Methodisten-Bischof soll von der Seele einmal folgende Schilderung veröffentlicht
haben: “Sie ist ohne Inneres, ohne Äußeres, hat weder Körper, Gestalt
noch Bestandteile, und eine Million könnte man in eine Nussschale tun.”
Diese Schilderung entspricht den sogenannt orthodoxen Theorien gewiss sehr
gut, so absurd sie bei näherer Betrachtung auch erscheinen mag. Den
Lehren der Orthodoxie zufolge wäre die Seele das eigentliche Wesen, ein göttlicher
Lebenskeim mit göttlichen Eigenschaften und Intelligenz ausgerüstet, vom
Körper unabhängig; denselben nur für eine gewisse Zeit bewohnend, indem
sie sich desselben als Haus bediene, das sie wieder verlassen könne, wenn
es baufällig werde. Da aber bisher kein Mensch je eine Seele in einen
Leib einziehen sah, und dieselbe während ihrem “Wohnen” im Körper
sich trotz der genauesten Untersuchung mit den besten Mikroskopen, ja
selbst mit Röntgen Strahlen absolut nicht finden lässt, so ist man
einfach auf die Vermutung geraten, dass sie ohne Körper, ohne Gestalt und
ohne Bestandteile sein müsse, und wenn sie zu all dem, wie man vermutet,
auch noch so klein ist, dass sie selbst mit einem Mikroskop nicht
unterschieden werden kann, so dürfe man dreist behaupten, dass in einer
Nussschale 50 Millionen solcher “Wesen” eben sowohl Raum fänden wie 1
Million, und dass dann immer noch Platz übrig bliebe! Ja wahrlich, eine
bessere Umschreibung von einem “Nichts” hätte der Bischof unmöglich
geben können.
Aber,
möchten wir fragen, wo liegt denn der Grund, die Ursache, zu solch
ausschweifenden Vermutungen? Wir brauchen nicht lang zu forschen, so
entdecken wir, dass sie das Resultat menschlicher Grübeleien sind. Die
klugen Menschen haben sich bezüglich des zukünftigen Lebens ihre eigenen
Ansichten gebildet, um damit die einschlägigen Bibelzeugnisse, den göttlichen
Plan, zu verwerfen. Menschliche Lehre hält ein zukünftiges Leben für
unmöglich, wenn nicht ein bestimmtes Etwas, das nie sterben kann, schon
vorhanden sei. Gottes Wort aber sagt, dass derselbe Gott, der im Anfang
den Menschen erschuf, sehr wohl imstande sei, auch Tote wieder zu beleben.
Hier haben wir die zwei Gegensätze zwischen dem Wort Gottes einerseits
und all den Menschenlehren (zivilisierter sowohl als auch barbarischer Völker)
andererseits. Die letzteren stimmen alle miteinander dahin überein, dass
der Mensch nicht sterbe und deshalb weder eines Lebensgebers noch einer
Auferstehung bedürfe. Die Bibel lehrt uns dagegen: Der Mensch stirbt, und
ohne einen Lebensgeber, ohne eine Auferstehung würde mit dem Tode
wirklich alles aufhören und ein zukünftiges Leben unmöglich sein.
Die
Welt bezweckt lediglich die Verteidigung ihrer eigenen Theorie, wenn sie
in all ihren religiösen Büchern (und hier müssen wir leider auch die
meisten über diese Gegenstände handelnden, von bekennenden Christen
verfassten Werke einschließen) die Unsterblichkeit der Seele behauptet -
dass im Menschen eine Seele wohne, die ein vom Körper unabhängiges Leben
besitze und unsterblich, unzerstörbar und deshalb für eine Ewigkeit in
Schmerz oder Wonne bestimmt sei. Wir sehen uns somit veranlasst zu fragen:
Was
ist die Seele?
Wenn
wir diese Frage vom biblischen Standpunkt aus untersuchen, so finden wir,
dass der Mensch einen Leib hat und einen Geist hat, aber eine Seele ist,
und hiermit stimmt auch das Zeugnis der Wissenschaft überein. Das in der
Schrift vorkommende Wort “Seele” bedeutet empfindungsfähiges Wesen,
oder ein mit Sinneskräften, mit Empfindungsvermögen begabtes Wesen. So
lasst uns denn ohne Vorurteil die Geschichte von der Schöpfung des
Menschen nochmals näher betrachten und uns merken, dass aufs erste ein
Organismus oder Körper gebildet wurde, und dass zweitens der Geist des
Lebens, auch Odem des Lebens genannt, diesem Körper mitgeteilt wurde,
woraus dann drittens als Ergebnis eine lebendige Seele entstand. Dies ist
doch sicher sehr einfach und leichtverständlich. Wir sehen daraus, dass
der Leib nicht die Seele ist und auch der Lebensodem nicht, sondern dass
erst nach der Vereinigung dieser beiden Teile durch den Schöpfer ein
lebendiger Mensch hervorging - eine lebende, mit Empfindungsvermögen
ausgerüstete Seele. In der ganzen Schilderung finden wir gar nichts
Geheimnisvolles, auch keine Andeutung, dass dem Menschen ein göttlicher
Lebensfunke eingepflanzt worden wäre, was dann seinen Vorrang über die
niedrigeren Tiere bedingt hätte. Und wenn wirklich auch die Schöpfung
der niedrigeren Tiere nicht besonders ausführlich beschrieben ist, so
wissen wir dennoch, dass der Erschaffungsprozess bei den letzteren
ziemlich der gleiche gewesen sein muss, wie beim Menschen. Wir wissen doch
wohl, dass z.B. kein Hund bestehen könnte, ohne einen hündischen
Organismus oder Leib einerseits und den diesen Körper belebenden Geist
oder Odem des Lebens andererseits. Ein nie lebendig gewesener Körper
eines Hundes wäre kein Hund; erst muss dieser Körper mit dem Lebenskeim
oder Odem des Lebens erfüllt sein, dann entsteht daraus ein wirklicher
Hund, und ganz dasselbe könnte man von den übrigen Tieren sagen.
In
völliger Übereinstimmung mit dem Gesagten möchten wir nun auf eine
Tatsache aufmerksam machen, die vielleicht manchen Leser überraschen
wird: dass nämlich laut der heiligen Schrift jeder Hund, jedes Pferd,
jede Kuh, sämtliche Vögel und alle Fische - lebendige Seelen sind! Das
will sagen, es sind alle sich selbst bewusste, mit Empfindungsorganen
begabte Wesen. Dieselben stehen freilich nicht alle auf gleicher hoher
Stufe, aber das Wort “Seele” bezieht sich mit biblisch begründetem
Recht sowohl auf die niedrigeren Geschöpfe als auch auf das höchste und
edelste, den Menschen - also auf Fische, Reptilien, Vögel, Säugetiere
und auf Menschen. Das sind alles Seelen. Beachte wohl, wir sagen nicht,
dass diese alle eine Seele haben, im gewöhnlichen oder falschen Sinn
dieses Wortes, und doch hat jedes dieser Geschöpfe Seele, im Sinne von
Leben, Bestand haben - sie sind lebendige Seelen, und das wollen wir
beweisen.
In
1. Mose, im ersten, zweiten und neunten Kapitel des hebräischen Urtextes
werden die Worte “lebendig Seele” neunmal in Bezug auf die niedrigeren
Tiere gebraucht; aber um die allgemein verbreitet, jedoch grundfalsche
Seelenlehre, die der heidnische Prophet Platon ausgebrütet, möglichst
sorgfältig zu schützen, scheinen die Übersetzer und “Verbesserer”
der lutherischen Bibel versucht zu haben, vor dem gewöhnlichen Leser die
Tatsache zu verbergen, dass das Wort “Seele” sich auch auf Tiere
beziehen kann, und dass es im inspirierten Gotteswort auch wirklich auf
Menschen und Tiere angewendet wird. Warum hätten sie sonst in all diesen
neun Stellen und auch an zahlreichen anderen Orten die richtige Übersetzung
sorgfältig vermieden, indem sie sich anderer Wörter bedienten zur
Wiedergabe des gleichen hebräischen Wortes, das sie, wenn auf den
Menschen angewendet, mit “Seele” übersetzt haben? Ja, man hat so
sorgfältig aufgepasst, dass in der Luther Bibel das Wort “Seele” nur
an ganz vereinzelten Stellen in Bezug auf die niedrige Kreatur gebraucht
wird, so z.B. in 4. Mose 31:28, und hier offenbar nur weil der merkwürdigen
Satzstellung halber keine andere vernünftige Übersetzung möglich war.
Die Stelle lautet folgendermaßen:
“Und
sollst dem Herrn heben von den Kriegsleuten, die ins Herr gezogen sind, je
von fünf Hunderten eine Seele, beides an Menschen, Rindern, Esel und
Schafen.”
Eine
andere Stelle, die der Aufmerksamkeit der Übersetzer wahrscheinlich
entgangen, ist Psalm 74:19: “Du sollst nicht dem Tiere geben die Seele
deiner Turteltaube.”
Hier
springt dem Leser die für Menschen und Tiere gemeinsame Anwendung des
Wortes “Seele” geradezu in die Augen; so wäre es aber auch in allen
anderen Fällen, wenn sich die Übersetzer bei der Arbeit nicht durch ihre
vorgefassten falschen Meinungen zu willkürlichen Textvergewaltigungen hätten
verleiten lassen.
Lasst
uns auch den neun Stellen in 1. Mose, wo das hebräische Wort für
“Seele” (Nephesch) in Verbindung mit den niedrigeren Tieren gebraucht
wird, etwas näher treten: (Vergleiche die Übersetzung der Elberfelder
Bibel)
“Gott
sprach: Es errege sich das Wasser mit webenden und lebendigen (Nephesch,
Seele) Tieren.” (1. Mose 1:20) Man beachte, dass dies schon in der
vierten Schöpfungsperiode geschah, also lange vor der Erschaffung des
Menschen.
“Und
Gott schuf große Walfische und allerlei Tiere (Nephesch, Seele), das da
lebt und webt und vom Wasser erregt wird” 1. Mose 1:21. Es waren dies
also Fisch-Seelen, die am fünften “Tag” und ebenfalls schon lange vor
dem Menschen entstanden.
“Und
Gott sprach: Die Erde bringe hervor lebendige Tiere (Nephesch, Seele) ein
jegliches nach seiner Art; Vieh, Gewürm und Tiere” 1. Mose 1:24. Hier
begegnen wir Landtier-Seelen, in ihrer Art schon auf höherer stufe als
die Fische; menschliche Seele oder menschliches Leben existierte aber auch
da noch nicht.
“Und
allem Tier auf Erden und allen Vögeln unter dem Himmel und allem Gewürm,
das da lebt (Nephesch, Seele), dass sie allerlei grün Kraut essen” 1.
Mose 1:30. Hier werden die niedrigeren Kreaturen sogar von einander
unterschieden mit der ausdrücklichen Bemerkung, dass dies alles lebendige
Seelen sind.
“Denn
als Gott der Herr gemacht hatte von der Erde allerlei Tiere auf dem Felde
und allerlei Vögel unter dem Himmel, brachte er sie zu dem Menschen, ...
denn wie der Mensch allerlei lebendige Tiere (Nephesch, Seele) nennen würde,
so sollten sie heißen” (1. Mose 2:19). Hier ist eine Erklärung überflüssig,
kann doch die Tatsache nicht bezweifelt werden, dass das Wort Seele nicht
bloß auf den Menschen, sondern auf jegliche der fühlenden, empfindungsfähigen
Kreaturen, von der niedrigsten bis zur höchsten, sich bezieht,
“Alles
was sich regt und lebt das sei eure Speise; ... allein, esset das Fleisch
nicht, das noch lebt (das Fleisch mit Nephesch, Seele) in seinem Blute”
1. Mose 9:3, 4. Hier wird nicht nur erklärt, dass alle genießbaren Tiere
Seele oder Leben haben, sondern ihr Blut wird als ihr Leben, Wesen oder
ihre Seele bezeichnet, und darum ist es dem Menschen verboten, das Blut
als Speise zu genießen und dadurch den Blutdurst zu erregen.
“Siehe
ich richte mit euch (Noah) einen Bund auf, und mit eurem Samen nach euch,
und mit allem lebendigen Tier (Nephesch, Seele) bei euch, an Vögeln, an
Vieh und an allen Tieren auf Erden” 1. Mose 9:9, 10. Hier ist ein
fernerer, klarer Beweis, dass alle lebendigen Tiere ebenso wohl Seelen
sind wie der Mensch, trotzdem sie hinter ihm in Natur, Organismus 2c weit
zurückstehen.
“Und
Gott sprach: Das ist das Zeichen des Bundes, den ich gemacht habe zwischen
mir und euch und allem lebendigen Tier (Seele, Nephesch)” 1. Mose 9:12.
Auch dieses Zeugnis steht all den bereits erwähnten an Klarheit nicht
nach!
“Alsdann
will ich gedenken an meinen Bund zwischen mir und euch und allem
lebendigen Tier (Seele, Nephesch) in allerlei Fleisch” 1. Mose 9:15.
Der
gleiche Ausdruck wird auch im folgenden, 16. Vers wiederholt, und wenn der
von falscher Übersetzung herrührende Schleier einmal gelüftet ist, so
erfassen wir mit Leichtigkeit den Gedanken, den Gott uns in seinem Worte
zu verstehen geben will, und so bleibt zur Kritik der Wort Bedeutung auch
nicht der geringste Anhaltspunkt.
Es
wären natürlich auch in anderen biblischen Büchern zahlreiche ähnliche
Beispiele anzuführen; wir hoffen aber, jedem aufrichtigen Leser schon
mehr als genügend bewiesen zu haben, dass im biblischen Sprachgebrauch
der Begriff Seele eben sowohl für Tiere wie für den Menschen anwendbar
ist. Jegliche Behauptung oder Lehre, die sich auf die Idee stützt, dass
des Menschen Hoffnung auf ein zukünftiges Leben sowohl wie auch seine
jetzige Erhabenheit über die niedrigere Kreatur daher rühre, dass er
eine Seele besitze und sie nicht, ist somit grundfalsch, und wir sollten
uns verpflichtet fühlen, solchem “Machtwerk” schonungslos
entgegenzutreten, sobald wir die Tatsachen vom wahren Standpunkt göttlicher
Offenbarung erkennen.
Es
soll uns aber niemand falsch verstehen und etwa glauben, weil alle
lebendigen, sich regenden Kreaturen - von der Mücke bis zum Elefanten und
vom Frosch bis zum Walfisch - lebendige Seele sind, so müsse auch für
sie ein zukünftiges Leben bereit sein, sei es eine zukünftige
Auferstehung oder eine Verwandlung in einen geistigen Zustand. Solches zu
glauben, wäre krasser Unsinn, Verrücktheit. Milliarden lebendiger Seelen
auf den niedrigsten Tierstufen werden jede Minute geboren, während
gleichzeitig andere Milliarden sterben.
Wir
behaupten vielmehr, dass der Mensch eine Seele oder ein Wesen der höchsten
Ordnung ist, der König und Herr über alle anderen Arten von Seelen oder
fühlenden Wesen, aber keinem dieser letzteren gleich. Er ist eine
irdische, menschlich - animalische Seele und doch ursprünglich so
herrlich gebildet (Adam), dass es mit Recht von ihm heißt, er sei Gott ähnlich,
das Ebenbild seines Schöpfers gewesen.
Der
Mensch als eine Seele unterscheidet sich von den geringeren Tieren oder
Seelen durch seinen feineren Organismus und seine aufrechte Gestalt; aber
auffallender noch tritt uns die Überlegenheit in seinen geistigen Fähigkeiten
entgegen - denn in seinen moralischen, geistigen Kräften hat hauptsächlich
die Ähnlichkeit mit seinem Schöpfer bestanden. Während viele Tiere
niedrigerer Stufe zu Denken Imstande sind und ihre Vernunft in
tausenderlei weise kundtun, so hat doch ein jedes seine oft recht engen
Schranken, welche zu überschreiten ihm unmöglich ist. Die Denkkraft des
Menschen dagegen ist eine fast unbegrenzte, eben weil er als ein Ebenbild
Gottes erschaffen wurde - in der Ähnlichkeit seines Schöpfers. Aber
trotz dem Sündenfall des Menschen und der darauffolgenden, Jahrtausend
lang dauernden Finsternis und Entartung ist es mit der Gottähnlichkeit
noch nicht gar aus - besonders bei denen nicht, welche Christi Amt der
Versöhnung mit Gott angenommen haben, die wieder “Söhne Gottes”
geworden sind, und deren Bestreben es geworden ist, dem Bilde des Sohnes
gleichförmig zu werden.
Versuchen
wir das Gesagte noch besser zu illustrieren: Den Pferden, Hunden, manchen
Vögeln 2c können wir die Bedeutung vieler Wörter beibringen, so dass
sie manche zum Alltagsleben gehörende Dinge verstehen lernen. Sie
bekunden ihr Denkvermögen recht oft, und einige sind Imstande zu zählen
- sogar bis auf zwanzig. Wer aber wollte versuchen, einem Pferde, einem
Hund oder Vogel auch nur die Anfangsbegriffe von der Geometrie, Algebra
oder Astronomie beizubringen? Wir sind auch Imstande, verschiedenen Tieren
höherer Gattung einen gewissen Grad von Sittsamkeit anzuerziehen, so dass
sie z.B. ihrem Meister gehorchen und nicht ausschlagen, beißen oder
andere Tiere töten 2c , wer wollte aber versuchen, die stummen Tiere die
10 Gebote zu lehren? Wir vermögen in ihnen auch eine gewisse Art Liebe
und Anhänglichkeit gegen ihre Meister und deren Freunde zu erzeugen; wer
aber würde nur daran denken, ihnen etwas von Gottesliebe und Verehrung
oder von Feindesliebe beibringen zu wollen! Beachten wir also, dass all
diese Unterschiede nicht daher kommen, dass die geringeren Tiere eine
andere Art Odem oder Lebensgeist besitzen, denn wir haben gesehen, dass
sie “alle einerlei Odem haben” Pred. 3:19; noch auch daher, dass der
Mensch eine Seele sei und das stumme Tier nicht, denn es hat sich
herausgestellt, dass sie alle Seelen sind. Wir haben aber gefunden, und
das müssen alle zugeben, dass jede Tiergattung einen besonderen und
verschiedenen Organismus besitzt, der einer jeden ihren Charakter
verleiht, und durch den allein die höhere oder geringere Intelligenz
einer Gattung bedingt wird. Es sei aber bemerkt, dass nicht die Ausdehnung
oder das Gewicht des Körpers für den Grad der Intelligenz und geistigen
Überlegenheit maßgebend ist, sonst wären wohl Elefant und Walfisch die
Herren der Schöpfung. Der Unterschied liegt vielmehr in der
“organischen Qualität”, welche hauptsächlich durch das Gehirn,
dessen Oberfläche und Fähigkeit bestimmt wird.
Der
Mensch ist also die höchste aller irdischen Kreaturen - “von der Erde,
irdisch”, und seine Erhabenheit besteht in seinen großen, geistigen Fähigkeiten.
Diese letzteren sind aber nicht das Ergebnis einer Entwicklung, sondern
eine Gabe des Schöpfers
“Die
Seele, welche sündigt, soll sterben.”
Wenn
wir in der heiligen Schrift über die sündigende Seele wiederholt das
Todesurteil ausgesprochen finden, so wird das oben Gesagte damit nur bestätigt.
Mit den gewöhnlichen Anschauungen will diese Tatsache freilich gar nicht
übereinstimmen, denn wie sollte die Seele sterben können, welche sowohl
die menschliche Philosophie als auch die gesamte Gesangbuchtheologie ganz
dreist als unsterblich, unzerstörbar erklärt! Wir lesen aber, dass unser
Herr, als er unser Lösegeld bezahlte, “seine Seele als Schuldopfer
stellte”, und dass er “seine Seele ausgegossen in den Tod” Jes.
53:10, 12. Das war nötig, weil Adams Seele zum Tode verurteilt war, und
die der Menschheit gegebene Verheißung auf eine Erlösung der Seele oder
des Wesens aus der Gewalt des Todes lautete. “Gott aber wird meine Seele
erlösen von der Gewalt des Scheols (Todeszustandes)” Psalm 49:15. Und
da durch die eine Erlösung alle Seelen erlöst sind, wie wir früher
gesehen haben, so heißt es von all unseren Freunden - von der ganzen
Menschheit, - dass sie “in Jesu schlafen”. - 1. Thess. 4:14
Wir
möchten bloß bemerken, dass in dieser Stelle, “Gott wird die in Jesu
geschlafen habenden herausführen” (dies ist der genaue Wortlaut im
griechischen), der Apostel nicht nur die Heiligen gemeint haben kann, wie
wenn er von denen spricht, welche “in Christo sind”; denn wenn von
“neuen Kreaturen” die Rede ist, so geht es immer nur die an, welche
von Gott durch den Geist zur Miterbschaft mit Christo gezeugt worden sind
- als Christi Braut, Glieder seines Leibes. Aber der Ausdruck “die in
Jesu geschlafen habenden” schließt das ganze Menschengeschlecht ein,
denn unser Herr Jesu war die Versöhnung für unsere Sünden, nicht allein
aber für die unserigen, sondern auch für die der ganzen Welt, und Kraft
jenes Sühnopfers ist er nun unser Lebensgeber geworden, nicht allein aber
der unsere, sondern auch der Lebensgeber für die ganze Welt - wovon das
Zeugnis und die Gelegenheit zur Annahme für die meisten freilich erst zukünftig
ist. - 1. Joh. 2:2; 1. Tim. 2:4-6
Dass
der Apostel diesen Gedanken verfolgte, geht aus dem Zusammenhang
unzweideutig hervor: er ermahnt hier die Gläubigen, sich nicht zu bekümmern
wie diejenigen, welche keine Hoffnung haben, und als Grund der Hoffnung
erwähnt er die Tatsache, dass Jesus für die Sünde des Menschen
gestorben und um dessen Rechtfertigung willen wieder auferstanden sei, und
dass folglich alle in Jesu schlafen, d.h. von der Todesstrafe gesetzlich
befreit sind und Jesu angehören, damit er sie durch die göttliche Kraft
aus der Todesgewalt heraus führe. Hätte der Apostel gesagt, dass nur die
Gläubigen auf diese Weise durch Jesum gesegnet werden können, so hätten
die Thessalonicher und alle seither Gläubigen wohl geringen Trost in
seinen Worten finden können; denn die große Mehrzahl von Freunden und
Angehörigen der Heiligen konnten und können nicht zu den Heiligen gezählt
werden: und wenn der Segen einer Auferweckung aus dem Todesschlaf nur für
die Heiligen bestimmt wäre, so würde der Gedanke statt Trost nur das
Gegenteil, nämlich Angst und Kümmernis hervorrufen. Aber der Apostel
schließt hier die ganze Welt ein - als in Jesu schlafend, obgleich diese
Tatsache von niemandem richtig erkannt wird als vom himmlischen Vater und
seinen geweihten Kindern, welche er durch das Wort der Wahrheit von seinen
gnädigen Zukunftsplänen unterrichtet hat, damit sie sich freuen mögen
über die Länge und Breite und Höhe und Tiefe der göttlichen Güte und
sich “nicht betrüben wie die übrigen, die keine (so feste) Hoffnung
haben”. 1. Thess. 4:13
Wie
der gesunde natürliche Schlaf eine gänzliche Bewusstlosigkeit bedingt,
so verhält es sich auch mit dem Tode, dem bildlichen Schlaf; er ist eine
Periode gänzlicher Bewusstlosigkeit - noch mehr ein Zeitraum absoluter
Existenzlosigkeit. Für die zur Wiederherstellung Gelangenden wird das
Erwachen vom Tode folglich nichts anderes bedeuten, als eine
Wiederbelebung des Bewusstseins, von genau dem gleichen Moment und
Standpunkt an, wo das Bewusstseins, von genau dem gleichen Moment und
Standpunkt an, wo das Bewusstsein im Tode aufhörte. Das Gedächtnis wird
die Auferweckung als das erste Ereignis nach dem Augenblick des Todes
wahrnehmen, denn die Zwischenzeit hat auch nicht den geringsten Eindruck
auf dasselbe zu machen vermocht.
Dieser
gleiche Zustand kann auch an Personen beobachtet werden, deren Gehirn
(infolge von Verletzungen am Kopf ) durch die Gehirnschale beengt oder
bedrückt wird, und die deshalb zeitweise das Bewusstsein verlieren, ohne
dass dadurch ihr Leben erlischt. Durch operatives Eingreifen kann ein
solcher Druck gewöhnlich beseitigt werden, und da wissen nun die Ärzte
von zahlreichen Fällen zu berichten, wo der auf solche Weise plötzlich
wieder zur Besinnung gelangte Patient einen Satz beendigte, in welchem er
durch die erlittene Gehirnerschütterung unerwartet unterbrochen worden
war. So wird die göttliche Kraft all die Gehirnfaltungen in den einzelnen
Menschen wieder zu erzeugen und dessen verschiedenste Erinnerungen und
Gedanken wieder zu beleben völlig imstande sein, und darum wird die
allgemeine Menschheit in der Auferstehung mit den gleichen Worten und
Gedanken erwachen, mit denen sie in den Tod ging. Man vergesse aber nicht,
dass wir uns hier ausschließlich auf die allgemeine Menschheit beziehen
und nicht auf die Auserwählten, auf die aus allen Völkern heraus
gesammelte besondere Klasse, die Kirche oder den Leib Christi, denn
dieselben haben teil an der Ersten Auferstehung, die sich von der
allgemeinen in mancher Hinsicht unterscheidet.
Während
nun, Kraft des Lösegeldes, der adamische Tod von einer Vernichtung in
eine Unterbrechung des Lebens, genannt Schlaf, verwandelt worden ist, so
bezeugt die heilige Schrift dennoch klar und deutlich, dass es nach der
Auferweckung vom Todesschlummer dann auf jeden einzelnen ankommt, ob er
unter dem Regiment, der Leitung und dem Einfluss des verherrlichten
Christus zu Leben und Vollkommenheit gelangen, oder aber willentlich, mit
Bedacht und Hartnäckigkeit seinen früheren Sündenweg weiterverfolgen
wird. Sollte er das letztere erwählen, so zieht er sich dadurch die ursprünglich
über Adam verhängte Strafe, den Tod zu, aber nicht mehr den adamitischen
Tod, die Strafe für Adams Sünde, sondern den “anderen” oder zweiten
Tod. Dieser zweite Tod wird nirgends als Schlaf bezeichnet, und wir finden
in der ganzen Bibel auch nicht die leiseste Andeutung auf ein
Wiedererwachen von demselben - er wird vielmehr als “das ewige Verderben
vom Angesicht des Herrn” dargestellt. - 2. Thess. 1:9
Auf
diese erlöste und auferweckte Klasse, deren Prüfung hauptsächlich im
Millennium stattfinden wird, bezieht sich die biblische Erklärung: “Die
Seele, welche sündigt, soll sterben” Hes. 18:20. Dass diese Weissagung
auf unser jetziges Zeitalter nicht anwendbar ist, erhellt aus folgenden
Umständen:
1.
Während des Evangeliums-Zeitalters starben und sterben alle Menschen -
sowohl die Heiligen als auch die Sünder - ohne Ausnahme, so dass unser
Schriftwort für sie kraftlos sein würde.
2.
Die Drohung bezieht sich auf die Handlungen jedes einzelnen und passt
somit auch in dieser Hinsicht nicht auf die Jetztzeit, weil wir alle um
“eines Menschen Ungehorsam” willen sterben - weil die über ihn verhängte
Todesstrafe sich auf sein ganzes Geschlecht erstreckt hat. - Röm. 5:12
3.
Wie wir aus dem Zusammenhang ersehen, geht die Stelle in erster Linie
diejenigen an, welche befreit worden sind von der adamitischen Erbsünde,
die heutzutage noch überall vorherrscht. Das Wort muss also dem nächsten
Zeitalter, dem Millennium, angehören. Man lese nur das ganze Kapitel
(Hes. 18) und vergesse dabei nicht, dass die Bedingungen des Neuen Bundes
während des Millenniums in jeder Weise dem jüdischen Gesetzesbund
entsprechen werden, mit der Ausnahme jedoch, dass der Neue Bund einen
besseren Mittler haben wird, der dann willig und imstande ist, allen
denen, welche in Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit zu wandeln suchen,
Beistand und Hilfe zu gewähren, ohne ihre unabsichtlichen Fehler und
Gebrechen in Anrechnung zu bringen. In dem erwähnten Kapitel (Hes. 18)
finden wir die Erklärung, das es in Israel nicht mehr heißen soll,
“Die Väter essen Herlinge, und die Zähne der Söhne werden stumpf”,
sondern es wird im Gegenteil jeder einzelne für sich selbst vor Gott
verantwortlich sein, und “Die Seele, welche sündigt, soll sterben. Ein
Sohn soll nicht die Ungerechtigkeit des Vaters mit tragen und ein Vater
nicht die Ungerechtigkeit des Sohnes mit tragen; die Gerechtigkeit des
Gerechten soll auf ihm sein und die Gesetzlosigkeit des Gesetzlosen soll
auf ihm sein” - Hes. 18:2, 4, 20 Diese Zeit ist offenbar noch nicht
gekommen. Die Kinder haben immer noch stumpfe Zähne, weil ihre Väter
Herlinge der Sünde gegessen haben; wir stehen noch unter der Erbsünde;
alle sterben wegen Adams Sünde und nicht wegen ihrer eigenen. Als Beweis
hierfür brauchen wir bloß an die unbestrittene Tatsache zu erinnern,
dass fast die Hälfte der Menschen schon in der Kindheit sterben, also
ohne ein Alter zu erreichen, wo sie vernünftigerweise für ihr Betragen
verantwortlich gemacht werden können. Wer dürfte behaupten, dass ein
Kind, das nach wenigen Tagen oder Monaten erkrankt und stirbt, um seiner
eigenen Sünden willen sterbe? Stirbt es nicht vielmehr, weil es dem
adamitischen Geschlecht angehört, welches immer noch dem gegen Adam
ausgesprochenen Fluch - “sterbend sollst du sterben” - unterstellt
ist? Es hat sich durch Vererbung den Fluch zugezogen, wird aber auch durch
Christum den Segen Gottes ererben - in der kommenden Auferstehung, die
Kraft des auf Golgatha vollendeten Sühnopfers der ganzen Menschheit
zugesichert ist.
Wenn
wir uns zu Jeremia 31:29-34 wenden, so finden wir dort eine weitere
Bezugnahme auf ganz die gleichen Zustände, wie sie der Prophet Hesekiel
erwähnt, nur dass Jeremia noch mehr Einzelheiten anführt, die auf das
deutlichste beweisen, dass dieses Verhältnis nicht dem gegenwärtigen,
sondern einem kommenden Zeitalter angehören. Jeremia erklärt:
“In
jenen Tagen wird man nicht mehr sagen: Die Väter haben Herlinge gegessen,
und die Zähne der Söhne sind stumpf geworden, sondern ein jeder wird für
seine Missetat sterben: jeder Mensch, der Herlinge isst, dessen Zähne
sollen stumpf werden.”
Die
Worte, “in jenen Tagen”, beziehen sich ohne Zweifel auf die zukünftigen
Zeiten der Wiederherstellung unter der Herrschaft Christi und nicht auf
dieses Zeitalter, wo Satan, Sünde und Tod das Regiment führen. Der
Prophet geht übrigens noch weiter in der Beschreibung der dem kommenden
Zeitalter angehörenden Verhältnisse; er spricht von einem neuen Bund,
den Jehova mit Israel und Juda aufrichten werde, von dem ewigen Bund,
unter welchem sie ihr lang ersehntes Teil an den Segnungen und Verheißungen
Abrahams empfangen werden. (vergl. Röm. 11:26-31)
Der
gleiche Gedanke, nämlich dass im Millennium der Tod wiederum der Sünde
Sold sein und allen vom adamitischen Tod Befreiten gedroht werden wird,
die die einmal erkannte Gnade Gottes von sich stoßen und somit vergeblich
empfangen haben, wird von den eigenen Worten unseres Herrn bestätigt:
“Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber
nicht zu töten vermögen (fürchtet euch nicht vor denen, die euch das
gegenwärtige Leben nehmen, das ohnehin schon der Todesstrafe verfallen
ist; bedenkt vielmehr, dass ihr erlöst worden seid, dass ein zukünftiges
Leben in eurem Bereich liegt, und dass kein Mensch euch dessen berauben
kann, was Gott durch die Erlösung in Christo Jesu euch in Aussicht
gestellt hat); fürchtet aber vielmehr den, der sowohl Seele als Leib zu
verderben (wörtlich: gänzlich zu vernichten) vermag in der Hölle
(Gehenna)”. - Matth. 10:28
Hier
wird die Macht Gottes, die Seele oder das Leben zu zerstören, aufs
deutlichste bestätigt und zwar von einer unantastbaren Autorität. Wir
haben wohl bemerkt, dass eine verschrobene Theologie die Schrift zu
verdrehen gesucht hat und, um ihre falsche Lehre zu stützen, diese Stelle
nun so deutet, als sei Gott freilich imstande, die Seligkeit der Seele in
der Gehenna zu zerstören, die Seele selbst aber nicht! Es ist das eine
Wortverdrehung, welche sicher nicht verfehlen wird, schlimme Folgen für
alle diejenigen nach sich zu ziehen, welche an Gottes Wort Betrug üben!
Wir haben schon anderswo gezeigt, (“Was sagt die heilige Schrift über
die Hölle?”) dass das hier gebrauchte Wort Gehenna den zweiten oder
anderen Tod“ - die gänzliche Vernichtung - bedeutet, für alle Seelen,
welche den großen Propheten Gottes nicht hören wollen, wenn er zu seiner
Zeit mit allem Volk klar und deutlich reden wird - statt wie in der
Jetztzeit, in Gleichnissen und dunkeln Reden, die nur von der Kirche, der
kleinen Herde, verstanden werden können - Apg. 3:23; Matth. 13:11
Wir
behaupten also, dass die heilige Schrift unzweideutig Folgendes erklärt:
Der Mensch ist eine Seele oder ein Wesen; sein Lebensrecht wurde jedoch
durch seine Sünde verwirkt, und so steht er unter dem Fluch der göttlichen
Strafe - dem Tod. Die Güter und Vorrechte des Menschen sind aber alle zurückgekauft
worden von dem Menschen Christus Jesus, der sich selbst dahin gab als Lösegeld
für jedermann, was zur Folge hatte, dass der Tod von da an nicht mehr als
eigentlicher Tod oder Vernichtung betrachtet werden konnte, sondern
vielmehr als ein temporärer “Schlaf”, von welchem die Menschheit
durch ihren Erlöser am Auferstehungsmorgen wiedererwachen wird.
Verwirrung
infolge unrichtiger Übersetzung
Denken
wir an die groben Irrtümer bezüglich der Frage, “Was ist die Seele,
der Geist , der eigentliche Mensch?”; wie sie von den Übersetzern
unserer gewöhnlichen Bibel festgehalten wurden und noch werden, so soll
es uns nicht überraschen, wenn dieselben in ihrer oft großen
Verlegenheit durch ihr Bemühen, die Übersetzung gewisser Schriftstellen
ihren vorgefassten Meinungen anzupassen, den gewöhnlichen Leser
mannigfaltig verwirrt haben. Sie haben die Bedeutung gewisser Wörter so
vertuscht und verdreht, dass es dem gewöhnlichen Leser fast unmöglich
ist, sich ein klares Urteil zu bilden, indem er gegen eine zweifache
Schwierigkeit zu kämpfen hat: 1. gegen die falsche Lehre über den
betreffenden Gegenstand und 2. gegen die unrichtigen Übersetzungen,
welche diese falsche Lehre unterstützen.
Dank
der göttlichen Vorsehung leben wir jetzt aber in einer Zeit, wo es durch
zahlreiche Hilfsmittel verschiedener Art auch dem “Laien” möglich
geworden ist, sich über den ganzen Gegenstand sogar ein besseres Urteil
zu bilden, als zu ihrer Zeit die Übersetzer selbst.
Ein
Wort, das in gewöhnlichen Bibeln die mannigfaltigste Übersetzung
erfahren hat, ist wohl unstreitig das im Alten Testament etwa 700mal
vorkommende hebräische Nephesch, welches freilich in der Mehrzahl der
Stellen mit “Seele”, je nach Umständen aber auch auf dutzenderlei
andere Weise wiedergegeben worden ist. Beispiele haben wir oben gegeben.
Das
im Neuen Testament an die Stelle des hebräischen Nephesch tretende
griechische Wort heißt Psyche und bedeutet ebenfalls Seele, empfindungsfähiges
Wesen. In den deutschen Übersetzungen ist es hauptsächlich auf zweierlei
Weise wiedergegeben worden - mit “Seele” und mit “Leben”, und
gerade diese letztere Übersetzungsweise hat denn auch zur Verdeckung der
Wahrheit sehr viel beigetragen, indem dadurch der gewöhnliche Leser den
Eindruck empfangen musste, dass Seele und Leben zwei ganz verschiedene
Dinge seien, und dass ein Mensch deshalb sein Leben verlieren könne, ohne
dabei seine Seele zu verlieren. Die Stellen, wo das Wort Psyche mit
“Leben” übersetzt worden ist, wo aber viel Verwirrung hätte
vermieden werden können, wenn es richtig mit Seele oder Wesen übersetzt
worden wäre, sind die folgenden:
“Sie
sind gestorben, die dem Kindlein nach dem Leben (Psyche, Seele, Wesen)
trachteten.” - Matth. 2:20
“Seid
nicht besorgt für euer Leben (Psyche, Seele, Wesen), was ihr essen sollt
... Ist nicht das Leben (Psyche, Seele, Wesen) mehr als die Speise?” -
Matth. 6:25; Luk. 12:22, 23
“Wer
sein Leben (Psyche, Seele) findet, wird es verlieren, und wer sein Leben
(Psyche, Seele) verliert um meinetwillen, wird es finden.” - Matth.
10:39; 16:25; Luk. 9:24; 17:33
“Des
Menschen Sohn ist gekommen, .. sein Leben (Psyche, Seele) zu geben als Lösegeld
für viele.” - Matth. 20:28
“Ist
es euch erlaubt ... das Leben (Psyche, Seele) zu retten oder zu töten?”
- Mark. 3:4; Luk. 6:9
“Denn
wer irgend sein Leben (Psyche, Seele) erretten will, wird es verlieren;
wer aber irgend sein Leben (Psyche, Seele) verliert um meinet- und des
Evangeliums willen, wird es erretten. Denn was wird es einem Menschen nützen,
wenn er die ganze Welt gewönne und seine Seele (Psyche) einbüßte?”
Denn was wird ein Mensch als Lösegeld geben für seine Seele (Psyche)?”
(Wie sollte da der gewöhnliche Leser merken, dass der griechische Text
viermal “Seele” (Psyche) gebraucht, und nicht zweimal “Seele” und
zweimal “Leben”?!) - Mark. 8:35-37
Der
dieser Schriftstelle und deren Parallelen zu Grunde liegende Gedanke ist
folgender: Gottes Kinder sollen sich erinnern, dass ihr gegenwärtiges
Leben oder Dasein ohnehin unter der Strafe des Todes steht; dass die göttliche
Vorsehung jedoch für eine Erlösung gesorgt hat - nicht für ein
Fortleben, sondern für eine Auferstehung, ein Wiederleben. Die Gläubigen
dieses Zeitalters sind berufen, dem Vorbild ihres Erlösers gemäß, ihr
Leben als lebendiges Opfer im Dienste des Herrn niederzulegen, wogegen
ihnen, nach treuem Ausharren, die Mitherrschaft mit Christo und die göttliche
Natur verheißen ist - in der Ersten Auferstehung. So werden sie dann ihre
Seele, ihr Leben oder Dasein zurück empfangen und werden “Leben (Zoe)
in Überfluss haben.” - Joh. 10:10
“Wenn
jemand zu mir kommt und hasst nicht (liebt nicht weniger) seinen Vater und
seine Mutter und sein Weib und seine Kinder und seine Brüder und
Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben (Psyche, Seele), so kann er
nicht mein Jünger sein”. - Luk. 14:26
“Der
gute Hirte lässt sein Leben (Psyche, Seele) für die Schafe (Unser Herr
hat “seine Seele ausgeschüttet in den Tod; seine Seele hat das
Schuldopfer gestellt” - Jes. 53:10, 12) - Joh. 10:11
“Ich
lasse mein Leben (Psyche, Seele, Wesen) für die Schafe.” - Joh. 10:15
“Ich
lasse mein Leben (Psyche, Seele), auf dass ich es (Kraft der göttlichen
Verheißung durch die Auferstehung) wieder empfange.” - Joh. 10:17
“Wer
sein Leben (Psyche, Seele) liebt, wird es verlieren; und wer sein Leben
(Psyche, Seele) in dieser Welt hasst, wird es zum ewigen leben (eis Zoen
Aionion) bewahren.” - Joh. 12:25
(Unter
dieser “gegenwärtigen argen und bösen Welt” Treue gegen Gott
beweisen, heißt soviel wie die gegenwärtigen Zustände missbilligen, die
Vorrechte oder Vorteile dieses Zeitlaufes gering schätzen und bereit
sein, dieselben alle im Dienste Gottes und der Gerechtigkeit wie auch zum
Nutzen der Mitmenschen aufzuopfern, denn wer so handelt, wird gemäß göttlicher
Verheißung der Existenz unter den günstigeren Verhältnissen der
kommenden Heilszeitordnung würdig geachtet. Wer aber die gegenwärtigen
Verhältnisse und Zustände “liebt” und die Genüsse und Vergnügungen
dieser Zeit höher schätzt als die Gerechtigkeit und den Gehorsam gegen
Gott, der erweist sich selbst als der von Gott uns angebotenen zukünftigen
Existenz unwürdig; er ist nicht wert, dass seine Seele, sein Wesen in der
Ersten Auferstehung zu höherem Leben erneuert werde).
“Dein
Leben (Psyche, Seele, Wesen) willst du für mich lassen?” - Joh. 13:38
“Größere
Liebe hat niemand, als diese, dass jemand sein Leben (Psyche, Seele,
Wesen) lässt für seine Freunde.” - Joh. 15:13
“Männer,
die ihr Leben (Psyche, Seele, Wesen) hingegeben haben.” - Apg. 15:26
“Aber
ich nehme keine Rücksicht auf mein Leben (Psyche, Seele, Wesen, Existenz)
als teuer für mich selbst, auf dass ich meinen Lauf vollende.” - Apg.
20:24
(Der
Apostel hatte gelernt, die gegenwärtige Existenz richtig zu beurteilen
und sie - im Vergleich zu der in der Auferstehung verheißenen zukünftigen
- als wertlos zu halten. Er hielt sie nicht für teuer und kostbar, in dem
Sinne, dass er sie höher geschätzt hätte als den Herrn und seine Gnade
- höher als die Gelegenheit, am Werk des Herrn dienen zu dürfen. Er war
willig in seines Meisters Dienst alles daran zu geben und selbst geopfert
zu werden, in der zuversichtlichen Hoffnung, dass er dafür zur Ersten
Auferstehung gelangen möge - wie er es in Phil. 3:8-11 uns klar und mit
großer Freudigkeit schildert.)
“Männer,
ich sehe, dass die Fahrt mit Ungemach und großem Schaden, nicht nur der
Ladung und des Schiffes, sondern auch unseres Lebens (Psyche, Seele)
geschehen wird.” - Apg. 27:10
“Denn
kein Leben (Psyche, Seele) von euch wird verloren gehen.” - Apg. 27:22
“Ich
bin allein übriggeblieben, und sie trachten nach meinem Leben (Psyche,
Seele).” - Röm. 11:3
“Welche
für mein Leben (Psyche, Seele, Wesen) ihren Hals preisgegeben haben.” -
Röm. 16:4
“Denn
um des Werkes willen ist er dem Tode nahe gekommen, indem er sein Leben
(Psyche, Seele, Wesen) wagte, auf dass er den Mangel in eurem Dienste
gegen mich ausfüllte.” - Phil. 2:30
“Hieran
haben wir die Liebe erkannt, dass er für uns sein Leben (Psyche, Seele)
dar gegeben hat (“dass er seine Seele ausgeschüttet hat in den Tod”
und “seine Seele als Schuldopfer gestellt”); auch wir sind schuldig, für
die Brüder das Leben (Psyche, Seele) darzulegen.” - 1. Joh. 3:16