Studies in the Scriptures

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 The PhotoDrama of Creation

 

 

SCRIPTURE STUDIES

VOLUME SIX - THE NEW CREATION

 

 STUDY III

Die Berufung der Neuen Schöpfung.

Die Berufenen allein wählbar. Wann begann die Berufung zu dieser großen Errettung? Die Berufung der Reue ist noch nicht die Berufung zur göttlichen Natur. Die Berufung im jüdischen Zeitalter. Die Berufung im Evangeliums-Zeitalter. Warum nicht viele Weise, Große und Mächtige berufen sind. Erhöhung ist der Lohn für wahre Demut. Charakter ist eine Bedingung für die Berufung. Im Millennium wird die Welt nicht berufen, sondern ihr wird befohlen. Die Zeit für die hohe Berufung hat ein Ende. Die „Neue Schöpfung“ vom Vater gezogen oder berufen. Christus unsere Weisheit. Christus unsere Gerechtmachung. Unterschied zwischen der zugerechneten und der tatsächlichen Gerechtigkeit. Bedarf die „Neue Schöpfung“ der Gerechtmachung? Die Grundlage der Gerechtmachung. Die Gerechtmachung der Alttestamentlichen Überwinder ist verschieden von der unseren. Die Gerechtmachung im Tausendjahrreich. Christus unsere Heiligung. Die Heiligung im Tausendjahrreich. Die levitischen Vorbilder zwei verschiedener Weihungen. Keine der vorbildlichen Klassen erhielt einen Anteil an dem Land Kanaan. Die Große Schar. Die zwei Teile der Heiligung. Der Teil des Menschen. Der Teil Gottes. Die Erfahrungen je nach dem Charakter verschieden. Heiligung nicht nur vorübergehendes Gefühl, aber auch nicht Vollkommenheit. „Der da heilet alle deine Gebrechen.“ Der Thron der Gnade ist unentbehrlich. Zusammenhang zwischen Rechtfertigung und Heiligung. Weihung seit dem Ende der hohen Berufung. Die Errettung der Herauswahl.

Die Gelegenheit, Glieder der Neuen Schöpfung zu werden und teilzunehmen an deren Vorrechten und Aufgaben, an deren Glück und Herrlichkeit, ist nicht der Menschheit im allgemeinen angeboten, sondern nur einer „berufenen“ Klasse. Das ist in der Schrift sehr bestimmt gesagt. Israel nach dem Fleisch war vom Herrn berufen, sein besonderes Volk zu sein, abseits von anderen Völkern und Nationen, wie geschrieben steht: „Nur euch habe ich von allen Geschlechtern der Erde erkannt (anerkannt).“ (Amos 3:2) Israels Berufung war nicht die „hohe“ oder „himmlische“, und darum finden wir auch in den an jenes Volk gerichteten Verheißungen keine himmlischen Dinge erwähnt. Ihre Berufung war ein Vorbereitungsstadium, das einen Überrest des Volkes befähigen sollte, die hohe Berufung der großen „Errettung“ zu vernehmen und auszunutzen, „welche den Anfang ihrer Verkündigung durch den Herrn empfangen hat und uns von denen bestätigt worden ist, die es gehört haben.“ (Hebr. 2:3) Nach den Bedingungen der hohen und himmlischen Berufung müssen wir also nicht im Alten, sondern im Neuen Testamente suchen, wiewohl wir, wenn uns die Augen des Verständnisses aufgehen, so dass wir die Tiefen Gottes gewahren, in dem Schicksal Israels nach dem Fleisch gewisse vorbildliche Belehrungen schöpfen mögen, die für den geistigen, mit der himmlischen Berufung bedachten Samen von Nutzen sein können. Denn der Apostel weist uns selbst darauf hin: Israel nach dem Fleisch, seine Gesetze, Gottes Handlungsweise mit ihm, waren Schatten oder Vorbilder der besseren Dinge, die für jene bestimmt sind, die zur Neuen Schöpfung berufen werden.

Da in Gottes Plan Jesus in allen Dingen den Vorrang haben sollte, so musste auch er der erste zur Neuen Schöpfung Berufene, das Haupt, der Hohepriester, der Führer jener neuen Klasse von Söhnen Gottes, der Anführer ihrer Errettung, ihr Vorbild werden, nach dem sie sich richten, ihr Vorläufer, in dessen Fußstapfen sie treten konnten. Demnach konnte den Heiligen des Alten Bundes ein Anteil an der Neuen Schöpfung nicht gegeben werden. Von Johannes dem Täufer sagt unser Herr selbst: „Wahrlich ich sage euch, unter den von Weibern Geborenen ist kein Größerer aufgestanden als Johannes der Täufer; der Kleinste aber im Reich der Himmel ist größer als er.“ (Matth. 11:11) Und der Apostel erklärt, nachdem er von dem Glauben und dem edlen Charakter seiner Brüder des vergangenen Zeitalters ein begeistertes Lob gesungen hatte: „Gott hat für uns etwas Besseres vorgesehen, auf dass sie nicht ohne uns vollkommen gemacht würden.“ - Hebr. 11:40

Außerdem müssen wir uns daran erinnern, dass niemand berufen werden kann, solange er noch um der Sünde Adams willen verurteilt ist. Um jener „hohen Berufung“ teilhaftig werden zu können, muss erst die Freisprechung von dem über Adam gefällten Urteil erfolgt sein, und diese konnte dem Volke Israel durch das Blut der Stiere und Böcke nicht zuteil werden, weil es die Sünde nicht hinwegnehmen konnte. Jene Opfer waren nur Vorbilder der besseren Opfer, die gegenwärtig den von der Gerechtigkeit gegen uns erhobenen Ansprüchen genügen. Die himmlische Berufung konnte also nicht beginnen, bevor unser Herr Jesus das Lösegeld bezahlt und uns mit seinem eigenen kostbaren Blut erkauft hatte. Selbst die Apostel waren nur versuchsweise zur Neuen Schöpfung berufen und als solche gerechnet, bis der Erlöser den Loskaufpreis bezahlt, zum Himmel gefahren und daselbst das Lösegeld dargebracht hatte. Erst dann erkannte der Vater sie am Tage der Pfingsten und zeugte sie durch seinen Heiligen Geist zu „Neuen Schöpfungen.“ Unser Herr sagte freilich zu den Pharisäern: „Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder.“ (Matth. 9:13) Aber es ist ein großer Unterschied zwischen Berufung von Menschen zur Buße und Berufung zur himmlischen Natur und Miterbschaft mit Christo. Zu letzterer werden Sünder nicht berufen, darum müssen wir, die wir „von Natur Kinder des Zornes“ sind, erst von aller Schuld freigesprochen sein um des kostbaren Blutes Christi willen.

Darum lesen wir auch in der Einleitung des Römerbriefes (1:7), dass er gerichtet ist „an alle Geliebten Gottes, berufene Heilige, die in Rom sind“ (an alle, die berufen sind, Heilige zu sein, Teilhaber der göttlichen Natur zu werden), und in der Einleitung des ersten Korintherbriefes (1:2): „Der Versammlung Gottes, die in Korinth ist, den Geheiligten in Christo Jesu, den berufenen Heiligen, samt allen, die an jedem Ort den Namen unseres Herrn Jesu Christi anrufen.“ Die Beschränkung der Berufung auf diese Klasse wird noch weiter betont in Vers 9, der Gott als den Berufer bezeichnet: „Gott ist treu, durch welchen ihr berufen worden seid in der Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn.“ Dies setzt eine Gemeinsamkeit, Einigkeit voraus; die Berufung bezweckt also, unter den Menschen etliche zu finden, die als „Neue Schöpfungen“ mit ihrem Erlöser eins werden, Miterben werden sollen an der Herrlichkeit, Ehre und Unsterblichkeit, die er als Lohn für den erwiesenen Gehorsam empfing.

Hier werden wir an die Worte des Apostels erinnert, die zu verstehen geben, dass wir unter ganz bestimmten Bedingungen Miterben Christi werden können: „Wenn wir anders mitleiden, auf dass wir auch mitverherrlicht werden.“ (Röm. 8:17) Im ersten Kapitel des ersten Korintherbriefes zeigt der Apostel, dass die Berufung, die er bespricht, keineswegs dieselbe ist, wie sie eine Zeitlang an die Juden allein erging, und seine Worte zeigen weiter, dass nicht alle berufen sind. Wir lesen Vers 24: „Den Berufenen selber aber, sowohl Juden als Griechen (predigen wir) Christum (nicht wie den unberufenen Juden und Griechen als Ärgernis oder Torheit, sondern) Gottes Kraft und Gottes Weisheit.“ Im Hebräerbrief endlich hebt der Apostel in Kapitel 9:15, 16 hervor, dass die Berufung dieses Evangeliums-Zeitalters nicht ergehen oder wirksam werden konnte, bevor nicht der Herr, durch seinen Tod, eine Bürgschaft des Neuen Bundes wurde. „Darum ist er Mittler eines neuen Bundes, damit, da der Tod stattgefunden hat zur Erlösung von den Übertretungen unter dem ersten (Gesetzes-) Bund, die Berufenen die Verheißung des ewigen Erbes empfingen.“ - Hebr. 7:22

Nicht viele Große, Weise oder Gelehrte berufen

Wir könnten nun natürlicherweise annehmen, dass diese besondere Berufung, wenn sie so eingeschränkt war, vorab beschränkt worden wäre auf die Besten des gefallenen Geschlechtes, auf die Edelsten, Tugendhaftesten, Begabtesten. Dem widerspricht aber der Apostel, wenn er schreibt: „Sehet eure Berufung, Brüder, dass es nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Edle sind, sondern das Törichte der Welt hat Gott auserwählt, auf dass er die Weisen zuschanden mache; und das Schwache der Welt hat Gott auserwählt, auf dass er das Starke zuschanden mache; und das Unedle der Welt und das Verachtete hat Gott auserwählt, das, was nicht ist, auf dass er das, was ist, zunichte mache, damit sich vor Gott kein Fleisch rühme.“ (1. Kor. 1:26-29) Als Grund hierfür gibt der Apostel an, dass Gott nicht wollte, dass irgendein Mensch sich rühme, er habe die ihm verheißenen großen Segnungen irgendwie verdient. Das ganze Verfahren soll dazu dienen, Engel und Menschen erkennen zu lassen, wie machtvoll Gott ist, so dass er niedrige, verachtete Charaktere in edle und reine zu verwandeln vermag, nicht mit Gewalt, sondern vermittelst der reinigenden Wirkung der Wahrheit, indem er in den Berufenen durch die Verheißungen und vor sie gesetzten Hoffnungen beides wirkt, sowohl das Wollen als auch das Wirken nach seinem Wohlgefallen. Diese Vorkehrung Gottes wird nicht allein zu seiner Ehre dienen, sondern auch jene, die er segnen will, demütig machen und daher zu ihrem ewigen Besten dienen. Wiederholt hebt das Neue Testament hervor, dass diese Berufung, diese große Errettung, nicht von Menschen ist, noch durch menschliche Macht bewirkt wird, sondern eine Gnadengabe Gottes ist. Auch ist es nicht schwer einzusehen, warum diese Berufung verhältnismäßig wenig Anziehungskraft hat für die Hochstehenden und mehr für die Ungebildeten.

Hochmut ist eine wirksame Kraft der gefallenen Natur, mit welcher immer gerechnet werden muss. Jene, die weniger tief gefallen sind als die Mehrheit ihrer Mitmenschen und deshalb von Natur aus über dem Durchschnitt der Menschen stehen, sind befähigt, dieses ihres Vorzuges sich bewusst zu sein, und daher ihre Überlegenheit zu fühlen und stolz darauf zu sein. Solche könnten auch, wenn sie den Herrn suchen und seinen Segen, seine Gunst wünschen, sich versucht fühlen zu erwarten, dass der Herr sich mit ihnen auf einen anderen Fuß stelle als mit ihren tiefer gefallenen, weniger edlen Mitmenschen. Gottes Maßstab aber ist Vollkommenheit; was diesem Maßstab nicht entspricht, ist verurteilt, und jeder Verurteilte ist auf den einen Erlöser angewiesen, mag er mehr oder weniger vom Schaden Adams geerbt haben. Eine solche Bedingung ist natürlich für die Kleinen in dieser Welt, für die tiefer Gefallenen, anziehender als für die Edleren. Die Schwachen empfinden eher, dass sie eines Erretters bedürfen, denn ihre Unvollkommenheiten sind ihnen viel fühlbarer. Die weniger tief Gefallenen, die darüber eine gewisse Selbstzufriedenheit empfinden, sind nicht besonders geneigt, sich vor dem Kreuz Christi tief zu beugen und von dorther Rechtfertigung als freie Gnadengabe zu empfangen, auf sie allein gestützt dem Thron der himmlischen Gnade zu nahen und von dort Begnadigung und gnädige Hilfe entgegenzunehmen. Sie sind eher geneigt, sich auf ihr eigenes Verstehen zu verlassen und mit sich selbst so zufrieden zu sein, dass sie nicht eingehen können durch die enge Pforte und nicht auf dem schmalen Wege wandeln.

Gott setzt eine Belohnung aus für die Demut, die von denen erwartet wird, die eingeladen werden, Glieder der Neuen Schöpfung zu werden. Der Apostel sagt (1. Petr. 5:6): „So demütiget euch nun unter die mächtige Hand Gottes, auf dass er euch erhöhe zur rechten Zeit.“ Er weist auf das Vorbild hin, Christum Jesum, der sich selbst erniedrigte, verachtet wurde, eine geringere Natur annahm und den Tod, ja, den schmachvollen Kreuzestod erlitt, und der wegen dieser Demut und dieses Gehorsams so hoch erhöht wurde. Denn „Gott widersteht dem Hochmütigen, dem Demütigen aber gibt er Gnade.“ (1. Petr. 5:5) Ihr seht eure Berufung, Brüder, dass nicht viele Große und Weise und Gelehrte berufen sind, sondern meist solche, die in den Augen der Welt arm, aber an Glauben reich sind. Wie auf die Demut, so setzt Gott auch auf den Glauben eine Belohnung. Für seine Neue Schöpfung sucht er solche, die ihm ganz zu vertrauen gelernt haben, sich an seiner Gnade genügen lassen und in der Kraft, die er verleiht, die Vorbedingung zu ihrer Erhöhung erfüllen, das heißt den Sieg, zu dem er sie beruft, davontragen.

Dennoch ist Charakter eine Vorbedingung für die Berufung

Wenn nun Gott auch nicht die Großen, Weisen und Gelehrten beruft, so dürfen wir daraus nicht schließen, dass sein Volk nun niedriger Gesinnung und unwissend sei im Sinne von heruntergekommen, verderbt und böse. Im Gegenteil; der Herr beurteilt, die er ruft, nach dem denkbar erhabensten Maßstab. Sie sind berufen zur Heiligkeit, zur Reinheit, zur Treue, zur Gerechtigkeitsliebe. Sie sollen diese Dinge für sich selbst von Herzen hochschätzen und danach wandeln, zur Ehre dessen, der sie berufen hat aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht. (2. Petr. 1:3; 1. Petr. 2:9) Die Welt mag sie nur nach dem Fleische kennen, und nach dem Fleische mögen sie nicht edler und feiner sein als andere, oftmals weniger edel und fein; aber ihre Annahme bei dem Herrn erfolgte nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist, nach ihrem Herzen und ihren Absichten. Folglich sind sie von dem Augenblick an, da sie die Gnade Gottes in Christo und die Vergebung ihrer Sünden annehmen und sich dem Herrn weihen, gerechnet, als wären sie den Schaden, der ihnen als Kinder Adams anhaftet, losgeworden; sie werden gerechnet, als ob ihr Fleisch in das Kleid des Verdienstes Jesu Christi gehüllt wäre, das alle ihre Gebrechen deckt. Die neue Gesinnung, der neue Wille ist die von Gott angenommene, berufene Neue Schöpfung; mit dieser allein handelt er.

Gewiss, die neue Gesinnung wird sich beim Erstarken als edel, ehrenhaft und aufrichtig ausweisen, und immer mehr Beherrschung über das Fleisch gewinnen, so dass jene, die da draußen sind und die Neue Schöpfung nicht erkennen, wie sie auch den Herrn nicht erkannt haben, sich schließlich wundern über die guten Werke, den heiligen Wandel, den Geist eines gesunden Sinnes jener Neuen Schöpfungen, auch dann noch, wenn sie dieselben auf unedle Beweggründe zurückführen. Trotz des allmählichen Wachstums der neuen Gesinnung, trotz ihrer allmählichen Annäherung an die Gesinnung des Herrn, mögen sie vielleicht niemals zur vollen Beherrschung des sterblichen Leibes, in welchem sie wohnen, gelangen; doch muss es der Zweck aller ihrer Bemühungen sein, Gott auch in ihrem Leibe zu verherrlichen, so gut wie in ihrem Geist, ihrer Gesinnung, die sein Eigentum sind. - 1. Kor. 6:20

Lasst uns einige Charakterzüge der „Neuen Schöpfung“ hier anführen. Der Apostel richtet an sie eine Ermahnung, die wert ist, beherzigt zu werden: „Kämpfe den guten Kampf des Glaubens; ergreife das ewige Leben, zu welchem du berufen worden bist.“ (1. Tim. 6:12) Diese Neuen Schöpfungen sollen nicht erwarten, den Sieg und den darauf gesetzten großen Preis zu erringen ohne Kampf mit dem Widersacher, der sie überall umgebenden Sünde und der Schwachheit ihres eigenen Fleisches, wiewohl jene gemäß den Bestimmungen des Gnadenbundes durch Christi Verdienst zugedeckt ist.

Wiederum ermahnt der Apostel diese Klasse: „Wandelt würdig des Gottes, der euch zu seinem eigenen Reich und seiner eigenen Herrlichkeit beruft.“ (1. Thess. 2:12) Die Neue Schöpfung darf sich nicht darauf beschränken, ihre Berufung und schließliche Belohnung in der Herrlichkeit des Königreiches zu erkennen; sondern sie muss sich dessen bewusst sein, dass sie im gegenwärtigen Leben ein Vertreter Gottes und seiner Gerechtigkeit geworden ist, auf dass sie demgemäss zu wandeln suche. So lesen wir auch: „Wie der, welcher euch berufen hat, heilig ist, seid auch ihr heilig in allem Wandel; denn es steht geschrieben: Seid heilig, denn ich bin heilig.“ (1. Petr. 1:15, 16) Und wiederum: „Verkündigt die Tugenden dessen, der euch berufen hat aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht.“ - 1. Petr. 2:9

Neue Schöpfungen, Israeliten nach dem Geiste, sind keinen besonderen Gesetzen, wie die Israeliten nach dem Fleische es waren, unterworfen. Sie stehen unter dem „Gesetz der Freiheit“, auf dass sie ihre Liebe für den Herrn nicht nur darin erweisen können, dass sie freiwillig alle Dinge vermeiden, von denen sie wissen, dass der Herr sie missbilligt, sondern auch darin, dass sie menschliche Rechte und Interessen darangeben im Dienste der Wahrheit und Gerechtigkeit, für den Herrn und die Brüder. Darum sagt der Apostel: „Gott hat uns nicht berufen zur Unreinigkeit, sondern zur Heiligkeit.“ (1. Thess. 4:7) Und wiederum: „Ihr seid zur Freiheit berufen worden, Brüder; allein gebrauchet nicht die Freiheit zu einem Anlass für das Fleisch“ (Gal. 5:13), zu üblem Tun; gebrauchet eure Freiheit vielmehr zum Hingeben gegenwärtiger Rechte zugunsten der Wahrheit und des Dienstes an ihr, auf dass ihr so opfernde Priester der königlichen Priesterschaft sein möget, die mit der Zeit im Reiche Gottes herrschen werden als Miterben Christi, um der Welt die Segnungen Gottes auszuteilen.

Zahlreich sind die Schriftstellen, welche zeigen, dass die Berufung der „Neuen Schöpfung“ eine Berufung zur Herrlichkeit, Ehre und Unsterblichkeit ist. (Phil. 3:14; 2. Petr. 1:3 usw.) Aber stets zeigt der Herr, dass der Weg zu dieser Herrlichkeit schmal ist und durch Opfer, Prüfungen und Erprobungen führt. Nur wer von seinem Geist gezeugt, ja, davon erfüllt ist, wird schließlich ein Überwinder werden und die herrlichen Dinge erreichen können, zu denen er berufen war. Der Weg zu ihnen ist für die Berufenen gangbar gemacht worden durch den, der verheißen hat: „Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft wird in Schwachheit vollbracht.“

Wir dürfen nicht glauben, dass es verschiedene Berufungen gebe, sondern müssen eingedenk sein der Erklärung des Apostels: „Ihr seid berufen worden in einer Hoffnung eurer Berufung.“ (Eph. 4:4) Wer also denkt, er habe die Wahl in dieser Angelegenheit, der irrt. Im zukünftigen Zeitalter wird es für die Welt keine Berufung geben; Gott wird alsdann keine besondere Klasse mehr herauswählen, die er absondern, auszeichnen und zu einer besonderen Stellung führen könnte. Im Tausendjahrreich wird der Herr die Welt nicht einladen, sondern ihr befehlen, den Gesetzen und Grundsätzen der Gerechtigkeit zu gehorchen, jeder einzelne wird der Regierung des Tausendjahrreiches zu gehorchen gezwungen, nicht nur eingeladen werden. Ungehorsame werden Streiche empfangen und Unverbesserliche werden aus der Mitte ausgerottet werden, wie geschrieben steht. (Apg. 3:23) Sie werden den zweiten Tod sterben, von dem es keine Wiederherstellung, kein Wiederaufleben, gibt.

Wenn es auch keine zweite Berufung während des Evangeliums-Zeitalters gibt, wie wir gesehen haben, so gibt es doch eine zweite Klasse Geretteter während dieses Zeitalters - die Große Schar, „deren Zahl niemand zählen kann“. (Offb. 7:9-14) Sie wird Gott dienen in seinem Tempel und vor dem Thron, während die Braut auf dem Thron sein wird, bestehend aus den Gliedern oder lebendigen Steinen des Tempels. Die Glieder der Klasse der Großen Schar haben keine besondere Berufung. Sie hätten es ebenso leicht und in einer sie selbst besser befriedigenden Weise zu der Herrlichkeit der göttlichen Natur gebracht, wenn sie freudigeren, volleren Gehorsam geleistet hätten. Sie werden schließlich auch Überwinder, was durch die Palmen in ihren Händen angedeutet ist; aber ihr Mangel an Eifer ließ sie der Teilhaberschaft an der Überwinderklasse verlustig gehen, der Miterbschaft an der ewigen Herrlichkeit der Neuen Schöpfung, und schon vorher des größten Teiles der Freude, des Friedens und der Zufriedenheit, die schon in diesem Leben das Teil der Überwinder sind. Der Rang, den sie einnehmen werden, wird, wie wir schon früher zeigten, in manchen Punkten dem der Engel ähnlich sein.

Die Berufung zur Neuen Schöpfung ist auf eine bestimmte Zeit beschränkt, wie der Apostel erklärt: „Jetzt ist die wohlangenehme Zeit; siehe, jetzt ist der Tag des Heils“ (2. Kor. 6:2), und: „Heute, wenn ihr seine Stimme höret, verhärtet eure Herzen nicht.“ (Hebr. 3:15) Dieser Tag, dieses Jahr, dieses Zeitalter der Annahme begann mit der Weihung unseres Herrn Jesu. Er wurde berufen. Er nahm sich nicht selbst die Ehre, und so ist es auch seither gehalten worden: „Niemand nimmt sich selbst die Ehre“. (Hebr. 5:4) Gar zu dreist wäre ein Mensch, wenn er einen Anspruch auf seine Verwandlung zur göttlichen Natur erheben wollte, seine Verwandlung aus einem Glied der Familie Adams, einem Erben seiner Schuld zu einem Miterben Christi an allen Gütern und Herrlichkeiten und Ehren, deren Erbe Jesus wurde, nachdem er der Berufung gefolgt und der rechtmäßige Erbe aller dieser Güter für alle Ewigkeit wurde.

Diese Berufung, dieser „Tag des Heils“, diese „Zeit der Annahme“ wird ebenso sicher einmal enden, wie sie zur bestimmten Zeit begann. Gott hat es so geordnet, dass eine festbestimmte Zahl Menschen zur Neuen Schöpfung gelangen soll; sobald diese Zahl voll ist, wird der Zweck des Evangeliums-Zeitalters vollbracht sein. Wir dürfen auch bemerken, dass, sobald die genügende Zahl berufen ist, die Berufung aufhören muss; denn es wäre nicht vereinbar mit der Weisheit Gottes, auch nur einen einzigen Menschen mehr zu berufen, als er zuvor bestimmt hat, auch wenn er zuvor wüsste, wie viele Berufene des Gehorsams ermangeln und verfehlen würden, ihre Berufung und Erwählung festzumachen, und die daher ersetzt werden müssten. Es wäre des Allmächtigen nicht würdig, mit seinen Geschöpfen mutwillig zu scherzen und auch nur eine einzige Einladung mehr ergehen zu lassen, als durchgeführt werden könnte, wenn sie angenommen wird. Die Schrift bezeugt, dass für jedes Glied der festbestimmten zuvor beschlossenen Zahl zukünftiger Priesterkönige eine Krone vorhanden ist, und dass für jeden, der des Herrn Berufung annimmt und sich dem Herrn weiht, eine dieser Kronen in Bereitschaft liegt. Wir können nun wohl nicht annehmen, dass der Herr, nachdem ein Berufener die Berufung angenommen hat, ihm mitteilen würde, es sei jetzt keine Krone mehr verfügbar, er müsse warten, bis ein bereits Angenommener sich als untreu erwiesen und sein Kronenrecht verloren habe. Unseres Herrn Ermahnung: „Halte fest was du hast, auf dass niemand deine Krone nehme“, scheint nicht nur diese bestimmte Zahl Kronen, sondern auch am Ende des Zeitalters eine Zeit vorauszusetzen, da die ihren Bundesverpflichtungen nicht gewissenhaft Nachkommenden verworfen und andere Anwärter auf ihre Kronen anerkannt würden. - Offb. 3:11

Nach unserem Verständnis hat die allgemeine Berufung zur Miterbschaft mit unserem Erlöser, zur Gliedschaft der Neuen Schöpfung im Jahre 1881 aufgehört. Aber wir nehmen an, dass von den damals Geweihten eine große, sich auf alle Teile der Namenchristenheit verteilende Zahl - etwa 20.000 bis 30.000 - sich bis zum Ende der Übergangszeit nicht werden getreu erwiesen haben. Diese werden, wenn ihre Erprobung durchgeführt und zu ihrem Nachteil ausgefallen ist, einer nach dem anderen aus der Schar der Berufenen ausgemerzt, um anderen, die sich, seitdem die direkte Berufung aufhörte, geweiht haben, Platz in der Familie Christi und seiner Miterben zu machen. Diese werden nun ebenfalls auf die Probe gestellt und, wenn unwürdig befunden, wiederum durch andere ersetzt, die sich in einer der Geweihten würdigen Herzensstellung befinden. Da bedurfte es seit 1881 keiner allgemeinen Berufung mehr. Den jetzt Zugelassenen kann die Gelegenheit, der Vorrechte teilhaftig zu werden, geboten werden, wenn sie auch nicht unter der allgemeinen Berufung gekommen sind, die seit 1881 nicht mehr ergeht. Sie werden auf Probe zugelassen, je nachdem sich Gelegenheit bietet, entstandene Lücken auszufüllen. Wir erwarten, dass dieses Gehen und Kommen weitergehen wird, bis das letzte Glied der Neuen Schöpfung würdig befunden worden sein wird, bis alle Kronen bleibend verteilt sind.

Der Apostel erklärt: „Ihr aber, Brüder, seid nicht in Finsternis, dass euch der Tag wie ein Dieb ergreife.“ (1. Thess. 5:4) Gestützt auf die verschiedenen angeführten Schriftstellen sind wir geneigt anzunehmen, dass in dieser Erntezeit des Evangeliums-Zeitalters ein gewisses Maß Erkenntnis der Wahrheit über den Plan Gottes, die Gegenwart des Menschensohnes und das Erntwerk allein Geweihten des Herrn gegeben wird. Wir nehmen an, dass auf diese Weise die „gegenwärtige Wahrheit“ eine gute Erprobung der wahren Herzensstellung eines jeden Geweihten bewirken kann, gerade wie die Verkündigung der Gegenwart des Herrn und der Ernte am Ende des jüdischen Zeitalters die Probe für Israel nach dem Fleische war. Wir glauben ferner, dass die, welche in dieser Erntezeit zu einer klaren Erkenntnis der Wahrheit kommen und Beweise der Aufrichtigkeit ihres Glaubens an das kostbare Blut und ihrer völligen Weihung geben, wenn ihnen ein klarer Einblick in den Plan Gottes geschenkt ist, als solche angesehen werden sollten, die das Zeugnis haben, dass sie vom Herrn angenommen sind als voraussichtliche Miterben Jesu Christi, auch wenn sie sich erst nach 1881 geweiht haben. Hat ihre Weihung schon stattgefunden, bevor die Berufung aufhörte, so können wir verstehen, dass sie nach so langer Zeit in die richtige geweihte Stellung gekommen sind, und dass die Erkenntnis der gegenwärtigen Wahrheit ihnen als eine Gnadengabe geschenkt wurde, als ein Zeugnis dafür, dass sie den Geist Gottes haben. Gehörten sie im Jahre 1881 noch nicht zu den Geweihten, so dürfen wir schließen, dass sie jetzt Eintritt in die Klasse der Berufenen erlangt haben, weil ihnen die Plätze früherer Berufener angewiesen wurden, die es an Eifer fehlen ließen, die weder kalt noch warm waren, und die deshalb ausgewiesen und in die Finsternis draußen verstoßen wurden, wo sie den ihnen gebührenden Teil der kommenden Drangsal schmecken und, weil sie auf das Wort nicht haben hören wollen, nun mit Schlägen gezüchtigt und erzogen werden müssen. Diese werden nach einer Zeit schwerer Trübsal zu einem Platz in der Großen Schar gelangen, während sie, hätten sie willig und freudig gelitten, zu einem Platz neben Christo auf dem Thron hätten gelangen können.

Wie Gott beruft

„Aus ihm aber seid ihr in Christo Jesu, der uns geworden ist Weisheit von Gott und Gerechtigkeit und Heiligkeit und Erlösung.“ - 1. Kor. 1:30

Christus unsere Weisheit

Die Weisheit wird hier als der erste und insofern als der wichtigste Schritt auf dem Wege der Errettung bezeichnet. Salomos Zeugnis stimmt damit überein, wenn er sagt: „Weisheit ist das wichtigste; mit all deiner Kraft erwirb Verständnis.“ Wie gut unsere Vorsätze auch sein mögen, seien wir stark oder schwach, wir bedürfen der Weisheit, um den richtigen Weg einzuschlagen. Das ist ein allgemein anerkannter Grundsatz. Alle, auch selbst weniger intelligente Menschen suchen nach mehr Kenntnis und Weisheit; selbst solche, die die verkehrten Wege einschlagen, tun dies, weil sie ihnen am Anfang keineswegs verkehrt schienen. So war es schon bei Mutter Eva der Fall. Sie hatte Verlangen nach Kenntnis und Weisheit; und allein in der Tatsache, dass der Genuss der verbotenen Frucht ihr als ein Weg zur Weisheit erschien, bestand die Versuchung zum Ungehorsam dem Schöpfer gegenüber. Wie sehr bedürfen wir also einen weisen Berater, um uns auf die Wege der Weisheit und des Friedens zu führen!

Und wie Mutter Eva in ihrer Vollkommenheit eines weisen Führers bedurfte, wie viel mehr wir, ihre gefallenen unvollkommenen Kinder! Unser himmlischer Vater hat, als er uns zur Gliedschaft der Neuen Schöpfung berief, unsere Mängel vorausgesehen. Er wusste, dass unsere eigene Weisheit unzulänglich sein werde; dass des Widersachers List und seine fälschliche Weisheit uns betören könnte, um uns Licht als Finsternis und Finsternis als Licht erscheinen zu lassen. Darum musste uns Christus zur Weisheit gemacht werden. Um zu Gott zu gelangen, um des Verdienstes Jesu Christi und danach der Sohnschaft teilhaftig zu werden, bedürfen wir der Hilfe, der Anleitung, der Weisheit, der Öffnung der Augen unseres Verständnisses, damit wir die Vorkehrungen Gottes in seinem Sohn zu unseren Gunsten erkennen können.

Um für die Weisheit von oben hörende Ohren zu haben, bedarf es zunächst einer ernsten Gesinnung. Wir müssen ein gutes Maß Demut besitzen, damit wir nicht mehr von uns denken, als sich zu denken gebührt, damit wir unsere Schwachheiten, Gebrechen und unsere Unwürdigkeit mit Gottes Augen betrachten lernen. Wir müssen ferner bis zu einem gewissen Grad offen und ehrlich sein, um die durch die Demut erkannten Mängel zuzugeben und als solche zu erkennen. Wer in dieser Selbsterkenntnis sich umsieht, nach Gerechtigkeit, nach Übereinstimmung mit Gott, den führen Gottes Vorkehrungen hin zu Jesus als dem Retter. Wie unvollständig wir auch zuerst die Lehre der Versöhnung verstehen mögen, das müssen wir wenigstens begreifen, dass wir „von Natur Kinder des Zornes sind, gleichwie die übrigen“ - Sünder; dass Christi Opfer ein gerechtes und hinreichendes war, dass er das von Gott ausersehene Opferlamm war (1. Mose 22), und dass Gott sein Opfer annahm; dass wir durch seine Striemen geheilt, durch seinen Gehorsam vom Vater angenommen werden können; dass unsere Sünden auf ihn gelegt wurden, dass er sie wegnahm, dass seine Gerechtigkeit, sein Verdienst uns angerechnet werden kann und unsere Mängel wie ein Kleid verhüllt. Das müssen wir einsehen - Christus muss uns zur Weisheit gemacht sein, bevor wir dieser Kenntnis entsprechend handeln und durch aufrichtige Annahme seines Verdienstes in den Augen des Vaters gerecht gemacht, angenommen und geheiligt, und zu seiner Zeit frei und herrlich gemacht werden können. Aber Christus hört nicht auf, unsere Weisheit zu sein, wenn wir einen Schritt weitergehen, wobei er dann unsere Gerechtigkeit wird. Nein; wir bedürfen seiner immer noch als unsere Weisheit, als unseres weisen Beraters. Unter seiner Leitung müssen wir einsehen lernen, wie weise es ist, sich ganz zu weihen und dieser Weihung gemäß ein Leben in Heiligung zu führen, in völliger Unterwerfung unter den Willen des Vaters. Bei jedem Schritt, den wir weiter tun, ist Weisheit die Hauptsache, und durch dieses ganze Leben der Hingabe oder Heiligung, bei jedem Schritt auf der Pilgerfahrt nach der himmlischen Stadt, bedürfen wir der Weisheit von oben, von der der Apostel sagte, sie sei „zuerst rein, sodann friedsam, gelinde, folgsam, voll Barmherzigkeit und guter Früchte, unparteiisch, ungeheuchelt.“ (Jak. 3:17) Irdische Weisheit handelt nach den Erfordernissen der Selbstsucht, des Eigenwillens, des Hochmuts, der Selbstgerechtigkeit, der Selbstgenügsamkeit, und diese Dinge führen, wie der Apostel zeigt, zu bitterer Eifersucht und zu Streit, weil solche Weisheit nicht von oben kommt, sondern irdisch, sinnlich, teuflisch ist. Die himmlische Weisheit stimmt im Gegenteil überein mit der himmlischen Liebe, die nicht groß tut, sich nicht aufbläht, sich nicht unanständig gebärdet, nicht das Ihrige sucht, sich nicht der Ungerechtigkeit freut, sondern sich mit der Wahrheit freut. (1. Kor. 13:5, 6)

Diese Weisheit handelt auch nach den Grundsätzen der Ordnung, denn wenn sie auch alle Eigenschaften, die der Apostel Jakobus erwähnt, in sich schließt, so weist sie doch diesen Eigenschaften ihren besonderen Platz an. Wenn auch der Geist der Weisheit von oben friedsam ist, das heißt, den Frieden wünscht und ihn zu fördern sucht, so gibt er doch dem Frieden nicht den ersten Platz, sondern der Reinheit. Es ist irdische Weisheit, die Frieden um jeden Preis anrät und das Gewissen schweigen heißt, nur um Frieden zu haben. Die Weisheit, die rein ist, ist harmlos, ehrenhaft und offen, sie liebt das Licht, sie ist nicht von der Finsternis, von der Sünde; sie fordert nicht, was verborgen werden müsste; sie hält das Verborgene meist für Werke der Finsternis, die heimlichen Dinge meist für böse Dinge. Sie ist friedsam, soweit dies vereinbar ist mit Ehrenhaftigkeit und Reinheit, sie wünscht Frieden, Eintracht und Einigkeit. Aber da der Friede nicht zuerst kommt, so kann sie nur mit den Dingen von Herzen zufrieden und in voller Übereinstimmung sein, die ehrbar, rein und gut sind.

Die himmlische Weisheit ist gelinde, nicht barsch, rau, weder in ihren Absichten noch in ihren Methoden. Dennoch kommt die Gelindigkeit nicht an erster, sondern erst an dritter Stelle, nach der Reinheit, nach der Friedsamkeit. Jene, die sie haben, sind nicht zuerst gelinde und dann rein und friedsam, sondern zuerst rein, geheiligt durch die Wahrheit. Weil sie Frieden zu haben und zu finden wünschen, sind sie gelinde und gerne zum Frieden bereit; aber sie können nur mit dem Frieden machen, was rein, friedsam und gelinde ist; sie können mit einem bösen Werk nicht ausgesöhnt werden; einen solchen Weg verbietet der Geist der himmlischen Weisheit.

Himmlische Weisheit ist voller Barmherzigkeit und guter Früchte. Sie freut sich der Barmherzigkeit, von der sie sieht, dass sie einen Hauptzug des Charakters Gottes bildet, den sie sich anzueignen bestrebt ist. Barmherzigkeit und alle guten Früchte des Geistes unseres Herrn gehen sicherlich aus einem Herzen hervor, das von der Weisheit von oben erleuchtet ist, und diese Früchte werden auch reif. Aber diese Barmherzigkeit, die Rücksicht nimmt auf unwissentliche und unwillentliche Verfehlungen und solchen Mitmenschen gerne und hilfsbereit beispringt, kann keine Gemeinschaft haben mit solchen, die wissentlich Böses tun, weil der Geist der Weisheit nicht in erster Linie barmherzig, sondern in erster Linie rein ist. Darum kann die Barmherzigkeit dieser Weisheit sich auch unwillentlichen und unwissenden Übeltätern gegenüber bekunden.

Die Weisheit von oben wird auch als unparteiisch bezeichnet; Parteilichkeit ist Ungerechtigkeit; und die Reinheit, Friedsamkeit, Milde, Barmherzigkeit und die guten Früchte des Geistes der Weisheit von oben bringen uns dahin, dass wir die Person nicht ansehen, sie nach nichts anderem beurteilen als nach ihrer Gesinnung und in dieser allein ihren Wertmesser sehen. Die äußere Erscheinung des natürlichen Menschen, die Hautfarbe usw., hat für den Geist des Herrn, für den Geist der Weisheit von oben nichts zu bedeuten. Er ist unparteiisch; er sucht, was rein, friedsam, milde und wahr ist, wo immer es auch zu finden sei, und unter welcherlei Begleiterscheinungen es auch auftreten mag.

Die Weisheit von oben ist ferner ohne Heuchelei. Sie ist so rein, so friedsam, so milde, so barmherzig gegen alle, dass die Heuchelei ganz überflüssig ist, wo jene Weisheit herrscht. Sie unterhält kein Einvernehmen, keine Vorliebe, keine Gemeinschaft mit dem, was sündhaft ist, weil sie Gemeinschaft und Vorliebe hat für alles, was rein ist oder Reinheit, Frieden und Freundlichkeit fördert. Hierbei ist kein Raum für Heuchelei.

Gott hat uns in allen diesen Punkten die himmlische Weisheit durch seinen Sohn gegeben, nicht allein in der Ankündigung seines Erlösungswerkes, sondern auch dadurch, dass uns der Sohn die Gnadengaben des Geistes und den Gehorsam gegenüber dem Vater vorgelebt hat. So belehrte er uns durch sein Wort und durch sein Vorbild. Außerdem kommt die Weisheit von oben zu uns durch die Apostel als Christi Vertreter, durch ihre Schriften, und ferner durch alle, die diesen Geist der Weisheit von oben schon empfangen haben und täglich bestrebt sind, ihr Licht in einer Weise scheinen zu lassen, die ihrem Vater im Himmel Ehre macht.

Christus unsere Rechtfertigung

Wir haben schon im 15. Kapitel des 5. Bandes die Versöhnung des Menschen mit Gott, deren Grundsatz ist, dass das Verdienst unseres Herrn Jesu allen denen zur Rechtfertigung angerechnet wird, die es annehmen, besprochen. Hier wollen wir nun den Sinn des gebräuchlichen Wortes Rechtfertigung oder Gerechtmachung genauer untersuchen; denn er scheint von der Mehrheit der Kinder Gottes nur unvollkommen verstanden zu werden.

In dem Wort „Rechtfertigung“ liegen drei Gedanken: 1. der Gedanke der Gerechtigkeit, des Rechtsmaßstabes; 2. dass etwas mit diesem Maßstab nicht übereinstimmt, dem vollen Maß nicht entspricht; 3. dass die Person oder die Sache, die mangelhaft ist, gerecht gemacht werden soll. Wir denken an folgendes Bild: In den Schalen einer Wage liegen auf der einen Seite die Gerechtigkeit, auf der anderen Seite der Gehorsam des Menschen. Dieser sollte das genaue Gegengewicht bilden, aber der Gehorsam eines jeden ist mehr oder weniger mangelhaft; er bedarf eines Zugewichts, um dem Gewicht der Gerechtigkeit voll zu entsprechen. Adam war vollkommen erschaffen, er war eins mit Gott, ihm gehorsam. Dies war ein richtiger, von Gott gewollter, gerechter Zustand, in dem er hätte bleiben sollen. Durch seinen Ungehorsam aber kam er unter den göttlichen Fluch und wurde sofort verworfen, weil er das von Gott gewollte Maß nicht mehr erfüllte. Seine Nachkommen sind alle in Sünde geboren und in Ungerechtigkeit empfangen; sie sind auf niedrigerer Stufe stehend ins Leben gekommen als ihr Vater Adam; sie weichen noch mehr von dem ursprünglichen Ebenbild Gottes, das die Gerechtigkeit fordert, ab. Es ist demnach nutzlos für irgendeinen Nachkommen Adams, vor Gott hinzutreten, um ihn aufzufordern, ihn zu messen und zu wägen, damit er erfahre, ob er auch vollwertig sei und den göttlichen Maßstab absoluter Gerechtigkeit erreiche. Da der vollkommene Mensch sein Vollgewicht durch seinen Ungehorsam einbüsste, wie viel weniger können wir, die wir das Vollgewicht nie besaßen, die wir unvollkommen, gefallen, herabgekommen sind, hoffen, die Anforderungen der Gerechtigkeit ganz zu erfüllen, um uns vor Gott zu rechtfertigen? Wir haben alle gesündigt und ermangeln des Ruhmes, den wir vor Gott haben sollten, der Herrlichkeit, in der Adam einst erschaffen wurde.

Wenn wir also einsehen, dass wir als Geschlecht alle ungerecht und unvollkommen sind und niemand durch Werke den Anforderungen der Gerechtigkeit genügen könnte, so begreifen wir auch, dass niemand etwas übrig hat, was er als Lösegeld für seinen Bruder Gott darbringen könnte. (Psalm 49:7) Niemand kann für den Mangel eines anderen aufkommen; nicht nur für andere, nein, auch für sich selbst hat er zu wenig; denn wir haben alle gesündigt und ermangeln der vollkommenen Gerechtigkeit. Kann also Gott Sünder, gefallene Menschen, annehmen, mit ihnen verkehren, nachdem er sie doch schon verurteilt, seiner Gunst und des Lebens unwürdig und des Todes schuldig erklärt hat? Er zeigt uns selbst den Weg, auf dem dies möglich ist, auf dem er gerecht bleiben und doch jeden gerecht machen kann, der an Jesum glaubt. Er zeigt, dass er Christum zum Mittler des Neuen Bundes bestellt, und dass Christus die Welt durch sein eigenes kostbares Blut erkaufte; dass zur rechten Zeit (während des Tausendjahrreiches) Christus seine große Macht an sich nehmen, die Erde als König beherrschen und alle Geschlechter der Erde mit einer Erkenntnis der Wahrheit segnen und den, der da will, zum Ebenbild Gottes, wie es in Adam vertreten war, wiederherstellen werde; letzteres aber wird durch die Erfahrungen des Falles und der Wiederherstellung noch besonders befestigt sein. Dieses Werk der Zurückbringung der Menschen zur Vollkommenheit wird das Werk der tatsächlichen Rechtfertigung sein, zur Unterscheidung von der zugerechneten „Gerechtigkeit aus Glauben“ der Herauswahl im Evangeliums-Zeitalter. Diese tatsächliche Gerechtmachung beginnt mit der tausendjährigen Herrschaft unseres Herrn; sie wird allmählich fortschreiten, bis jeder einzelne die denkbar günstigste Gelegenheit gehabt haben wird, in den Besitz dessen zurückzugelangen, was in Adam verloren ging, und noch dazu in den Besitz der Erfahrungen, was für ihn von großem Nutzen sein wird. Gott sei gedankt für diese Zeit der tatsächlichen Gerechtmachung, der Zurechtbringung, der Zurückführung der Willigen und Gehorsamen aus unserem Geschlecht von der Unvollkommenheit zur Vollkommenheit, körperlicher, geistiger und sittlicher Vollkommenheit.

Jetzt sprechen wir aber insonderheit von der Neuen Schöpfung und von den Maßnahmen Gottes zur Rechtfertigung dieser kleinen Zahl aus den Menschen, die er berufen hat zur göttlichen Natur, zur Herrschaft und Unsterblichkeit. Diese bedarf der Rechtfertigung ebenso sehr wie die Welt; denn von Natur „waren wir Kinder des Zornes wie die übrigen.“ Solange sie als Sünder dem Todesurteil unterworfen waren, konnte Gott mit denen, die er zur Neuen Schöpfung beruft, ebenso wenig verkehren wie mit der Welt. Wenn die Welt gerechtfertigt, vollkommen gemacht werden muss, bevor Gott ihr seine Gunst wieder zuwenden kann, wie kann er mit der Herauswahl verkehren und sie zur Miterbschaft seines Sohnes berufen, bevor sie gerechtfertigt worden ist? Es muss zugegeben werden, dass Rechtfertigung eine notwendige Vorbedingung unserer Berufung zur Neuen Schöpfung ist. Aber wie kann das geschehen? Müssen wir tatsächlich zu leiblicher, geistiger und sittlicher Vollkommenheit wiederhergestellt werden? Nein, Gott hat nicht eine tatsächliche Gerechtmachung im Fleisch für uns vorgesehen, sondern eine zugerechnete, die in der Schrift als „Rechtfertigung aus Glauben“ bezeichnet wird. Alle jene, die, solange die Herrschaft der Sünde und des Todes fortdauert, auf die Botschaft der Gnade und des Erbarmens in Christo hören und mit der Weisheit von oben so übereinstimmen, dass sie zugeben, sie seien Sünder, die dann an des Herrn Botschaft von der Gnade und des Erbarmens in Christo glauben, ihre Sünde bereuen und, soweit dies möglich, gutmachen, bringt Gott nicht zur tatsächlichen menschlichen Vollkommenheit zurück, sondern handelt mit ihnen, als wären ihre Mängel durch das Verdienst Christi gutgemacht. Wenn er mit ihnen handelt, so tut er es, als wären sie recht und gerecht, indem er sie durch Glauben rechtfertigt.

Diese Glaubensgerechtigkeit wird uns aber nur so lange zugerechnet, wie wir Glauben haben. Sie wird bezeugt durch unsere Bemühungen, des Herrn Willen zu tun. Sobald Glaube und Gehorsam aufhören, wird auch die Glaubensgerechtigkeit nicht mehr zugerechnet. Dagegen hört die Glaubensgerechtigkeit nicht auf, wenn wir einen Schritt weiter tun, nämlich den der Heiligung oder Weihung. Sie geleitet die Neuen Schöpfungen, macht jeden Schaden gut, der uns des Todesurteils Adams teilhaftig machen würde, und kommt auf für alle Schwachheiten und Mängel in Worten, Gedanken und Werken, die uns zur Last fallen, insofern sie nicht absichtlich, sondern Folgen der ererbten Unvollkommenheit sind. Sie geleitet die Neuen Schöpfungen bis an das Ende ihrer Pilgerfahrt, in allen Prüfungen und Proben, deren sie bedürfen, um sich als der Neuen Schöpfung würdig auszuweisen. Darum sagt auch der Apostel: „Also ist jetzt keine Verdammnis für die, welche in Christo Jesu sind, die nicht nach dem Fleische, sondern nach dem Geiste wandeln“ (Röm. 8:1, 4) - ungeachtet dessen, dass wir den Schatz der neuen Natur in irdenen Gefäßen haben, und daher fortwährend ungewollte Mängel vorhanden sind, deren geringster uns des ewigen Lebens auf jeder Stufe, auf menschlicher wie auch auf geistiger, unwürdig machen würde, wenn wir nicht bedeckt wären durch unser hochzeitliches Kleid, das Kleid der Gerechtigkeit Christi, durch die zugerechnete oder Glaubensgerechtigkeit. Wir bedürfen ihrer, und sie bleibt unser Kleid, solange wir in Christo bleiben und noch im Fleische sind; aber sie wird aufhören, sobald unsere Erprobung endet, sobald wir als Überwinder angenommen und der ersten Auferstehung teilhaftig geworden sind. Wie der Apostel erklärt: Es wird gesät in Verwesung, Unehre und Schwachheit, aber es wird auferweckt in Unverweslichkeit, Herrlichkeit und Kraft (1. Kor. 15:42, 43), im Ebenbild unseres Herrn, des lebendig machenden Geistes, der selbst das Ebenbild des Vaters ist. Wenn diese Vollkommenheit einmal erreicht ist, dann bedürfen wir der zugerechneten Gerechtigkeit nicht mehr, weil wir dann tatsächlich vollkommen sein werden. Für die Gerechtigkeit an sich bedeutet es keinen Unterschied, dass die Vollkommenheit der Neuen Schöpfung auf höherer Stufe erreicht wird, als die Vollkommenheit der Welt; die Menschen werden, wenn sie Gottes Gnade annehmen, am Ende des Wiederherstellungswerkes auch gerecht oder vollkommen sein, wenn auch auf niedrigerer Stufe als die Neue Schöpfung - ein jegliches vollkommen in seiner Art. Diejenigen, welche jetzt zur göttlichen Natur berufen und durch Glauben zuvor gerechtfertigt sind, damit sie berufen und erprobt werden können, werden nicht tatsächlich gerecht und vollkommen sein, bevor sie in der ersten Auferstehung jene Fülle des Lebens und der Vollkommenheit erreicht haben, in der keine Spur mehr von der jetzigen Unvollkommenheit, die jetzt durch die zugerechnete Glaubensgerechtigkeit nicht beseitigt, sondern nur zugedeckt ist, zu finden sein wird.

Der Grund oder die Grundlage unserer Rechtfertigung

Es hat in manchen Köpfen Verwirrung angestiftet, dass unterlassen worden ist, die verschiedenen Aussagen Gottes über diesen Gegenstand miteinander zu vergleichen. Einige haben aus der Erklärung des Apostels, dass wir aus Glauben gerechtfertigt sind (Röm. 3:28; 5:1; Gal. 3:24), den Schluss gezogen, der Glaube sei so wertvoll in Gottes Augen, dass er unsere Unvollkommenheit aufwiege. Andere verstehen die Erklärung des Apostels, dass wir aus Gnade gerechtfertigt sind (Röm. 3:24; Titus 3:7), so, dass Gott gerecht und rein mache, wen er wolle, ganz willkürlich, ohne Rücksicht auf den Glauben und die Eigenschaften des Menschen. Wieder andere leiten aus der Erklärung, dass wir gerechtfertigt sind durch sein Blut (Röm. 5:9; Hebr. 9:14; 1. Joh. 1:7), ab, der Tod Christi habe alle Menschen gerechtfertigt, ob sie glauben und gehorchen oder nicht. Wieder andere schreiben wegen Röm. 4:25 der Auferstehung Christi die Rechtfertigung aller Menschen zu. Endlich gibt es solche, die aus Jak. 2:24 schließen, dass es auf unsere Werke ankomme, ob Gott uns seine Gnade zuwenden könne oder nicht.

Alle diese Aussagen der Schrift sind Wahrheit, aber sie sind verschiedene Seiten ein und derselben Frage. Es ist gerade so, als wenn wir ein großes Gebäude von allen Seiten betrachten, in dieser Weise zeigen auch die Apostel bald die eine, bald die andere Seite ihres Gegenstandes. Um ein richtiges Gesamtbild zu erhalten, müssen wir somit alle diese Aussagen zusammenstellen.

Zunächst sind wir gerechtfertigt aus Gnade. Es bestand durchaus keine Verpflichtung Gottes, etwas für unsere Wiederherstellung zu tun, nachdem er uns gerechterweise verurteilt hatte. Es war ein Akt freier Gunst oder Gnade, dass Gott, den Fall voraussehend, bevor der Mensch erschaffen wurde, aus Mitleid das geschlachtete Lamm vor Grundlegung der Welt zum Brandopfer und Lösegeld ausersah. Unsere Aussöhnung mit dem Vater und die Art und Weise, wie er sie hinausführen wollte, ist in seine freie Entscheidung gestellt.

Sodann sind wir gerechtfertigt durch das Blut Christi, durch sein Erlösungswerk, seinen Tod, das heißt die Gnade Gottes uns gegenüber wurde dadurch kund, dass er für uns die Fürsorge traf, dass „Jesus Christus durch Gottes Gnade den Tod für jedermann schmeckte“ und so die Strafe für Adam bezahlte. Und da die ganze Welt wegen Adams Schuld unter den Fluch kam, so soll die endliche Wirkung das Ausstreichen der Schuld der ganzen Welt sein. Lasst uns auch diesen zweiten Punkt festhalten wie den ersten: Gottes Gnade bedient sich nur dieses einen Kanals, so dass, „wer den Sohn hat, Leben hat; wer aber den Sohn Gottes nicht hat, auch das Leben nicht hat, ... sondern der Zorn (das Todesurteil) Gottes bleibt auf ihm.“ - 1. Joh. 5:12; Joh. 3:36

Drittens war es ein Teil des Planes Gottes, dass Christus Jesus nicht nur der Erlöser des Geschlechtes, sondern auch der Segner und Wiederhersteller aller derer werden sollte, die mit Gott ausgesöhnt zu werden wünschen. War also einerseits der Tod Jesu unumgänglich notwendig, um die Möglichkeit unserer Aussöhnung zu schaffen, so hätte er nicht der Kanal zu unserer Segnung und Wiederherstellung werden können, wenn er tot geblieben wäre. Er ist also zu unserer Rechtfertigung auferstanden. Der Vater, der ihn als Schlachtopfer ausersah, damit er unser Lösegeld würde, hat ihn auch wiederum aus den Toten auferweckt, auf dass er, wenn seine Zeit gekommen ist, die Menschen gerecht machen und zu einem gerechten Zustand zurückbringen, mit Gott aussöhnen könne.

Viertens sind wir (die Kirche) aus Glauben gerechtfertigt in dem Sinne, dass Gott während des gegenwärtigen Zeitalters nicht für eine tatsächliche Gerechtmachung oder Wiederherstellung, sondern nur für eine zugerechnete Gerechtigkeit aus Glauben Vorsorge getroffen hat. Diese kann natürlich nur solchen zugerechnet werden, die diesem Glauben gemäß leben. Ob wir daran glauben oder nicht, Gottes Vorkehrungen, die er sich vorgesetzt hat, nach welchen er handelt, und die schließlich zur rechten Zeit ihren Zweck erfüllen werden, bleiben bestehen; aber unsere Teilnahme an den uns vor der Welt angebotenen Vergünstigungen ist nur möglich, wenn wir glauben, und nicht, wenn wir nicht glauben. Während des Tausendjahr-Zeitalters wird allen die Länge und Breite des göttlichen Erlösungsplanes geoffenbart werden. Das Königreich Gottes wird in der Welt aufgerichtet sein, und der die Menschheit erkauft hat und mit der nötigen Macht ausgerüstet worden ist, um alle zu segnen und zur Erkenntnis der Wahrheit zu bringen, wird alle tatsächlich gerecht machen und zur Vollkommenheit wiederherstellen, die die Gnade Gottes unter Gottes Bedingungen wünschen und annehmen werden.

Freilich, Glaube wird auch wesentlich sein, solange die Wiederherstellung zur tatsächlichen Gerechtmachung fortschreitet; denn „ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen“, und die Wiederherstellungs-Segnungen werden unter Bedingungen verliehen werden, die Glauben voraussetzen. Aber der Glaube, der alsdann als Bedingung für jeden weiteren Schritt der Wiederherstellung entgegen verlangt werden wird, wird grundverschieden sein von dem Glauben, der jetzt von denen, die zu „Heiligen“, „Miterben Jesu“, „Neuen Schöpfungen“ berufen sind, verlangt wird. Wenn das Reich Gottes aufgerichtet, Satan gebunden sein und die Erkenntnis des Herrn die Erde füllen wird, werden alle sehen, dass Gottes Verheißungen in Erfüllung gegangen sind. Vieles, was jetzt nur dem Auge des Glaubens sichtbar ist, wird alsdann tatsächlich gesehen und erkannt werden können. Aber des Glaubens werden dennoch alle bedürfen, die auf dem Wege zur Wiederherstellung wandeln wollen, und so wird die tatsächliche Gerechtmachung am Ende des Tausendjahr-Zeitalters nur von denen erreicht werden, die zuvor im Glauben und in Werken ausgeharrt haben. Wenn auch von jener Zeit geschrieben steht: „Die Toten werden gerichtet werden nach dem, was in den Büchern geschrieben steht, nach ihren Werken“ im Gegensatz zum Gericht der Herauswahl, das jetzt nach ihrem Glauben erfolgt, so werden doch die Werke jener nicht ohne Glauben sein, ebenso wenig wie unser Glaube ohne die Werke, die wir zu tun imstande sind, bleiben kann.

Die Bedeutung der Aussage des Apostels, dass Gott die Nationen durch Glauben rechtfertigen werde (Gal. 3:8), geht aus dem Zusammenhang klar hervor. Er zeigt, dass die Versöhnung der wiederhergestellten Menschheit mit Gott nicht eine Frucht des Gesetzesbundes sein wird, sondern ein Akt der Gnade, der von der Erfüllung der Bedingungen des Neuen Bundes abhängt, an die geglaubt und denen nachgelebt werden muss von allen, die Vorteile davon genießen wollen. Der Unterschied zwischen der Rechtfertigung jetzt und im neuen Zeitalter ist der, dass die Gläubigen des jetzigen Zeitalters, wenn sie den wahren Glauben haben, durch zugerechnete Gerechtigkeit sofort Zutritt zum Vater erhalten, während Glaube und Gehorsam unter den günstigeren Verhältnissen des nächsten Zeitalters nicht zugerechnete Gerechtigkeit einbringen, sondern - am Ende der tausend Jahre des Königreiches - tatsächliche Gerechtigkeit und Gemeinschaft mit Gott herbeiführen werden. Bis dies der Fall ist, wird die Welt unter der Leitung des Mittlers stehen, dessen Aufgabe es sein wird, ihr den Willen Gottes klarzumachen, überhaupt mit ihr zu verkehren, die Gehorsamen zu bessern und wiederherzustellen, bis er sie tatsächlich vollkommen gerecht gemacht haben wird. Wenn dies einmal geschehen ist, wird er die Menschen ohne Fehl und Makel dem Vater vorstellen und alsdann die Herrschaft wieder Gott dem Vater übergeben. - 1. Kor. 15:24.

Gegenwärtig sucht der Herr sich nur eine besondere Klasse aus, die die Neue Schöpfung zu werden bestimmt ist. Zu dieser himmlischen Bestimmung wurde niemand berufen, der nicht zuvor zur Erkenntnis der Gnade Gottes in Christo gebracht und dadurch befähigt worden wäre, an diese Anordnung Gottes zu glauben, auf das großartige Endresultat des Planes Gottes ein so vollständiges Vertrauen zu setzen, dass es einen bestimmenden Einfluss auf alle seine Entscheidungen im gegenwärtigen Leben ausübt und das zukünftige Leben ihm so überaus wertvoll und im Vergleich damit das gegenwärtige Leben mit allen seinen Interessen als Verlust, als Unrat erscheint. Alle, welche in dieser dunklen Zeit der Vorherrschaft des Bösen den Glauben an die Weisheit, Liebe und Macht des Schöpfers festhalten, gelten vor Gott so, als hätten sie das ganze Tausendjahrreich hindurch gelebt, und als wären sie zur menschlichen Vollkommenheit wiederhergestellt worden. Dieser Zustand der Rechtfertigung wird ihnen in der Absicht gewährt, sie zu befähigen, jene menschliche Vollkommenheit, zu der sie endlich gelangen würden, als Opfer darzubringen, so dass sie ihre als vollkommen gerechneten Leiber und alle ihre Wiederherstellungsvorrechte, irdische Hoffnungen, Bestrebungen und Interessen als Gott angenehme Schlachtopfer darstellen können. Solche vertauschen die Hoffnung auf irdische Herrlichkeit mit der Hoffnung auf die Verheißung der göttlichen Natur, der Miterbschaft mit Christo, an die zur Erprobung unserer Aufrichtigkeit Bedingungen geknüpft sind, die uns jetzt Leiden, Schaden und Unehre bei den Menschen einbringen.

Endlich muss diese jetzt aus Glauben gerechtfertigte Klasse auf der Hut sein, ihren Glauben nicht durch eigenwillige, dem göttlichen Willen zuwiderlaufende Werke zu vernichten. Die Glieder dieser Klasse müssen wissen, dass Gott in seiner Güte ihnen zwar ihren Glaubensstandpunkt anrechnet, ihre Übertretungen als durch das Opfer auf Golgatha gesühnt betrachtet - sie zudeckt - sie nach ihrem Geist, Sinn und Willen und nicht nach ihrem Fleisch und dessen Handlungen beurteilt hat, dass er aber dennoch erwartet, das Fleisch werde soweit wie möglich, soviel an uns ist, der neuen Gesinnung untertan gemacht und zu jedem guten Werk benutzt werden, wo immer sich Gelegenheit bietet; und soweit haben natürlich unsere Werke mit unserer Rechtfertigung zu tun. Sie sind eine Bestätigung, ein Beweis der Aufrichtigkeit unserer Weihung. Nichtsdestoweniger beurteilt uns Gott nicht nach unseren Werken, sondern nach unserem Glauben. Wollte er uns nach unseren Werken beurteilen, so würden wir alle als solche erfunden, die des Ruhmes ermangeln, den wir vor Gott haben sollten. Aber nach ihren Herzen, ihren Absichten beurteilt, können die Neuen Schöpfungen vor dem göttlichen Maßstab dank der Vorkehrung des Gnadenbundes bestehen, indem das Verdienst des Opfers Christi für ihre unabsichtlichen Verfehlungen aufkommt. Sicherlich kann niemand etwas dagegen haben, dass der Herr von uns erwartet, dass wir solche Früchte der Gerechtigkeit hervorbringen, wie sie jetzt unter der Herrschaft der Unvollkommenheit überhaupt möglich sind. Mehr als das fordert Gott nicht; weniger aber sollten wir nicht als vor ihm annehmbar und einer Belohnung würdig betrachten.

Zur Erläuterung der Gnadenvorkehrung zur Rechtfertigung aus Glauben und der Beziehungen, in denen unsere Werke zu ihnen stehen, diene die elektrische Straßenbahn. Die Kraftstation entspricht ungefähr der Quelle unserer Rechtfertigung, der Gnade Gottes. Der Draht oder die Kraftleitung entspricht - allerdings nur sehr unvollkommen - unserem Herrn Jesu, der des Vaters Mittel zu unserer Rechtfertigung ist; der Wagen ist zu vergleichen mit den Gläubigen, und den Leitstangen, die am Draht laufen, entspricht der Glaube. 1. Die ganze Einrichtung spielt nur, wenn die Kraftstation Strom liefert. 2. Der Strom gelangt nur zu dem Wagen durch den Draht. 3. Ohne den Arm des Glaubens, der sich nach dem Herrn Jesus, dem Kanal unserer Rechtfertigung, ausstreckt und ihn festhält, können wir keinen Segen empfangen. 4. Der durch das Festhalten am Herrn Jesu empfangene Segen entspricht der Erleuchtung des Wagens durch den elektrischen Strom; sie beweist, dass er vorhanden ist und benutzt werden kann. 5. Der Motorführer und sein Hebel entsprechen dem menschlichen Willen und 6. der Motor selbst unseren Fähigkeiten, die der Kraft, die aus dem Glauben kommt, zur Verfügung stehen. Diese sechs Teile müssen zusammenwirken, wenn wir Fortschritte machen sollen, wenn wir den uns verordneten Lauf vollenden und schließlich am Ziel angelangen sollen, das in diesem Bild unseren Platz als Neue Schöpfungen in unseres Vaters Haus mit seinen vielen Wohnungen (seinen Existenzbedingungen für die Söhne verschiedener Natur) darstellt.

Die Rechtfertigung und die Alttestamentlichen Überwinder

Die Aussagen der Apostel zeigen, dass es, schon bevor das kostbare Blut zu unserer Erlösung vergossen war, Heilige gegeben hat. Es werden Henoch, Noah, Abraham, Isaak, Jakob, David und verschiedene andere heilige Propheten namhaft gemacht, die aus Glauben gerechtfertigt worden seien. Da sie nicht an das kostbare Blut glauben konnten, welches war wohl der Glaube, der sie rechtfertigte? Wir antworten mit der Schrift: „Sie glaubten Gott, und das wurde ihnen zur Gerechtigkeit (Rechtfertigung, Gerechtmachung) gerechnet.“ Zwar offenbarte ihnen Gott nicht die Methode seines Planes, wie er es uns gegenüber tat, so dass sie nicht, wie wir, sehen konnten, wie Gott gerecht bleiben und doch jene rechtfertigen kann, die an Jesum glauben. Und, wenn dies so ist, dann kann ihnen auch nicht zur Last gelegt werden, dass sie nicht glaubten, was ihnen gar nicht geoffenbart wurde. Was Gott ihnen aber offenbarte, das glaubten sie, und jene Offenbarungen enthielten, wenn auch nur in Keimform, schon alles, was wir jetzt haben, ungefähr so, wie die Eichel schon den ganzen Eichbaum enthält. Henoch verkündigte das Kommen des Messias und die Segnungen, die sich daraus ergeben würden. (Judas 14,15) Abraham glaubte Gott, dass sein Sohn das große Vorrecht haben sollte, alle Geschlechter der Erde zu segnen. Dies setzt eine Auferstehung der Toten voraus, weil damals schon viele Geschlechter ins Grab gesunken waren. Abraham glaubte, dass Gott imstande sei, die Toten aufzuerwecken, und dieser Glaube war stark genug, ihn willig zu machen, selbst Isaak, in dem doch die Verheißungen erfüllt werden sollten, daranzugeben, indem er folgerte, dass Gott ihn auch aus den Toten auferwecken könne. Wie viel Abraham und andere von der Methode Gottes, die Aufrichtung seiner Herrschaft auf Erden und die Gerechtmachung aller Gehorsamen betreffend zu erkennen vermochten, das können wir nicht bestimmt wissen, aber wir haben das Zeugnis unseres Herrn dafür, dass Abraham sich vom Tausendjahrreich einen genügend klaren Begriff machen konnte, um sich darauf zu freuen. (Joh. 8:56) Vielleicht konnte er sich sogar vorstellen, dass der Herr das große Sühnopfer darbringen werde.

Die Rechtfertigung der Heiligen im vorigen Zeitalter ermöglichte Gottes Freundschaft; dagegen ermöglicht die Rechtfertigung der Heiligen des jetzigen Zeitalters Leben. Trotz dieser Verschiedenheit ist Glaube zu beiden Rechtfertigungen notwendig. Alle waren dem Todesurteil von Rechts wegen unterworfen, und darum konnte niemand als freigesprochen gelten, „zum Leben gerechtfertigt sein“ (Röm. 5:18), bevor nicht von unserem Erlöser das große Sühnopfer dargebracht worden war. Der Apostel erklärt, das Opfer sei vorher notwendig gewesen, damit Gott gerecht bleiben und dennoch die vorher geschehenen Sünden hingehen lassen und alle rechtfertigen könne, die des Glaubens an Jesum sein würden. (Röm. 3:25, 26) Voraussehend, dass das Lösegeld bezahlt werden würde, konnte die Gerechtigkeit nichts dagegen einwenden, dass es zuvor denen verkündet werde, die solcher Gunst Gottes - eben, weil sie seinem Worte glaubten, und deren Glaube stark genug war, um sie so weit gerecht und zu Freunden Gottes zu machen - für würdig befunden werden würden.

Der Apostel bezeichnet (Röm. 5:18) die „Rechtfertigung zum Leben“ als die Vorkehrung Gottes durch Christum, von der einst alle werden Nutzen ziehen können. Diese „Rechtfertigung zum Leben“ ist es auch, die jetzt den zur Neuen Schöpfung Berufenen um ihres Glaubens willen vor den übrigen Menschen zugerechnet wird. Die Rechtfertigung der Auserwählten aber bleibt nicht stehen bei der Ermöglichung des Einvernehmens und Umganges mit Gott als dessen Freunde und nicht Fremde und Feinde, sondern den Auserwählten wird durch denselben Glauben das Anrecht auf Wiederherstellung (zur menschlichen Vollkommenheit) zuteil, gesichert durch das Opfer des Erlösers und dadurch werden sie in die Lage versetzt, dieses Anrecht auf Wiederherstellung daranzugeben, zu opfern, um auf diese Weise Unterpriester und Mitopferer Jesu Christi, des großen Hohenpriesters unseres Bekenntnisses zu werden.

War es den Heiligen des alten Bundes möglich, mit Gott in Harmonie zu kommen durch den Glauben an die Ausführung eines Planes, der ihnen nicht vollständig enthüllt wurde und dessen Ausführung noch nicht einmal begonnen hatte, so war es für die göttliche Gerechtigkeit unmöglich weiterzugehen, bevor das Lösegeld tatsächlich bezahlt und Christus gestorben war. Darum sagt der Apostel (Hebr. 11:40), dass „Gott für uns (die Herauswahl des Evangeliums-Zeitalters, die Neue Schöpfung) etwas Besseres vorgesehen habe, auf dass sie (die demütigen und glaubenden Heiligen der Vorzeit) nicht ohne uns vollkommen gemacht würden“. Darum auch erklärt unser Herr Jesus, dass, obwohl kein größerer Prophet aufgestanden sei als Johannes der Täufer, er trotzdem, weil er starb, bevor das Lösegeld tatsächlich bezahlt war, der Kleinste in der Königreichs-Klasse des Himmelreiches in der Neuen Schöpfung größer sein werde als Johannes, und zwar deshalb, weil diese Klasse zum Leben gerechtfertigt und berufen ist, erst mit Christo zu leiden und danach zu herrschen. - Matth. 11:11

Wir haben schon darauf hingewiesen, dass Christus und die erhöhte Herauswahl während des Tausendjahr-Zeitalters die Welt gerecht machen und wiederherstellen werden, und dass diese Rechtfertigung nicht, wie die unsere, eine zugerechnete, sondern eine tatsächliche sein wird, eine Rechtfertigung durch Werke in dem Sinne, dass der Glaube zwar auch erforderlich, aber die Werke ausschlaggebend sein werden. (Offb. 20:12; Matth. 25:35, 36) Gegenwärtig muss die Neue Schöpfung im Glauben wandeln, nicht im Schauen; ihr Glaube wird erprobt; er muss ausharren, als sähe er den Unsichtbaren; er muss an Dinge glauben, die, äußerlich betrachtet, für den gewöhnlichen Verstand unwahrscheinlich, unvernünftig sind. Dieser Glaube muss durch unsere wenn auch unvollkommenen Werke bewiesen werden; für das Fehlende kommen die vollkommenen Werke unseres Herrn auf. Unser Glaube ist vor Gott deshalb annehmbar, weil Gott darauf Rücksicht nimmt, dass wir, wiewohl unvollkommen, nach Kräften suchen, Gott zu gefallen und dadurch Teilhaber der Gesinnung Christi zu werden. Freuen wir uns, um der Gerechtigkeit willen zu leiden, so gilt dies als Beweis dafür, dass wir auch unter angenehmeren Verhältnissen die Gerechtigkeit lieben und ihr treu bleiben werden. Wenn einmal die Erkenntnis des Herrn die ganze Erde erfüllen wird, wenn das Dunkel und der Nebel, die jetzt des Herrn Getreue umgeben, verschwunden sein werden, wenn einmal die Sonne der Gerechtigkeit die Welt erleuchten wird mit Wahrheit, richtiger Erkenntnis Gottes, seines Charakters und seines Planes, wenn einmal die Menschen die Beweise von Gottes Liebe und Gnade und Versöhnung durch Christum sehen werden in der Schrittweisen Hebung derer, die so mit ihm eins zu werden suchen, wenn die Wiederherstellung in leiblicher und moralischer Beziehung wird beobachtet werden können, dann wird der Glaube ziemlich verschieden sein von dem jetzt notwendigen blinden Glauben, dann werden die Menschen nicht mehr wie in einem Spiegel sehen, dunkel und unklar; dann wird das Auge des Glaubens sich nicht abmühen müssen, um Beweise von den herrlichen Dingen zu sehen, die Gott in Bereitschaft hat für die, die ihn lieben. Diese herrlichen Dinge werden vielmehr den Menschen mehr oder weniger deutlich gezeigt werden. Ihr Glaube an Sichtbares wird also wesentlich verschieden sein von dem Glauben, der jetzt von der Neuen Schöpfung gefordert wird. Aber dieser Glaube an das Unsichtbare ist in Gottes Augen kostbar, und darum hat Gott auch eine so hohe Belohnung darauf gesetzt, welcher nur eine kleine Schar, die sie im Glauben erfasst, nachjagt. Wenn aber, was sie geglaubt, im Tausendjahr-Zeitalter vor aller Augen offenbar ist und nicht mehr wird geleugnet werden können, dann wird es nicht mehr am Platze sein, jene besonders auszuzeichnen, deren Zweifel dann erst schwinden.

Wenn einmal die Erkenntnis des Herrn die Erde erfüllen und nicht mehr einer zu seinem Nächsten sagen wird: „Erkenne den Herrn“, dann werden die Menschen nicht mehr nach ihrem Glauben, der dann nichts Verdienstliches mehr sein kann, sondern nach ihren Werken und ihrem Gehorsam beurteilt werden; denn es wird geschehen, dass die Seele, die nicht auf jenen großen Propheten hören wird, ausgerottet werden wird aus der Mitte des Volkes. (Apg. 3:23) In der gegenwärtigen Zeit, wo die Erfüllung der Absichten Gottes noch zukünftig und mithin im Verborgenen ist, wo die Sünde vorherrscht und Satan der Fürst der Welt ist, belohnt der Herr den Glauben, wie geschrieben steht: „Euch geschehe nach eurem Glauben“ (Matth. 9:29), und: „Dies ist der Sieg, der die Welt überwunden hat: unser Glaube.“ (1. Joh. 5:4) Hinsichtlich der Prüfung der Welt aber im Tausendjahrreich lesen wir, dass die Werke maßgebend sein werden, wenn auch der Glaube erforderlich sein wird. Ihnen wird geschehen nach ihren Werken; diese werden sie am Schluss der tausend Jahre bestehen lassen oder verurteilen. - Offb. 20:12

Rechtfertigung bedeutet, wie wir schon gesehen haben, die völlige Versöhnung der Sünder mit Gott. Nirgends lesen wir, dass der Sünder vor Christo gerecht gemacht werden müsste; wohl aber muss der Sünder durch das Verdienst Christi vor dem Vater gerechtfertigt werden. Die Untersuchung dieses Punktes ist vielleicht ein Beitrag zum Verständnis der ganzen hier untersuchten Frage.

Der Schöpfer hält sich an das von ihm verkündete Gesetz, wonach Adam und sein Geschlecht sich ewigen Lebens und der Gunst Gottes erfreuen sollten, solange sie gehorsam blieben, indes Ungehorsam den Tod und den Verlust der Gunst Gottes als Strafe zur Folge haben würde. Diese Anordnung bleibt bestehen. Bevor die Menschheit wieder mit Gott verkehren und durch seine Gunst ewiges Leben erhalten kann, muss sie erst auf irgendeine Weise wieder mit dem Schöpfer ausgesöhnt, wieder zur Vollkommenheit, die im vollen göttlichen Licht bestehen und vollen Gehorsam leisten kann, zurückgeführt werden. So liegt die Welt gleichermaßen jetzt außerhalb des Bereiches des Allmächtigen. Dieser hat die Dinge so geordnet, dass seine eigene Gerechtigkeit die Menschen nicht erreicht und Raum lässt für seinen Rechtfertigungs- und Wiederherstellungsplan, der es gestattet, die Willigen und Gehorsamen durch den Erlöser zur Vollkommenheit zurückzubringen. Bis dies geschehen wird, dient der Erlöser als Mittler zwischen Gott und dem Sünder.

Der Mittler ist zwar selbst vollkommen gerecht, aber er ist durch kein Gesetz oder Urteil, das er wider Adam und sein Geschlecht gefällt hätte, abgehalten, mit den Menschen zu verkehren, mit ihren Unvollkommenheiten Erbarmen zu haben. Er hat ja die Welt wissentlich in diesem verdorbenen Zustand gekauft. Er nimmt die Menschheit, wie sie ist, und im Tausendjahrreich wird er sich dann eines jeden Einzelnen in wirksamer Weise annehmen, von den Schwachen wenig, von den Stärkeren mehr verlangen, sich selbst und die Gesetze seines Reiches den verschiedenen Eigenheiten, Gebrechen und Schwächen seiner Untertanen anpassen, denn „der Vater ... hat das ganze Gericht dem Sohne gegeben.“ (Joh. 5:22) Der Sohn wird den Menschen die unverkürzte Forderung des göttlichen Gesetzes in hellem Licht zeigen, so dass sie wissen werden, wohin sie es schließlich bringen müssen, bevor sie vor Gott am Ende des Tausendjahrreiches gerecht und annehmbar sein können. Aber er wird nicht sofort den verwerfen, der diesen Forderungen nicht gleich nachkommt, sondern den Übertretern für unabsichtliche Fehler sein eigenes Verdienst in freier Gnade zurechnen, ihre Schulden aus seinem Vermögen bezahlen.

Christus hat den Preis schon durch Hingabe seiner selbst beschafft. In einer bestimmten Weise hat er jenes Verdienst schon zugunsten des Haushaltes des Glaubens benutzt, und am Schlusse dieses Zeitalters wird er es zugunsten der ganzen Menschheit anwenden. Das wird „die Freude sein, die allem Volke widerfahren wird.“ Gott hat durch die Vorbilder des Versöhnungstages gezeigt, dass er das Opfer annehmen wird, und dass dann Christus und die Herauswahl die Herrschaft antreten und strenge Gesetze einführen werden, das heißt eine Alleinherrschaft, bei der die gewöhnlichen Gesetze der augenblicklichen Bedürfnisse wegen unterbrochen und schärfere Gesetze angewendet werden, die für vollkommene, gerechte, mit den Gesetzen des Reiches Jehovas einverstandene Untertanen überflüssig wären, aber den revolutionären, anarchistischen Zuständen, die die Sünde der Welt herbeigeführt hat, angepasst sein werden.

Diese unbeschränkte Herrschaft, bei der der König zugleich Richter und Priester sein wird, bezweckt, wie wir oben gesehen haben, die Welt tatsächlich, nicht nur gerechneterweise, gerecht und auch fähig zu machen, gerechte Werke im Glauben zu vollbringen und mit diesen in der Schlussprüfung zu bestehen. Die tatsächliche Rechtfertigung wird aber erst am Ende, nicht schon am Anfang des Tausendjahrreiches erreicht sein.

Die Rechtfertigung aus Glauben in der Jetztzeit bezweckt, einigen wenigen, die Gott in besonderer Weise in seinen Dienst zu stellen beabsichtigt, die Teilnahme am abrahamitischen Bund als Same der Verheißung, als Jesu Mitopferer und Miterben, zu ermöglichen. Selbst mit diesen kann Gott nicht direkt verkehren; auch nachdem sie aus Glauben und durch die Zurechnung des Verdienstes Jesu gerecht geworden, werden sie als unzulänglich behandelt und unterrichtet, dass sie einzig in dem Geliebten angenommen sind, in Christo; stünde dieser für ihre Bundesverpflichtungen nicht gut, so wären dieselben wertlos.

Da der einzige Zweck des Evangeliums-Zeitalters der ist, aus der Menschheit eine kleine Zahl auszuerwählen, die Glieder der Neuen Schöpfung werden sollen, so war diese Rechtfertigung „zum Leben“ notwendig, um den Bewerbern zur Neuen Schöpfung zu ermöglichen, die Bedingungen auf sich zu nehmen, die von solchen Bewerbern gefordert werden müssen. Diese Bedingungen lassen sich zusammenfassen in der Aufforderung, sich selbst zu opfern; und da Gott nicht als Opfer annimmt, was unvollkommen ist, so können Angehörige des gefallenen, verurteilten Geschlechtes nicht als Opfer angenommen werden, sie seien denn zuvor als von aller Sünde freigesprochen gerechnet worden. Dies ermöglicht uns, wie der Apostel es in Röm. 12:1 ausdrückt, „unsere Leiber Gott als lebendige Opfer darzustellen, heilig, annehmbar - welches unser vernünftiger Dienst ist.“

Was haben wir nun von solchen zu halten, die es zwar bis zum Glauben an Gott und zu der zugerechneten Gerechtigkeit bringen, aber nunmehr vor dem Weitergehen auf dem Weg des Herrn zurückschrecken, weil sie gewahr werden, dass der Eintritt durch die schmale Pforte und der Wandel auf dem schmalen Pfad der völligen Weihung bis in den Tod die Verleugnung und Hingabe des eigenen Ichs erfordert?

Ist Gott zornig über sie? Wir glauben, nein; vielmehr müssen wir glauben, dass sie, soweit sie auf dem Wege der Gerechtigkeit Fortschritte machen, Gott wohlgefällig sind. Ja, der Apostel bezeugt, dass solche auch einen Segen bekommen. „Sind wir nun aus Glauben gerechtfertigt, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesum Christum.“ (Anmerkung: Es ist die spätere Ansicht des Autors gewesen, dass diese Schriftstelle betrachtet werden mag, dass sie sich auf die lebendgebende Rechtfertigung bezieht). Solcher Friede setzt wenigstens eine teilweise Kenntnis des Planes Gottes und seiner Absicht, des Gläubigen Schuld irgend einmal in Zukunft zu tilgen, voraus. (Apg. 3:19) Ferner setzt er voraus, dass der Gläubige mit den Grundsätzen der Gerechtigkeit schon in hohem Grade einverstanden ist, denn gerechtmachender Glaube wirkt immer bessernd. Wir freuen uns für alle, die es soweit bringen; wir freuen uns, dass sie dieses Vorrecht vor der Masse der Menschheit haben, die der Fürst dieser Welt vollständig blind gemacht hat, so dass sie gegenwärtig die Gnade Gottes in Christo nicht sehen noch würdigen kann. Wir möchten alle solche herzlich ermuntern, bis zu völligem Gehorsam fortzuschreiten und sich so der Gunst Gottes zu erfreuen.

Empfanget die Gnade Gottes nicht umsonst

Doch wie sehr wir uns auch mit solchen freuen und, wie viel Friede und Freude auch solche Gläubige empfinden mögen, indem sie auf dem Pfad der Gerechtigkeit zu wandeln bestrebt sind, so müssen wir doch, um aufrichtig zu sein, solchen sagen, dass sie, wenn sie den schmalen Weg des Opferns vermeiden, „die Gnade Gottes umsonst empfangen“. (2. Kor. 6:1) Warum? Weil die Gnade Gottes, bestehend in der ihnen zugerechneten Gerechtigkeit Christi, bezweckt, der Ausgangspunkt zu noch größeren Vorrechten und Segnungen zu werden, nämlich zur Berufung der Neuen Schöpfung. Wird nun von dieser Gelegenheit kein Gebrauch gemacht, so ist die Gnade Gottes umsonst empfangen worden. Diese Gelegenheit ist nie zuvor geboten worden und wird wohl auch nie wieder geboten werden; wenigstens sagt die Schrift nichts darüber. Die Gelegenheit, wiederhergestellt zu werden, wird allen, Gerechtfertigten und Nichtgerechtfertigten, im kommenden Zeitalter angeboten; die ersteren werden, sofern das Ergebnis des Wiederherstellungsverfahrens in Betracht gezogen wird, vor den letzteren nichts voraus haben, nur die Dauer des Verfahrens wird wohl kürzer sein. In dieser Hinsicht haben sie also die Gnade Gottes so gut wie umsonst empfangen; sie bringt sie nicht weiter als zur menschlichen Vollkommenheit. Gottes Gnade zeigt ihnen im gegenwärtigen Zeitalter seine der Welt verborgen bleibende Güte, damit sie ihre Rechtfertigung dazu benutzen, den Ruf anzunehmen und den Lauf nach dem herrlichen Preis anzutreten, der den Auserwählten, der königlichen Priesterschaft, verheißen ist.

Die Mehrheit der aufrichtigen Gläubigen in der Namenchristenheit ist anscheinend nie über den ersten Schritt, den der Rechtfertigung, hinausgekommen. Sie haben „geschmeckt, dass der Herr freundlich ist“, und das genügt ihnen. Besser wäre es für sie gewesen, wenn sie von diesem Schmecken einen größeren Hunger und Durst nach Gerechtigkeit, nach Wahrheit, nach mehr Kenntnis des Charakters und Planes Gottes, nach weiterem Wachstum in Gnade, Erkenntnis und Liebe, nach tieferem Ermessen dessen, was Gott von ihnen wollte und mit ihnen beabsichtigte und worüber im nächsten Abschnitt, der der „Heiligung“ gewidmet ist, ausführlicher gesprochen werden soll, bekommen hätten.

Soweit wir sehen können, haben solche gerechtfertigte Gläubige nur im gegenwärtigen Leben von ihrer Rechtfertigung einen Nutzen. Sie empfinden es als eine Erleichterung, dass sie von Gottes Güte und seinem beabsichtigten Verfahren mit ihnen etwas wissen. Aber ihre Kenntnis ist zu unvollkommen, um einen sicheren Grund für ihre Empfindungen abzugeben; darum singen sie auch zuweilen:

„Oft machet mir der Zweifel Pein,
Ob ich denn auch wirklich sein.“

Wiewohl Christus ihnen insofern zur Weisheit gemacht ist, dass sie ihr Bedürfnis nach einem Retter und einem Teil der durch Christum ihnen zugänglich gemachten Errettung erkennen, so ist es doch nach Gottes Plan nicht zulässig, dass er ihnen noch weiter zur Weisheit gemacht werde und sie in die Kenntnis der Tiefen Gottes einführe, es sei denn, dass sie durch Weihung und völlige Hingabe Nachfolger Christi werden, die in seine Fußstapfen zu treten bereit sind. Der gerechtfertigte Gläubige ist noch keineswegs eine Neue Schöpfung, selbst dann nicht, wenn er, einiges von den Wegen und Anforderungen Gottes erkennend, einen anständigen, vernünftigen, ehrenhaften Wandel zu führen bestrebt ist. Er ist noch von der Erde, irdisch; er hat nie seine irdischen, menschlichen Rechte, die Jesus ihm zurückkaufte, für die himmlischen Dinge darangegeben, zu denen der Herr durch die Rechtfertigung den Zugang eröffnete. Wie im Vorbild die Leviten niemals das Innere der Stiftshütte betreten noch auch die dort aufgestellten Geräte sehen durften, so können auch im Gegenbild die nur Gerechtfertigten nicht in die Tiefen Gottes dringen, noch deren Herrlichkeit sehen oder würdigen, es sei denn, dass sie zu Gliedern der königlichen Priesterschaft auf Hoffnung werden durch völlige Weihung ihrer selbst.

Zu erwarten, dass der Herr solche Gläubige im Tausendjahrreich bevorzugen und besonders begünstigen werde, nachdem sie die Gnade Gottes im gegenwärtigen Leben umsonst empfingen, hieße ein besonderes Vorrecht erwarten, nachdem man ein anderes Vorrecht nicht wertgeschätzt und keinen Gebrauch davon gemacht hat. Würde es nicht viel besser zu dem Verfahren Gottes in der Vergangenheit und Gegenwart passen, wenn solche, die im Evangeliums-Zeitalter nicht besonders begünstigt worden sind, im kommenden Zeitalter besonders begünstigt werden? Würde das nicht sehr gut übereinstimmen mit den Worten des Herrn: „Es sind Letzte, die werden Erste sein, und Erste, die werden Letzte sein“? Ja, der Apostel deutet unmissverständlich darauf hin, dass, wenn einmal die Neue Schöpfung vollzählig und das Tausendjahrreich angebrochen sein wird, Gottes Gunst sich zuerst dem Volke Israel nach dem Fleisch zuwenden werde, von dem sie am Anfang des Evangeliums-Zeitalters gewichen ist. - Röm 11:25-32; Apg. 15:16; Amos 9:11, 12

Den Alttestamentlichen Überwindern, die ihren Glauben und die daraus sich ergebende Rechtfertigung vor Gott festhielten und zum Lohn dafür als „Fürsten über die ganze Erde“ eingesetzt werden sollen, brachte ihre Festigkeit den Verlust irdischer Vorteile ein. (Hebr. 11:35) Die Heiligen der jetzigen Zeit, die von ihrer Rechtfertigung Gebrauch machen wollen, müssen es auf Kosten des Fleisches tun. Die kleine Herde wird aus den Allertreuesten unter ihnen bestehen, die ihr Leben im Dienst der Wahrheit und der Brüder hingeben und so dem Anführer unserer Errettung ähnlich werden. Die übrigen, die anderswo (Offb. 7:9) als die „große Schar“ bezeichnet werden, müssen ihren Lohn (die geistige Natur) ebenfalls auf Kosten des Fleisches verdienen; aber weil sie in der Darangabe des Lebens nicht eifrig genug waren, kommen sie um den großen Lohn der Neuen Schöpfung, um die Königswürde. Diese drei Klassen scheinen die einzigen zu sein, die aus den besonderen Gelegenheiten des jetzigen Zeitalters, aus der Rechtfertigung aus Glauben, im kommenden Zeitalter Nutzen ziehen werden.

Die Wirkungen des Königreiches, die unter dem Licht einer vollen Erkenntnis stehen und in der Richtung der Charaktere der Menschen sich zeigen werden, werden sich aus verschiedenen Gründen zunächst am stärksten an Israel nach dem Fleisch offenbaren, das, wenn seine Blindheit gewichen ist, für des Herrn Gesalbten außerordentlich eifrig sein und, wie es in der Prophezeiung dargestellt ist, sagen wird: „Siehe da, unser Gott, auf den wir harrten, dass er uns retten würde.“ (Jes. 25:9) Bald darauf aber werden die Segnungen und Gelegenheiten zur Wiederherstellung der ganzen Welt zugänglich werden, damit alle Nationen Kinder Abrahams werden in dem Sinne, dass sie an seinen Verheißungen Anteil erhalten, wie geschrieben steht: „Ich werde dich zum Vater vieler Nationen machen; in deinem Samen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden.“

Christus ist uns gemacht zur Heiligung

Wie die Weisheit und Erkenntnis Gottes uns zuteil wird als Frucht des zu unseren Gunsten angewendeten Opfers unseres Herrn Jesu, und wie unsere Rechtfertigung, als wir an sein Lösegeld glaubten und uns von der Sünde ab- und der Gerechtigkeit zuwandten, durch sein Verdienst erfolgte, so kommt auch unsere Heiligung durch ihn. Kein Mensch kann sich in dem Sinne heiligen, dass er sich selbst gut genug macht, um in Gottes Familie, der von seinem Geist gezeugten Neuen Schöpfung als Glied aufgenommen zu werden.(Joh. 1:13; Hebr. 5:4) Wie das Verdienst Christi zu unserer Rechtfertigung notwendig war, so bedürfen wir auch als Glieder seines Leibes, als königliche Unterpriester, seiner Annahme, wenn wir unsere Berufung und Erwählung fest machen möchten. Der Apostel tadelte etliche, weil sie „das Haupt nicht festhalten“ (Kol. 2:19), und wir begreifen, dass eine solche Anerkennung Christi Jesu, nicht nur als Befreier von Sünde, sondern zudem als Haupt, Vertreter, Führer, Belehrer und Bewahrer seines Leibes, der da ist die Herauswahl, für ein jedes Glied derselben sehr wichtig ist. Der Herr Jesus selbst deutet auf die Notwendigkeit unseres Verbleibens unter seiner Obhut hin, indem er wiederholt mahnt: „Bleibet in mir ... Gleichwie die Rebe nicht von sich selbst Frucht bringen kann, sie bleibe denn am Weinstock, also auch ihr nicht, ihr bleibet denn in mir. Wenn ihr in mir bleibet und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch geschehen.“ (Joh. 5:4, 7) Der Apostel weist ebenfalls hin auf die Notwendigkeit unseres Verbleibens in Christo, wenn er sagt: „Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.“ (Hebr. 10:31) Was damit gemeint ist, zeigt er durch die Anführung der alttestamentlichen Stelle: „Denn unser Gott ist ein verzehrendes Feuer.“ Gottes Liebe und Gerechtigkeit brennt wider alle Sünde, und „alle Ungerechtigkeit ist Sünde.“ „Er kann die Sünde nicht sehen“ (oder ertragen); darum hat er nicht für die Erhaltung, sondern für Zurechtbringung, Wiederherstellung des Sünders, für dessen Erlösung von der Strafe der Vernichtung gesorgt.

Dies gibt uns im Einklang mit verschiedenen Aussagen der Schrift die Zusicherung, dass eine Zeit kommen wird, da es weder Sünde noch Sünder, weder Leiden noch Kümmernisse geben wird. Gott sei Dank, dass wir uns selbst über den Zug des göttlichen Charakters freuen können, der uns zeigt, dass Gott ein verzehrendes Feuer ist, wenn wir wissen, dass er in Christo Jesu für uns eine Zuflucht bereitet hat, nach welcher unsere unwissentliche Unvollkommenheit zugedeckt wird - wenn wir wissen, dass er für unsere schließliche Befreiung von Sünde, Tod und jeglicher Schwachheit, für unsere Verwandlung in sein Bild gesorgt hat. Die Neue Schöpfung wird die Ebenbildlichkeit Gottes in der Vollkommenheit und Fülle göttlicher Natur erhalten; die „große Schar“ aber in einer den Engeln ähnlichen Vollkommenheit, die sie befähigt, das Gefolge der erhöhten Herauswahl, die „Jungfrauen, die ihr folgen“, zu sein (Psalm 45:14). Die Alttestamentlichen Überwinder werden in menschlicher Vollkommenheit Gottes ebenbildliche Söhne im Fleisch, Vertreter des himmlischen Reiches auf Erden, Kanäle zur Vermittlung des göttlichen Segens auf alle Geschlechter der Erde sein dürfen. Schließlich, wenn die Prüfungen und Gelegenheiten des Tausendjahr-Zeitalters alle Willigen und Gehorsamen zur Vollkommenheit gebracht haben werden und ihre Treue Gott gegenüber bewiesen sein wird, dann werden auch sie zu menschlicher Vollkommenheit gelangen, als Ebenbilder Gottes im Fleisch. Alle diese werden alsdann den Willen Gottes so vollkommen und von Herzen erfüllen, dass Gott nicht mehr ein verzehrendes Feuer sein braucht, weil alle Ungerechtigkeit unter der Zucht des Mittlers, dem Gottes Weisheit und Liebe alles übergab, beseitigt worden sein wird. Christus wird alsdann „von der Mühsal seiner Seele Frucht sehen und sich sättigen“, das heißt mit dem Ergebnis zufrieden sein.

Heiligung bedeutet, etwas zu heiligem Dienst weihen und absondern. Sünder werden nicht zur Weihung aufgefordert, sondern zur Buße, und reuige Sünder werden ebenfalls nicht zur Weihung aufgefordert, sondern zum Glauben an den Herrn Jesum Christum, auf dass sie gerechtfertigt werden. Weihung wird nur von der Klasse verlangt, die an Gottes Verheißungen in Christo und deren Gewähr durch das Lösegeld glaubt. Damit soll nicht etwa gesagt sein, dass Heiligung nicht für alle Menschen das richtige wäre; nein, nur hat Gott vorausgesehen, dass, solange ein Mensch die Sünde liebt, es durchaus zwecklos ist, ihn einzuladen, ein heiliges Leben zu führen. Der Mensch muss erst einsehen, dass er ein Sünder ist und der Sinnesänderung bedarf. Auch soll damit nicht gesagt sein, dass sich der reuige Sünder nicht weihen, nicht ein Leben in Heiligkeit zu führen bestrebt sein solle; wohl aber bedeutet es, dass Weihung erst mit erfolgter Rechtfertigung Wert besitzt. Nach Gottes Anordnungen müssen wir erst begreifen lernen, wie gütig er ist, indem er für eine Sühnung unserer Sünden gesorgt hat. Wir müssen seine Vergebung als freie Gabe in Christo annehmen, bevor wir in eine Herzensstellung gelangen, die uns gestattet, uns seinem Dienst zu weihen. Außerdem müssen wir uns daran erinnern, was der Zweck aller Vorkehrungen des Evangeliums-Zeitalters ist. Die Berufung zur Sinnesänderung, die Verkündigung der guten Botschaft, die Rechtfertigung durch den Glauben daran und die Aufforderung an die so Glaubenden, sich selbst Gott zu weihen, sind Teile des einen großen Planes, den Gott jetzt hinausführt, um die Neue Schöpfung zu entwickeln. Gott hat zuvor bestimmt, dass alle, die zur Neuen Schöpfung gehören möchten, erst Opferer sein müssen; es muss ein jeder etwas haben, das er Gott opfern kann, gerade wie unser Hohepriester, der sich selbst Gott opferte. (Hebr. 7:27; 9:14) Die Unterpriester müssen ebenfalls ihr eigenes menschliches Leben opfern; wie der Apostel ermahnt: „Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Schlachtopfer, welches euer vernünftiger Dienst ist.“ (Röm. 12:1) Nun merke, dass, da unsere Leiber nicht tatsächlich heilig sind, sie gerechneterweise heilig gemacht werden müssen, bevor sie vor Gott annehmbar, als heilig bezeichnet werden können. Wir müssen also aus Glauben an Christum gerechtfertigt sein, bevor wir irgend etwas Heiliges und Annehmbares auf Gottes Altar zu legen imstande sind, und unser Opfer muss im Namen unseres großen Hohenpriesters geschehen und um seinetwillen angenommen werden, bevor wir als „seine“ königliche Priesterschaft betrachtet werden können. (Anmerkung: Hier ist zur rechten Erkenntnis der Feinheiten der Lehre von Weihung und Rechtfertigung genau zu beachten, was der Verfasser im Vorwort zu diesem Band sagt, wenn er abschließend bemerkt, dass Rechtfertigung erst nach erfolgter Weihung erfolgt, wobei wir verstehen, dass die Annahme der Weihung durch Gott, welch letztere mit der Übergabe an den Herrn Jesus als den Hohenpriester erfolgte, natürlich erst nach erfolgter Rechtsprechung vor sich geht.

Der Gang ist folgender: Der Sünder hört von Jesus und kommt willigen Herzens zu ihm, sagend: „Herr Jesus ich will Dir folgen, wohin Du gehst.“ Das ist eine Weihung. Damit derjenige, welcher sich so dem Hohenpriester Jesus übergab, als Mitopferer vom Vater angenommen und erkannt werde, stellt der Hohepriester den Geweihten dem Vater dar, sich mit seinem Verdienst für ihn verbürgend. Infolgedessen erkennt der Vater einen solchen als gerechtfertigt an, was aber wohlverstanden nicht geschehen würde, wenn er sich nicht vollends geweiht hätte. Rechtfertigung oder Gerechtsprechung durch Gott erfolgt nur nach Zurechnung des Verdienstes Christi; über dieses Verdienst und seine Zurechnung verfügt bis heute aber noch der Herr Jesus allein und er rechnet natürlich niemand sein Verdienst zu, der sich ihm nicht vorher zu diesem Zweck, zur Nachfolge in seinen Fußstapfen völlig übergibt, und diese völlige Übergabe an ihn ist die Weihung; denn es steht geschrieben: „Niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ Es ist also völlig klar, dass Rechtfertigung oder Rechtsprechung nach der Weihung erfolgt. Wir empfehlen dringend, vor Fortsetzung des Studiums Bruder Russells letztes Vorwort zu diesem Band sorgfältig und ganz zu lesen).

Heiligung wird der große König natürlich auch während des Tausendjahr-Zeitalters verlangen. Die ganze Welt wird aufgefordert werden, sich zu heiligen von jeglicher Unreinheit, von Sünde jeder Art abzulassen, dem göttlichen Willen zu gehorchen, der durch die Gesetze des neuen Reiches und seiner Fürsten kundgemacht werden wird. Dann kann es geschehen, dass einige das Äußerliche ihres Lebens, aber nicht ihr Herz reinigen; solche mögen wohl in geistiger, sittlicher oder körperlicher Hinsicht Fortschritte machen; sie dürfen die Segnungen der Wiederherstellung, die Vollkommenheit jener herrlichen Zeit, bis zu deren Ablauf genießen. Wenn aber ihre Heiligung am Ende des Zeitalters nicht auch ihre Gedankenwelt, ihre Herzen, erreicht haben wird, so werden sie als nicht geeignet betrachtet werden für die ewigdauernden Verhältnisse jenseits des Tausendjahr-Zeitalters, unter denen nichts bestehen wird, was nicht in absoluter Übereinstimmung mit dem Willen Gottes ist, sowohl Gedanken als auch Worte und Werke betreffend.

Aber lasst uns, während wir die Heiligung als Grundsatz, dem sich die ganze Welt im kommenden Zeitalter wird anpassen müssen, erkennen, nicht außer Acht lassen, dass die Schrift zuerst zu „unserer“ (das heißt der Neuen Schöpfung) Ermahnung geschrieben ist. Wenn die Zeit angebrochen sein wird, da die Welt, Heiligung betreffend, unterrichtet werden wird, dann wird sie den großen Propheten zum Lehrer haben und die Sonne der Gerechtigkeit wird mit der Erkenntnis Gottes die Welt erleuchten. Alsdann wird es keinen Wirrwarr einander widersprechender Lehren und Anschauungen mehr geben; denn der Herr hat mit Bezug auf jenes Zeitalter verheißen: „Alsdann werde ich die Lippen der Völker in reine Lippen umwandeln, damit sie alle den Namen Jehovas anrufen und ihm einmütig dienen.“ (Zeph. 3:9) Der Apostel wendet sich ausschließlich an „Neue Schöpfungen“ wenn er schreibt: „Christus ist ‘uns’ gemacht von Gott zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Befreiung.“ Darum lasst uns auf diese Dinge um so mehr achten, da sie zu unserer Ermahnung geschrieben und uns unentbehrlich sind, um unsere Berufung und Erwählung zur Teilnahme an der Neuen Schöpfung festzumachen.

Wie der Herr einst zum Volk Israel sprach: „Heiliget euch“, und „ich werde euch heiligen“ (3. Mose 20:7, 8; 2. Mose 31:13), so fordert er auch die geistlichen Israeliten auf, sich zu weihen, ihre Leiber als lebendige Opfer darzustellen, sich Gott darzustellen auf Grund des Sühnopfers Christi. Nur diejenigen, die es jetzt, zur annehmbaren Zeit, tun, nimmt der Herr an und sondert sie ab als ein ihm geheiligtes Volk, trägt sie in das Lebensbuch des Lammes ein (Offb. 3:5) und hält für einen jeden von ihnen eine Krone in Bereitschaft, die Krone der Ehre, Herrlichkeit und Unsterblichkeit, die sie erhalten werden, sofern sie ihren Bundesverpflichtungen getreulich nachkommen, was „ihr vernünftiger Dienst“ ist. – Röm. 12:1; Offb. 3:11

Wie im Vorbild die Weihung die Leviten verpflichtete, der Gerechtigkeit zu folgen